Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Antike Sklavenkriege 5
2.1 Voraussetzungen der antiken Sklavenaufstände 5
2.2 Erster Sizilianischer Sklavenkrieg (141 - 132 v. Chr.) 6
2.3 Zweiter Sizilianischer Sklavenkrieg (104-101 v. Chr.) 8
2.4 Der Spartakuskrieg (74-71 v. Chr.) 10
3. Die catilinarische Verschwörung (63 v. Chr) ein weiterer Aufstand
der Sklaven? 12
4. Zusammenfassung 14
Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
Sklavenaufstände. Da klingt gleich ein Name im Ohr! Spartakus: Der heldenhafte Gladiator, der seine Mannen in die Freiheit führen wollte, die Mythenfigur des Kommunismus im frühen 20. Jahrhundert oder für Historiker die tragische Figur des letzten großen antiken Sklavenaufstandes im Jahre 71 v. Chr.. In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich nicht nur mit der Figur des Spartakus beschäftigen, sondern will einen Überblick geben, der die großen Sklavenaufstände der späten römischen Repub lik umfasst. Der Zeitraum, den ich dabei betrachte, ist kurz gehalten. Denn die wirklich bedeutenden Erhebungen der Sklaven ereigneten sich alle in einer relativ begrenzten Epoche von 141-71 v. Chr. Ich werde dabei insbesondere auf die Aufstandsbewegungen auf Sizilien unter Eunus (141-132 v. Chr.) und Salvius (104-101 v. Chr.) eingehen und dem Spartakuskrieg (74-71. v. Chr.) Beachtung schenken. Andere kleinere Erhebungen im selben Zeitraum werde ich hierbei außer Acht lassen, sowie auch den großen Aufstand des Aristonikos gegen Rom 133 v. Chr., der seine illegitimen Ansprüche auf das Pergamenische Reich mit Hilfe von Sklaven und Unterprivilegierten durchsetzten wollte. Auch werde ich nicht näher auf die Bedeutung und Herkunft der Sklaverei eingehen und welchen Stellenwert sie als Institution in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft der späten Antike besaß. 1
Ziel meiner Untersuchung ist es, herauszufinden, ob Catilina im Zuge seiner Verschwörung aus dem Jahre 63 v. Chr. auch Sklaven für seine Zwecke einsetzte und damit einen erneuten Sklavenaufstand auslöste.
Zahlreiche Quellen findet man zu den einzelnen Sklavenaufständen bei Polybios, Livius, Diodor, Sallust u.a., wobei ich mich bei dieser Proseminararbeit eher auf Monographien und Zeitschriften beschränke. Ich werde versuchen, dem Thema, das schon häufig Forschungsgegenstand war, eine neue Sichtweise zu geben, indem ich die Struktur der Sklavenaufstände 2 auf die Catilinarische Verschwörung anwende und herausstelle, inwieweit die Ereignisse des Jahres 63 v. Chr. der Sichtweise Recht geben, die besagt, dass Sklaven sehr wohl in Etrurien revoltierten und der Verschwörung damit beiseite standen, aber wohl am Ende eher als eine Randerscheinung gedeutet werden können.
1 CANCIK, Hubert (Hrsg.): Der Neue Pauly (DNP): Enzyklopädie der Antike, Stuttgart, u.a. 1996-2003 gibt zu
den Fragen in Kürze sehr gute Antworten.
2 VOGT , Joseph: Struktur der antiken Sklavenkriege, in: Akad. d. Wiss. u.d. Literatur. Abhandlungen d. geistes-
u. sozialwiss. Kl., Mainz 1957
2. Antike Sklavenkriege
2.1 Voraussetzungen der antiken Sklavenaufstände
Nach dem zweiten Punischen Krieg nahm die Zahl der Sklaven im Römischen Reich zu. Ursachen gab es viele. Zunächst sei das Offensichtliche, die Versklavung der Kriegsgefangenen, genannt. Aber im gleichen Zuge war durch den Untergang Karthagos „das hellenistische Staatensystem [...] in voller Auflösung begriffen.“ 3 Durch das entstandene Machtvakuum gab es an allen Peripherien der griechischen Welt Kleinkriege und Landraub zwischen verschiedenen Völkern. Die Römer machten überall Gefangene und der Zustrom großer Sklavenmassen wurde zusätzlich durch das blühende Seeräubertum gefördert, da ihnen nach dem Wegfallen der starken Seemacht Karthagos niemand mehr konsequent entgegentrat. Bekanntlich war ein großer Faktor der Seeräuberwirtschaft der organisierte Menschenraub und -verkauf. So schätzt man, dass in den Jahren 200-150 v. Chr. etwa 250 000 Sklaven aus dem griechischen Osten nach Rom eingeführt wurden. 4 Das Angebot von so vielen billigen Arbeitskräften krempelte das römische Wirtschaftssys tem um. Zahlreiche Kriege hatten zuvor das freie Bauerntum in Unteritalien und Sizilien Land gekostet. Das Land hatten Großgrundbesitzer, meist Personen aus der römischen Oberschicht (Nobilitae), an sich gerissen, welche nun über riesige Latifundien verfüg ten. Das Land konnte am lukrativsten durch standardisierte Arbeitsprozesse bestellt werden, die unter geringer Kontrolle so viele Menschen wie möglich ausführten. Dadurch wandelte sich die Wirtschaftspolitik Roms aus der Subsistenzwirtschaft in eine frühe Form der Marktwirtschaft. Jetzt wurden Produkte angebaut, die viel Geld einbrachten und auf dem Weltmarkt gefragt waren. Das heißt der bisheriger Getreideanbau wurde durch spezielle Nutzpflanzen wie Wein und Oliven ersetzt und eine stark extensive Viehwirtschaft entstand. Diese beiden Faktoren, der übermäßige Import von Sklaven aus der hellenistischen Welt und die stark vermehrte Viehwirtschaft, führten schließlich zu den Sklavenkriegen: Zum einen kamen viele Sklaven aus dem selben kulturellen Gebiet. Sie konnten sich in ihrer gemeinsamen Sprache untereinander verständigen, viele
3 VOGT , Joseph: Struktur der antiken Sklavenkriege, S. 9
4 FRANK, T.: Economic Survey of Ancient Rome, in: Rome and Italy of the Empire , Baltimore 1959, S. 188;
WESTERMANN RE Suppl. VI (s.v. Sklaverei) 954; ders., Slave Systems, S.62
von ihnen waren als junge Erwachsene versklavt worden und ihre Erinnerungen an die Freiheit waren allgegenwärtig. Zum anderen führte der zweite Faktor zur Bildung von Räuberbanden. Speziell in Sizilien, wo die Viehwirtschaft von Bedeutung war, kam es vermehrt zu Übergriffen. „Die unfreien Viehhirten weideten die großen Herden im Sommer in den Gebirgsregionen und waren damit der Aufsicht ihrer Besitzer weitgehend entzogen.“ 5 Hinzu kam, dass der Beruf des Hirten gleichzeitig ein gutes körperliches Training darstellte und die Hirten Waffen bei sich trugen, um die Herden vor wilden Tieren und Viehdieben zu schützen. Diese Viehhirten waren eine ständige Gefahr und so verwundert es auch nicht, dass sie sich bei immer schlechterer Behandlung ihrer Herren, Entzug von Kleidung und Essen, zusammenschlossen und zunächst als Straßenbanditen auftraten, um zu überleben. Denn so konnten sie sich selbst versorgen und „mit dem Räubertum [...] bekamen sie ein Stück der [verlorenen] Freiheit zu kosten“ 6
2.2 Erster Sizilianischer Sklavenkrieg (141 - 132 v. Chr.)
Wie gesagt, auf Sizilien „scheinen die Lebensbedingungen der Sklaven extrem hart gewesen zu sein.“ 7 Die Herren, insbesondere, Damophilos und seine Frau Megallis 8 , taten sich als grausam hervor. Reichgeworden auf der Insel, wo lange Wohlstand herrschte und übermäßig viele Sklaven eingekauft wurden, gaben dennoch viele Herren ihren Unfreien nicht genügend Kleidung und Nahrung. Dieses Ehepaar war offenbar hinzu noch sehr brutal gegenüber ihren Bediensteten gewesen. Aus Erbitterung über die schlechte Behandlung entschlossen sich die Sklaven, ihre Herrschaften zu ermorden. Einmal den Mut zusammengenommen, folgten viele andere, besonders die schon erwähnten Räuberbanden, diesem Beispiel und die aufrührerische Sklavenschaft sammelte sich hinter dem Anführer Eunus. Dessen Name bedeutete „wohlgesinnt“ 9 , was als gutes Vorzeichen galt. Außerdem war er als Wahrsager und Wundertäter zu Ansehen gekommen. 10
5 DNP, S. 616
6 VOGT , Joseph: Struktur der antiken Sklavenkriege, S. 12
7 DNP, S. 617
8 vgl. VOGT, Joseph: Struktur der antiken Sklavenkriege, S. 14
9 DNP, S. 258
10 vgl. VOGT, Joseph: Struktur der antiken Sklavenkriege, S. 27ff: In Religion und Kult sahen die Sklaven
die Stätte der Freiheit und den letzten Schutz als Menschen. In den Riten und Symbolen der Kulte
fanden die Unfreien Ausdrucksformen für ihr gemeinsames Erleben der Verlassenheit unter den
Menschen und der Geborgenheit bei den Göttern. Begreiflich genug, dass sie nach gesteigerten
Formen der Religiosität verlangten und nach sichtbaren Zeichen göttlicher Hilfe suchten.
Arbeit zitieren:
Cornelius Hantscher, 2004, Sklavenaufstände in der späten römischen Republik, München, GRIN Verlag GmbH
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