Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung -2
2. David Piachaud - „Wie misst man Armut?“ -3
2.1 Begriffsdefinitionen -4
2.1.1 Auseinandersetzung um die Konzeptualisierung von Armut -4
2.1.2 Armutsgrenzen -7
2.1.3 Armut als öffentliche Wahrnehmung 10
3. Auswirkungen der Armut auf Kinder und Jugendliche 11
6. Schlussbemerkung / Fazit 13
7. Anhang 14
8. Literaturverzeichnis 23
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1. Einleitung
Unsicherheit, Elend, Verbitterung, Ausgrenzung und Aussichtslosigkeit sind nur einige Schlagwörter, die die Situation und Gefühle bedürftiger Menschen auf der Welt beschreibt. Zu viele müssen ein vergrämtes Leben führen, weil ihnen die finanziellen Mittel für die einfachsten Dinge fehlen. Meist können solche Menschen beispielsweise ihren Kindern kein Spielzeug kaufen oder es ihnen ermöglichen, mit moderner Kleidung die Schule zu besuchen. Es gibt aber auch Menschen, die noch nicht einmal ein Dach über dem Kopf haben oder sich eine warme Mahlzeit am Tag leisten können.
„Arme“ werden, aufgrund von fehlenden materiellen Gütern, in der heutigen Gesellschaft schnell zu Außenseitern oder Einzelgängern, was sowohl Deutsche als auch anderswo auf der Welt lebende mittellose Menschen gemeinsam haben. Die Armut in Deutschland hat dennoch ein anderes Gesicht als die in Entwicklungsländern. Niemand muss bei uns an Hunger sterben, denn die sozialen Sicherungssysteme bewahren Arme vor dem Absturz in Nichts. Arm sein in einem Entwicklungsland, bedeutet dagegen ein Kampf um das tägliche Überleben.
Auf der anderen Seite gibt es aber Personen, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld. Tägliche Frisörbesuche, Einkaufstouren oder einfach Geld für Unwichtigkeiten ausgeben, so sieht meist ein Tag eines „Reichen“ aus. Protzen und Angeben, wie viele schöne und teure Autos in ihrer Garage stehen oder wie oft und lange sie im Jahr Urlaub machen, sind nur ein paar Eigenschaften wohlhabender Menschen, die uns täglich über Medien und andere Informationsquellen vermittelt werden.
Nirgends ist die Kluft zwischen Arm und Reich so groß, wie in der heutigen Gesellschaft.
Aber über was für Menschen sprechen wir in diesem Zusammenhang und was heißt es in der heutigen Gesellschaft arm zu sein? Wie wird Armut definiert und bedeutet sie überall das gleiche? Und schätzen „Arme“ ihr eigene Situation anders ein, als „Reiche“ oder statistische Erhebungen sie beschreiben? Fragen, die schon viele bedeutende und namenhafte Soziologen und andere Sozialwissenschaftler versucht haben, zu beantworten.
Es zeigt sich also, dass es sich hier um ein durchaus komplexes und vielseitiges Thema ha ndelt, mit dem sich auch David Piachaud, ein amerikanischer Soziologe und Professor beschä ftigt. Er versucht eine Kategorie zu finden, die eine Antwort auf die Probleme der sozialen Armut weiß.
Sicher ist jedoch jetzt schon, dass es viele verschiedene Definitionen von Armut gibt und das eine Unterscheidung von absoluter und relativer Armut in den Sozialwissenschaften g ebräuchlich ist. Es ist auch unumstritten, dass jeder der hungern muss, nicht zur Schule gehen kann oder kein Geld für elementare Notwendigkeiten hat, arm ist.
Die Aufgabe dieser Hausarbeit ist es, Schwerpunkte David Piachauds herauszuarbeiten und zu klären, wie soziale Armut zustande kommt und gemessen werden kann. Im Anschluss daran, wird die Begriffsbestimmungsarbeit Piachauds unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Standpunkte kritisch verglichen und diskutiert. Ein kleiner Exkurs über die Auswirkung der Armut auf Kinder und Jugendliche soll die starke Problematik dieses Themas untermauern und verdeutlichen. Eine Schlussbemerkung beendet diese Arbeit.
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2.) David Piachaud
Man kann die „Menschen als arm bezeichnen, deren Einkommen zur Befriedigung der no twendigsten Bedürfnisse nicht ausreicht.“ (1)
Aber wie wird dieses Einkommen ermittelt und wer bestimmt, was zu den unentbehrlichen Gütern, den notwendigsten Bedürfnissen (1) , zählt?
Eine fragwürdige These, die der amerikanische Soziologe und Professor David Piachaud an den Anfang seines Essays „Wie misst man Armut?“ stellt, um aufzuze igen, welche Probleme bei der Messung und Bestimmung von Armut entstehen können und um deutlich zu machen, welch „ein großes Übel“ die Mittellosigkeit offenbart. (2)
Er zeigt auf diese Weise, dass Armut schwer definier- und messbar ist und das sich aufgrund dieser Problematik etliche unterschiedliche Ansätze der Armutsmessung ergeben. Aldi Hagenaars und Klaas de Vos (1988) beispielsweise, fanden bei einem ihrer Analyseversuche fünf mannigfache Methoden, um Armut zu messen, die zur Folge hatten, das zwischen 5,7 und 33,5%, also ein enormer Anteil an Menschen, arm waren. Patricia Ruggles und Anastassios Ghiatis (1990) jedoch, ermittelten bei ihren Messungen, dass kleine Haushalte besonders armutsgefährdet waren, das heißt, dass dort die Altersarmut besonders hoch war. Bei anderen Messungen zeigten sie, konträr zum ersten Ergebnis, dass große Haushalte ein höheres Risiko als anderswo hatten.
Aufgrund dieser differenzierten Ergebnisse ist David Piachaud bestrebt, einen Lösungsansatz zu finden, den er in sechs einzelne Schritte aufzugliedern versucht. Zunächst möchte er eine Armutsdefinition geben, bei der er die Unterscheidung von relativer und absoluter Armut in den Vordergrund stellt. In seinem Hauptteil kommt er zu fünf verbreiteten Wegen Armutsgrenzen zu ziehen und im Schlussteil geht er auf die Wahrnehmung von Armut in der Öffentlichkeit und auf Probleme der Einkommens- und Armutsmessung ein. Auf alle sechs Schritte möchte ich im folgenden näher eingehen.
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2.1 Begriffsdefinitionen
2.1.1 Auseinandersetzung um die Konzeptualisierung von Armut
Ein erster Zugang zur Problematik der Armut besteht in der Beschäftigung mit dem mehrdimensionalen Begriff der Armut, in der es das Ziel sein soll, eine Angleichung von Verständnis und Kritik der Verwendungsweisen in wissenschaftlichen Disziplinen zu erreichen. Es lässt sich bereits jetzt eine starke Bedeutungsvielfalt dieses Terminus ablesen, der unterschiedliche, jedoch aber keine allgemeingültigen Definitione n aufweisen kann. Armut kann je nach Standpunkt und Forschungsinteresse etwa im Zusammenhang mit relativer Einkommensarmut, mit sozialen Brennpunkten in Großstädten, mit Obdachlosigkeit oder mit Notlagen bei Überschuldung beschrieben werden.
Eine umfassende Beschreibung bezeichnet Armut weiterhin als eine „wirtschaftliche Lage, in der es Menschen an ausreichenden Mitteln fehlt, um ein bestimmtes minimales Niveau der Gesundheitsvorsorge, Ernährung, Kleidung, Bildung und des Wohnens aufrechtzue rhalten, das allgemein als notwendig erachtet wird, um einen angemessenen Lebensstandard zu gewährleisten. Was dabei als angeme ssen gilt, hängt allerdings stark vom durchschnittlichen Lebensstandard der jeweiligen Gesellschaft ab.“ (3) Es gibt aber auch rein politische Eingrenzungen des Armutsbegriffes, die sich in relativen Einkommensstandards, Haushaltsbudget-oder Warenkorbstandards widerspiegeln.
David Piachaud macht eine weitere Differenzierung, in der er den Armutsbegriff in zwei „theoretische Debatten“ (4) einteilt. Bei der ersten Ausführung geht es um die Frage absolute versus relative Armut, bei der zweiten um objektive versus subjektive Ansätze der Bestimmung relativer Armut. Diese zweidimensionale Unterscheidung zeigt, dass Armut mit einem Mangelbegriff gleichzusetzen ist, da deutlich wird, dass es sich zunächst um die wirtschaftliche Lage einer Person, einer Gruppe, oder gar einer ganzen Bevölkerung handelt, in der sie ihren notwendigen Lebensunterhalt nicht allein bestreiten kann.
Bei der ersten Debatte geht der amerikanische Soziologe von einer festen Norm aus, die sich über die Zeit nicht verändert und eine Grenze definiert, ab der Entbehrung und körperliche Daseingefährdung symbolisiert wird. Absolute Armut stellt den Bereich dar, indem Menschen keinerlei Möglichkeiten aufbringen können, sich über einen langen Zeitraum mit lebenswichtigen Gütern zu versorgen. Sie können also den Mangel an zum Überleben nötiger Nahrung nicht überbrücken. Die Befriedigung dieser Bedürfnisse kann als existenznotwendige Bedingung menschlichen Lebens bezeichnet werden. Können Menschen allerdings diese materie llen Mittel aufbringen, so gehören sie nach dieser Definition nicht zu den absolut Armen. Als Einflussfaktoren zur Bestimmung der absoluten Armut lassen sich der Grad der Unterernä hrung, sowie das Ausmaß von Krankheiten, die als Folge der Unterernährung entstehen, operationalisieren. (Weitere Indikatoren zeigt die Abbildung 1.)
Zur Anschauung verwendet David Piachaud das Modell des Preisniveauprinzips. Wenn sich dieses verändert, das heißt, wenn sich die Beträge und Preise zum Beispiel erhöhen, die zur Abdeckung bestimmter Erfordernisse dienen, müssen die absoluten Standards immer unve rändert bleiben. Es ist dem Verfasser wichtig, hervorzuheben, dass absolute Standards, wie dem Überlebensstandard, immer konstant bleiben oder sich allenfalls in eine positive Zielrichtung ändern sollten. Auch wenn das wirtschaftliche Wachstum ärmere Schichten erreicht,
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kann absolute Armut im Laufe der Zeit geringer werden, wandelt sich jedoch nie in eine negative Richtung.
Ein starker Verfechter der absoluten Armutsdefinition ist Amartya Sen (1983, 1988), der der Meinung ist, dass die unentbehrlichen Güter eines Menschen zwar in Laufe der Zeit variieren können, in ihrer Handlungsnotwendigkeit jedoch gleich bleiben und lediglich innerhalb einer Gesellschaft abweichen. Er ist der Überzeugung, dass auch aufgrund des wirtschaftlichen Wandels in den letzten Jahrhunderten, keine Änderung der Grundbedürfnisse vollzogen wurde. Auch wenn die Menschen beispielsweise vor dem Jahre 1885 keinen elektrischen Strom besaßen, was heute als Grundvoraussetzung für ein vernünftiges Leben zählt, brauchten sie zu ihrer Zeit große Mengen an Kerzen, Fackeln oder Petroleum, um Licht zu erzeugen. Es wird also ersichtlich, dass sich die Bedürfnisse mit der wirtschaftlichen und industriellen Entwicklung veränderten und temporal angepasst haben. Sie haben laut Sen absolute und invariante Charakterzüge.
Jedoch weiß Piachaud, dass der Ansatz dieses bedeutenden Autors verschiedene Probleme aufdeckt. Zunächst fragt er sich, wer über die Grundbedürfnisse, den sogenannten basic capabilities, entscheidet. Amartya Sen spricht nur über einen allgemeinen „Mindestbedarf an Nahrung, von sozialer Beteiligung und von Freisein vor sozialer Ächtung“ (5) , was ziemlich kurz und oberflächlich gefasst ist. Er setzt demnach voraus, dass die menschliche Grundnatur konstant ist. Wie aber sieht dies in der Praxis aus? Kann Sen von einer konstanten Grundnatur ausgehen? David Piachaud führt an dieser Stelle die simple Darstellung der Parole all you need is love ein, bei der etwa angemessene Kleidung wohl kaum erste Priorität hat. Es lässt sich demzufolge nicht feststellen, „wie sich die Sensche Definition in der Praxis von einer relativen Definition von Armut unterscheidet, denn die Güter, die benötigt werden, um gesellschaftliche Ächtung zu vermeiden oder soziale Beteiligung sicherzustellen, sind letztlich relativ zur jeweiligen Gesellschaft.“ (6)
Die absolute Armutsdefinition deckt also den Mindestbedarf ab, bei dem eine Mangelsituation so ausgeprägt ist, dass mittelbar oder unmittelbar (etwa durch Verhungern oder Erkrankung) die physische Existenz von Menschen bedroht ist. Der Mindestbedarf wird damit zu einem soziokulturellen Existenzminimum, bei dem die Fähigkeit zur Selbsterhaltung fehlt.
Es muss schlussfolgernd festgehalten werden, dass diese Definition einen starken Streitpunkt darstellt und das die absolute Armutsdefinition schwer umzusetzen ist. Es wird immer kompliziert sein, ein absolutes Minimum, also eine untere Armutsgrenze, anzugeben, denn es werden in allen Lebenslagen Wertentscheidungen getroffen, die die Entschlussfähigkeiten in diesem Punkt beeinflussen. Dieses Phänomen stellt jedoch nicht nur ein Problem der absoluten Armut dar, sondern ist auc h bei der relativen Armutsdefinition in großem Maße vorzufinden. Auch hier werden Wertentscheidungen getroffen.
Kann Armut eine relative und objektive Tatsache sein?
Eine Frage, die auf die zweite Kontroverse hinweist und zeigt, dass auch diese Thematik einer scha rfen Kritik Piachauds unterzogen wird. Relative Armut wird immer in ein Verhältnis zum durchschnittlichen Lebensstandard der Bevölkerung gesetzt und wird als Einkommensarmut bestimmt, welches wahlweise am Sozialhilfesatz oder am durchschnittliche n Haushaltseinkommen gemessen wird. Im Gegenteil zur absoluten Armut kann hier das physische Existenzminimum gesichert werden, das soziokulturelle, welches sich am Wohlstand einer Gesellschaft orientiert, wird aber deutlich unterschritten. David Piachaud verweist in diesem Zu-
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Arbeit zitieren:
Madlen Leetz, 2004, Soziale Differenzierungen: Einkommen und Vermögen / Armut, München, GRIN Verlag GmbH
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