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Inhaltsverzeichnis:
I Einleitung
II Poes Dichtungstheorie dargelegt in
A The Philosophy of Composition
B Baudelaires Poe-Lektüre und Kommentar
III Kulturgeschichtlicher Hintergrund
A Negative Rezeption : Amerika
B Positiver Einfluss: Frankreich
Einordnung in den Symbolismus und Definition
IV Schluss
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I. Einleitung
Edgar Allan Poes schriftstellerisches Talent blieb zu seinen Lebzeiten in seiner Heimat völlig unerkannt, sodass er mit seinen literarischen Werken schwerlich seinen Lebensunterhalt verdienen konnte. Erst zwanzig Jahre nach seinem Tod, dessen Ursache noch bis heute ungeklärt ist, begannen die ersten Amerikaner die Qualität seiner Texte zu schätzen. Zeitgleich äußerten sich auf dem europäischen Kontinent jedoch erstaunlich viele Bewunderer seines Schaffens, die dies auch schon zu seinen Lebzeiten ausdrückten. Der wohl bekannteste „Fan“ Poes ist der französische Symbolist Charles Baudelaire, der als einer der ersten Übersetzer von Poes Schriften galt. Baudelaires Begeisterung für seine Thematik und seinen Stil übertrug sich auf weitere Künstler des Symbolismus, die Poes Gedankengut äußerst positiv rezipierten. Nun stellt sich die Frage nach der Ursache einer solchen Diskrepanz zwischen der amerikanischen und französischen Auffassung von Poes Werken. In meinem Referat werde ich soweit wie möglich Antworten für diese Frage suchen, und diese besonders auf kulturgeschichtlichen und dichtungsästhetischen Hintergründen aufzubauen versuchen.
II. Poe’s Kunsttheorie
A “The Philosophy of Composition”:
In “The Philosophy of Composition” konstatiert Poe, das die Schaffung von Schönheit das Hauptziel der Dichtung darstellt „…beauty is the sole legitimate province of the poem“ 1) , während Leidenschaft ( =Erregung des Herzens) und Wahrheit ( =Befriedigung des Intellekts) eher in der Erzählung zu erreichen sind. Dieses durch die Dichtung ermöglichte Erlebnis von Schönheit versteht Poe als mystische Erfahrung mit dem Ziel der Erhebung der Seele : „It is needless to demonstrate that a poem is such, only inasmuch as it intensely excites, by elevating, the soul.“(Philosophy 505) Wahrheit, Moral und Nutzen gelten dagegen als dichterische Tabus. War ihm die l’art pour l’art- Doktrin, die 1836 von Victor Cousin formuliert wurde, zwar nicht bekannt, vertrat er jedoch die Auffassung, dass Kunst nur durch sich selbst wirken kann und völlig autonom ist. Jeglicher didaktischer Zweck liegt seiner Poesie fern, trotzdem streitet er nicht ab, dass der Genuss von Dichtkunst durchaus zur Sittenveredelung beitragen kann. Daher ist für ihn
1) E.A. Poe. „The Philosophy of Composition.“ Tales, Poems, Essays. London; Glasgow: Collins, 1963. S.507
(nachfolgende Auszüge aus diesem Text werden durch die Abkürzung Philosophy +Seitenzahl direkt nach dem Zitat
gekennzeichnet)
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hauptsächlich die Weise, wie etwas präsentiert wird weitaus wichtiger als der dargestellte Gegenstand selbst. Ausgangspunkt ist für Poe die Tatsache, dass ein gutes Gedicht nicht aus Zufall oder Eingebung entsteht, sondern komplizierte mathematische Berechnungen erfordert: „It is my design to render it manifest that no one point in its composition is referable either to accident or intuition- that the work proceeded, step by step to its completion with the precision and rigid consequence of a mathematical problem.“ (Philosophy 504) Diesen Beweis will Edgar Allan Poe anhand seines wohl e rfolgreichsten Gedichtes illustrieren. „The Raven“ befriedigt sowohl auf der Ebene des Inhalts, als auch der Form, gleichsam dem „popular and … critical taste.“(Philosophy 505) Zunächst wendet sich Poe gegen die Häresie der Länge, d.h. er behauptet, dass ein langes, episches Gedicht ein Paradoxon sei. Dies begründet er in der Tatsache, dass die Erregung des Gemüts, die aus der Erfahrung des Gedichts resultiert, nur von kurzer Dauer ist. „ Es gibt kein langes Gedicht; was man unter einem langen Gedicht versteht, ist ein sich selbst widersprechender Ausdruck.“ 2) Das Gedicht sollte daher die Länge dieses meist flüchtigen Erregungszustandes nicht in hohem Maß überschreiten, da sonst die Gefahr besteht die Einheit des Eindrucks (unity of effect) zu zerstören: „If any literary work is too long to be read at one sitting, we must be content to dispense with the immensely important effect derivable from unity of impression-for, if two sittings be required, the affairs of the world interfere, and everything like totality is at once destroyed.“ (Philosophy 505) Diese Einheit des Eindrucks ist besonders wichtig für Poes Werke, denn sie umfasst erstens die Tätigkeit d er Imagination (der poetischen Einbildungskraft), und zweitens der Kombination von bereits bestehenden Elementen der Wirklichkeit. Aus dieser Kombination von Ästhetik und Imagination entsteht dann der Effekt der Originalität als ein weiteres Schlagwort für Poe: „My first object (as usual) was originality.“ (Philosophy 509) Diese Originalität soll besonders durch die Varietät des Versmaßes konstruiert werden, denn auch Originalität unterliegt eher der Berechnung als der Intuition.
Zudem sollte einem guten Dichter das Ende immer zuvor bewusst sein, denn die Handlung sollte darauf hinarbeiten. Die Reihenfolge des Schreibens ist also verkehrt. „Nothing is more clear than that every plot, worth the name, must be elaborated to its dénouement before any thing be attempted with the pen. “( Philosophy 503) Dabei ist der Initiator für sein Gedicht immer die Wirkung auf den Leser und die Frage nach einem Eindruck oder Gefühl, das den Leser interessiert:
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Alena Saucke, 2004, Edgar Allen Poes Kunsttheorie und Rezeption in Frankreich und Amerika, Munich, GRIN Publishing GmbH
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