1. Einleitung
Die Verflechtung der Volkswirtschaften verändert unser Leben in zunehmendem Maße. Die Geschwindigkeit dieser Veränderungen war vor wenigen Jahrzehnten noch nicht vorstellbar. Hiervon betroffen sind sowohl Staaten als auch Unternehmen und private Haushalte.
Die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt und die hohe Zahl der Insolvenzen zeigt deutlich, dass es auch unter den Arbeitnehmern und Unternehmen sowohl Gewinner als auch Verlierer gibt.
Diese Abhandlung soll Kenntnisse über die Hintergründe und Folgen des Globalisierungsprozesses vermitteln. Die genaue Zuordnung von Ursache und Wirkung gestaltet sich jedoch sehr schwierig, weil in volkswirtschaftlichen Zusammenhängen selten monokausale Zusammenhänge bestehen. Dies gilt auch für die Globalisierung und deren Folgen.
2. Definition des Begriffs „Globalisierung“
Der Begriff der Globalisierung beschreibt keinen Istzustand, sondern vielmehr einen Prozess. Dieser Prozess lässt die politisch-ökonomisch-technischen Rahmenbedingungen und die wirtschaftliche Bedeutung nationaler Grenzen geringer werden. Dadurch wird eine Intensivierung des internationalen Wettbewerbs ausgelöst, was zu einer intensiveren Nutzung von Möglichkeiten der internationalen Arbeitsteilung führt. Der weltweite Einsatz von Ressourcen verbessert sich, neue Chancen und Risiken entstehen. Nationale Regelungen werden immer mehr durch internationale Vereinbarungen ergänzt, so dass politische Akteure im eigenen Land immer mehr an Bedeutung verlieren und die Bedeutung von internationalen Organisationen stetig zunimmt. 1
Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass nicht alle Staaten, Unternehmen und Haushalte in gleichem Maße von der Globalisierung erfasst werden. Die Zahl der am Globalisierungsprozess beteiligten Länder nimmt zwar stetig zu, die grenzüberschreitenden wirtschaftlichen Aktivitäten konzentrieren sich jedoch auf die
1 Vgl. Koch, E.: Globalisierung der Wirtschaft, 1. Aufl., München 2000, S. 5
2
Industriestaaten sowie eine kleine Gruppe von Schwellenländern. Afrika bleibt zum Beispiel von dieser ökonomischen Internationalisierung nahezu unberührt. 2 Am Anfang dieser Entwicklung stand die Einsicht, dass der offene Austausch mit anderen Volkswirtschaften zur Erzielung von Profiten und Wohlstandsgewinnen führt. Die OECD (Organization for Economic Cooperation and Development, Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), ein Zusammenschluss der großen Industriestaaten, bezeichnet Globalisierung als einen Prozess, durch den Produktion und Märkte in unterschiedlichen Ländern immer mehr voneinander abhängig werden. Dies ist der Dynamik des Handelns mit Gütern und Dienstleistungen sowie die Bewegungen der Technologie zu verdanken. 3
2 Vgl. Faulenbach, J.: Globalisierung in: Informationen zur politischen Bildung, Nr. 263, 2000, S. 2
3 Vgl. von Plate. B.: Globalisierung - Grundelemente der Globalisierung in: Informationen zur politischen Bildung, Nr. 263, 2000, S. 3
3
3. Ursachen der Globalisierung
Während der letzten Jahrzehnte haben sich die politischen, technisch-wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stark verändert. Die Globalisierung ist im wesentlichen Folge dieser Veränderungen. Der Globalisierungsprozess wurde durch diese Veränderungen entweder ausgelöst oder verstärkt. 4
Abb. 1: Ursachen der Globalisierung 5
4 Vgl. Koch, E.: Globalisierung der Wirtschaft, 1. Aufl., München 2000, S. 7
5 Vgl. Koch, E.: Globalisierung der Wirtschaft, 1. Aufl., München 2000, S. 7
4
4. Erscheinungsformen der Globalisierung
Der Prozess der Globalisierung tritt in vielen Erscheinungsformen auf. Dies sind sowohl politische, als auch soziologische und ökologische Phänomene. Aus ökonomischer Sicht verdeutlichen folgende Eigenschaften den Begriff der Globalisierung sehr eindrucksvoll:
o Im Vergleich zur Weltproduktion steigt die Zunahme des Waren- und Dienstleistungshandels überproportional. Die Märkte für Güter und Dienstleistungen internationalisieren sich zunehmend. 6
o Die Internationalisierung der Produktion als Folge einer Zunahme von Direktinvestitionen 7
o Das Wachstum der internationalen Finanzmärkte durch Liberalisierung des Kapitalverkehrs und grenzüberschreitende Anleihe- und Aktientransaktionen 8
o Die zunehmende Internationalisierung der Arbeitsmärkte. 9
4.1 Dienstleistungs- und Warenmärkte
Der Vergleich von Welthandel und Weltproduktion ist ein wichtiger Indikator für die aktuelle Lage. Die Tatsache, dass der Welthandel in stärker steigt als die Weltproduktion zeigt auf, dass ein zunehmender Anteil Am Endprodukt über den grenzüberschreitenden Handel erwirtschaftet wird. 10 Als Folge dieser Entwicklung wurden die Volkswirtschaften zunehmend offener, die Integration in die internationale Arbeitsteilung wurde immer stärker. Auch die Zahl der Teilnehmer am Welthandel ist größer geworden. Die Exporterfolge der Schwellenländer Südost- und Ostasiens zeigen, dass den Industrieländern ernstzunehmende Konkurrenten erwachsen sind. Dabei entfällt auf den Güterha ndel der größte Anteil an der Globalisierung. 11
6 Vgl. Koch, E.: Globalisierung der Wirtschaft, 1. Aufl., München 2000, S. 21
7 Vgl. Koch, E.: Globalisierung der Wirtschaft, 1. Aufl., München 2000, S. 21
8 Vgl. Beyfuß, J. et. al.: Globalisierung im Spiegel von Theorie und Empirie in: Beiträge zur Wirtschafts-und Sozialpolitik des Instituts der deutschen Wirtschaft, Köln, 1997, S. 48
9 Vgl. Weeber, J.: Internationale Wirtschaft, 1. Aufl., Wien 2002, S. 27
10 Vgl. Weeber, J.: Internationale Wirtschaft, 1. Aufl., Wien 2002, S. 10 f.
11 Vgl. Beyfuß, J. et. al.: Globalisierung im Spiegel von Theorie und Empirie in: Beiträge zur Wirtschafts-und Sozialpolitik des Instituts der deutschen Wirtschaft, Köln, 1997, S. 5
5
Die Zunahme der Anbieter führt dazu, dass bei gleich bleibender Verteilung der Positionen der bisherigen Anbieter deren Weltmarktanteile kleiner werden. Möglicherweise wird die Verringerung der Weltmarktanteile durch die Zunahme des Handels mehr als ausgeglichen. 12
Die Märkte der mittel- und osteuropäischen Staaten haben für Deutschland spürbar an Gewicht gewonnen. Auch die USA haben zunehmend deutsche Produkte importiert. Der Handel mit den Staaten der EU machen für Deutschland immer noch mehr als die Hälfte der Einfuhren aus, die Staaten Mittel- und Osteuropas werden aber auch hier immer wichtiger. 13
Der Offenheitsgrad verdeutlicht, wie stark einzelne Staaten in die Weltwirtschaft integriert sind. 14 Der Offenheitsgrad errechnet sich als Anteil des gesamten Außenhandels (Exporte + Importe) am Sozialprodukt. 15 Kleine, industriell geprägte Volkswirtschaften unterhalten intensive Aus- und Einfuhrbeziehungen, weil sich durch die differenzierte Nachfragestruktur zahlreiche Güter nicht durch die heimische Volkswirtschaft hergestellt werden können. Somit entsteht dort eine Außenhandelsabhängigkeit, wogegen Industrienationen mit einem großen Binnenmarkt (USA, Japan) einen geringen Offenheitsgrad aufweisen. 16
12 Vgl. Weeber, J.: Internationale Wirtschaft, 1. Aufl., Wien 2002, S. 11
13 Vgl. Weeber, J.: Internationale Wirtschaft, 1. Aufl., Wien 2002, S. 12 f.
14 Vgl. Weeber, J.: Internationale Wirtschaft, 1. Aufl., Wien 2002, S. 14
15 Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, 15. Aufl., Wiesbaden 2000, S. 2282
16 Vgl. Krugman, P et. al.: International Economics - Theory and Policy, 5. Aufl., Boston 2000, S. 139
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Arbeit zitieren:
Ingo Lorenz, 2003, Aspekte des Globalisierungsprozesses der Weltwirtschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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