Schriftliche Arbeit zur Erlangung des akademischen Grades
„Magister Artium“
an der Philosophischen Fakultät
der Universität Augsburg
Medien -Bilder und kriegerische Konflikte
Fotoanalytische Zugänge zum Kosovo-Konflikt 1999
Vorgelegt von:
Tatjana Butorac
Politikwissenschaft/ Kommunikationswissenschaft/ Volkswirtschaftslehre
Augsburg den 04.11.2003
Inhaltsverzeichnis ... I
1. Einleitung ... 1
2. Bilder und ihre Wirkung ... 5
2.1. Bedeutung des Bildes im visuellen Zeitalter ... 5
2.2. Bild und Wirklichkeit ... 8
2.3. Wahrnehmung und Wirkung von Bildern ... 12
2.4. Zusammenfassung ... 16
3. Funktion der Medien im Krieg ... 18
3.1. Objektivität von Informationen in Krisenzeiten ... 18
3.2. Kriegsberichterstattung ... 20
3.3. Nachrichtenkriterien der Kriegsberichterstattung ... 26
3.4. Reporter im Krieg – Zugänglichkeit von Bildern und Informationen ... 30
3.5. Bedeutungen und Funktionen von Medienbildern in Kriegen ... 32
3.6. Zusammenfassung ... 36
4. Der Kosovo-Krieg und die Informationspolitik der Kriegsparteien ... 38
4.1. Hintergründe des Kosovo-Konflikts ... 38
4.2. Die Medien im Kosovo-Krieg ... 42
4.3. NATO Informationspolitik ... 48
4.4. Jugoslawische Informationspolitik ... 54
4.5. Zusammenfassung ... 59
5. Bildanalyse ... 61
5.1. Erläuterung des fotoanalytischen Zugangs ... 61
5.2. NATO-Bilder ... 64
5.2.1. Luftaufnahmen ... 66
5.2.2. Infografiken ... 72
5.2.3. Soldaten und Kriegsgeräte ... 78
5.2.4. PR-Material ... 82
5.3. Jugoslawische Bilder ... 87
5.3.1. Anti-Nato-Konzerte und -Proteste ... 89
5.3.2. Brückenbesetzungen ... 95
5.3.3. Militär ... 100
5.3.4. Zerstörungen und Opfer ... 105
5.4. Fotoanalytisches Fazit ... 111
6. Ausblick ... 113
7. Literaturverzeichnis ... 115
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Thema Medienbilder in Kriegszeiten und hat das Ziel, die Bedeutung von medial vermittelten Bildern in kriegerischen Konflikten aufzuzeigen. Zudem soll dargelegt werden, wie wichtig eine kritische Auseinandersetzung mit bildlichen Darstellungen ist. Am Beispiel des Kosovo-Krieges von 1999 wird der Frage nachgegangen, welche Bilder von diesem Krieg gezeigt wurden und ob mit diesen ein bestimmter Zweck verfolgt wurde. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Bildern der in diesem Krieg primär beteiligten Kriegsparteien – der NATO (North Atlantic Treaty Organization) und der Serben1. Am Konflikt selbst waren mehrere Gruppen2 beteiligt. Auf alle konkret einzugehen, würde den Rahmen der Arbeit sprengen. Das Nordatlantische Bündnis, das sich damals aus 19 Mitgliedsstaaten zusammensetzte, wird aufgrund seines geschlossenen Auftretens als eine Einheit betrachtet. Die UCK, die Befreiungsarmee der Kosovo-Albaner, lieferte kaum Bilder und kann daher hinsichtlich des hier untersuchten Gegenstandes vernachlässigt werden. Bezüglich der Herkunft der Bilder ist vorab folgendes anzumerken: Die hier verwendeten NATO-Bilder stammen von der Homepage des Bündnisses3. Aus Dokumentationszwecken stehen diese Bilder, die auf den täglichen Pressekonferenzen während des Krieges gezeigt wurden, immer noch im Netz zur Verfügung. Die Suche nach geeigneten jugoslawischen4 Kriegsbildern erwies sich jedoch als äußerst problematisch. Da mehrere Anfragen bei serbischen Quellen (Radio-Televizija Srbija, Tanjug, etc.) nichts ergaben, stammen die hier untersuchten Bilder von einer seit Kriegsende nicht mehr aktualisierten, serbischen Internetseite5, die stark propagandistisch geprägt ist. Dabei handelt es sich um eine Vielzahl von Standbildern des staatlichen serbischen Fernsehsenders RTS (Radio-Televizija Srbija).
Normalerweise ist ein Vergleich zwischen Fotografien und Standbildern aus der Fernsehberichterstattung, die ursprünglich Lauf- bzw. Bewegtbilder waren, nicht üblich, da sie unterschiedlichen technischen Bedingungen und medialen Funktionen unterworfen sind. Aus Gründen der eingeschränkten Verfügbarkeit und da in dieser Arbeit untersucht wird, ob sich die jeweiligen Kriegsaussagen in den gewählten Bildmotiven widerspiegeln, die Bilder also einen bestimmten Zweck zu erfüllen scheinen, soll dieser Vergleich dennoch gewagt werden.
Wie noch ausführlich gezeigt wird, gab es während des Kosovo-Krieges fast ausschließlich kontrollierte Medienbilder vom Kriegsgeschehen. Dies lag zum einen an den strikten Zensurmaßnahmen der Serben und zum anderen an der restriktiven Informationspolitik der NATO. Unabhängige Journalisten lieferten vor allem Bilder aus den Flüchtlingscamps außerhalb des Kriegsgebietes. Aufgrund des eingeschränkten Bildmaterials sind die in dieser Arbeit verwendeten Bilder nicht medialen Trägern (Zeitung, Zeitschriften, Fernsehen, etc.), sondern so weit wie möglich ursprünglichen Bildquellen entnommen.
Für eine kritische Auseinandersetzung mit Bildern und um Erkenntnisse aus diesen zu ziehen, eignet sich die Methode der Bildanalyse. Aufgrund der spezifischen Fragestellung fiel nach eingehender Betrachtung unterschiedlicher Analyse- und Interpretationsverfahren, die Entscheidung, in Anlehnung an diese, ein eigenes Verfahren zu verwenden.
Auf dem Forschungsgebiet „Medien und Krieg“ lässt sich eine Fülle von Literatur, die vor allem aus der Kommunikationswissenschaft stammt, finden. Allerdings ist diese, wie Jörg Becker treffend bemerkt, „meist anlassbedingt, kaum jedoch präventiv, systematisch und theoretisch.“6
Hinsichtlich der speziellen Bedeutung medial vermittelter Bilder fällt auf, dass viele Autoren zwar die Relevanz des Themas erkennen, sich jedoch kaum ausführlicher und intensiver damit beschäftigen. So sind Arbeiten, in denen gezielt Kriegsbilder analysiert werden, schwierig und nur vereinzelt zu finden. Dazu zählen beispielsweise Ulrich Hägeles Bildanalyse von deutschen und amerikanischen Zeitungsbildern während des Afghanistan-Krieges7 oder Karl Prümms Fernsehanalyse während des Kosovo-Krieges8, in der er vor allem das Sendematerial der Öffentlich-Rechtlichen Fernsehanstalten untersucht.
Diese Leerstelle kann sich u.a. damit erklären lassen, dass zum einen über die Wirkung von Bildern zu wenig bekannt ist, und zum anderen, dass kein einheitliches oder standardisiertes Bildinterpretations- und Analyseverfahren vorhanden ist. Die aus unterschiedlichen Disziplinen stammenden Methoden sind, wie in Kapitel 5.1 noch näher beschrieben wird, bezüglich ihrer Vorgehensweise und Intention stark von der jeweiligen Fachrichtung und dem Forschungsanliegen abhängig.
Die Erforschung von Bildern im Rahmen der Medienwirkungsforschung wurde, wie in Kapitel 2.1 noch aufgezeigt wird, lange Zeit vernachlässigt. Auf dem Forschungsfeld „Visuelle Kommunikation“ sind erst seit kurzer Zeit Lehrbücher, die methodenpraktische und theoretische Kenntnisse vermitteln, zu finden. Zu nennen sind hier u.a. Marion G. Müllers Buch der „Visuellen Kommunikation“9 sowie, auf dem englischsprachigem Markt, Paul M. Lesters Buch „Visual Communication“10.
Da Bilder ein interdisziplinär behandeltes Thema sind, umfasst auch die hier verwendete Literatur Arbeiten aus verschiedenen Bereichen wie beispielsweise aus der Psychologie, der Kommunikationswissenschaft, der Politikwissenschaft, der Geschichte, der Kunstgeschichte und der Volkskunde.
Da Bilder ein interdisziplinär behandeltes Thema sind, umfasst auch die hier verwendete Literatur Arbeiten aus verschiedenen Bereichen wie beispielsweise aus der Psychologie, der Kommunikationswissenschaft, der Politikwissenschaft, der Geschichte, der Kunstgeschichte und der Volkskunde.
Im 2. Kapitel werden Bilder11 und ihre Kommunikation behandelt. Dabei soll zunächst die Bedeutung von Bildern im Medienzeitalter aufgezeigt werden. Anschließend soll geklärt werden, warum Bilder als genaue Abbildung der Realität angesehen werden und somit eine hohe Glaubwürdigkeit und Beweiskraft besitzen. Interessant ist in diesem Kapitel auch die Frage nach der Wahrnehmung und Wirkung von Bildern. Wie nehmen Menschen Bilder und Fotos wahr? Welches Verhalten können sie eventuell auslösen? Ziel ist es, die Besonderheiten von Bildern hinsichtlich ihrer politischen Instrumentalisierbarkeit herauszustellen. Die Erkenntnisse aus diesem Kapitel stammen primär aus der Psychologie –speziell aus der Werbepsychologie- und aus der Kommunikationswissenschaft.
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1Bezeichnungen wie „die Serben“ oder „die Kosovo-Albaner“ sollen keine politischen Aussagen beinhalten. Da eine ständige Unterscheidung beispielsweise zwischen der serbischen Regierung, der serbischen Zivilbevölkerung, etc. umständlich ist, dienen sie lediglich der Vereinfachung.
2 Dazu zählen beispielsweise folgende: die NATO, die Russen, die Serben innerhalb Ex-Jugoslawiens, die Kosovo-Serben, die serbische Armee, die serbische Spezialpolizei, die Kosovo-Albaner, die UCK („Ushtria Clirimtare e Kosoves“ –Befreiungsarmee Kosova) und weitere separatistisch orientierte Gruppen wie beispielsweise die Montenegriner.
3 NATO: NATO`s role in Kosovo. In: NATO-Homepage. http://www.nato.int/kosovo, Stand: 1999
4 Da im Jahre 1999 die offizielle Bezeichnung „Bundesrepublik Jugoslawien“ noch üblich war, wird sie auch in dieser Arbeit verwendet. Eine Umbenennung in „Serbien und Montenegro“ fand erst im Februar 2003 statt. Vgl. dazu: o.N.: Länderinformationen: Serbien & Montenegro. In: Osteuropa-Infoseite. http://www.osteuropainfoseite. de/serbien-montenegro.htm, 2003
5 Cile/ Warinfo: Warinfo. In: Warinfo-Homepage. http://www.infowar.org/yu, Stand: 1999
6 Becker, Jörg: Bibliographie zum Thema ,”Krieg und Medien”. In: Albrecht, Ulrich/ Becker, Jörg: Medien zwischen Krieg und Frieden. Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft für Freidens- und Konfliktforschung e.V. (AFK), Band XXIX, Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden-Baden, 2002, S. 267
7 Hägele, Ulrich: Das Sichtbare und das Unsichtbare. Afghanistan – Ikonographie der fotografischen Kriegsberichterstattung. In: Tübinger Vereinigung für Volkskunde im Internet. http://www.tvv-verlag.de/Der_Verlag/Neuerscheinungen/Kriegsberichterstattung/kriegsberichterstattung.html, Stand: 2002
8 Prümm, Karl: Korpsgeist und Denkverbot. Das deutsche Fernsehen im Kosovo-Krieg. In: Hall, Christian (Hg.): Krieg mit Bildern. Wie Fernsehen Wirklichkeit konstruiert. Mainzer Tage der Fernseh-Kritik, ZDF, 33. Band, Druck- und Verlagshaus Erfurt, Mainz, 2001, S. 79-91
9 Müller, Marion G.: Grundlagen der visuellen Kommunikation. Theorieansätze und Analysemethoden. UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz, 2003
10 Lester, Paul M.: Visual Communication: Images with Messages. 2. Edition, Wadsworth Publishing Company, Belmont, 2000
11 Für die Zwecke dieser Arbeit möchte ich mich an den Bildbegriff von Werner Kroeber-Riel anlehnen: „Ein Bild ist die Aufzeichnung eines realen oder fiktiven Gegenstandes, die dem Gegenstand ähnlich ist und deswegen wie der Gegenstand wahrgenommen werden kann.“ Kroeber-Riel, Werner: Bildkommunikation. Imagerystrategien für die Werbung. Verlag Franz Wahlen, München, 1996, S. 35
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Tatjana Butorac, 2003, Medienbilder und kriegerische Konflikte, Munich, GRIN Publishing GmbH
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