Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Begriffsbestimmungen 1
3. Klassifizierungen bei Absentismus 2
3.1 Schulschwänzen 3
3.2 Schulverweigerung 3
3.3 Schulphobie 4
4 Wirkungsprinzipien der Angst auf Leistungsverhalten 5
4.1 Ausgewählte Theorien über Wirkung von Angst auf
Leistungsverhalten 6
4.1.1 Das Habit-Interferenz Modell nach MANDLER / SARASON 6
4.1.2 Drive-Modell nach SPENCE 7
4.1.3 State-Trait Angsttheorie nach SPIELBERGER 8
4.1.4 Gegenüberstellung der Modelle 9
4.2 Weitere Beziehungen zwischen Angst und anderen Variablen 10
5. Interventionsmöglichkeiten und pädagogisch-therapeutische Hinweise zu
Reduzierung und Vermeidung von schulischen und sozialen Ängsten 12
5.1 Primäre Prävention im Umfeld Schule 14
5.2 Primäre und sekundäre Prävention im außerschulischen Umfeld 14
6. Literaturverzeichnis 15
1
1. Einleitung
Schulabsentismus stellt die heutige Gesellschaft vor schwerwiegende Probleme. Immer mehr Kinder und Jugendliche verlassen infolge von Lernproblemen die Schule ohne Schulabschluss. Hierdurch entstehen enorme Folgekosten. Kann eine Gesellschaft, deren Schulsystem auf Segregation ausgelegt ist, sich solch einen Luxus leisten, oder werden die Konsequenzen erst in den nächsten Jahren überhand nehmen? Diese Fragen sind natürlich zu komplex, um sie in einer kurzen Hausarbeit zu beantworten. Jedoch können sie Denkanstöße darstellen, über die es sich lohnt einmal kurz innezuhalten. Welche Gründe liegen vor und welche Erklärungen gibt es, dieses Phänomen zu erklären? Um ein wenig vorzugreifen, kann man sagen, dass man dieses Problem multikausal betrachten muss.
Da das Thema des Schulabsentismus aber sehr weit und informativ ist, möchte ich mich in dieser Hausarbeit mit der Schulangst beschäftigen. Hierbei handelt es sich um ein Untergebiet des Schulabsentismus. Was führt zu dieser Angst vor der Schule? Vorweg möchte ich aber kurz auf die einzelnen Aspekte des Schulabsentismus, neben der Schulangst, eingehen und diese erläutern Die folgende Grafik soll den Fokus dieser Arbeit verdeutlichen. Es ist hier sehr gut zu sehen, wie sich die verschiedenen Ängste gegenseitig bedingen.
Winkel S.12
Ich werde versuchen, die Beziehungen zwischen diesen einzelnen Phänomenen der Schüler- und Lehrerängste, sowie der weithin genannten Ängste aufzuzeigen und zu beschreiben, wobei ich mich auf die Aussagen einiger Autoren stützen werde.
2. Begriffsbestimmung
Das Wort Absentismus lässt sich aus dem Lateinischen „absens“ (abwesend) bzw. „absentia“ (Abwesenheit) herleiten. Der DUDEN (1982, 27) definiert diesen Begriff als „gewohnheitsmäßiges Fernbleiben vom Arbeitsplatz...“ und stellt somit die Problematik der Illegitimität mancher Versäumnisse von verpflichtender Arbeit dar. Dieser Begriffscharakter wurde von RICKING und NEUKÄTER (1997) auf die Schule übertragen. Demnach wird Schulabsentismus als das Fernbleiben vom Unterricht verstanden. Ich möchte nun auf den Schwerpunkt meiner Arbeit zu sprechen kommen. Die Schulangst wird nicht in der DSM IV 1 erwähnt. Dies bedeutet, dass es sich nicht um ein eigenes klinisches Krankheitsbild handelt, sondern um Manifestationen einer Angststörung vor dem Hintergrund schulischer Lebens- und Lernbedingungen. Es ist auch zu sagen, dass
1 Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen IV.
2
nicht alle Ängste die Kinder vor der Schule ausbilden als krankhaft bewertet werden können.
„Schulangst: (engl.) school phobia; vor od. während des Schulbesuchs auftretende Angst* vor der Schulsituation, die u. U. Verhaltensstörungen (z.B. Schulschwänzen) zur Folge hat;
Vork.: z.B. bei Lernstörungen, Schulversagen*, als Reaktion auf Fehlverhalten der Pädagogen.“ 2
„Schulangst ist in der Erziehungswissenschaft ein Gegenstand, dessen theoretische und praktische Bedeutung bisher offenbar unterschätzt worden ist. Dabei ist Angst eine Alltagserscheinung, die alle Menschen aus persönlicher Erfahrung kennen. Wir erleben innere und äußere Reize als eine Bedrohung, empfinden sie als unangenehm und reagieren mit gespannter Unruhe und körperlichen Begleiterscheinungen. (...) Symptome, die bei Schülern in jüngster Zeit ständig zunehmen sind: verstärkte psychosomatische Erscheinungen, wie Kopfschmerzen, Kreislaufstörungen, Erbrechen; daneben häufiges Fehlen im Unterricht, erhöhte Aggressivität und als Ursachen für diese Erscheinungen zunehmender Leistungs- und Prüfungsdruck, stark vergrößertes Lehrangebot (...).“ 3
3. Klassifizierungen bei Absentismus
Im Vergleich zu dem, was in offiziellen Erklärungen für Schulverweigerungen angegeben wird, „Schulpflichtverletzungen haben sehr unterschiedliche Ursachen. Sie können sowohl in einer Fehleinstellung der Erziehungsberechtigten oder der Schüler zur Schule als auch der schulischen Situation selbst begründet sein. In vielen Fällen sind unentschuldigte Schulversäumnisse jedoch ein Hinweis auf potentielle oder bereits manifeste Schulschwierigkeiten oder psychische Störrungen der betreffenden Schüler. (...)“ 4 , gehen die Beschreibungen von WARZECHA sowie NEUKÄTER und RICKING jedoch noch weiter und sind vielschichtiger. WARZECHA beschreibt Schulverweigerung als eine latente Kritik der betreffenden Schüler am Schulsystem und dessen Organisation „((...) 45- Minutentakt von Unterrichtsstunden, reglementierte Pausen/Freizeit, lernhemmende Klassengrößen, Anpassungsdruck durch (Leistungs-)Angst vor Versagen, unzeitgemäße Unterrichtsgestaltung, mangelnde Attraktivität der schulischen Angebote, zu große Schulen,(...)). 5 Weitere Gründe für Schulverweigerung werden mit Situationen im sozialen Umfeld und in der Familie, dem Einfluss von Peer-Groups, sowie der Angst und der Aussichtslosigkeit für die Zeit nach der Schule und der damit verbundenen Zukunftsgestaltung angegeben. Wir können hier schon sehen, dass Angst einen wichtigen Aspekt der Problematik ausmacht. Es lassen sich drei große Kategorien von Schulabsentimus unter ätiologischen Aspekten zusammenfassen. Diese möchte ich im Folgenden kurz beschreiben.
2 Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 258., neu bearbeitete Auflage. Berlin, New York: de Gruyter
1998. S.1430.
3 Kaiser, Heinrich: Schulversäumnisse und Schulangst. Eine empirische Analyse der Einflussfaktoren. Frankfurt am Main, Bern, New York: Lang 1982. S.31.
4 Warzecha, 2000.
5 Ebd.
3
3.1 Schulschwänzen
„Von Schulschwänzen wird gesprochen, wenn Kinder und Jugendliche zeitweilig oder anhaltend - in der Regel - ohne Wissen der Eltern die Schule nicht besuchen und während der Unterrichtszeit einer für sie angenehmeren Beschäftigung zumeist im außerhäuslichen Bereich nachgehen; (...)“. 6 THALMANN (1974) hat Schwänzen in fünf „Schweregrade“ eingeteilt. Der erste beschreibt Schwänzen in Form von gewohnheitsmäßigen Fehlen über einen längeren Zeitraum oder aber auch durchschnittlich einen Tag der Woche. Der zweite umfasst weniger als einen Tag in der Woche, aber mehr als drei Tage im letzten Halbjahr, der dritte beschreibt das Schwänzen von einem bis zu drei Tagen im letzen Halbjahr und das „Vergessen“ einzelner Stunden. Im Schweregrad vier bewegen sich Schüler, die nur sehr wenige Schulstunden im Schuljahr schwänzten oder aber einmal „vergaßen“ zur Schule zu kommen, die Schüler in Schweregrad fünf schwänzen keine Schulstunden und kommen pünktlich in die Schule. Nach PREUß wird andauerndes Schulschwänzen als Ausdrucksform einer Störung verstanden, die er dem Symptomkomplex jugendlicher „Verwahrlosung“ zuordnet und mit weiteren Zuwiderhandlungen wie Weglaufen oder delinquenten Verhaltensweisen in Verbindung bringt. „Aus medizinischer Sicht gilt Schulschwänzen dementsprechend neben anderen Formen dissozialen Verhaltens wie Stehlen, Fortlaufen von Zuhause und Vandalismus als Symptom einer Persönlichkeitsstörung, die auch über die Adoleszenz hinaus von sozialer Verantwortungslosigkeit, Delinquenz und Gewalttätigkeit geprägt ist (American Psychiatric Association, 1991). 7
3.2 Schulverweigerung
„(...) als Schulverweigerer sollten diejenigen beschrieben werden, deren Schulabwesenheit den Eltern bekannt ist und deren Verhaltensprobleme sich im emotionalen Bereich so verdichten, dass das „Nicht-zur-Schule-gehen-können“ mit auffälligen psychogenen und / oder psychosomatischen Veränderungen einhergeht (PREUß 1978, 164).“ 8 Schulverweigerungen lassen sich deutlich vom Schwänzen unterscheiden. In der Schulverweigerung wird das Symptom einer emotionalen, internalisierenden Störung klassifiziert, die unter psychiatrischem Verständnis einer therapiebedürftigen, neurotischen Störung zugeschrieben wird. So wird sie nach dem Mediziner CLYNE (1969) einer emotionalen Krankheit zugeordnet, deren Kern in fundamentalen Beziehungsstörungen zu finden ist. In ähnlicher Weise äußert sich GANTER-BÜHRERS (1991, 27): „Schulphobische Kinder werden als psychisch krank angesehen, während Schulschwänzer als verhaltensgestört und verwahrlost etikettiert werden.“ 9
6 Hildeschmidt, Anne, Meister, Hans, Sander, Alfred und Schorr Elisabeth: Unregelmäßiger Schulbesuch. Verbreitung, Bedingung, Interventionsmöglichkeiten. Weinheim und Basel: Beltz Verlag
1979. S.26.
7 Ricking, Heinrich und Neukäter, Heinz: Schulabsentismus als Forschungsgegenstand. Aus:
Heilpädagogische Forschung, Band 23, Heft 2, 1997, S.52.
8 Hildeschmidt, Anne, Meister, Hans, Sander, Alfred und Schorr Elisabeth: Unregelmäßiger Schulbesuch. S.26.
9 Ricking, Heinrich und Neukäter, Heinz: Schulabsentismus als Forschungsgegenstand. S.52.
Arbeit zitieren:
Frank Fraundorf, 2003, Schulangst, München, GRIN Verlag GmbH
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