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Einleitung
Vom Säuglingsalter an stehen Kinder nicht nur mit ihren Bezugspersonen in Interaktion, sondern auch mit gleich alten und älteren Kindern, zu denen sie eine freundschaftliche Beziehung eingehen können, die wir Kinderfreundschaft nennen. Freundschaft als soziales Interaktionsmuster zwischen zwei oder mehreren Menschen, die auf der Basis von Intimität und Vertrauen zueinander in Beziehung stehen, ist eine Form menschlichen Zusammenlebens, die unabhängig ist von Alter, Geschlecht und Herkunft.
Nicht nur die Erwachsenen definieren ihr Selbstwertgefühl aus der Qualität ihrer Freundschaften, auch Kinder sind in diesen Prozeß eingebunden. Grundbausteine für intensive freundschaftliche Beziehungen werden bereits im Säuglingsalter gesetzt. Um die Klärung des Begriffes des Freundschaftsverständnisses im Sinne einer Einführung in das Thema geht es in dieser Hausarbeit. Der erste Teil dient als allgemeiner Einstieg in das Themengebiet der Kinderfreundschaften und bezieht sich auf den Text "Freundschaft und Streit" von Renate Valtin. Mit Hilfe einiger von ihr aufgezeichneter Interviewaussagen von Kindern sollen hierbei versuchsweise und kurz Begriffe wie Vertrauen und Konfliktlösung, die Voraussetzung für die charakteristischen Merkmale der Freundschaft sind, aus kindlicher Perspektive geklärt werden.
Die Beschreibung der Entwicklung des Freundschaftsverständnisses im zweiten Teil dieser Hausarbeit zu dem Thema "Kinderfreundschaften" basiert hauptsächlich auf der gleichnamigen Schrift von Zick Rubin. In diesem Buch findet sich auch die kurze Darstellung des progressiven Stufenmodells von Robert Selman, welches in dieser Hausarbeit ausführlicher betrachtet werden soll.
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Einführung in das Thema
Einzigartigkeit und Intimität, Interaktionen außerhalb von formalen Beziehungen und ein Netz von Verpflichtungen charakterisieren die Erwachsenenfreundschaft. Freundschaftliche Beziehungen unter Kindern nähern sich im Laufe sozialer Entwicklungsprozesse allmählich diesem Status an. Dabei stellt der Umgang mit Gleichalten eine eigenständige Rolle der Sozialisation des Kindes dar, die nicht von den Eltern übernommen werden kann.
Kinder lernen miteinander und voneinander Kooperation und Wettbewerb, moralische Normen, Aggressionskontrolle und Vertrauen. Der Umgang und die Auseinandersetzung mit anderen Kindern spielt in der Vermittlung sozialer Fertigkeiten eine große Rolle. Gemeinsames Spiel unterstützt den Aufbau eines positiven Weltbildes, welches widerrum deliquente und psychotische Entwicklungen verhindern kann. Höflichkeit gilt als zweiseitige Voraussetzung für Freundschaft, die als Ort der Rücksichtnahme und Empathie und als Ort zur Pflege sozialer Tugenden fungiert. Auch in einer Kinderfreundschaft sind die vorherrschenden Gefühle positiver Natur. Die symmetrische Beziehung zwischen gleichberechtigten Partnern funktioniert durch wechselseitige Unterstützung und gegenseitige Wertschätzung. Konkurrenzverhalten existiert, doch gemildert in Stärke und Ausdruck. Es besteht keine ausstechende Konkurrenz.
Studien belegen, daß Kinder mit engen Freunden ein günstigeres Selbstbild haben, im allgemeinen altruistischer sind, mehr Vertrauen und Optimismus, dafür weniger Ängstlichkeit und Mißtrauen, zeigen,als Kinder, die keine engen Freundschaften besitzen.(Wagner, Seite 14)
Freunde zeigen mehr Aktivität, Ungezwungenheit, Emotionalität und Responsivität (Eingehen auf den anderen) als Nicht-Freunde. Kinder, die angeben, überheblich sind und gegen die Normen der Gleichrangigkeit verstoßen, werden als Freunde abgelehnt. Die charakteristischen Vorstellungen zu den allgemeinen Freundschaftsbeziehungen unter Kindern faßt Renate Valtin unter Verwendung ihrer Interviews wie folgt zusammen:
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- Ohne Freunde ist man allein und traurig.
- Ein Freund muß nett und verträglich sein, er darf sich nicht überall einmischen.
- Das gegenseitige Nennen des Namen begründet die Freundschaft.
Das Verständnis des Begriffes "Vertrauen" ist nur ansatzweise ausgebildet. Kinder verfügen über keine Definition des Begriffes im Sinne der Erwachsenen. Jemandem vertrauen wird gleichgesetzt mit jemandem in einer spezifischen Situation etwas glauben. (Bsp:" Wenn jemand was sagt, was stimmt, und ich glaube ihm das nicht, also dann fragt man ja erst, ob du mir vertraust, aber das sagt man davor." ) Kindgerechtes Vertrauen zeigt sich in der Form des Anvertrauens von Geheimnissen, bei deren "Sicherstellung" sich das Kind mittels Ehrenwortes versprechen läßt, das Geheimnis nicht weiterzuerzählen. (Bsp:"Du darfst das im Leben nie, nie verraten - darauf dein Ehrenwort!") Bei Verrat ist das Kind sehr böse auf den anderen und nicht mehr sein Freund.
In diesem Zusammenhang erwähnt R.Valtin den Streit als Mittel zur Konfliktlösung. In der Zeit des fünften und sechsten Lebensjahres ist der Streit etwas Äußerliches, ein körperliches Aneinandergeraten. Dazu gehören Ausdrücke, Beschimpfungen und Prügelei. (Bsp:"Einer will dies haben, und einer will das haben. Der sagt: `Nein, das ist meins.`-´ Dann kriegst du auch nicht meins.` und dann kloppen wir uns.") Handgreiflichkeiten folgen als Reaktion auf einen "Diebstahl". Zur Konfliktlösung zählen Rituale, z.B. sprachliche Formeln ("Wollen wir uns wieder vertragen?" oder einfach "Entschuldigung") mit deren Hilfe Kinder mit dem Streit "einfach aufhören". Die Struktur der Freundschaft ist nicht klar abgegrenzt. Ein Streit beendet die Freundschaft, ein Händedruck besiegelt sie wieder.
Bei etwa Achtjährigen kann sich aus einer Streitsituation ein aggressives Gerangel entwickeln. Schuldzuweisung läuft dabei über die einseitige Standardantwort "Der hat angefangen." Nach dem Motto "Wie du mir, so ich dir." richtet sich der Streitverlauf auf die Vergeltung mit gleichen Handlungsweisen.
Ältere Kinder verfügen über eine Frustrationstoleranz und haben eine Impulskontrolle erworben. Zehn- bis Zwölfjährige Kinder verfügen über die kognitive Einsicht, daß jeweils zwei Kontrahenten an einem Streit beteiligt sind. Der Streit ist keine körperliche
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Auseinandersetzung mehr, sondern eine verbale. Eine Entschuldigung muß nicht nur ausgesprochen, sondern auch akzeptiert werden. Eine Lösung finden, heißt eine Einigung erzielen und "feststellen, wer recht hat". Hier zeigt sich die Motivation zur Aufrechterhaltung der Beziehung(", sonst ist man allein und traurig.") Außerdem sind Freunde motiviert, Spannungen zu ertragen und Lösungen im beiderseitigen Interesse herbeizuführen, da sie sonst den Verlust des Freundes riskierten. Freunde kehren zur Pflege ihrer Beziehung die positiven sozialen Verhaltensweisen des anderen hervor. Auf eine Streitsituation bezogen könnte eine Kinderantwort lauten: "Ich würde ihm nicht sagen:`Du blöder Idiot, mit dir spiele ich nicht mehr`,sondern:`Ein bißchen blöde bist du hier oben.`" (Valtin, Seite 59) Die Kinder haben die Einsicht, daß das Selbstwertgefühl des Freundes nicht zu stark verletzt werden darf.
Die frühesten Kinderfreundschaften
Auf Grundlage der Forschungen von Edward Mueller beschreibt Rubin die frühesten Kinderfreundschaften ( Alter 8 -12 Monate) als objekt-zentrierten Kontakt zwischen Babies, bei denen der Umgang mit Spielzeug und Gleichaltrigen als Handlungsabsicht nicht eindeutig zu unterscheiden ist. Das Verhaltensrepertoire, das mit der Bezugsperson Mutter ausgetauscht wird (Berührungen, Reaktionen auf Zuwendung...), zeigen kleine Kinder gegenüber Gleichaltrigen erst in ihrem zweiten Lebensjahr. Rubin schreibt : "Früheste Interaktionen setzen sich zusammen aus dem Erkunden des anderen Babies als physisches Objekt und objekt-zentriertem Kontakt, bei dem Babies einander nahe kommen, weil sie sich zu den selben Spielsachen oder anderen Objekten hingezogen fühlen." Hier wird anhand des Begriffes des Parallelspiels deutlich, daß Kinder gleichartige (Spiel)Handlungen ausführen, ohne einander direkt einzubeziehen. Objektiv wahrnehmbare Eindrücke, etwa Geräusche und Farben, wecken das
Explorationsverhalten des Kindes. Fremde Kinder werden als physische Objekte betrachtet und behandelt. ( Berührungen in Form von An-den-Haaren-ziehen, Kneifen usw.)
Mit Ende des ersten Lebensjahres entwickeln die Kinder die Fähigkeit zu "echter
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Christian Honig, 1998, Analyse von Kinderfreundschaften, Munich, GRIN Publishing GmbH
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