Inhalt
1 Einleitung 2
2 Allgemeines und Definitorisches 2
3 Historische Entwicklungen 3
3.1 Zum gesellschaftlichen Wandel der Lebensform Alleinerziehend 3
3.2 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen Alleinerziehender in Ost und West 5
3.3 Alleinerziehe nde im Jahr 2000 6
3.3.1 Geschlecht und Familienstand 6
3.3.2 Kinderzahl 7
4 Zur Lebenssituation von Alleinerziehenden 8
4.1 Geschiedene und verheiratet getrennt Lebende 9
4.2 Verwitwete 10
4.3 Ledige 11
5 Studie Alleinerziehen Vielfalt und Dynamik einer Lebensform 12
5.1 Alleinerziehen Schicksal oder Chance 12
5.1.1 Entstehungsumstände 13
5.1.2 Zur Selbstbestimmtheit der Entstehung der Lebensform 13
5.1.3 Subjektiv wahrgenommene Vorzüge und Nachteile der Lebensform 14
5.2 Alleinerziehen deprivierte Lebensform moderner Lebensstil
oder normale Lebensform 15
6 Reflexion Fazit 16
Tabellenverzeichnis 18
Literatur 19
1 Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit handelt von alleinerziehenden Müttern und Vätern in Deutschland. Sie hat nicht den Anspruch, die gesamte Thematik darzustellen, sie soll einen Überblick zum Thema liefern. Zunächst wird der Begriff „Alleinerziehende“ bestimmt. Im dritten Kapitel werden die historischen Entwicklungen der Lebensform „Alleinerziehend“ nachgezeichnet. Zuerst wird der gesellschaftliche Wandel der Lebensform „Alleinerziehend“ skizziert. Anschließend richtet sich der Blick auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Alleinerziehener in Ost und West und abschließend werden die aktuellen Entwicklungen von Alleinerziehenden im Jahr 2000 hinsichtlich Geschlecht, Familienstand und Kinderzahl anhand von Statistiken beleuchtet. Im vierten Kapitel wird die Lebenssituation von Geschiedenen, verheiratet getrennt Lebenden, Verwitweten und Ledigen näher erläutert. Im fünften Kapitel werden ausgewählte Ergebnisse der von Schneider, Krüger, Lasch, Limmer und Matthias-Bleck zwischen 1996 und 2000 im Auftrag des Bundesministeriums durchgeführten Studie „Alleinerziehen - Vielfalt und Dynamik einer Lebensform“ vorgestellt. Zunächst wird bezüglich der Frage „Alleinerziehen - Schicksal oder Chance?“ auf die Entstehungsumstände, die Selbstbestimmtheit der Entstehung der Lebensform und die subjektiv wahrgenommenen Vorzüge und Nachteile der Lebensform eingegangen. Abschließend des letzten Kapitels wird versucht, eine Antwort auf die Frage „Alleinerziehen - deprivierte Lebensform, moderner Lebensstil oder normale Lebensform?“ zu finden.
2 Allgemeines und Definitorisches
In der Literatur ist u.a. von Alleinerziehenden (z.B. Schneider u.a. 2001), Alleinelterfamilien (z.B. Husi/ Meier Kressig 1995), Eineltern-Familien (z.B. Rauchfleisch 1997), Ein-Elternteil-Familien (z.B. Napp-Peters 1987) oder Mutter-Kind-Familien (z.B. Heiliger 1993) die Rede.
Alleinerziehende werden in der Familiensoziologie auch als „unvollständige Familien“ bezeichnet. Nach Nave-Herz/ Krüger (1992) wird an diesem Begriff in der Literatur zurecht Kritik geübt, „... da hiermit eine normative Sichtweise verbunden ist. Denn die Differenzierung von Familie in vollständige und unvollständige Familie läßt die eine
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Familienform als das ´Normalitätsmuster´ erscheinen, von dem die andere als eine abweichende Form erscheint“ (Nave-Herz/ Krüger 1992, S. 32).
Für diese Hausarbeit soll überwiegend der Begriff „Eineltern-Familie“ und die nachfolgend definierte Bezeichnung „Alleinerziehende“ benutzt werden.
„Alleinerziehende sind ledige, verheiratet getrennt lebende, geschiedene oder verwitwete Mütter und Väter, die in haushaltsgebundenen Eltern-Kind-Gemeinschaften mit mindestens einem unverheirateten leiblichen, Adoptiv-, Stief- oder Pflegekind zusammenleben“ (Brand/ Hammer (Hrsg.) 2002, S. 38).
Das nächste Kapitel soll einen Überblick über die historischen Entwicklungen der Lebensform „Alleinerziehend“ verschaffen. Der gesellschaftliche Wandel der Lebensform „Alleinerziehend“ und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Alleinerziehender in Ost und West sollen dabei besonders fokussiert werden. Abschließend des 3. Kapitels sollen anhand von Statistiken die aktuellen Entwicklungen von Alleinerziehenden im Jahr 2000 hinsichtlich Geschlecht, Familienstand und Kinderzahl beleuchtet werden.
3 Historische Entwicklungen
3.1 Zum gesellschaftlichen Wandel der Lebensform „Alleinerziehend“
Seit ca. 30 Jahren ist in Deutschland ein Wandel von Ehe, Familie und Elternschaft zu beobachten. Dieser Wandel wird als Pluralisierung der Lebensformen und Individualisierung der privaten Lebensführung bezeichnet (vgl. Schneider u.a. 2001, S. 11/ nach z.B. Schneider 1994; Beck/ Beck-Gernsheim 1989). Die Institution Ehe hat im Zuge dieser Entwicklung einen beträchtlichen Bedeutungsrückgang erfahren. Weitere familiale Lebensformen wie z.B. Alleinerziehende und nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern sowie Lebensformen ohne Kinder, sog. nichtfamiliale Lebensformen, sind neben der auf Ehe gründenden Familie getreten. Dies ist z.B. am starken Wachstum der dauerhaft kinderlosen Ehepaare und der Einpersonenhaushalte in jüngeren Altersgruppen abzulesen (vgl. ebd. 2001, S. 11/ nach Schneider et al. 1998). Es haben zahlreiche Veränderungen zum einen in der sozialen Bewertung und zum anderen der rechtlichen Regelung von Lebensformen und Lebensverläufen stattgefunden. „Der Bogen spannt sich vom Wegfall des so genannten Kuppeleiparagraphen 1972 über die Ehe- und Familienrechtsreform
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1977, die Veränderungen im Kindschaftsrecht 1989 und 1998 bis hin zur veränderten Stellung von nichtehelichen Lebensgemeinschaften, etwa im Mietrecht“ (ebd. 2001, S. 11). Dieser Wandel ist als Tendenz zur Entdiskriminierung von Lebensformen jenseits der ehelichen Kernfamilie interpretierbar. Der besondere rechtliche Schutz der Institution Ehe wurde seit den 70er Jahren zugunsten der Förderung der Individualrechte von Männern, Frauen und Kindern zurückgenommen (vgl. ebd. 2001, S. 11).
Im Laufe der Jahre hat die Lebensform „Alleinerziehend“ einen nachhaltigen Bedeutungswandel erfahren. Lange Zeit galt sie als defizitär und nicht ausreichend geeignet für eine gedeihliche Entwicklung der Kinder. Im Dritten Familienbericht der Bundesregierung (1979) war sogar von „unvollständigen Familien“ die Rede. Heutzutage wird die Lebensform „Alleinerziehend“ nicht mehr in der früheren Form negativ bewertet. Im Vergleich zur Eltern-Familie weist sie jedoch nach wie vor größere Deprivationsrisiken auf (vgl. ebd. 2001, S. 12).
Die Verbreitung der Lebensform „Alleinerziehend“ ist schnell angestiegen. 1970 gab es noch 745 Tausend Alleinerziehende in Deutschland. Nach Daten des Mikrozensus´ waren es 1999 bereits 1,844 Millionen. Knapp ein Viertel (N=445 Tausend) davon lebte in den neuen Bundesländern (Alleinerziehende mit mindestens einem ledigen Kind unter 27 Jahren, ohne weitere Personen im Haushalt). 1999 lebten 2,7 Millionen ledige Kinder unter 27 Jahren in einem Haushalt mit einer alleinerziehenden Mutter oder einem alleinerziehendem Vater. Dies entspricht 11,5% aller Kinder in diesem Alter. Die Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern sind deutlich: 15% aller Kinder unter 27 Jahren im Osten und 11% im Westen leben bei Alleinerziehenden. Alleinerziehende sind überwiegend Frauen. Ca. 18% aller Alleinerziehenden-Haushalte werden von einem Mann geführt, im Westen 19% und im Osten 14%. Die Lebensform „Alleinerziehend“ i st in den neuen Bundesländern deutlich weiter verbreitet als in den alten. Dies hat viele Ursachen. Neben demographischen Faktoren, wie die geringe Heiratsneigung, sind weitere Gründe in den Nachwirkungen der besonderen Situation der Alleinerziehenden in der DDR zu sehen (vgl. ebd. 2001, S. 12). „Alleinerziehende genossen dort eine besondere staatliche Unterstützung, die vornehmlich mit dem Ziel erfolgte, auch diese Frauen und Männer voll in das Erwerbsleben zu integrieren.“ (ebd. 2001, S. 12). Alleinerziehen war nicht durch soziale Diskriminierungen und besondere Erschwernisse gekennzeichnet und die Lebensform wurde auch nicht in der öffentlichen
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Wahrnehmung mit typischen Belastungen in Verbindung gebracht. Nach dem Beitritt zur Bundesrepublik hat sich die Situation der Alleinerziehenden in den neuen Bundesländern spürbar verändert, weil die staatliche Förderung bei Fortbestand einer hohen Berufsorientierung der alleinerziehenden Frauen weggefallen ist (vgl. ebd. 2001, S. 12). Der Entstehungszusammenhang der Lebensform hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. In der Vergangenheit waren Verwitwung und ledige Elternschaft die hauptsächlichen Entstehungsursachen, heute ist es Ehescheidung. Über die Hälfte der Alleinerziehenden lebt von den EhepartnerInnen dauerhaft getrennt oder ist geschieden (laut Mikrozensus 60%), ein Viertel aller Alleinerziehenden ist ledig und 15% sind verwitwet. Im Osten sind mit einem Anteil von 37% weit mehr Alleinerziehende ledig (vgl. ebd. 2001, S. 12-13).
3.2 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen Alleinerziehender in Ost und West
In der DDR haben gesellschaftliche Bedingungen dazu beigetragen, dass vor allem alleinerziehende Mütter eine „normale“ Familienform darstellten. Die durchgängig gegebene Berufstätigkeit der Frauen hat dafür gesorgt, dass alleinerziehende Frauen sich in ihren Lebenslagen kaum von verheirateten Frauen unterschieden. 1989 waren in der DDR 91,2% Frauen berufstätig (vgl. Stiehler 2000, S. 23/ nach Winkler 1990, S. 63). Per Familiengesetzbuch war die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Mutterschaft juristisch festgeschrieben. Eine Vielzahl von Kinderbetreuungseinrichtungen mit Regelöffnungszeiten von 6.00 bis 18.00 Uhr ermöglichte allen Müttern zum einen die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit und zum anderen eine ökonomische Unabhängigkeit. Mütter mit Kleinkindern standen in der DDR unter besonderem Kündigungsschutz. Ihnen war nach Ablauf der Mütterunterstützung der alte Arbeitsplatz garantiert (vgl. ebd. 2000, S. 23-24/ nach DAG 1990).
1989 waren in der BRD 59% aller Frauen und 65% aller alleinerziehenden Frauen berufstätig (vgl. ebd. 2000, S. 25/ nach Bundesministerium für Familie und Senioren 1994, S. 150ff.). Diese geringe Erwerbstätigenquote ging einher mit der Bevorzugung und Propagierung der Hausfrauenehe, in der die Frau einen „Ernährer“ hat. Auch bei Wegfall des Ernährers ist dieser gesetzlich verpflichtet, für die Kinder Unterhaltsleistungen zu zahlen und seine ehemalige Partnerin finanziell zu unterstützen, solange diese wegen ihrer
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Quote paper:
Melanie Winzer, 2004, Alleinerziehende Mütter und Väter in Deutschland, Munich, GRIN Publishing GmbH
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