Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1. Landwirtschaft 2
1.1 Zenturiation 2
1.2 Garten- und Obstanbau 4
1.3 Weinbau 5
1.4 Landwirtschaftliche Ausrüstung 6
1.5 Viehzucht 7
2. Abbau von Bodenschätzen 8
3. Bauwirtschaft 9
3.1 Lage der Steinbrüche und Baumaterial 9
4. Keramik- und Glasproduktion 10
5. Absatz und Handel 11
5.1 Transport 12
5.2 Handelsbeziehungen 14
6. Literatur 15
Einleitung
Die Schilderung der Wirtschaft in den römischen Rhein-Oberdonau-Provinzen weist durch das Fehlen schriftlicher Überlieferungen große Schwierigkeiten auf. Hieraus folgend erhalten archäologische Quellen einen höheren Stellenwert. Doch nicht für jeden Bereich der materiellen Produktion liegen Funde in ausreichender Zahl und Qualität vor, so dass die Forschung bislang nur auf die quellenmäßig nachgewiesenen als auch bedeutendsten Produktionszweige ihr Augenmerk gerichtet hat. Aus diesem Grund werden auf den nachfolgenden Seiten die Bereiche Landwirtschaft, Bodenschätze, Bauwirtschaft, Keramik-und
Glasproduktion und Absatz und Handel näher dargestellt.
Die Provinz zwischen Rhein und Maas galt bei den Römern als „Entwicklungsland“, in dem sich aber Investitionen lohnen würden, da Niedergermanien im Besitz von wichtigen Bodenschätzen war und über eine gut entwickelte Land- und Viehwirtschaft verfügte.
Zu Beginn der Romanisierung war Niedergermanien sehr stark von Einfuhren aus Gallien und Italien abhängig. Mit der Ansiedlung des Militärs und der Zivilisten im Grenzgebiet, in Verbindung mit der rapide wachsenden Bevölkerung, stieg die Nachfrage nach Produkten und Gütern an. Dies veranlaßte die Bevölkerung der Provinz sich verstärkt um den Ausbau der Infrastruktur, der Wirtschaft, des Handels und den Warenverkehr zu bemühen, um sich von den gallischen und italischen Importen unabhängiger zu machen. Ebenso wie s ich die Wirtschaft entwickelte, wurde auch die Technik bei den Töpfern, Steinmetzen, Metall- und Bauhandwerkern fortschrittlicher. Bis sich die heimischen Produkte gegenüber den importierten Gütern durchsetzen konnten, dauerte es drei Generationen. Obwohl diese Produkte nicht in ihrer Qualität mithalten konnten, setzten sie sich durch den Wegfall der Transportkosten im günstigeren Preis durch. 1
1 vgl. Bechert 1982, S. 187.
1. Landwirtschaft
Im ökonomischen System stand die Landwirtschaft an erster Stelle der Wirtschaft und das obwohl die Städte mit ihrer handwerklichen Produktion an Bedeutung gewannen und sich ausbreiteten. Der Boden war der landwirtschaftlichen Nutzung vorbehalten und gleichzeitig arbeitete in diesem Wirtschaftsbereich die Mehrzahl der Bevölkerung. Dabei war der Entwicklungsstand von Provinz zu Provinz unterschiedlich. Zum einen fand man eine zur Selbstversorgung ausgerichtete Bewirtschaftung vor, zum anderen aber auch eine Bewirtschaftung auf einem höheren Entwicklungsstand, die sich durch differenzierte Arbeitsteilung und eine beginnende Produktion für den Markt auszeichnete. Mit der voranschreitenden Romanisierung entwickelte sich die Marktproduktion mehr und mehr. Der Höhepunkt der einheimischen Wirtschaft wird im Laufe des 2. Jahrhunderts gesehen. Entscheidend war hierbei in erster Linie der Grad ihres technischen Niveaus, welches in den Rhein-Oberdonau-Provinzen vorlag, und nicht etwa der Umfang ihrer Landwirtschaft, welcher in anderen Provinzen höher anzusiedeln war. Ausschlaggebend für den Grad der Technik war die Verbindung mit Hilfe der West-Ost-Straßenverbindung ins weiterentwickelte Gallien. 2
1.1 Zenturiation
Vor der landwirtschaftlichen Nutzung stand die Zenturiation oder Limitation, um gleich große Parzellen an die Kolonisten verteilen zu können. Durchgeführt wurde diese Einteilung von den agrimensores oder gromatici, die eine Zenturie von ungefähr 50,4 ha, d.h. 200 Morgen in ihre kleinste Untereinheit von 1 Morgen zu vermessen hatten. Diese Fläche ( iugera) konnte ein Bauer mit einem Ochsengesann (iugum) an einem Tag bewirtschaften. Stichhaltig beweisen läßt sich dies an rechtwinkligen Liniensystemen, den Flurgrenzen (limites), nur ausschließlich im Gebiet um die Stadt Sittard in der niederländischen Provinz Limburg und in der Nähe von Tongern, vor allem aber in Italien und Nordafrika.
2 vgl. Herrmann (Hrsg.) 1975, S. 138 f.
Eine Limitation für Germanien im besonderen für den Bereich der Kölner Bucht nachzuweisen, ließ sich bisher nicht bewerkstelligen. Die Gründe hierfür werden in der Übernahme von Flursystemen, die vor der Landerschließung der Römer schon bestanden, gesehen, wie es im Vorwald bei Mayen in der Eifel der Fall war. Dort waren die Parzellen in Streifen angelegt und verliefen zugleich parallel zum Hang. Daneben vermuten Experten, dass Abgrenzungen nur in Übereinstimmung mit sichtbaren ortographischen Linien durchgeführt wurden. 3
Für die ungefähre Größe eines Landgutes ( fundus) und deren räumliches Auftreten geben zahlreiche Funde, wie z.B. im Gebiet von Köln und am Mittellauf der Erft, Aufschluß. Bei den Funden handelt es sich u m Stein- und Ziegelfragmente, die Hofstellen zuzurechnen waren. Aus diesen Funden ließ sich auf eine ungefähre Größe von 100 ha schließen und einen Abstand der Güter von 1-2 Kilometern feststellen. Es wird bei dieser Größe nur eine geringe Wirtschaftlichkeit vermutet. Bestärkt wird diese Annahme, wenn einem Ausspruch Ausonius, Rhetorikprofessor und Prinzenerzieher in Trier, Glauben geschenkt wird, dass dieser sein ererbtes Gut (herediolum) als “bescheiden“ empfunden hat.
Im Süden der Provinz, der vom Rhein bis an die mittlere Maas reichte, lagen die fruchtbaren Lößboden vor. Dies führte zum verstärkten Auftreten von villae rusticae Einzelgehöften.
Größte Verbreitung fanden bei dem Getreide verschiedene Spelzweizenarten, wie Einkorn, Emmer und besonders Dinkel, aber auch Gerste, Hafer und Roggen. Außerdem baute man Saubohnen, Erbsen, Linsen und Wicken (viscia L.) auf großen Flächen an. Als Spinnstoff und zur Gewinnung von Öl wurde Flachs herangezogen. Eine große Anzahl von Nutzpflanzen, wie der Pfirsichbaum, die Weinrebe oder Gewürzkräuter z.B. Dill und Koriander wurden von den Römern importiert und in Niedergermanien später auch produziert. 4
3 vgl. Bechert 1982, S. 156; vgl. auch Ternes 1975, S. 187.
4 vgl. Ternes1975, S. 188 f.
Arbeit zitieren:
Sandra Kaske, 2001, Wirtschaft und Handel im römischen Germanien, München, GRIN Verlag GmbH
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