Ruetz Stefan Ende der Kindheit SS 2004
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 4
2. Kindheit - eine Erfolgsgeschichte? 4
3. Das Verschwinden der Kindheit 5
3.1. Die Rolle der Erziehung und Bildung 5
3.2. Der Enthüllungsprozess 6
4. Die Kindheit im Laufe der Geschichte 7
4.1. Mittelalterliche Gesellschaft 7
4.2. Moralisten und Erzieher 8
4.3. Die neue Einstellung zur Kindheit 8
4.4. Die Rolle der Schule 8
5. Gefährdete „Entwicklungsstufe Kindheit“ 9
5.1. Verschwindende Kinderspiele 10
5.2. Vom Aussterben bedroht 11
5.3. Neue Informationstechnologien 11
5.3.1. Das Fernsehen 12
5.3.2. Das Buch 13
5.3.3. Das Medium der totalen Enthüllung 13
6. Schlusswort 14
7. Quellenangaben 15
3
Ruetz Stefan Ende der Kindheit SS 2004
1. Einleitung
In der vorliegenden Seminararbeit möchte ich von einem Artikel ausgehen, der unter dem Titel „Das Ende der Kindheit“ geschrieben wurde - darauf aufbauend möchte ich die Theorien von Philippe Ariès und Neil Postman heranziehen und einen historischen Rückblick zum Artikel gestalten. Es ist mir in dieser Arbeit ein Anliegen, die Entwicklung der Kindheit im Ablauf der Epochen näher zu untersuchen und diese auch mit der heutigen Situation zu vergleichen.
2. Kindheit - eine Erfolgsgeschichte?
Der Artikel das „Ende der Kindheit“ von Susanne Gaschke beginnt mit den Worten „Dass kleine Menschen nicht mehr wie Erwachsene sein mussten, war ein Sieg der Zivilisation. Heute ist dieser Fortschritt bedroht“ 1 . Frau Gaschke schildert zuerst die Situation von Londoner Jugend lichen zur Zeit von Oliver Twist und meint, dass uns nun 150 Jahre von dieser Zeit in den Londoner Nebenstraßen trennen. 150 Jahre, in denen sich in den bürgerlichen Gesellschaften des Westens die Vorstellung durchgesetzt hat, dass Kinder anders behandelt werden müssten als Erwachsene; die Kinder seien nicht fähig zu schwerer körperlicher Arbeit oder dürfen nicht so hart bestraft werden wie ausgewachsene Verbrecher. Kinder brauchen eigene Kleidung, eigenes Spielzeug, eigene Bücher, eigene Ärzte und eine Erziehung, die ihrer jeweiligen psychischen und physischen Entwicklungsstufe angemessen ist. Die Kindheit, die wir heute kennen, ist eine Erfindung der Aufklärung, eine Errungenschaft des Bürgertums. Jugendschutzgesetze sowie staatliche Jugendhilfe sollten die Lebensaussichten benachteiligter Kinder verbessern. Das öffentliche Schulwesen und die allgemeine Schulpflicht schufen ein Minimum an Chancengleichheit der Kinder. Die Kinder heutzutage, glaubt man, haben es viel besser als früher, die Geschichte der Kindheit sei eine Erfolgsgeschichte, aber das ist sie nur auf den ersten Blick: Die größte Bedrohung der Kindheit sieht heute anders aus: auf den ersten Blick weniger existenziell, in ihren langfristigen Folgen aber vielleicht nicht weniger schlimm. Denn selbst das Aufwachsen in bürgerlichen Familien ist - auf hohem Niveau - von Ge- 1 http://www.geocities.com/hoefig_de/Verschiedenes/Ende_der_Kindheit.htm
4
Ruetz Stefan Ende der Kindheit SS 2004
fährdungen umzingelt. Es gibt mehrere Indizien dafür, dass wir einem erneuten, wie Neil Postman es benannt hat, Verschwinden der Kindheit gegenüber stehen 2 :
3. Das Verschwinden der Kindheit
Die so genannte physische Kindheit endet heute früh, bei Mädchen beginnt die Menstruation mit etwa 12 Jahren, im Vergleich dazu begann sie im Jahre 1840 mit durchschnittlich 17 Jahren. Die Kleidung der Kinder unterscheidet sich nur noch wenig von dem, was Erwachsene heute tragen. Kinder leiden statistisch gesehen immer häufiger an Erwachsenenkrankheiten. Die Werbung sieht Kinder zur Gänze als potente Kunden: Die Konsumgüter, die sie ihren Eltern abringen oder von ihrem ansehnlichen Taschengeld erwerben, bringen in Deutschland eine Kaufkraft von etwa 30 Milliarden Mark (ca. 15 Milliarden Euro) jährlich. Die schwierige Situation auf dem Arbeitsmarkt 3 tut ein Übriges, um dem Ideal einer möglichst unbeschwerten Kindheit den Garaus zu machen. Kinder müssen heute zwar nicht mehr in Bergwerken schuften, aber sie werden früh auf Konkurrenzfähigkeit getrimmt. Solche gesellschaftlichen Großtrends kann man oft im Kleinen sehr gut analysieren, wie zum Beispiel auf einem Elternabend in der Grundschule. Zwei Themen dominieren dort: Hausaufgaben und Disziplin, da es offenbar von beiden zu wenig gibt. Die Lehrer werden aufge-fordert, mehr zu verlangen und dafür zu sorgen, dass die Schularbeiten auch wirklich erledigt werden. Es scheint, dass kaum jemand sich selbst für das Benehmen des eigenen Kindes in der Schule oder dessen Arbeitshaltung zu Hause verantwortlich fühlen will. Die Unbequemlichkeit, die sich hinter dem Begriff Erziehung versteckt, wird gern an die Lehrer delegiert 4
3.1. Die Rolle der Erziehung und Bildung
Erziehung und Bildung spielen in diesem Verschwinden der Kindheit eine große Ro lle: Dem antiautoritären Erziehungsstil kann man dies nicht zu Lasten legen, denn die Antiautoritären schätzen zwar vielleicht die formale Bildung und die Höflichkeit zu gering, aber ihr pädagogisches Ziel war doch immer der mündige, der genussfähige Mensch. Genau diese mündige Persönlichkeit ist von der Liste der wichtigen Erzie- 2 vgl.http://www.geocities.com/hoefig_de/Verschiedenes/Ende_der_Kindheit.htm
3 vgl. www.ams.or.at
4 vgl. http://www.geocities.com/hoefig_de/Verschiedenes/Ende_der_Kindheit.htm
5
Ruetz Stefan Ende der Kindheit SS 2004
hungsziele heutzutage abgesetzt - der Internet-Anschluss für alle Klassen erscheint Ministerpräsidenten und Bundeskanzler als höchstes Bildungsziel, während auf dem heimlichen Lehrplan die Anpassungsfähigkeit an die Erfordernisse des Erwerbslebens steht. Addieren ist hiezu, dass Anpassungsfähigkeit von Kindern nicht nur im Hinblick auf ihren künftigen Arbeitsplatz gefordert wird, auch die Lebensgestaltung ihrer Eltern zwingt sie zur Flexibilität. Sie haben ganz selbstverständlich zu akzeptieren, wenn ihre Väter und Mütter sich trennen und neu gruppieren: 30 Prozent der in den achtziger Jahren Geborene n werden eine Zeit lang ohne Mutter oder Vater l eben. Wie schon bei Kindern in früherer Zeit zu beobachten ist, tritt in der Kindheit oft Langeweile auf, wo dann kreative Gedanken für Spiele etc. auftauchen können; he ute wird dies nicht mehr geduldet: Für gewöhnlich sieht man den ganzen Tag fern. Für Kinder, die unter solchen Umständen aufwachsen, sind Kindertagesstätten allemal Orte der Anregung und Förderung. Bei den „netten Mittelschichtfamilien“ kann man beobachten, wie Kinder unter überflüssigen Stress gesetzt werden: indem sie sie mit Erwachsenen-Terminkalendern ausstatten. Da wird von der musikalischen Frühe rziehung zum Voltigieren gehetzt, vom Voltigieren zum Chor oder zum Hockey, vom Hockey zum Kochkurs oder zu entfernt wohnenden Freundinnen. Schließlich will auch das Spielen organisiert sein, wenn es in der Nachbarschaft nicht mehr selbstverständlich Kinder gibt. Auf diesen Dauerstress reagieren die Kinder aber wie Erwachsene - sie werden krank. Bis zu 30 Prozent der bundesdeutschen Schüler leiden an Beschwerden, über die auch Manager klagen könnten: Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Kopf- und Magenschmerzen. Schon bei unter Zehnjährigen treten Essstörungen wie Magersucht und Bulimie auf 5 .
3.2. Der Enthüllungsprozess
Die Züchtung zum dumpfen Glotzen ist eine Gefahr, wenn Kinder fernsehen. Die andere besteht in dem von Neil Postman beschriebenen Enthüllungsprozess 6 : Alle "Geheimnisse" der Erwachsenenwelt kann ein Kind heute in jeder beliebigen Talk-Show erfahren. Eltern überlegen es sich besser früh, ob sie ihre Kinder selbst aufkl ären wollen - sonst nimmt das Fernsehen ihnen die Mühe ab. Mit diesem Sieg der Bild- über die Schriftkultur wird der Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen
5 vgl. http://www.geocities.com/hoefig_de/Verschiedenes/Ende_der_Kindheit.htm
6 vgl. hiezu: Postman, Das Verschwinden der Kindheit, Seite 81ff
6
Arbeit zitieren:
MMMag. Stefan Ruetz, 2004, Das Ende der Kindheit, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Unterschiedliche Qualifikationsniveaus in der Pflege und das Problem d...
Pflegemanagement / Sozialmanagement
Hausarbeit, 21 Seiten
Spezielle Psychotraumatologie - Kindheitstrauma
Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie
Hausarbeit, 24 Seiten
Mir gehört die Welt - Die Figur Hynkel in Chaplins 'Der große Dik...
Hausarbeit, 18 Seiten
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Referat (Ausarbeitung), 24 Seiten
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hausarbeit, 13 Seiten
Erkenntnisse der Neurowissenschaft zum Thema "Lernen"
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Hausarbeit, 16 Seiten
Das spezifisch Menschliche der Sprache und das spezifisch Sprachliche ...
Ein Einblick in die Sprachtheo...
Germanistik - Semiotik, Pragmatik, Semantik
Examensarbeit, 77 Seiten
Bildungsungleichheit: Gleiche Bildungschancen für alle?
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hausarbeit, 23 Seiten
Lösen sich Klassen und Schichten auf? Entstrukturierung, Pluralisierun...
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hauptseminararbeit, 14 Seiten
Das Wesen der Fotografie - eine vergleichende Analyse der Essays von R...
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Hauptseminararbeit, 29 Seiten
Maria Montessori - Leben, Werk und Bedeutung
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit, 22 Seiten
Der Zusammenhang von Armut und Gesundheit
Soziologie - Medizin und Gesundheit
Hauptseminararbeit, 19 Seiten
Stefan Ruetz hat den Text Das Ende der Kindheit veröffentlicht
Stefan Ruetz hat einen neuen Text hochgeladen
Frauenerwerbstätigkeit in Geschlechterregimen
Großbritannien, Frankreich und...
Inga Halwachs
0 Kommentare