Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Kommunikative Fremdsprachendidaktik 4
2.1. Hintergrund des Begriffes 4
2.2. Was ist Kommunikativer Fremdsprachenunterricht 5
3. ISSUES als Beispiel für den radikalen Versuch eines kommunikativen Lehrwerks 8
3.1. Aufbau der ISSUES 8
3.2. Übungstypologien 10
3.2.1. Von der Textaufnahme zum -verständnis - Organizing Information 10
3.2.2. Vom Textverständnis zur Textreproduktion - Implanting Skills 12
3.2.3. Von der Textreproduktion zur Textproduktion - Developing Skills 14
3.2.4. Interaktion im Kommunikationszusammenhang - Using Skills 15
4. Fazit: Welche Bedeutung könnte ISSUES für meinen späteren Unterricht haben 16
5. Abbildungen 18
6 Literaturverzeichnis 18
3
1. Einleitung
„Gefordert ist Fremdsprachenkompetenz als aktive Bereitschaft und Fähigkeit, mit mindes- tens einer Fremdsprache, allen voran Englisch als lingua franca, verstehend und sich äußernd / mitteilend umzugehen. Kenntnisse der Sprachstruktur und der Grammatik oder der Literatur spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Qualität und Qualifikation werden am Sprachkönnen, an Kompetenz und Performanz gemessen. 1
So fasst Christoph Edelhoff, einer der Vordenker der Kommunikativen Didaktik des Eng- lischunterrichtes, heute die Anforderungen, die Gesellschaft, Politik und Wirtschaft an einen modernen Sprachunterricht stellen, zusammen. Seit knapp 30 Jahren gewinne die Kommuni- kationsorie ntierung im Fremdsprachenunterricht an Bedeutung. Sei die Forderung nach Kommunikativer Fremdsprachendidaktik anfangs ausschließlich von linken Schulreformern, Sprachpädagogen und Wissenschaftlern gestellt worden, so habe sich im Zeichen von Globa- lisierung und Europäischer Integration die Erkenntnis durchgesetzt, dass guter Sprachunterricht vor allem die Kommunikativen Kompetenzen der Schüler fördern müsse. 2 Nach einem einleitenden Kapitel zur Erläuterung des Begriffes Kommunikative Kompetenz soll in dieser Hausarbeit das Lehrwerk ISSUES, welches zu Beginn der 70er Jahre von eben jenen linken Schulreformern um Christoph Edelholz und seiner Gesellschaft zur Förderung des Englischunterrichts an Gesamtschulen entwickelt wurde, vorgestellt und die Frage disku- tiert werden, welche Bedeutung ISSUES, oder einem vergleichbaren Lehrwerk, im heutigen Sprachunterricht zukommen könnte.
2. Kommunikative Fremdsprachendidaktik
2.1. Hintergrund des Begriffes
Seit dem 18. Jahrhundert versuchen sich Fremdsprachenlehrer auf eine Methode des Fremd- sprachenunterrichts zu einigen. Zeugnis davon geben nicht nur Schriften wie Der Fremdsprachenunterricht muß umkehren! von Wilhelm Vietör 3 , sondern auch zahlreiche seither entwickelte Lehrmethoden, wie die Toussaint-Langenscheidt- oder die Berlitz Metho- de. Allseits anerkannt jedoch ist heute lediglich die Feststellung, dass keine Methode für alle Sprachenlerner gleichermaßen sinnvoll und erfolgversprechend ist. Schritten die Lehrmetho- den des 19. Jahrhunderts sowie jene des frühen 20. Jahrhunderts noch streng entlang
1 Edelhoff, Christoph: Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung im Fremdsprachenunterricht, in: Edelhoff, Christoph (Hrsg.): Neue Wege im Fremdsprachenunterricht, Qualitätsentwicklung, Erfahrungsberichte, Praxis, Hannover 2001, Seite 6 2 Vgl.: ebenda 3 Vgl.: Viëtor, Wilhelm: Der Sprachunterricht muß umkehren, Heilbronn 1882, in: Hüllen, Werner (Hrsg.) Didaktik des Englischunterrichts; Darmstadt 1979
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grammatikalischer Hierarchien, so verlor die Linguistik unter dem Einfluss der Postmoderne an Bedeutung für den Fremdsprachenunterricht. Ein Resultat postmoderner Entwicklungen ist laut Martin Weskamp die Vielfalt der Methoden, die heute im Englischunterricht zum Einsatz kommt. Lag der Fokus des alten Fremdsprachenunterrichts auf der Vermittlung grammatikali- scher Strukturen, so rückte unter dem Einfluss postmoderner Selbstreflexion, Differenzierung und Komplexität der Lerner in den Mittelpunkt der Fremdsprachenmethodik. Die grammati- kalische Progression verlor zu Gunsten eines lernerzentrie rten Unterrichtes an Bedeutung. 4 Unter dem Einfluss der Habermasschen Theorie des Kommunikativen Handelns, 5 des Re- formklimas in dessen Folge die konservative Bildungspolitik der 50er und 60er Jahre durch die sozial- liberale Regierung abgelöst wurde, und der Bildungspolitischen Diskussionen in der Folge von Georg Pichts Aufsatz Die Deutsche Bildungskatastrophe 6 rückte das Lernziel Kommunikative Kompetenz in den Mittelpunkt der fremdsprachendidaktischen Diskussion. Hierzu trug vor allem die Entstehung von Gesamtschulen bei, die als Alternative zum drei- gliedrigen Schulsystem verstanden wurden und ihren Beitrag zur Erziehung selbstverantwortlich handelnder Individuen leisten und gleichzeitig das bis dahin ungenutzte Potenzial breiter, bildungsferner Bevölkerungsschichten erschließen sollten. 7 Verstanden gleichsam als Bildungsziel, - methode und -programm wurde die Kommunikative Kompetenz außerhalb der Gesamtschulbewegung vor allem vom Europarat forciert. Hier schließt sich der Kreis zu der Eingangs zitierten Feststellung Christoph Edelhoffs, dass nä m- lich Kommunikative Kompetenzen vor allem im Zuge vo n Europäisierung und Globalisierung immer stärker nachgefragt würden, während die fehlerfreie Beherrschung der Sprachstruktu- ren an Relevanz verliere. 8
2.2. Was ist Kommunikativer Fremdsprachenunterricht?
Oberste Priorität im kommunikativen Fremdsprachenunterricht besitzt das Lernziel Kommu- nikative Kompetenz. Die Fähigkeit der Schüler, sich im Unterricht und im alltäglichen Leben verbal adäquat ausdrücken zu können, gilt als weitaus wichtigeres Unterrichtsziel, als den linguistischen Code der Fremdsprache fehlerfrei zu beherrschen. Deshalb sei es, so Piepho, für Lehrer nicht sinnvoll, Abweichungen der Schüler von linguistischer Korrektheit auf der Stelle zu korrigieren oder gar zu sanktionieren. Man solle sie stattdessen ausdrücklich auffo r-
4 Vgl.: Weskampf, Ralf: Fachdidaktik: Grundlagen und Konzepte, Berlin 2001, Seite 62ff.
5 Siehe: Habermas, Jürgen: Die Theorie des Kommunikativen Handelns, Frankfurt 1981 6 Siehe: Picht, Georg: Die Deutsche Bildungskatastrophe, Olten 1964 7 Vgl.: Legutke, Michael; Schocker-v.Ditfurth, Marita: Kommunikativer Fremdsprachenunterricht: Bilanz und Perspektiven, Eine Einführung, in: Legutke, Michael; Schocker-v.Ditfurth, Marita (Hrsg.): Kommunikativer Fremdsprachenunterricht: Rückblick nach vorn, Festschrift für Christoph Edelhoff, Gießen 2003, Seite 1 8 Vgl.: ebenda
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dern, sich der ihnen zur Verfügung stehenden Sprachmittel sowohl schriftlich als auch münd- lich zu bedienen. Falsche Ansprüche des Lehrers und permanente Korrekturunterbrechungen, seien auch deshalb unnütz, weil sich häufig nicht einmal gebildete Muttersprachler an Sprach- und Korrektheitsnormen hielten. 9 Kommunikative Kompetenz wurde 1996 vom Europarat im Common European Framework of Reference 10 als das Vorhandensein linguistischer, soziolinguistischer und pragmatischer Kompetenzen beschrieben. Ein Sprecher mit ausgeprägter kommunikativer Kompetenz ist somit nicht nur befähigt, sich auf lexikalischer, grammatikalischer, semantischer und phono- logischer Ebene verständlich zu machen (Linguistische Kompetenz), sondern er ist auch in der Lage, soziale Beziehungen verbal zu etablieren. Er kann Grußformeln, Höflichkeitsaus- drücke und idiomatische Ausdrücke nutzen, sich situationsbezogen adäquat äußern, erkennt Jargons, Dialekte und Akzente und kann darauf angemessen reagieren (Soziolinguistische Kompetenz). Der Sprecher kann sich außerdem mit stilistisch sowie rhetorisch angemessen Beiträgen an Gespräche und Diskussionen beteiligen und Texte sowie mündliche Äußerungen funktional und strukturiert gestalten (Pragmatische Kompetenz). 11 Kommunikativer Englischunterricht, also Unterricht, dessen oberstes Ziel es ist, die Schüler mit diesen Kompetenzen auszustatten, sollte laut Piepho so anschaulich gestaltet sein, dass die materiellen Grundlagen der Sprache im Klassenzimmer vorhanden sind. So sollen alle Sach- verhalte, Gegenstände und Bezugsquellen geistiger und sprachlicher Handlungen entweder real oder visuell von den Schülern in ihrer Lernumgebung wahrnehmbar sein. 12 Da ein für den Lernerfolg optimales Klassenzimmer vor allem wegen seiner räumlichen Trennung von der Wirklichkeit draußen, wo die Zielsprache als Kommunikationsmittel be- nutzt wird, schwer vorstellbar ist, ging die Bundesarbeitsgemeinschaft Englisch an Gesamtschulen sogar soweit, das Klassenzimmer öffnen und mit sogenannten Living Langua- ge Links ausstatten zu wollen. Was man sich darunter vorzustellen hat geht aus untenstehendem Arbeitspapier der Bundesarbeitsgemeinschaft hervor. 13
9 Vgl.: Piepho, Hans-Eberhard: Ableitung und Begründung von Lernzielen im Englischunterricht, in: Bundesar- beitsgemeinschaft Englisch an Gesamtschulen (Hrsg.): Kommunikativer Englischunterricht, Prinzipien und Übungstypologie, Berlin 1978, Seite 14 10 Siehe: Council of Europe (Hrsg.): Common European Framework, Seite 101-130 eingesehen unter: www.coe.int/T/E/Cultural_Co- operation/education/Languages/Language_Policy/Common_Framework_of_Reference/1cadre.asp am 1.3.2004 11 Vgl.: ebenda 12 Vgl.: Piepho, Hans-Eberhard: Ableitung und Begründung von Lernzielen im Englischunterricht, in: Bundesar- beitsgemeinschaft Englisch an Gesamtschulen (Hrsg.): Kommunikativer Englischunterricht, Prinzipien und Übungstypologie, Berlin 1978, Seite 19f.
13 Legutke, Michael; Schocker-v.Ditfurth, Marita: Kommunikativer Fremdsprachenunterricht: Bilanz und Per- spektiven, Eine Einführung, in: Legutke, Michael; Schocker-v.Ditfurth, Marita (Hrsg.): Kommunikativer Fremdsprachenunterricht: Rückblick nach vorn, Festschrift für Christoph Edelhoff, Gießen 2003, Seite 10f.
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Tobias Goldschmidt, 2004, Kommunikative Kompetenz als Programm, Munich, GRIN Publishing GmbH
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