Inhaltsangabe:
1. Einleitung
2. Zum Verständnis der Begriffe Behinderung und Integration
2.1. Behinderung
2.2. Integration Integration
3. Historischer Rückblick
4. Der Integrationsprozess in Deutschland
4.1. Die Grundgesetzergänzung von 1994
4.2. Sonderschule verfassungswidrig?
5. Ältere Integrationsansätze
5.1. Individualtheoretische Ansatz
5.2. Interaktionstheoretische Ansatz
5.3. Systemtheoretische Ansatz
5.4. Unterschiedliche Folgen für Integrationsansätze
6. Neuere Integrationsansätze
6.1. bedürfnisorientierter kindzentrierter Ansatz
6.2. handlungsorientierter ganzheitlicher Ansatz
6.3. familienorientierter ökologischer Ansatz
6.4. Die neuen Ansätze im Vergleich
7. Das Ökosys temische Integrationsmodell
7.1. Das Umfeld
7.2. Unterrichtsform
7.3. Personelle Ressourcen
7.4. Organisatorisches
7.5. Schwächen des ökosystemischen Modells
8. Fazit
9. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Während meiner Zivildienstzeit beim Deutschen Roten Kreuz war ich unter anderem im Fahrdienst eingesetzt. Wir holten körperlich behinderte Kinder zu Hause ab und brachten sie in ihre jeweilige Schule. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist, dass wir die einen Kinder in eine Schule für Behinderte, die anderen in eine spezielle Förderschule und wieder andere in Regelschulen fuhren. Für mich war es selten ersichtlich, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit ein behindertes Kind in eine Regelschule darf. Meine Vorgesetzten erklärten, dass meist weniger bestimmte harte Kriterien dafür verantwortlich seien. Viel wichtiger ist, dass die Eltern dieser Kinder es schaffen die jeweilige Schulleitung und die Lehrer davon zu überzeugen, dass eine Integration von behinderten Kindern in eine Regeleinrichtung möglich und auch wünschenswert ist.
So begann ich mich dafür zu interessieren, wie eine solche Integration aussehen kann. Ich musste aber schnell feststellen, dass es wenig Theorien zum Thema „Integration behinderter Kinder“ gibt. Es gibt einige Modellversuc he und Erfahrungsberichte, doch eine wissenschaftliche Grundlagentheorie fehlt meist dahinter.
Wesentlich mehr Integrationstheorien gibt es im Bereich der Integration ausländischer Mitbürger in eine andere Gesellschaft. Man kann also davon ausgehen, dass durch die zunehmende Globalisierung und die damit verbundene Vermischung der Nationen diese Herausforderung sehr stark an Bedeutung gewonnen hat und diese Aufgabe derzeit innerhalb der Gesellschaft für wichtiger erachtet wird, als die Integration behinderter Menschen.
In meiner Hausarbeit möchte ich mich deshalb mit der Integration von behinderten Kindern in Regeleinrichtungen befassen. Dabei möchte ich vor allem verschiedene Integrationstheorien vorstellen und miteinander vergleichen.
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2. Zum Verständnis der Begriffe „Behinderung“ und „Integration“
In meiner Einleitung ist mehrmals von „behinderten Kindern“ und „Integration“ die Rede ohne jedoch genauer auf diese Begriffe einzugehen. Doch ab wann gilt ein Kind als „behindert“ und wann gilt es als „integriert“?
2.1. Behinderung
Als behindert im erziehungswissenschaftlichen Sinne gelten alle Kinder, „die in ihrem Lernen, im sozialen Verhalten, in der sprachlichen Kommunikation oder in den psychomotorischen Fähigkeiten so weit beeinträchtigt sind, dass ihre Teilhabe am Leben der Gesellschaft wesentlich erschwert ist und deshalb besonderer pädagogischer Förderung bedürfen“ (Deutscher Bildungsrat 1979, S. 32).
2.2. Integration
Das Wort „Integration“ stammt aus dem lateinischen „integratio“ und heißt übersetzt soviel wie die „Wiederherstellung eines Ganzen“.
Wir begegnen dem Begriff „Integration“ in den unterschiedlichsten Kontexten. Er wird im Bereich der Pädagogik, der Psychologie, der Soziologie, der Politik, der Wirtschaft und noch etlichen weiteren Bereichen verwendet. Für die vorliegende Arbeit beschränken wir uns auf den sozialwissenschaftlichen Bereich. Hier wird Integration meist als Herstellung einer Gemeinschaft von unterschiedlichen Menschen gesehen. „Integration soziologisch und sozialpsychologisch verstanden, meint sie Vereinigung einer Vielheit einzelner Personen, Gruppen oder Gesellschaften zu einer gemeinschaftlichen oder umfassenden gesellschaftlichen Ganzheit. Die Integration wird beispielsweise dann als gelungen betrachtet, wenn der einzelne Mensch innerhalb der gesellschaftlichen Schichtungen einen befriedigten Status und eine akzeptierte Rolle gefunden hat“ (Broich 2001, S.30) Wenn hier von der Herstellung einer gesellschaftlichen Ganzheit die Rede ist, so meint dies in dieser Arbeit, dass Herstellen einer gesellschaftlichen Ganzheit im Bezug auf Menschen mit und ohne Behinderungen.
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3. Historischer Rückblick
Innerhalb der Pädagogik entwickelten sich bis zum 18. Jahrhundert zwei Richtungen, deren Menschenbild sich völlig unterschieden. In diesem Zusammenhang kam es zu zwei unterschiedlichen Erziehungsvorstellungen, auch im Umgang mit behinderten Menschen.
Auf der einen Seite stand die Überzeugung der Pietisten, dass Behinderung eine Strafe Gottes für einen nicht gottgefälligen Lebenswandel war, und diese damit „als ständige Erinnerung an die Sündhaftigkeit und Fehlerhaftigkeit des Menschen“ (Garde 1993, S. 16) anzusehen sei. Ein behindert geborenes Kind galt meist als direkte Strafe für den Lebenswandel der Eltern, die fortan mit gesellschaftlicher Verachtung und Isolation zu rechnen hatten. Mögliche andere Ursachen einer Behinderung wurden abgelehnt. Dementsprechend war die einzige Behandlungsmöglichkeit von behinderten Menschen die extreme Frömmigkeit jener Menschen, die als Schuldige ausgemacht wurden. Die Behinderten wiederum wurden in zwei Gruppen eingeteilt: in noch „Lernfähige“ und später arbeitsfähig sein konnten und in die Gruppe der sogenannten „Idioten“, die als reiner Ballast der Gesellschaft angesehen wurden. Diese Haltung führte im Dritten Reich zur Trennung zwischen lebenswertes und lebensunwertes Dasein von Behinderten.
Der pietistische Gedanke legte nach dem Zweiten Weltkrieg die Grundlage für die Gründung der Sonderschulen. Behinderte störten die Qualität der Ausbildung von Kindern in den Regelschulen und wurden deshalb in separate Einrichtungen geschickt. Sie sollten die Regeleinrichtungen entlasten, deren Qualität gesteigert und die Kosten zur Versorgung behinderter Kinder gesenkt werden.
Dass dieses Kosten-Nutzen-Denken noch heute Platz in unserer Gesellschaft hat, zeigt folgendes Zitat, welches gerne bei Diskussionen für oder gegen Integration von Behinderten gebraucht wird: „Für die Wirtschaft ist ein Behinderter derjenige Mensch, der für seine wirtschaftliche Tätigkeit keine akzeptable Leistung erbringen kann, die an in gestellte Norm nicht erfüllt (...) Wer diese aber erfüllt, sei er nun ein Schwarzer oder ein Weißer, ein Großer oder ein Kleiner, mit einem Bein oder im Fahrstuhl, dies alles ist bedeutungslos, er ist kein Behinderter mehr für die Wirtschaft (...) Unser ganzes Tun und Trachten der Eingliederung Behinderter liegt nicht darin, die Wirtschaft zu formen, um den Behinderten plazieren zu können, sondern den
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Ulrich Ramp, 2004, Integration behinderter Kinder in Regeleinrichtungen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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