Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Definitionen 2
3. Geschichtliche Entwicklung 2
3.1 Spätmittelalter 2
3.2 Zeitalter der Aufklärung 5
3.2.1 Frankreich 6
3.2.2 England 7
4. Wandel der Begriffe 8
4.1 Demenz 8
4.2 Melancholie 9
4.3 Manie 10
4.4 Hypochondrie/Hysterie 11
5. Schlussbetrachtung 12
6. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
In dieser Arbeit möchte ich mich mit den Geisteskranken oder auch Irren in der Geschichte befassen. Dabei soll insbesondere der Umgang der Gesellschaft mit den Irren und die geschichtliche Entwicklung näher betrachtet werden. Aufgrund des Umfangs setzt die zeitliche Betrachtung erst mit dem Spätmittelalter ein.
Begonnen wird mit Definitionen der Geisteskrankheit, um klarzustellen, wie dieses Störungsbild im Laufe der Geschichte wahrgenommen wurde. Der Begriff Geisteskrankheit umfasst jedoch viele psychische Störungen, die in heutiger Zeit näher betrachtet und beschrieben werden. Die heutige Einteilung in bestimmte Gruppen bzw. deren einzelne Krankheiten sollen in dieser Arbeit jedoch nicht näher beschrieben werden. Um den Wandel näher darzustellen, werden die Krankheiten Manie, Melancholie, Hypochondrie und Hysterie, sowie Demenz erläutert werden. Diese Begriffe finden auch öfter Erwähnung im zeitlichen Wandel und sollen daher nicht unbeschrieben bleiben. Auch bei diesen Begriffen ist eine Änderung in der Bedeutung nachzuvollziehen.
Die Betrachtung der geschichtlichen Entwicklung beginnt, wie bereits erwähnt, mit dem Spätmittelalter und fährt mit der Aufklärung fort. Eine weitere Differenzierung erfolgt in die verschiedenen Länder Frankreich und England, da hier Unterschiede im Umgang mit Geisteskrankheiten bestehen und deutlich werden. Deutschland kann aus Umfanggründen nicht erläutert werden, obwohl es sicher interessant wäre, die Entwicklung in Deutschland vergleichend nachzuvollziehen.
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2. Definitionen Geisteskranke/Irre
„Geisteskrankheit: (engl.) mental illness; 1. (psychiatr.) veraltete Bez. Für eine pathol. Störung der psych. Funktion, i.e.S. für Psychose; 2. (jurist.) Bez. für jede psych. Störung von erheblichen Ausmaß, z.B. für Schizophrenie, u.U. auch für geistige Behinderung od. best. Persönlichkeitsstörungen. Als Geistesschwäche wird jede psych. Störung leichteren Ausmaßes bezeichnet.“ 1
„Irresein: umgangssprachl. Bez. für Psychose.“ 2
„Psychose (-osis) f: (engl.) psychosis; syn. psychotische Störung (DSM IV); allg. Bez. für psychische Störung mit strukturellem Wandel des Erlebens (im Ggs. zum funkt. Wandel bei Neurose); Einteilung: I. organische P. (syn. symptomat., exogene, körperl. begründbare P., exogener Reaktionstyp); Formen: 1. akute (reversible) organische P. (syn. akuter exogener Reaktionstyp): a) amentielles Syndrom; b) Delir; c) Dämmerzustand; d) Durchgangssyndrom; 2. chronische (irreversible) organische P. (syn. organisches Psychosyndrom): a) früh-kindl. exogenes Psychosyndrom […]; b) hirndiffuses Psychosyndrom (organisches Psychosyndrom i.e.S.); c) hirnlokales Psychosyndrom […]; II. nicht-organische P. (syn. körperlich nicht begründbare P., auch endogene P.); Formen: 1. schizophrene P. (s. Schizophrenie); 2. affektive P. (psychotische Depression, Manie, manisch-depressive Erkrankung); 3. schizoaffektive P.: Bez. für Form der P., bei der sich Sympt. der schizophrenen u. der affektiven P. mischen […]. Ther.: Behandlung der Grunderkrankung, Ausschaltung nachteiliger Einflüsse, Psychotherapie, Soziotherapie, Psychopharmaka (z.B. Neuroleptika, Lithium, Antidepressiva). […].“ 3
3. Geschichtliche Entwicklung
3.1 Spätmittelalter
Psychisch Kranke wurden gegen Ende des Mittelalter als besessen angesehen. Zu Anfang des Mittelalters spielte die Nächstenliebe noch eine größere Rolle, die Geisteskrankheiten wurden als natürliche Krankheiten betrachtet. Krankheit war keineswegs immer nur biologisches, physisches Problem. „Krankheit steht immer auch zumindest im Verdacht, Gottesstrafe zu sein: eigentliche Wurzel des Übels ist Schlechtigkeit, Unmoral, sind Sünden und Verfehlungen.“ 4 Die Menschen sahen in allem einen Sinn, nichts war von dem Verdacht frei, einen „höheren“ Sinn zu haben, hinzuweisen auf Gottes Willen in der Welt. „Daß man Geisteskrankheiten [...] leicht übernatürliche Ursachen zuschrieb und geneigt sein konnte, diese in der Sündhaftigkeit des oder der Kranken zu sehen, war Resultat einer Weltauffassung, die überall das Wirken metaphysischer
1 Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 258., neu bearbeitete Auflage. Berlin, New York: de Gruyter 1998. S.557.
2 Ebd., S.779.
3 Ebd., S.1315f.
4 Roeck, Bernd: Außenseiter, Randgruppen, Minderheiten. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht 1993. S.58.
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Prinzipien annahm oder wenigstens nicht ausschloss.“ 5 Geisteskranke dienten als Mahnung Gottes und abschreckendes Beispiel für die Menschen, sich vor Unzucht und anderen Sünden zu hüten. Im 11. Jahrhundert mit Beginn des Kampfes gegen die Ketzerei und gegen Satan und seine Verbündeten verschlechterte sich die Situation für Geisteskranke. Hieraus entwickelte sich im 15. Jahrhundert die Hexenverfolgung. Irre konnten als Hexen oder Zauberer diffamiert werden und brannten auf dem Scheiterhaufen. „Auch geistige Behinderungen, Irrsinn, Melancholie wurden lange - gewiß bis ins 17. und 18. Jahrhundert hinein - vielfach entsprechend gedeutet, was für die Kranken gelegentlich dramatische Folgen hatte, dann nämlich, wenn sie unter Hexereiverdacht gerieten.“ 6
Es hat historisch gesehen sehr lange gedauert, bis sich ein Bewusstsein bei der Gesellschaft bildete, Menschen die unter Wahnvorstellungen und ähnlichem leiden, als Kranke zu erkennen, die einer eigenen Versorgung bedürfen. Die Alten, „Gebrechlichen“ und „Siechen“ wurden in vielen Städten des Mittelalters von ihrer Familie oder von Spitälern der Orden, Zünfte, Stiftungen oder Städte versorgt. Es gab jedoch auch eine Restkategorie von Fürsorgebedürftigen, die sich aus Straffälligen, psychisch Kranken und nicht anderweitig versorgten pflegebedürftigen Personen zusammensetzte. Diese Personengruppe wurde meist nicht in die bürgerlichen Hospitäler und Stadtasyle aufgenommen. „Teilweise waren diese Außenseiter der bürgerlichen Gesellschaft gemeinsam in Armen- oder Zuchthäusern untergebracht worden.“ 7 Die Irren wurden oft in erbärmlichen Verhältnissen untergebracht. Seit dem 12. Jahrhundert tauchen Tobhäuser und „Narrenkisten“, kleine mit Fenstern versehene Holzhäuschen, die man im Bereich der Stadtmauern oder vor den Städten aufstellte, damit die Schreie der Wahnsinnigen möglichst wenig stören, auf. Diese Orte des Schreckens waren durch Grausamkeit geprägt. Es waren oft Gefängnisse und dunkle Verliese. Die Geisteskranken wurden ohne ärztliche Betreuung angekettet. Es kam oft vor, dass sie öffentlich zur Schau gestellt wurden, bzw. die Verliese konnten besichtigt werden. „Es existieren allerdings auch einige frühe Beispiele einer getrennten humaneren Unterbringung psychisch Kranker, etwa 1247 im unter Heinrich III. erstmals gegründeten Bethlehem Royal Hospital in London oder in den Spitälern, die Landgraf Philipp I., „der Großmütige“, von Hessen im 16. Jahrhundert in den Klöstern Philippsburg, Goddelau, Eichberg und Haina einrichtete.“ 8 Diese Klöster wurden nach der Reformation den katholischen Orden enteignet und standen somit zur alternativen Nutzung frei. Es fand eine Verlagerung der Pflege in die Klöster statt. Als Therapie dienten therapeutische Empirie, Wunderglaube, christliche Nächstenliebe, Kastrierungen, Fasten, Gebete und Pilgerfahrten. Die Seele sollte errettet werden. „Die naturwissenschaftlichen Deutungen von Melancholie, von Geisteskrankheiten aller Art basierten […] auf der antiken Humoral-Pathologie.“ 9 Der Humorallehre nach ist für die Gesundheit ein ausgewogenes, harmonisches Verhältnis der Körpersäfte zueinander nötig. Melancholie wurde durch einen auf verschiedenste Umstände hervorgerufenen Überschuss schwarzer Galle
5 Ebd., S.62.
6 Ebd., S.59.
7 Häfner, Heinz: Das Rätsel Schizophrenie - Eine Krankheit wird entschlüsselt. München: C. H. Beck 2001. S.58.
8 Ebd., S.59.
9 Roeck, Bernd: Außenseiter, Randgruppen, Minderheiten. S.61.
Arbeit zitieren:
Frank Fraundorf, 2002, Geisteskranke in der Geschichte, München, GRIN Verlag GmbH
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