Bei der Betrachtung des Buches werde ich die Schwerpunkte auf die Zurhilfenahme des Orientalismus zur Legitimation der Kolonisation und auf Saids Kritik an den Orientalisten legen.
Am Ende gebe ich die Lösungsansätze Edward Saids wieder und werde in einem Fazit einen Ausblick auf die Zukunft wagen.
2. Edward Said
Edward Said wurde am 1. November 1935 in Jerusalem als Kind palästinensischer Christen geboren.
Er wuchs in Kairo/Ägypten auf. Er genoss dort eine europäisch geprägte Ausbildung an englischsprachigen Schulen. Ägypten war zu dieser Zeit zwar schon unabhängig, aber immer noch stark durch die Kolonialherrscha ft Großbritanniens geprägt. Said sagte später, dass die Umstände seiner Kindheit und Jugend dazu führten, sich sowohl in die orientalische Position (aufgrund seiner Herkunft), wie auch in die „westliche“ (aufgrund seiner Ausbildung) hineinversetzen zu können.
Sein Vater diente während des Ersten Weltkrieges bei der US-Army, was dazu führte, dass Edward Said die amerikanische Staatsbürgerschaft besaß. Die erlaubte es ihm, in den USA, genauer an den Universitäten Princeton und Harvard Literaturwissenschaften zu studieren. 1
Er kehrte nach seinem Studium nicht nach Ägypten zurück, sondern lebte bis zum Ende seines Lebens in den Vereinigten Staaten.
Er lehrte als Professor Englisch und Vergleichende Literaturwissenschaften an der Columbia University in New Y ork und war zeitweilig Gastprofessor an den Universitäten Harvard und Yale.
Said setzte sich sehr stark für die Rechte der Palästinenser in Israel und den besetzten Gebieten ein und war von 1977 bis 1991 Mitglied des Palästinensischen Nationalrates, einer Art Exilregierung der Palästinenser.
Allerdings überwarf sich Said 1991 mit Jassir Arafat wegen des Abkommens von Oslo. Edward Said war der Meinung, dass die Palästinenser den Israelis zu weit entgegengekommen waren, um den Frieden zu sichern.
Der Streit eskalierte so weit, dass sogar einige führende Palästinenser ein Verbot seiner Bücher forderten.
1 Weidner, Stefan: Ein Kritiker und Gentleman
3
Seine politische Karriere fand somit ein Ende, obwohl er nie aufhörte, sich für die Rechte der Palästinenser stark zu machen.
Er verstarb am 25. September 2003 in New York.
3. „Orientalismus“
International bekannt wurde Edward Said 1978 durch die Veröffentlichung seines Buches „Orientalismus“.
3.1. Grundthesen
In dem Buch „Orientalismus“ stellt Edward Said die These auf, dass der Westen, und hier im Speziellen die Orientalisten, das Bild des Orients, wie wir es kennen, konstruiert hat, um sich selbst davon abgrenzen zu können.
Diese Abgrenzung geschieht aber nicht zwischen zwei gleichberechtigten Partnern, sondern ist geprägt von Dominanz, Macht und Herrschaftsansprüc hen. 2
Said bezieht sich in seinem Buch vor allem auf die Zeit nach der Kolonialisierung der arabischen Länder durch die Briten und die Franzosen im 18. Jahrhundert.
Said spricht sich in seinem Buch gegen die Zunft der Orientalisten aus, da sie seiner Meinung mit dazu beigetragen haben, den Begriff „Orient“ zu prägen. Ziel dieses Bildes ist es, einen Gegensatz zum sog. Westen zu schaffen und diesen positiv vom Orient abzuheben, um somit die Kolonisierung zu rechtfertigen.
Er behauptet, dass das Schaffen eines pauschalisierten Bildes des Orients durch die Europäer sowohl bewusst (zum Zwecke der Kolonisierung) als später auch unbewusst (durch unreflektiertes Übernehmen von Stereotypen) geschieht.
3.2. Was ist Orientalismus?
Edward Said bemerkt in seinem Buch, dass es schwierig ist, den Begriff „Orientalismus“ zu definieren, da er einerseits eine starke Vereinfachung beinhaltet und andererseits auf sehr unterschiedliche Arten ausgelegt werden kann.
„Orientalismus“ ist erst einmal eine akademische Institution. Jeder Wissenschaftler, der über den Orient schreibt oder lehrt, kann seiner Meinung nach als „Orientalist“ bezeichnet werden. Das Gebiet, in dem dieser Orientalist forscht und lehrt, ist
2 Said, Edward: Orientalism, S.5
4
„Orientalismus“. Dabei ist es nicht entscheidend, ob der Forscher Anthropologe,
Soziologe, Historiker, Philologe, usw. ist. 3
Der Kernpunkt der Forschung ist die Unterscheidung zwischen Orient und Okzident.
Said ist Literaturwissenschaftler und beschränkt sich daher bei seiner Herangehensweise darauf, den „Orientalismus“ aufgrund literarischer Analysen zu untersuchen und seine Thesen auf diese Weise zu stützen. Anhand von
Schriftstellern des 18. Jahrhunderts, der Zeit, in der seine Recherche über den Orientalismus beginnt, zeigt er die Sicht des Westens auf den Orient auf und die
Motivation, ein bestimmtes Bild vom Orient zu schaffen. 4
Er gibt zu bedenken, dass man bei Orientstudien immer beachten muss, wer sie geschrieben hat. Seiner Meinung nach ist ein Europäer in erster Linie Europäer und erst in zweiter Linie Individuum. Er will damit aussagen, dass jeder Schriftsteller durch seine Erziehung und seine Bildung derart geprägt ist, dass er nicht in der Lage
sein kann, objektiv über ein bestimmtes Thema zu schreiben. 5 Daher kann man anhand der Art, wie Schriftsteller dieser Ze it über den Orient geschrieben haben, auch erkennen, wie das Verhältnis zwischen Orient und Okzident im allgemeinen war.
3.3. Legitimation der Kolonialisierung Die Interessen, die die westlichen Länder am Orient haben, beeinflussen also bewusst und unbewusst das Schreiben über den Orient.
Es ging dem Westen am Beginn der Kolonisierung der arabischen Länder vor allem darum, politisch, intellektuell, kulturell und moralisch die Oberhand zu behalten, zu verifizieren, dass der Westen in diesen Gebieten weiter entwickelt ist und es sozusagen geradezu nobel ist, dem unterentwickelten Orient durch die Kolonisierung helfend unter die Arme zu greifen.
Said belegt es, indem er die Charaktereigenschaften, die Menschen des Orients und des Okzidents in Büchern dieser Zeit zugesprochen wurden, miteinander vergleicht. Der Araber wurde assoziiert mit Adjektiven wie irrational, emotional, unbeständig, unzuverlässig, unlogisch, naiv und grausam.
3 Said, Edward: Orientalism, S. 2
4 Said, Edward: Orientalism, S.21
5 Said, Edward: Orientalism, S.10f
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Nicole Hänel, 2004, Orientalismusbegriff - Edward Said's Buch "Orientalismus", Munich, GRIN Publishing GmbH
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