Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Christian Peter Wilhelm Beuth 7
3. Die Gewerbeförderung und der „Verein zur Beförderung des
Gewerbeflei ßes“ 11
3.1. Die Entwicklung der Gewerbeförderung auf ministerialer Ebene 11
3.2. Die Gewerbe- und Handelsdeputation 13
3.3. Der „Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes“ 16
3.4. Die Bedeutung des Schulwesens für die Gewerbeförderung 20
4. Fazit 23
5. Literatur- und Quellenverzeichnis 27
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1. Einleitung
Englands Wirtschaft war zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Maßstab nachdem der Rest der Welt beurteilt wurde. Frankreich versuchte beständig, den industriellen Entwicklungsabstand zum englischen Königreich nicht abreißen zu lassen und Preußen, das noch auf einer merkantilen Wirtschaftform fußte, hatte die industrielle Revolution noch nicht erreicht. Die Niederlage gegen die Napoleonischen Truppen war nur ein Indikator für einen veralteten, dringend reformbedürftigen Staat, der zur Genesung ein innovatives, eigenverantwortliches Bürgertum benötigte. Auf diese Zeit gehen die ersten Planungen für eine wirtschaftliche Reform und die Ideen für die Gewerbeförderung in Preußen, die in der Person des Freiherrn vom und zum Stein ihren Vordenker hatte, zurück. Der Historiker Wolfgang Hartwig bemerkt analytisch dazu:
„Die Entfesselung der freien Konkurrenz und die Konfrontation mit den Gesetzen des langsam entstehenden nationalen und internationalen Marktes, die Freisetzung von Kapital und Arbeit aus den städtischen Bindungen führt überall zur Gründung freiwilliger Assoziationen als Vermittlungsinstitution des technischen, wissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Fortschritts in die landwirtschaftliche, gewerbliche und industrielle Arbeit.“ 1
Der König als sogenannter Oberbuchhalter, der für eine staatliche Zusammenfassung aller Wirtschaftsvorgänge im Inneren und einen Abschluss nach außen stand, war in dieser Funktion überholt. Sowohl der Stand der Produktionstechnik, die Erfordernisse der Kriegstechnik, die neuen philosophischen Erkenntnisse und die daraus resultierenden Staatstheorien, als auch die allgemeine und gehobene Volksbildung verlangten nach einer Entwicklung, die sich in England und Frankreich bereits etabliert hatte. Dieser neue Geist der liberalen Wirtschafts- und Staatsgesinnung war mit den Schriften von Adam Smith verbunden. In seiner Freihandelslehre formulierte Smith, dass der freie Wettbewerb aller wirtschaftlichen Kräfte die gesellschaftliche Harmonie und das soziale Gleichgewicht zur Folge hätte. Davon wäre auch die persönliche Freiheit des Einzelnen betroffen, die sich auf natürliche Weise von selbst entwickeln würde und somit dem Gemeinwohl dienen könne. Diese Lehren fanden besonders an den preußischen Universitäten und unter der jungen Beamtenschaft großen Zuspruch. Beuth, der 1828 zu den letzteren zuzuordnen war, äußerte anlässlich seiner Reise nach Edinburgh:
1 Hardtwig, W., Strukturmerkmale und Entwicklungstendenzen des Vereinswesens in Deutschland 1789 - 1848,
in: Historische Zeitschrift (Beiheft 9), Vereinswesen und bürgerliche Gesellschaft, München 1984, S. 14.
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„Ich schätze mich glücklich, das Grab von Adam Smith gesehen zu haben.“ 2 Beschäftigt man sich mit der Entwicklung der Gewerbeförderung in Berlin und Preußen, muss man feststellen, dass diese eng mit dem Namen von Beuth verbunden ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob man sich mit der staatlichen oder der privaten Ebene der Wirtschaftpolitik in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auseinandersetzt. Insofern besteht die Notwendigkeit, sich zuerst mit Beuth als Schlüsselfigur der Gewerbeförderung auseinander zusetzen. Die Funktion seiner Person wird insbesondere im zweiten Teil der Arbeit von Bedeutung sein. Auf den „Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes“ wird ebenfalls eingegangen. Zur Darstellung der Fakten des Vereins ist es notwendig, die anderen Organe der Gewerbeförderung vorzustellen. Die engmaschige Vernetzung zwischen dem privaten Verein und den staatlichen Organen, die am Beispiel von Beuth besonders deutlich wird, macht eine separierende Betrachtung nahezu unmöglich.
Neben der wirtschaftlichen Komponente ist auch in der sozialen ein Grund für die Entstehung des Vereins zu suchen, denn sie sollte die private Lebenswelt über Arbeit, Familie und Gemeindeleben hinaus bereichern. Nur hier fanden sich Menschen, die eine neue, gemeinsame Zielsetzung verband, zusammen, soweit es das Vereinsrecht zuließ. Aus diesen ge wachsenen Strukturen resultierte eine enge Einbindung der Mitglieder in ihren lokalen Lebenskreis.
Der „Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes“ war eine sehr exklusive Einrichtung des gesellschaftlichen Berliner Lebens, dem auch auswärtige Mitglieder angehörten. Auskunft über das Schaffen des Vereins geben heute noch die erhaltenden Ausgaben der „Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes in Preußen“, die von 1822 bis 1921 erschienen. Die Hefte informieren über die Arbeit des Vereins und fungieren darüber hinaus noch als Rechenschaftsberichte. Damit sind sie eine unverzichtbare Quelle für diese wissenschaftliche Arbeit. Die Einsicht in die Vereinshefte war bedauerlicherweise nicht in allen Bibliotheken möglich. Ein weiteres Problem bestand in der Unvollständigkeit innerhalb der Jahrgänge, andere waren überhaupt nicht mehr vorhanden. Dadurch weist die Primärquellensammlung Lücken auf.
Um dennoch einen geordneten Weg durch das Quellenmaterial zu finden, war es unerlässlich Sekundärliteratur zu verwenden, wobei das Buch „Preußische Gewerbepolitik in Berlin 1806 - 1844“ von Ilja Mieck als Stütze des vorliegenden historischen Gerüstes bezeichnet werden
2 Zitat aus dem Amtlichen Bericht von Beuth zur Schottlandreise 1823 in: Reihlen, H., Christian Peter Wilhelm
Beuth, Berlin 1992, S. 18.
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muss. Ebenso erwähnenswert sind die Bücher von Matschoß, die mit ihren detaillierten Schilderungen vieles verständlicher machten.
Aufgrund der Literaturlage habe ich den Schwerpunkt der Arbeit auf die Gewerbeförderung unter dem Vorsitz von Beuth beschränkt. Das Ziel der Hausarbeit besteht darin, die Bedeutung der Person Beuth für die preußische Gewerbeförderung zu klären und dem Leser einen Überblick über die komplexen Teile derselben zu geben.
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2. Christian Peter Wilhelm Beuth
Der Organisator der Gewerbeförderung in Preußen war Christian Peter Wilhelm Beuth; 1781 in Cleve geboren. Er hatte mit siebzehn Jahren an der Universität Halle mit dem Studium der Rechts- und Kameralwissenschaften 3 begonnen. 4 Beuth war, wie fast alle seiner Kollegen, sehr empfänglich für die Smithsche Lehre und wurde ein überzeugter Vertreter des wirtschaftlichen Liberalismus. Jahre später bezeichnete er sich als überglücklich, das Grab von Adam Smith in Edinburgh gesehen zu haben. 5
1801 trat Beuth in den preußischen Staatsdienst und arbeitete zunächst bei der „Kurmärkischen Kriegs- und D omänenkammer“, danach bis 1806 beim „Manufaktur- und Kommerzien- Kollegium“, das damals zum Refugium des Freiherrn v. u. z. Stein gehörte. In dieser Zeit hat Beuth vermutlich die praktische Seite der Steinschen Gewerbeförderung kennen gelernt. Ilja Mieck bezweifelt, dass das umfassende Programm Steins ihm schon damals bekannt war, da er in diesem Zeitraum noch nicht einmal Assesor 6 gewesen ist und demzufolge als junger Beamter mit derartigen prinzipiellen Fragen nicht betraut wurde. 7 Beuth war allerdings M itglied der Reformkommission und wusste von den großen Steuerreformplänen. Da Stein die Reform des Gewerbewesens als nicht sonderlich dringend ansah und erst unter Hardenberg die entscheidenden Impulse hierzu ausgingen, sind während dieser Zeit, so Ilja Mieck, keine direkten Einflüsse Steins auf Beuth nachzuweisen. Er sieht in diesem Zeitraum eher die innere, schicksalhafte Entscheidung Beuths - sich dem Aufbau des darniederliegenden preußischen Gewerbes zu widmen - denn im August 1814 wurde er Vortragender Rat beim „Gewerbe- Department“. 8 Davor gehörte er während der Befreiungskriege dem berühmten Freikorps des Freiherrn von Lützow an, bei dem er es bis in den Rang eines Offiziers gebracht hatte. 9
In seiner Tätigkeit beim „Gewerbe- Department“ arbeitete er mit dem Direktor der Institution, Staatsrat Christian Kunth zusammen. Dieser war der Lehrer Alexander und Wilhelm von Humboldts und wurde aufgrund der Fürsprache von deren Mutter 1796 beim „Manufaktur- und Kommerzien- Kollegium“ angestellt, deren Leitung er später auch
3 Kameralistik: (veraltet) Finanzwissenschaft.
4 Vgl. Straube, H.- J., Christian Peter Wilhelm Beuth, in: Deutsches Museum, Abhandlungen und Berichte 2,
Heft 5 (1930), S. 9 f.
5 Vgl. Matschoß, C., Preußens Gewerbeförderung und ihre großen Männer; dargestellt im Rahmen der
Geschichte des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes in Preußen 1821 - 1921, Berlin 1921, S. 18.
6 Assesor: Anwärter auf die höhere Beamtenlaufbahn.
7 Vgl. Mieck, I., Preußische Gewerbepolitik in Berlin 1806 - 1844, Berlin 1965, S. 22.
8 Vgl. Ebenda.
9 Vgl. Reihlen, H., Christian Peter Wilhelm Beuth, Berlin 1992, S. 13.
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Arbeit zitieren:
Daniel Wewetzer, 2003, Die Gewerbeförderung unter der Führung Beuths in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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