Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Dienstleistungsgesellschaft 5
2.1 Ausgangslage: Strukturelle Veränderungen in der Erwerbsarbeit 5
2.2 Unterscheidungen in den Dienstleistungen 7
3. Frauenerwerbsarbeit 10
3.1 Die Erwerbsarbeit der Frau im sozialen Wandel 10
3.2 Geschlechtliche Segregierung der Arbeitsmärkte 12
3.3 Frauenerwerbsarbeit im Dienstleistungssektor 15
3.3.1 Ausbildung 17
3.3.2 Beschäftigungsverhältnisse 18
3.3.3 Erwerbstätige Migrantinnen 19
3.3.4 Die ehrenamtliche Beschäftigung 20
4. Fazit 21
5. Literaturverzeichnis 24
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1. Einleitung
Differenzierung, Pluralisierung und Individualisierung, das sind nur einige Stichworte, die den gesellschaftlichen und soziokulturellen Wandel der Gesellschaften des 20. und 21. Jahrhunderts beschreiben.
Vor dem Hintergrund der Tertiarisierung, dem “Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft“, sind langfristige Umbruchprozesse in der Erwerbsarbeit festzustellen. Besonders Frauen betrifft der Wandel, für sie sind neue Beschäftigungsmöglichkeiten, mit vielfältigen Chancen in der Frauenerwerbsarbeit, entstanden. Die Dienstleistungsgesellschaft wird ganz allgemein als Weg bezeichnet, die Frauen von ihren traditionellen Aufgaben zu lösen und sie in das System von Markt und Staat zu überführen.
Mit dem Wandel in der Arbeitswelt, dessen historische Hintergründe in Kapitel 2 beschrieben werden, hat die traditionelle geschlechtsspezifische Rollenverteilung im Erwerbsbereich an Selbstverständlichkeit verloren. Die Entwicklung der Dienstleistungsgesellschaft ist, ökonomisch betrachtet, vor allem unter der Frage nach den Wachstumschancen für die Arbeitsmärkte - besonders für die weiblicheninteressant. Jean FOURASTIÈ hat 1949 in ihr einen Weg zur Vollbeschäftigung gesehen. Kapitel 2.1 erläutert einen Teilaspekt seiner Theorie, die davon ausgeht, dass in den so genannten „verbrauchs- bzw. personenbezogenen Dienstleistungen“ unbegrenzte Wachstumspotentiale liegen.
Dieser Bereich bietet vor allem Frauen die Möglichkeit, dort erwerbstätig zu werden, denn es sind ihre traditionellen Aufgaben als Hausfrau und Mutter, die in den „personenbezogenen Dienstleistungen“ beruflich organisiert sind. Kapitel 3 erläutert den sozialen Wandel in der Stellung der Frau und wie es zu Veränderungen in der weiblichen Erwerbsarbeit gekommen ist. Es wird gezeigt, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt massiv benachteiligt werden und man weltweit von geschlechtlich segregierten Arbeitsmärkten sprechen kann.
Weibliche Erwerbsarbeit findet zu einem hohen Anteil in den „personenbezogenen Dienstleistungen“ statt. Gerade dieser Bereich wurde aber lange Zeit wirtschafts-
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arbeitsmarkt- und bildungspolitisch vernachlässigt, da er keinen ökonomischen Wachstum verspricht. Die Folgen dieser Vernachlässigung sind vielfältig. Diese Arbeit soll einen kritischen Blick auf die Dienstleistungsgesellschaft werfen. Besonders soll der Bereich der „personenbezogenen Dienstleistungen“ betrachtet werden, um zu klären, ob er eine wirkliche Chance zur Beseitigung der Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt darstellt.
So wird am Ende dieser Arbeit ersichtlich sein, dass die Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft differenziert betrachtet werden muss.
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2. Die Dienstleistungsgesellschaft
Die Dienstleistungsgesellschaft wird - spätestens seit Jean Fourastiés 1949 erschienenem Buch mit dem gleichnamigen Titel - als die „große Hoffnung des 20. Jahrhunderts“ charakterisiert. Seine These war, dass nach zwei Weltkriegen und der Industrialisierung Europas, mit der fortschreitenden Technologisierung die Ära der Dienstleistungsgesellschaft beginnen würde. Damit wäre die Zeit der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Unstabilität vorbei, denn laut Fourastié sei der „Hunger nach Tertiärem“ unstillbar, weswegen die Vollbeschäftigung gesichert wäre. Seine Prognose versprach, dass allen, die aufgrund der Umbrüche in der industriellen Produktion ihre Arbeitsplätze verloren hätten, in den Dienstleistungsberufen neue und veränderte berufliche Tätigkeiten angeboten würden. (vgl. FOURASTIÈ 1963, S.217, HÄUSSERMANN/SIEBEL 1995, S.10) Diese „Tertiarisierung der Beschäftigung“ beruht auf der „Drei-Sektoren-Theorie“. Sie besagt, dass „[...] im Laufe der Wirtschaftsgeschichte eine Verschiebung der Schwergewichte der Beschäftigung zunächst vom primären zum sekundären und dann weiter zum tertiären Sektor zu beobachten ist.“ 1 (HÄUSSERMANN/SIEBEL 1995, S.23). Um diese Entwicklung zu erläutern, wird im nächsten Kapitel auf den historischen Wandel in der Erwerbsarbeit eingegangen.
2.1 Ausgangslage: Strukturelle Veränderungen in der Erwerbsarbeit
Die „moderne“ Arbeiterbewegung entwickelte sich europaweit seit ca. 1848. Seitdem ist die Erwerbsarbeit dauernden Umbrüchen unterlegen. Wie im Folgenden beschrieben wird, beruht dieser Prozess wirtschaftsgeschichtlich auf der Entwicklung gewerblicher und industrieller Produktion.
Die “erste industrielle Revolution“ im frühen 19. Jahrhundert bewirkte einen starken wirtschaftlichen und sozialen Wandel in Europa. Industriegebiete entstanden
1 Der primäre Sektor bezeichnet den landwirtschaftlichen Bereich, der sekundäre Sektor
den industriellen Bereich und der tertiäre Sektor den Bereich der Dienstleistungen.
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und Erfindungen, wie die der Dampfmaschine von James Watt, förderten die Teilmechanisierung von Arbeitsvorgängen. Die Produktionsweisen veränderten sich drastisch. Die Folge war eine Neuorganisation von Arbeits- und Produktionsprozessen. Mit der “zweiten industriellen Revolution“ gegen Ende des 19. Jahr-hunderts fand vor allem eine Automatisierung der menschlichen Arbeit statt. Die Einführung des Fließbandes und die Optimierung von Arbeitsschritten, nach dem Prinzip des Fordismus und Taylorismus, machten eine noch deutlichere Erhöhung der Produktivität möglich. Mit der Massenproduktion entstand die Berufsgruppe des Massenarbeiters. In der “dritten industriellen Revolution“, ab Mitte des 20. Jahrhunderts, wirkte sich die fortschreitende Entwicklung der Mikroelektronik immer mehr auf die Produktionsabläufe aus. Die Arbeitsbereiche wurden vielseitiger und in sich differenzierte, neue Arbeitsplätze entstanden. Die Technologisierung ermöglichte den Unternehmen beispielsweise die räumliche Auslagerung von Fertigungs- und Verwaltungsbereichen. Sacharbeitertätigkeiten kamen verstärkt mit der Einführung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien auf. In den fünfziger Jahren, zu Zeiten des Wirtschaftswunders, wurde eine historisch einmalige Vollbeschäftigung erreicht, die eine Ausweitung der Einkommen ermöglichte und den Massenkonsum förderte. Individuelle Lebenspläne der bis dato traditionell homogenen Arbeitnehmerschaft wurden möglich, was eine Differenzierung der Erwerbstätigen weiter wachsen ließ.
Die Vollbeschäftigungsperiode war spätestens 1975 mit der allgemeinen Weltwirtschaftskrise zu Ende. Das Bild des klassischen Normalarbeiters, traditionell männlich, deutsch und in der Industrieproduktion beschäftigt, verlor seine längst überholte Gültigkeit. Dies verdeutlichen auch folgende Zahlen:
Die Zahl der Beschäftigten im Dienstleistungsbereich stieg Mitte der siebziger Jahre erstmalig, während die Zahl der Erwerbstätigen im industriellen Sektor sank. Abbildung 1. zeigt die Anteile der Erwerbstätigen nach Wirtschaftssektoren und den Wandel bis 1999. Waren um 1975 noch je ca. 45% der Erwerbstätigen im se-kundären und im tertiären Sektor beschäftigt, so waren im Jahre 1999 fast 70% der Arbeitnehmer im Dienstleistungssektor beschäftigt und nur noch knapp über 30% im industriellen Sektor. Leider geben diese Zahlen weder Aufschluss darüber, in welchen Berufen des Dienstleistungssektors die Beschäftigtenzahl zugenommen hat, noch über die geschlechtliche (horizontale) 2 Segregation in den Sek-
2 Ausführlichin Kapitel 3
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toren. Die Abbildung veranschaulicht jedoch den deutlichen Anstieg im Dienstleis-tungssektor und den Rückgang im industriellen Sektor.
Abbildung 1: Erwerbstätige nach Sektoren (in Prozent)
Eigene Darstellung. Quelle: HÄUSSERMANN/SIEBEL 1995, S.51, Hans Böckler Stiftung 2001
Auf die Folgen dieser Verschiebung hin zum tertiären Sektor, die Umbrüche in den Arbeitsbeziehungen und die Auswirkungen, besonders auf die weiblichen Arbeitnehmer, wird in den weiteren Kapiteln eingegangen.
2.2 Unterscheidungen in den Dienstleistungen
Die zunehmende Technisierung und Flexibilisierung der Arbeitsprozesse hat einen strukturellen Wandel hervorgerufen. Wie im vorherigen Abschnitt gezeigt, ist die Arbeit ganz allgemein durch neue Produktionskonzepte verändert worden. Die Zahl der Beschäftigten in den Industriebranchen schrumpft, während der Anteil der Beschäftigten im Dienstleistungssektor wächst, genau wie es FOURASTIÈ vorausgesagt hat. Parallel dazu werden jedoch nicht, wie man vermuten könnte,
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Master of Arts in Social Science Kerstin Wittmütz, 2003, Frauenerwerbsarbeit in der Dienstleistungsgesellschaft, Munich, GRIN Publishing GmbH
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