Vorwort
Mit dieser Studienarbeit möchte ich einen, stark vereinfachten und gekürzten, Überblick über die "Therapie mit den bildenden Künsten" geben. Die Ursprünge meiner Interesse für dieses Thema liegen nun zwei Jahre zurück, als ein Kunstlehrer der Fachoberschule mich und meine Klasse des öfteren im Kunstunterricht mit Bildern von geisteskranken Patienten konfrontierte. Herr Schönleber war an einer psychatrischen Anstalt als Kunsttherapeut tätig und löste in meiner Klasse häufig eine Diskussion über diese Behandlungsmethode aus. Später beeinflusste mich diese Vorliebe für Kunst und Therapie bei der Wahl meines Studiums.
In diesem Semester bin ich durch die Vorlesung bei Frau Kilgert "Einführung in Malen und Zeichnen" erneut auf diese, in unserer Region nicht sehr verbreitete, Behandlungsmethode gestoßen. Das konkrete Thema dieses Referats war "die Farben der Seele", Kranker oder Künstler, oder die Ästhetik der Bilder. Das ließ mich weiter nachforschen und als ich überraschenderweise sehr v iel Literatur darüber entdecken konnte kam mir die Idee, dieses sehr breitgefächerte Thema der Gestalttherapie mit meinem ursprünglich gewählten Thema der Studienarbeit „die Psychoanalyse nach S. Freud" zu verbinden und somit gleichzeitig einzugrenzen. Allerdings muss ich darauf hinweisen, dass das große Angebot an Fachbüchern hauptsächlich in den Siebziger und Achtziger Jahren entstand und Zitate aus diesem Kontext von diversen Therapeuten sogar bis zu einem Jahrhundert zurückliegen können.
Aus der Gliederung geht schon hervor, dass ich nicht ausschließlich auf die psychoanalytisch orientierte Kunsttherapie eingehen, sondern sie auch im allgemeinen Kontext betrachten möchte.
Im allgemeinen ist noch hinzuzufügen, dass ich keine, bzw. nur sehr vereinfachte Erfahrungen mit dieser Behandlungsmethode gemacht habe und mich deshalb ausschließlich auf die von mir gewählte Fachliteratur berufen muss.
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Gestalttherapie
Und ihre psychoanalytischen Wurzeln
Seite
Vorwort.................................................................................................................... 2
Inhaltsverzeichnis.................................................................................................... 3
1.0 Geschichtlicher Hintergrund
1.1 Kunstverständnis des 19 . und 20. Jahrhunderts 4
1.2 Entstehung der Psychoanalyse 6
2.0 Psychoanalyse und Gestalttherapie
2.1 Zusammenhang beider Therapiesysteme 9
2.2 Abgrenzung der Gestalttherapie von der Tiefenpsychologie 10
3.0 Modelle und Methoden
3.1 Zentrale Methoden 11
3.2 Gestalt- und Symbolbildung 13
Schlusswort 15
Literaturverzeichnis 16
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1.0 Geschichtlicher Hintergrund
1.1 Kunstverständnis des 19. Und 20. Jahrhunderts
Für die Entstehung von Symbolen, die in der Kunsttherapie von großer Bedeutung sind und im Kontext noch geklärt werden, ist die Entwicklung der bildenden Künste der letzten zwei Jahrhunderte ausschlaggebend.
Um 1800 kam es zu einer Wende in der Kunstgeschichte. Nicht mehr das perfekte kopieren des Realen war gefragt, vielmehr eine Idealisierung der Wirklichkeit. Diese Ansätze waren sogar in der Erziehung wieder zu finden. So war Friedrich Fröbel (1782-1852) der Auffassung, dass jeder Edukand von einem pietistisch 1 gereinigten Vorbild erzogen werden sollte (vgl. Menzen 1992, 43).
Es stand nun nicht mehr ausschließlich die Natur im Vordergrund der Bilder, sondern auch die Emotionen eines jeden einzelnen Künstlers. Daher spricht Menzen auch von einer „ästhetischen Gefühlserziehung". Durch die voranschreitende Industrialisierung werden auch in der Kunst andere Maßstäbe gesetzt. Neben dem handwerklichen Geschick bei bestimmten künstlerischen Techniken natürliche Gegebenheiten so umzusetzen wie sie sind, ist nun auch die (individuelle) Gefühlseinbindung bei Kunstwerken erwünscht, um dadurch neue, bzw. andere Sichtweisen bestimmter Thematiken zu vermitteln (vgl. Menzen 1992, 41). Trotz der Verlagerung des Schwerpunktes ist in Bildern des 19. Jahrhunderts meist die Natur zu sehen. Der Drang sich die Umwelt untertan zu machen spiegelt sich in Kunstwerken aus dieser Zeit wider und man spricht daher vom sogenannten Realismus 2 . In Frankreich spaltete sich davon damals der Impressionismus 3 ab, der von Claude Monet geprägt ist (vgl. Meyer 1986, 301-304). Um die Jahrhundertwende trat erstmals der Expressionismus 4 auf. Er stellt die Gegenform des Impressionismus, der farbenfrohen frühlinghaften Bilder dar. Eine Art Protest sollte es sein, von einer Generation die mit ihrer Umwelt nicht mehr zufrieden war. Vor allem unmittelbar vor und nach dem ersten Weltkrieg entwickelte sich diese Kunstrichtung am extremsten. Franz Marc (1880-1916) beispielsweise zählt zu den bekanntesten deutschen Expressionisten (vgl. Meyer 1986, 308-311).
1 Pietismus: „seit dem 17.Jhdt eine evangelische Bewegung zur Erneuerung der Kirche und des religiösen Lebens im Sinne einer gefühlsbetonten Frömmigkeit und der Nächstenliebe" (Hermann
1996, 734)
2 Realismus: „wirklichkeitsgetreue Darstellungsweise" (Hermann 1996, 777)
3 Impressionismus: „...Stilrichtung der bildenden Kunst, der Literatur u. der Musik um 1900, deren Vertreter persönliche Eindrücke und Stimmungen[...] wiedergeben." (Drosdowski 1989, 756)
4 Expressionismus: „[...] im Gegensatz zum Impressionismus stehende (Stil)richtung der Literatur, bildenden Kunst und Musik ..." (Drosdowski 1989, 474)
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„Man glaubte, in der Kunst der Neger, der prähistorischen Völker, aber auch der Kinder und der Geisteskranken solche elementare Lebensäußerungen zu sehen, und so vereinfachte man nur an Hand solcher Vorbilder die Formen und Farben bis ins Fetischmäßige, das Bild sollte schreien, das Krasse, Brutale, Stoßende galt für vital." (Meyer, 1986, 308).
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist die freie Entwicklung der Kunst zumindest in Deutschland nur sehr beschränkt vorangeschritten, sie wurde kontrolliert, unterdrückt und stand unter nazistischem Einfluss. Doch nicht nur die Weltkriege und der Totalitarismus, auch die Bildung der Großstädte und das explosionsartige Bevölkerungswachstum beeinflußten die Kunst (vgl. Meyer 1986, 316).
Somit entwickelte sich in den Zwanziger Jahren der Surrealismus 1 . Angeführt von der damals „modernen" Tiefenpsychologie, beabsichtigt er in die Gründe des Bewußtseins, bzw. des Unterbewußtseins zu gelangen. Es mögen wohl alles Abbilder der Wirklichkeit sein, und doch sind sie verzerrt und entfremdet, manchmal ironisierend und dämonisierend (vgl. Meyer 1986, 343). Seit den Fünfziger Jahren kann keine einheitliche Kunstrichtung mehr angegeben werden. Es tritt eine Art Individualisierung auf, die Künstler versuchen ihr eigenes I ch zu finden, sich in ihren Kunstwerken zu verwirklichen. Somit etablierten sich Aktionskünstler wie z.B. Joseph Beuys und auch Pop - Art - Künstler wie z.B. Andy Warhol.
Heute hat sich der Kunstbegriff hauptsächlich auf Gebrauchsgegenstände verlagert und ist nun zum Beispiel auch für Schaufensterdekorationen und Verpackungen zu verstehen (Meyer 1986, 351).
1 Surrealismus: „... künstlerische Richtung, die das Überwirkliche, Traumhafte, Unbewußte darzustellen sucht." (Hermann 1996, 904)
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Quote paper:
Iris Hackermeier, 2000, Gestalttherapie und ihre psychoanalytischen Wurzeln, Munich, GRIN Publishing GmbH
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