1. Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis
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1. Inhaltsverzeichnis 1
2. Das 19 Jahrhundert in Amerika 2
3. The Cult of True Womanhood 5
3.1. Motherhood 11
3.2. Domesticity 12
3.3. Ehe und Scheidung 14
3.4. Bildungsmöglichkeiten 17
4. Auffassung von Sexualität im 19 Jahrhundert 19
4.1. Beziehungen zwischen Frauen 23
4.2. Abtreibung und Verhütung 24
5. Berufstätigkeit von Frauen 27
6. Werte und Moralvorstellungen im 19 Jahrhundert 29
7. Anhang 31
8. Literaturverzeichnis 33
8.1. Internetquellen 34
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2. Das 19. Jahrhundert in Amerika
Der Begriff Victorianism geht auf die britische Königin Viktoria zurück, die mehr als 60 Jahre, von 1837 bis 1901, in Großbritannien regierte. Später wurde der Begriff
Victorianism übernommen um damit eine Zeitepoche zu beschreiben, die fast ein Jahrhundert das kulturelle und soziale Leben der Vereinigten Staaten prägte. Mit der Verabschiedung der Unabhängigkeitserklärung 1776 haben sich die 13 „Ur“ - Kolonien Connecticut, Delaware, Georgia, Maryland, Massachusetts, New Hampshire, New Jersey, New York, North Carolina, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina und Virginia von ihrem Mutterland Großbritannien losgesagt. Die auf den Ideen des britischen Philosophen John Locke aufbauende und von Thomas Jefferson konzipierte Erklärung vom 4.7.1776 hält unter anderem fest: „We hold these truth to be self-evident: That all men are created equal; that they are endowed by there Creator within certain unalienable rights; that among these are life, liberty, and the pursuit of happiness; […]; that whenever any form of government becomes destructive of these ends, it is the right of the people to alter or to abolish it, and to institute a new
1 government, […].”
Im Anschluss daran zählt die Erklärung ein langes „Sündenregister“ der britischen Krone auf und vollzieht, nachdem sie den britischen Monarchen mit einem Tyrannen verglichen hat, den Bruch mit England:
„We, therefore, the representitives of the Unites States of America, in General Congress assembled, […] do, in the name and by the authority of the good people of these colonies, solemnly publish and declare, that these United Colonies are, and of right ought to be, FREE AND INDEPENDENT STATES, that they are absolved from all allegiance to the British crown, and that all political connection between them and the state of Great Britain is, and ought to be
2 totally dissolved […].”
Mit diesem Bruch nabelte sich die „Neue Welt“ endgültig vom alten Europa ab. Trotzdem übernahmen sie den Namen einer englischen Monarchin um das soziale, kulturelle, historische und ökonomische Leben des 19. Jahrhunderts zu beschreiben. Victorianism entwickelte sich in Großbritannien und den USA in verschiedenen Kontexte n.
Das 19. Jahrhundert lässt sich unterschiedlich einteilen. Zum einen kann man eine Unterteilung in Early Victorianism, Mid Victorianism und Late Victorianism vornehmen. Hierbei ist der Early Victorianism gekennzeichnet durch den Beginn der industriellen Revolution und einer Vielzahl politischer sowie wirtschaftlicher Veränderungen. Der Mid Victorianism spiegelt den Beginn einer religiösen Krise
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Sautter, Udo (2000).
Die Vereinigten Staaten. Daten, Fakten, Dokumente.
146f.
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Sautter, Udo (2000).
Die Vereinigten Staaten. Daten, Fakten, Dokumente.
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wider, hervorgerufen durch herausragende naturwissenschaftliche Entdeckungen und Entwicklungen, wie beispielsweise die Evolutionstheorie von Charles Darwin. Außerdem wird diese Epoche entscheidend vom Bürgerkrieg geprägt. Im Late Victorianism zeigt sich erstmals die bedeutende Stellung der USA als Weltmacht. Es ist auch möglich das 19. Jahrhundert in vier Zeitabschnitte einzuteilen. Vom Ende der 1820er Jahre bis 1860 fand eine große Expansion nach Westen statt, außerdem begann die Zeit der Reformen. Der Bürgerkrieg prägt die zweite Periode von 1861 bis 1865, anschließend folgt die Zeit der Reconstruction von 1866 bis 1877. Die letzte Periode des Victorianism endet um 1901. Endgültig scheint der Victorianism aber erst mit dem 1. Weltkrieg vorbei zu sein.
Eine dritte Möglichkeit das 19. Jahrhundert und somit die viktorianische Zeit einzuteilen ist der Bezug zum Bürgerkrieg. In der antebellum period entwickelte sich langsam das Bild des Victorian America, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer zunehmenden Verweltlichung und zu einer Hinwendung zu Institutionen wie Universitäten, weiterführende Schulen und sozialen Einrichtungen. Nach dem Bürgerkrieg und in der Reconstruction Era waren die Menschen weniger religiös und mehr damit beschäftigt ihre kulturellen Werte in diesen Institutionen zu manifestieren.
Daniel Walker Howe spricht in seinem Buch Victorian America davon, dass die Viktorianische Kultur in den USA intensiver wahrgenommen wurde als in Viktorias Heimatland Großbritannien. Dies sei darauf zurückzuführen, dass es in den Vereinigten Staaten schon zu dieser Zeit eine größere kulturelle Vielfal t aufgrund vieler verschiedener ethnischer Gruppen gab.
Das 19. Jahrhundert stellt einen wichtigen Abschnitt in der Entwicklung der Vereinigten Staaten dar. Es ist eine Zeit von bedeutenden internationalen, sozialen, ökonomischen, kulturellen und historischen Veränderungen, welche die Geschichte und das Leben nachhaltig prägten.
Als historische entscheidende Ereignisse seien der Mexikanische Krieg von 1846 bis 1848, der Bürgerkrieg von 1861 - 1865, der Spanisch-Amerikanische Krieg von 1898 und der 1. Weltkrieg von 1914 bis 1918 genannt. Durch den Bürgerkrieg, in dem die Nordstaaten gegen die Südstaaten kämpften um die Sklaverei abzuschaffen und der nachfolgenden Reconstruction Era, hat sich das Land als Nation entwickelt. Der Spanisch-Amerikanische Krieg war der erste Krieg, den die USA als eine Nation gegen ein anderes Land bestritten. Durch den 1. Weltkrieg wurde die Weltlage
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politisch komplett neu geordnet. Der Aufstieg der Vereinigten Staaten zur führenden Weltmacht hatte begonnen und konnte nicht mehr aufgehalten werden. Andere wichtige Entwicklungen und Fortschritte im 19. Jahrhundert waren unter anderem die Industrialisierung, Urbanisierung und Expansion (Frontier), Immigration und Anstieg der Bevölkerung, Veränderungen in den Beziehungen zwischen den verschiedenen ethischen Gruppen (Rassismus, Klassenunterschiede) sowie Neuerungen im Schulsystem.
Durch diese verschiedenen Entwicklungen kam es nach und nach auch zu einer Transformation im sozialen und kulturellen System der USA.
Daniel Walker Howe differenziert zwischen Kultur und Gesellschaft. Er beschreibt Kultur als ein „[...] evolving system of beliefs, attitudes, and techniques, transmitted from generation to generation, and finding expression in innumerable activities people learn: religion, politics,
3 cilld-rearing custom, the arts and professions [...].“ Im Gegensatz dazu ist Gesellschaft “[...] a structure of relationships among people.“ 4 Demzufolge beziehen sich die Veränderungen des kulturellen Systems auf den Glauben, die Religion allgemein, die Auffassung und Haltung der Menschen gegenüber bestimmten Wertvorstellungen und Normen, auf die Politik, aber auch den künstlerischen Bereich mit Musik, Literatur oder Malerei. Das soziale System änderte sich dahingehend, dass sich die Beziehungen zwischen den Menschen, beispielsweise Mann und Frau, aber auch die Beziehungen zwischen größeren Gruppen veränderten.
Im Folgenden soll vor allem auf die Rolle der Frau aus der middle class im Victorian America eingegangen werden. Die Ideologie der True Womanhood zusammen mit Motherhood, Domesticity, Ehe/ Scheidung und Bildung stellen den ersten Teil der Arbeit dar. Der zweite Teil befasst sich mit der Auffassung zur Sexualität sowie Beziehungen zwischen Frauen, Abtreibung und Verhütung. Im dritten Teil soll ein Überblick über die Anfänge der Berufstätigkeit von Frauen, hier vor allem als government workers in Washington, D.C., gegeben werden. Der letzte Teil fasst die Werte und Moralvorstellungen im 19. Jahrhundert im Bezug auf die vorher besprochenen Themen zusammen.
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Walker Howe, Daniel (ed.) (1976). „Victorian Culture in America.” in
Victorian America.
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Walker Howe, Daniel (ed.) (1976). „Victorian Culture in America.” in
Victorian America.
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Dieses vielfältige Thema „Frauen im Victorianism “ wirft eine Reihe von Fragen auf,
die in den folgenden Abschnitten bearbeitet und wenn möglich beantwortet werden sollen:
1. Wie ist das Idealbild der Frau im Victorian America? 2. Gab es Unterschiede zwischen Idealbild und Realität? 3. Was verbirgt sich hinter dem „Cult of True Womanhood“? 4. Wie war die Beziehung zwischen Mann und Frau innerhalb und außerhalb der
Ehe?
5. Welche Veränderungen brachte das 19. Jahrhundert im Bildungssystem; vor
allem im Bezug auf Frauen?
6. Wie sind die Beziehungen zwischen Frauen im 19. Jahrhundert zu verstehen?
Wieso waren sie allgemein akzeptiert?
7. Wie stand man im 19. Jahrhundert zu Sexualität, Prostitution, Abreibung und
Verhütung? Wer hatte maßgeblich Einfluss auf dieses Verständnis? 8. Welche Gründe gab es für Frauen vor allem am Ende des 19. Jahrhunderts
arbeiten zu gehen?
9. Wie veränderte sich die Einstellung gegenüber arbeitenden Frauen?
3. The Cult of True Womanhood
Da die spezifische Rolle der Frau im Grunde alle Lebensbereiche erfasste, werde ich im dritten Kapitel vier Bereiche (Motherhood, Domesticity, Ehe und Scheidung sowie Bildung) exemplarisch darstellen. In ihnen wird der Widerspruch zwischen Ideologie auf der einen Seite und den wirklichen Verhältnissen auf der anderen Seite besonders deutlich. Der Wert der Frau lag letztendlich nur noch in ihrer Fähigkeit Nachwuchs zu gebären, Hausfrau und Ehefrau zu sein.
Autoren und Historiker sprechen im Kontext der viktorianischen Kultur in Amerika von dem Begriff Cult of True Womanhood. Aber was verbirgt sich nun genau dahinter und wie lassen sich Cult und True Womanhood definieren? Nach welchen Werten, Idealen und Moralvorstellungen wurde im viktorianischen Amerika gelebt? Daraus ergibt sich die Frage, ob dieser Kult wirklich der Realität entsprach oder ob es ein Idealbild der Mittelklasse war, das einem „Theaterspiel“ glich und nach welchem die Menschen dieser Zeit versucht haben zu leben.
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War es nicht ein Widerspruch, dass Amerika im 19. Jahrhundert einen derartigen Wandel in Gesellschaft, Technik und Wissenschaft erlebte, seine Mittelklasse aber nach festen Werten und alten Idealen strebte? Wie konnte das miteinander funktionieren, oder hat es gar nicht funktioniert? Diese Fragen sollen im Folgenden untersucht und geklärt werden, u m einen Überblick dessen zu geben, was eine Schicht der amerikanischen Gesellschaft - die Mittelklasse - anstrebte und nach welchen „Regeln“ sie versucht hat zu leben.
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden Frauen nur nach ihrem Status beurteilt. Die True Woman war eine treue Ehefrau, eine fromme Bedienstete und vor allem eine gute Mutter. Die biologische Mutterrolle wurde zur zentralen Identität einer Ehefrau. Es war ein Zeitalter, in dem die Auswirkung der industriellen Revolution eine scharfe Unterscheidung zwischen den Geschlechterrollen, besonders in den oberen und mittleren Schichten, verursachte. Männern und Frauen wurden unterschiedliche Rollen zugeschrieben, welche aus den gesellschaftlichen Ordnungen hervorgingen. Die Menschen sahen jene Unterschiede als unterschiedliche Funktionen in der Gesellschaft an. Die Männer nahmen am öffentlichen Leben der Gesellschaft teil (public sphere 5 ). Als Domäne der Frauen galt der häusliche Herd (private sphere 6 ). Frauen und Männern wurden stereotypische Merkmale auferlegt, welche durch die Gesellschaft getragen und gestützt wurden.
Einige biologische Unterschiede beschrieben Männer folglich als stark, aktiv, logisch denkend, rational, individuell und unabhängig und Frauen wurden als schwach, passiv, unlogisch denkend, emotional, sozial, familiär und abhängig beschrieben. Frauen sollten den Männern gegenüber rein, unschuldig und moralisch überlegen sein, jedoch wurden sie auch leicht verdorben. Frauen, die gegensätzliche Merkmale ausdrückten, wurden verbannt.
Der Cult of True Womanhood ist eine Bezeichnung, die von der Historikerin Barbara Welter geprägt wurde. Welter kennzeichnet die vier Haupttugenden, die eine True Woman mitbringen musste als Frömmigkeit, Reinheit, Ergebenheit/ Unterwürfigkeit und Häuslichkeit. 7 Frauen galten als die moralisch Überlegenen und waren so eine Art Wächter der amerikanischen Moral. Daniel Walker Howe beschreibt in Victorian Culture in America die Frau als Mutter:
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http://www.ivcc.edu/gen2002/Women_in_the_Nineteenth_Century.htm.
6 http://www.ivcc.edu/gen2002/Women_in_the_Nineteenth_Century.htm.
7 Welter, Barbara, (1966). „The Cult of True Womanhood,” American Quarterly 18. 225.
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Quote paper:
M.A. Sandra Kemerle, 2004, Frauen im Victorianism, Munich, GRIN Publishing GmbH
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