Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 1
2. Die Legende von den verräterischen Medien im Vietnamkrieg Seite 2
3. Weg zur neuen Informationspolitik Seite 4
4. Die neue Informationspolitik am Beispiel des Golfkriegs 1991
4.1 Der Aufbau einer zweiten Front Seite 6
4.2 Wie die Militärs die Medien kontrollierten Seite 9
4.3 Der inszenierte Krieg Seite 11
5. Die gefügigen Medien Warum sich die Medien nicht wehrten Seite 14
6. Fazit Seite 17
7. Literaturverzeichnis Seite 19
1. Einleitung
„Das erste Opfer eines jeden Krieges ist die Wahrheit“ 1
In der jüngeren Zeitgeschichte spielt nicht nur die Legimitation von Kriegen eine Rolle, sondern ebenso bedeutsam scheint es zu sein, die Öffentlichkeit über den Verlauf der Kriegshandlungen detailliert zu informieren. Dabei wird zu überprüfen sein, inwieweit Informationen über das kriegerische Geschehen den Bürger wirklich über den Fortgang des Krieges in Kenntnis setzen oder ob nicht viel mehr etwas völlig anderes mit den Berichten über Kriegshandlungen beabsichtigt ist. Diese Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der Kriegsberichterstattung der amerikanischen Kriege vom Vietnamkrieg bis zum 2. Golfkrieg 1991. Von der absoluten Offenheit des damaligen Kommandanten der US Luftstreitkräfte LeMay, der Vietnam drohte: „[...] we’re going to bomb them back into the Stone Age" (FELTUS 2003), bis hin zu den Sprachregelungen der Militärs von `Chirurgischen Bombenangriffen` und `Kollateralschäden`. Ich möchte zeigen, wie das amerikanische Militär seine Informationspolitik perfektioniert hat, um eine völlig neue, von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene, Zensur einzuführen. Dabei wird sich im besonderen auf die amerikanische Medien konzentriert. Die Medienreichweite der amerikanische Fernsehgesellschaften und Zeitungen ist von solch einer globalen Bedeutung (im Golfkrieg hatte CNN fast ein alleiniges Monopol auf dem weltweiten Fernsehmarkt), dass deren Berichtererstattung auch für die europäischen Medien einen dominanten Einfluss hat. Erst in jüngster Zeit scheint sich wieder ein Loslösung von der Vorherrschaft der amerikanischen Medien zu vollziehen. Der arabische Fernsehsender Al-Dschasira könnte ein Beispiel für eine solche Emanzipation von der Informationshoheit des Westens hin zu einer tatsächlichen globalen Medienvielfalt sein.
1 Senator Hiriam Johnson 1917 (MacArthur 1993: 6)
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2. Die Legende von den verräterischen Medien im Vietnamkrieg
Um die Motivation des amerikanischen Militärs hin zu einer neuen Informationspolitik im Kriegsfall zu verstehen, muss man sich mit dem Vietnamkrieg und der Rolle der Medien in diesem befassen. Unter den Militärs und der amerikanischen Rechten herrscht nach wie vor die Meinung, man habe den Vietnamkrieg durch die negative Berichterstattung verloren. Sie werfen der Presse und dem Fernsehen vor, generell gegen das Militär zu sein und diesen Krieg von Anfang an sabotiert zu haben. Der Vietnamkrieg gilt als erster Fernsehkrieg der Geschichte und nach der Legende wurde „zum erstenmal in der modernen Geschichte der Ausgang eines Krieges nicht auf dem Schlachtfeld, sondern [...] auf dem Fernsehschirm entschieden“ (MACARTHUR 1993: 149). Obwohl es sich hierbei um eine „Dolchstoßlegende“ (BEHAM 1996: 79) handelt, war es dieser Mythos, der zur Grundlage einer neuen Informationspolitik wurde. Betrachtet man die Berichterstattung über den Vietnamkrieg genau, so zeigt sich, dass die Medien dem Vietnamkrieg in keiner Weise von Beginn an negativ gegenüber standen. In den ersten Jahren des Krieges kamen die Kriegsbefürworter im Fernsehen weit häufiger als die Kritiker zu Wort. Auch eine „Newsweek“ Befragung von 1967 bestärkt dieses Bild. 64% der Befragten fühlten sich durch die Berichterstattung im Fernsehen in der Unterstützung für den Krieg bestätigt (vgl. MACARTHUR 1993: 151). Die Journalisten stellten nicht die amerikanische Politik im allgemeinen, sondern bestimmte taktische Vorgehensweisen der Regierung in Frage (vgl. KNIGHTLEY 2000: 417). Sowohl die Besitzer der großen Zeitungen und Sendeanstalten als auch die Mehrzahl der Reporter waren überzeugte Antikommunisten, die den Krieg und vor allem dessen Zielsetzung unterstützten.
Betrachtet man nun die Darstellung des Krieges in den Medien, so fällt auf, dass bereits 1965 im Life Magazin Bilder von „Soldaten mit schmerzverzerrten Gesichtern, verwundeten vietnamesischen Kindern“ (MACARTHUR 1993: 141) erschienen. Aber selbst solche Bilder, die schon in den ersten Kriegsjahren in den
USA veröffentlicht wurden und die ungeschminkte Grausamkeit des Krieges
zeigten, konnten nicht zu einem sofortigen Stimmungsumschwung in den USA führen. Der Truppenausbau in Vietnam ging ungebremst weiter und die Truppenstärke sollte sich bis 1969 fast verdoppeln.
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Erst die Berichtererstattung über die Tet-Offensive 1968 gilt als wichtiger Wendepunkt in der öffentlichen Meinung. Nach Auffassung des Militärs wurde die Tet-Offensive fälschlicherweise als Sieg des Vietkong dargestellt. Die Berichterstattung über die Offensive verstärkte nur eine wachsende Antikriegsbewegung. Bereits 1967 hatten sich 47% der Amerikaner negativ gegenüber einem Engagement in Vietnam geäußert (vgl. MACARTHUR 1993: 152). „[W]enn sich die Leser, für die man[...] arbeitet, ändern, dann ändert man selbst sich natürlich auch“ (MACARTHUR 1993: 153), so beschrieb es ein Redakteur der New York Times. Die Medien selbst haben also keineswegs den Anstoß zu einer Anti-Kriegshaltung gegeben. Sie griffen die Stimmung und Haltung ihres Publikums auf, gaben diesen ein Forum und verstärkten sie so. Bilder und Berichte von zivilen Opfern und den Verlusten bei den eigenen Streitkräften, die jeden Abend in die Wohnzimmer der Zuschauer kamen, blieben nicht ohne Effekt. Der Einfluss allerdings, den die Bilder des Krieges hatten, war nicht von den Medien intendiert. Die Presse tat einfach das, was sie als ihre Aufgabe sah. Sie wollte als neutraler, objektiver Beobachter fungieren und den Krieg zeigen, wie er war: Grausam und für alle Beteiligten voller Schrecken. Eine Demokratie kann einen Krieg über längere Zeit nicht gegen den Widerstand der Bevölkerung führen. Dennoch ist die Niederlage in Vietnam in erster Linie eine militärische und politische. Falsche Versprechungen von einem schnellen Sieg untergruben die Glaubwürdigkeit der Regierung und führten so zu einer Anti- Kriegshaltung. Ein Krieg wird trotz der Macht der Medien immer noch militärisch gewonnen oder verloren. Wenn ein Krieg sich über fast zehn Jahre hinzieht und mehr als 50.000 eigene Soldaten das Leben kostet, braucht es nicht erst eine Parteinahme der Medien um der Bevölkerung klarzumachen, dass nicht alles glatt läuft.
Obwohl sich das Argument der Krieg sei an der Heimatfront durch eine heimtückische Presse sabotiert und verloren worden als nicht stichhaltig erweist, beschließen die amerikanischen Kriegsplaner für zukünftige Kriege keine unzensierte Berichterstattung mehr zuzulassen und den Reportern so jegliche Möglichkeit zu nehmen, die Öffentlichkeit, sei es absichtlich oder unabsichtlich, zu beeinflussen.
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3. Weg zur neuen Informationspolitik
Ein erstes Beispiel, wie die Medien im Krieg zu kontrollieren seien und eine ungewünschte Berichterstattung vermieden werden konnte beobachteten die US Militärs im Falklandkrieg 1982.
Dort wurden die Reporter und Fotografen zu einem sogenannten Presse Pool zusammengefasst, der auf einem Schiff der Royal Navy, das sich im Kriegsgebiet befand, untergebracht wurde. So konnte das Militär den Zugang zum Kampfgebiet kontrollieren und so die Berichterstattung entscheidend beeinflussen. Hinzu kam , dass die Berichte einer starken Zensur unterworfen wurden, bevor sie an die Redaktionen übermittelt werden durften. Die Begründung für diese Maßnahmen war stets das Bemühen der Militärs die eigenen Truppen zu schützen und militärische Geheimnisse zu wahren.
Die USA selbst erhielten bei der Invasion Grenadas 1983 das erste Mal die Möglichkeit ihre neue Umgehensweise mit den Medien zu erproben. Bei dieser überfallartigen Invasion wurde die Presse einfach außen vor gelassen. Die militärische Invasion wurde so geheim gehalten, dass nicht einmal die Pressestellen im Weißen Haus und im Pentagon darüber Bescheid wussten (vgl.
MACARTHUR 1993: 158). Diese absolute Nachrichtensperre löste Proteste unter
den US-Medien aus. Das Militär ging auf die Kritik ein und schuf den National Media Pool. Er bestand aus verschiedenen Reportern, die bei einer zukünftigen militärischen Überraschungsaktion rechtzeitig informiert werden sollten, um so eine Berichterstattung zu gewährleisten.
Das Militär hatte nach den ersten Erfahrungen bei der Invasion Grenadas bereits die ersten Grundregeln im Umgang mit den Medien gelernt. Eine direkte Zensur oder Nachrichtensperre war zu plump und bei längeren Konflikten nicht durchführbar. Dass sie auf die Forderungen der Presse nach freier Berichterstattung nur scheinbar eingingen, sollte der nächste Konflikt, der Einmarsch in Panama 1989, zeigen. Diesmal wurde der Pressepool einfach zwei Stunden nach Kriegsbeginn eingeflogen, um dann weitere fünf Stunden auf einem Stützpunkt festzusitzen. Zu der Verzögerungs- und Festhalttaktik der Militärs gehörte nicht nur das Zurückhalten von Informationen, sondern auch gezielte Desinformation. So wurden während der Kampfhandlungen keinerlei zivilen Opferzahlen bekannt geben. Die abschließend vom Pentagon herausgegebene
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Niclas Störmer, 2003, Kriegsberichterstattung vom Vietnam bis zum Golfkrieg, Munich, GRIN Publishing GmbH
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