DIE ZUKUNFT IST NICHT MEHR DAS, WAS SIE WAR 1
EINLEITUNG 5
1. ZUR BEGRIFFLICHKEIT UND TYPOLOGISIERUNG DES PROPHETEN 6
2. EIGENSCHAFTEN UND FÄHIGKEITEN EINES PROPHETEN 7
2.1 Aussagen zur Persönlichkeit 8
2.2 Soziale Beziehungen 8
2.3 Beziehung zu Gott oder geistigem Führer 9
3. DREI FORMEN VON PROPHETISMUS 9
3.1 Biblischer Prophetismus 9
3.2 Außerbiblischer Prophetismus 10
3.3 Mischprophetismus 11
4. PROPHETIE IM GESCHICHTLICHEN WANDEL 11
4.1 Die Antike 12
4.2 Das Mittelalter 13
4.3 Das 17. Jahrhundert 13
4.4 Das 18. Jahrhundert 14
4.5 Das 19. Jahrhundert 16
4.6 Das 20. Jahrhundert 18
5. FUTUROLOGIE ALS MODERNES MITTEL DER VORHERSAGE 20
5.1 Zukunftsforscher Matthias Horx als moderner Prophet? 21
6. GIBT ES DEN MODERNEN PROPHETEN? 23
LITERATURVERZEICHNIS 28
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Die Zukunft ist nicht mehr das, was sie war
- Eine Abhandlung über die Geschichte der Prophezeiungen -
Einleitung
Das Leben zwingt uns ständig, eine Wahl zu treffen. Daher ist es eine grundlegende Dimension des menschlichen Lebens, Voraussagen über die Zukunft zu machen, die uns helfen in der Gegenwart zu handeln.
Zukunft zu verkünden, macht aber nur dann Sinn, wenn sie noch nicht feststeht, beziehungsweise wenn sie unvorhersehbar ist. Diese Tatsache macht die „Voraussage“ zu einem magischen Akt, dem die Menschheit seit Jahrtausenden große Wichtigkeit beimisst.
Tatsächlich klärt uns die Vorhersage allerdings nicht über die Zukunft auf, sondern spiegelt die Gegenwart wider. Sie gibt Aufschluss über Mentalitäten, die Kultur einer Gesellschaft und einer Zivilisation, aus der heraus sie gedeutet wurde. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass es in allen Gesellschaften Experten für Voraussagen gegeben hat. Nur ihre Namen und Techniken variieren: von den Sehern bis zu den Futurologen, Auguren, Sybillen, Astrologen, Orakeln, Wahrsagern und Propheten.
Heikel ist der westlich-wissenschaftliche Prophetenbegriff. Bis in das 19. Jahrhundert galt ein Prophet hauptsächlich als israelisches Phänomen, der Begriff wurde fast ausschließlich in christlich-religiösem Sinne genutzt. Erst zu Anfang des 20. Jahr-hunderts wurden auch andere Religionsvertreter, wie Mohammed für den Islam und Zarathus tra für den Parsismus, als göttliche Propheten akzeptiert. In der Volkskultur dagegen wurden Menschen, die sich einen besonderen Ruf als Künder künftiger Ereignisse gemacht hatten, schon seit langem als Propheten betitelt. In der heutigen Umgangssprache ist ein Prophet eine Person, die Zukünftiges voraussagt. Dies können Ökonomen, Meteorologen, Künstler oder geistige Führer sein, der spezifisch religiöse Aspekt ist verloren gegangen. Weshalb die Kenntnis der Zukunft für die Menschheit derartige Wichtigkeit hat und wie sie diese zu erlangen sucht, möchte ich anhand dieser Arbeit herausstellen. Zusätzlich wird untersucht, ob, nach den herkömmlichen Beurteilungsmechanismen, die modernen Propheten noch die ursprünglichen Ansprüche an ihre Person erfüllen können. Zunächst ist daher die Klärung der Begrifflichkeit „Prophet“, sowie seine Ty-
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pologisierung notwendig. Auch die Eigenschaften und Fähigkeiten eines Propheten sollen betrachtet werden. Ausgehend von drei unterschiedlichen Kategorien des Prophetismus, wird im folgenden der Wandel im Umgang des Menschen mit der Zukunft anhand historischer Epochen - von der Antike bis zur Moderne - aufgezeigt werden. Im Mittelpunkt werden, neben der Prophetie, die Wahrsagerei, die Utopie, die Science-Fiction und die Futurologie stehen. Allerdings werde ich mich nicht spezifisch einzelnen Personen widmen, da die Thematik schon an sich eine derartige Komplexität besitzt, dass einzelne Portraitierungen den Rahmen sprengen würden. Der heutigen Situation der Prophetie wird sich Punkt Fünf dieser Arbeit mit einer Beschreibung der Futurologie widmen. Die grobe Zusammenfassung und Auswertung der Thematik, unter dem Gesichtspunkt ob es tatsächlich moderne Propheten gibt, bildet den Abschluss dieser Arbeit.
1. Zur Begrifflichkeit und Typologisierung des Propheten
Das Wort „Prophet“ stammt aus dem Griechischen. Es gestaltet sich wahrscheinlich aus verschiedenen Wortstämmen: So ist es zum einen aus dem Verb pro-phêmi herzuleiten, welches etwas heraus- oder hervorsagen bedeutet, zum anderen kommt auch das Verb phánai in Betracht, welc hes sprechen oder verkünden ausdrückt. Bedeutend ist auch das Verb prophesí, welches für einen anderen sprechen bedeutet. In klassisch griechischer Zeit wurden diese Begriffe für Dichter, Orakelgeber, Tempeldiener und vor allem auch für Priester verwandt.
Im hebräisch arabischen Sprachgebrauch war das Wort nâbî üblich, es bezeichnete einen von Gott Berufenen. 1 Schon anhand der Bedeutungen der Wortstämme aus beiden Kulturkreisen, lässt sich ein Unterschied feststellen: Während im Griechischen als Voraussetzung nicht unbedingt notwendig, kommt die Wichtigkeit der göttlichen Berufung besonders bei der altisraelitischen Wortwahl zum Vorschein. Propheten gelten also als „Geisteserfüllte Menschen, die mit göttlichem Auftrag und Vollmacht den Willen Gottes öffentlich verkünden sowie Rettung oder Strafgericht ankündigen.“ 2 Dies bezeichnet auch die Formel „So spricht der Herr“, die in der Bibel gleich 3808 mal erwähnt wird. 3
1 M. Sturm-Berger, Merkmale und Wesen von Prophetentum - Eine religionsvergleichende Studie, Berlin 1997
2 Harenberg Kompaktlexikon, Band 4, Dortmund 1994
3 S. Németh, Die Propheten und die Apokalypse, www.ger.hit.hu/h3-06s03.shtml , Stand Mai 2002
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Doch einem Propheten kommen auch noch andere Aufgaben als nur die des Botschafters zwischen Gott und Menschheit zu. Er ist für die Warnung, Erziehung und Führung von Menschen zuständig. Ebenfalls kommt ihm die Vermittlung von Liebe, Frieden, Versöhnung und Freundschaft zu. Bedeutsam ist eine Aussage der indischen Bahá`í Schriften, die den Propheten als Arzt und Erzieher kranker Gesellschaften darstellt. 4
Eine allgemeine religionsübergreifende Typologisierung der Propheten ist jedoch schwierig, da ihr Wirken immer andere Formen hat. Guglielmo Guariglia ist es in seinem Buch „Prophetismus und Heilserwartungsbewegungen als völkerkundliches und religionsgeschichtliches Problem“, Wien 1959, gelungen, ein Modell zu erarbeiten, dass die verschiedenen Prophetentypen in drei Kategorien einordnet:
Typologisierung der Propheten: 5
Eines jedoch haben sämtliche Propheten gemeinsam: Sie tauchen immer in Krisensituationen auf und verkünden allgemeine, keine individuellen, Wahrheiten. Die folgenden Ausführungen über die Eigenschaften und Fähigkeiten von Propheten, werden dies aufzeigen und verdeutlichen, wie zutreffend obige Einteilung ist.
2. Eigenschaften und Fähigkeiten eines Propheten
Ein Prophet hat bestimmte Eigenschaften, die ihn im allgemeinen als solchen kenntlich machen. Zu diesen zählen seine persönlichen Charakterzüge ebenso wie seine soziale Beziehungen und seine Beziehung zu Gott oder seinem jeweiligen geistigen
4 M. Sturm-Berger, Merkmale und Wesen von Prophetentum - Eine religionsvergleichende Studie, Berlin 1997, S. 258
5 in Anlehnung an G. Guariglia, Prophetismus und Heilserwartungsbewegungen als völkerkundliches und religionsgeschichtliches Problem, Wien 1959, S. 59
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Führer. Auch seine Lebensumstände sind meist bezeichnend. So ist einem Propheten oft die Emigration oder das Exil vorherbestimmt. Scho n Jesus äußerte sich diesbezüglich: „Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat“ 6 Doch um zu einem solchen Schluss gelangen zu können, schauen wir uns zunächst detaillierter prophetische Eigenschaften und Fähigkeiten an: 7
2.1 Aussagen zur Persönlichkeit
Propheten gelten als Erkenntnis- und Weisheitsträger. Vor ihren Offenbarungen ziehen sie sich oft in die Einsamkeit zurück, wie beispielsweise Moses - vor Erhalt der zehn Gebote - auf den Berg Sinai. Ihr Charisma, ihre Ausstrahlung wird fast immer als eine ganz Besondere beschrieben, entweder als erleuchtet, strahlend oder aber eigenbrötlerisch und entrückt. „Der Prophet hat Auge und Ohr offen für Dinge, die der Alltagsmensch nicht sieht noch hört: das Element von dem er lebt, ist die Vision und die Audition, sofern es sich bei diesem um ekstatische Zustände handelt.“ 8 Auch Standhaftigkeit und Tugendhaftigkeit, die sich zum Beispiel in ihrer Bescheidenheit wirtschaftlicher Art zeigen - viele bekannte Propheten lebten bewusst in Armut, also ohne weltliche Güter - , zählen zu prophetischen Merkmalen.
2.2 Soziale Beziehungen
Prophetische Anhänger stammen meist aus sozial niedrigen Schichten, sind arm oder werden unterdrückt. Dennoch gibt es auch Fälle, in denen Propheten durch Herrscher Anerkennung finden. So gab es in den altbabylonischen und ägyptischen Königshäusern viele Propheten, die ihren Herren als eine Art Berater zur Seite standen. Ihre Botschaften haben in der Regel aber wechselnde Empfänger, entweder richten sie sich an die eigenen Anhänger, an geistige oder politische Führer oder gar an ganze Völker. Ihr Maßstab ist das Gerechtigkeitsprinzip, sie fungieren als eine Art Menschenrechtshüter. Daher wählen Propheten als Zeit ihres Auftretens meist Krisensituationen, in denen sie durch eine verständliche bildhafte Sprache oder eine Zeichenhandlung auf die Missstände aufmerksam machen und mit Heils- oder Un-
6 G.Minois, Die Geschichte der Prophezeiungen, Düsseldorf / Zürich 1998, S. 178
7 Die Quellen über prophetischen Merkmale beziehen sich, wenn auch nicht ausschließlich, so doch hauptsächlich auf die biblischen Propheten.
8 nach Bertholet, aus G. Guariglia, Prophetismus und Heilserwartungsbewegungen als völkerkundliches und religionsgeschichtliches Problem, Wien 1959, S. 37
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Anna Maresa Starkowski, 2003, Die Zukunft ist nicht mehr das was sie war. Eine Abhandlung über die Geschichte der Prophezeiungen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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