Inhaltsverzeichnis
1. GEGENSTAND DER ARBEIT 3
2. ERZEUGUNG VON SPRACHSCHALL 3
3. LAUTLICHE EIGENSCHAFTEN DER VOKALE 4
3.1 FORMANTREGELN NACH NEPPERT PÉTURSSON 5
4. FORMANTCHARAKTERISTIK DER VOKALE 6
5. KNOW YOUR FORMANTS: VOKALE IN ANDEREN SPRACHEN 7
5.1 EIGENE MESSUNGEN ZUR LOKALISIERUNG VON E 9
5.2 GRAFISCHE AUSWERTUNG DER MESSDATEN 12
6. SCHLIESSENDE WORTE 12
A ANHANG: FORMANTTABELLE 13
BIBLIOGRAPHIE 14
SEITE ZWEI
Gegenstand der Arbeit
Vokale könnte man funktionell gesehen als „Tonträger“ unserer Sprache bezeichnen. Vokale als orale Öffnungslaute bilden phonetisch den Kern einer jeden Silbe. Diese Arbeit zeigt die Bildung und Eigenschaften von Vokalen auf und geht auf besondere Charakteristika von Vokalrealisationen in anderen Sprachen und daraus resultierende Interferenz-Erscheinungen ein. Grundlage der zwei ersten Kapitel sind dabei die Ausführungen in NEPPERT/PÉTURSSON.
Erzeugung von Sprachschall
Primärklang ist der Ausgangsklang für alle Vokale und wird in der Glottis produziert. Dazu wird bei geschlossenen Stimmlippen ein Überdruck unterhalb der Glottis aufgebaut. Wird dieser Druck zu hoch, werden die Stimmlippen gesprengt und öffnen sich. Da die Stelle zwischen den Stimmlippen aber trotzdem noch immer wesentlich schmaler ist als der Raum unter- und oberhalb, strömt die Luft in diesem Bereich schneller, wodurch nach BERNOULLI ein Unterdruck entsteht. Dieser Sog zieht die Stimmlippen wieder zusammen und ein neuer Verschluß wird Unterdruckkräfte bewirkte Zusammenziehen erfolgt allerdings zunächst nicht im oberen Bereich an der engsten Stelle, sondern weiter unten im weniger engen Bereich des Conus elasticus.“ 1 Die Ursache dafür ist die elastischere Anatomie der Schleimhaut an dieser Stelle. Es erflogt danach eine zyklische Hochverlagerung des Verschlusses.
Die Druckschwankung durch den Wechsel von Über- und Unterdruck über der Glottis und die damit verbundene Bewegung der Luftteilchen ist, was als periodischer Schall hör- und meßbar ist. Ursprünglich liegt die Intensität des
1 Neppert, J. und M. Pétursson. Elemente einer akustischen Phonetik. S. 95
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erzeugten Schalls über der Schmerzgrenze des menschlichen Ohrs; es tritt allerdings anatomisch bedingt eine starke Dämpfung des Schalls durch das Gewebe ein.
Lautliche Eigenschaften der Vokale
Der von der Glottis erzeugte Stimmklang verändert sich durch den Einfluß der Verhältnisse im Mund- und Rachenraum. Generell ist dabei auffällig, daß, betrachtet man die Frequenzstruktur des Sprachschalls, bestimmte Frequenzbereiche stärker ausgeprägt sind als andere. Dies kommt durch die Eigenfrequenz der Luftsäule im Mund- und Rachenraum - des Ansatzrohrs - zustande. Man kann sich dabei als Modell die Glottis als Quelle des Sprachschalls und das Ansatzrohr als Filter vorstellen. Hat der erzeugte Schall die Eigenfrequenz der schwingen diese mit, wodurch sich die Schwingung verstärkt. Da dies aber nur für das Vielfache der Grundfrequenz gilt, sind diese Frequenzbänder stärker, während die restlichen
Frequenzen Ausgangsintensität Frequenzbänder sind die Vokalformanten. Formanten sind im Sonagramm als horizontal verlaufende schwarze Streifen im Grau der anderen Schallereignisse zu erkennen. Es können für alle Vokale zwei, manchmal bis zu vier Formanten festgestellt werden.
Durch Artikulation verändern wir die Beschaffenheit des Ansatzrohrs, woraus sich eine Veränderung der Vokalformanten ergibt. Jeder Vokal weist also andere Formateigenschaften auf. Dabei ist der Hebungsgrad und Hebungswinkel der Zunge von wichtiger Bedeutung, die sich jeweils direkt auf die Formanten F 1 bzw. F 2 auswirken. Allerdings sind die den Vokalen zuzuordnenden Formantwerte oft nicht präzise definierbar, sondern weisen ein großes Streuspektrum auf.
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Formantregeln nach NEPPERT/PÉTURSSON
— Laut gesprochene Vokale haben einen größeren F 1 als bei normaler Lautstärke.
Längeregel
— Mit zunehmender Länge des Ansatzrohrs ist die Frequenz der Formanten niedriger.
— Bei einer Frau entsprechen die Frequenzen der Formanten dem 1,2-fachen der Werte eines Mannes.
Verengungsregel
— Für F 1 gilt: Bei einer Verengung im vorderen Teil des ganzheitlichen Ansatzrohrs sind die Frequenzen niedriger. Liegt sie im pharyngalen Bereich fallen sie höher aus. Vornehmlich ist ausschlaggebend.
[i:] und [u:] haben den niedrigsten F 1 , [a] den höchsten. — Für F 2 gilt: Bei einer Verengung im vorderen Teil des Mundhohlraums steigt die Frequenz. Bei Verengung im hinteren Teil Entscheidend ist hier die Hebungsrichtung der Zunge. Bei [i:] ist F 2 maximal. [u:] und [o:] haben den niedrigsten F 2 .
Lippenrundungsregel
— Lippenrundung bewirkt Formanten, besonders von F 2 und F 3 , da sich das Ansatzrohr verlängert.
Kieferöffnungsregel
— Je größer die Kieferöffnung ist, desto höher ist die Frequenz von F 1 .
— [a] hat einen höheren F 1 als [i:, e:, y:, u:].
– SEITE FÜNF –
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Dr. Frank Lorenz, 2000, Die akustische Gestalt der Vokale, Munich, GRIN Publishing GmbH
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