Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Inhalte der Sexualerziehung 4
2.1 Allgemeine Begriffserklärungen 4
2.2 Zentrale Themen der Sexualerziehung seit 1960 5
2.3 Geschlechtsspezifische Aspekte der Sexualerziehung 6
2.4 Ziele der Sexualerziehung mit Jugendlichen 7
3 Inhalte der AIDS-Prävention 11
3.1 Allgemeine Begriffserklärungen 11
3.2 Entstehung und Entwicklung der AIDS-Prävention 11
3.3 Ziele der AIDS-Prävention mit Jugendlichen 12
3.4 Veränderungen der AIDS-Prävention durch Normalisierung
von AIDS in unserer Gesellschaft 14
4 AIDS-Prävention als eine weitere Aufgabe der Sexualerziehung 16
4.1 Allgemeine Begriffserklärungen 16
4.2 Sexualerziehung als Primärprävention 16
4.3 Präventionsbedingte Einschränkungen. 20
4.4 Die Rolle der pädagogischen Fachkräfte 21
5 Ein Beispiel guter Praxis 22
5.1 Vorstellung eines Praxisbeispiels 22
5.2 Projektziele und Inhalte 22
5.3 Übertragbarkeit des mobilen Ansatzes 24
6 Fazit und Ausblick 26
7 Literaturverzeichnis 28
1
1 Einleitung
Das Interesse an dem Thema AIDS-Prävention wurde bei der Autorin durch die Teilnahme an der Lehrveranstaltung „Sozialpädagogische Beratungsmodelle und Präventionsansätze in der Arbeit mit HIV und AIDS“ von Rainer Schultz im Wintersemester 2002 / 2003 geweckt und soll mit dieser Studienarbeit intensiviert werden.
AIDS und Sexualität sind sehr eng miteinander verbunden und gehören in unserer Gesellschaft zu Tabuthemen, was für zahlreiche Menschen den Umgang und die Auseinandersetzung mit der Thematik sehr erschwert. Für die Autorin stellte sich schnell die Frage, wie der Diskurs zwischen Sexualerziehung und AIDS-Prävention mit Jugendlichen aussehen könnte. Daraus resultiert auch ihr Interesse, eine möglichst umfangreiche Literaturrecherche durchzuführen.
Wir alle haben in der Vergangenheit schon von der Krankheit AIDS gehört, trotzdem möchte die Autorin zum Einstieg in die Thematik folgendes erläutern bzw. dem Leser ins Bewußtsein rücken:
AIDS ist die Abkürzung für „Acquired Immune Defiency Syndrome“ und bedeutet eine schwere Schwächung des körpereigenen Abwehrsystems, ausgelöst durch HIV, was „Humanes Immundefekt Virus“ bedeutet. Die Übertragung erfolgt überwiegend durch Geschlechtsverkehr und infiziertes Blut.
AIDS macht den Körper gegen viele Krankheitserreger wehrlos, die ein gesunder Mensch problemlos abwehren kann. Die durch die Immunschwäche ausgelösten Krankheiten führen schließlich zum Tod. AIDS wurde 1981 zum erstenmal als eigenständiges Krankheitsbild beschrieben. Da es trotz intensiver Forschung noch keinen wirksamen Impfstoff gegen HIV gibt, ist der einzige wirksame Schutz vor einer HIV-Infektion nach wie vor die Vermeidung von Ansteckung. 1
Auch wenn AIDS immer mehr aus dem öffentlichen Bewußtsein und den Medien verschwindet, bleibt die Gefahr auch in unserem Jahrtausend bestehen. Und gerade in Zeiten von AIDS ist die Förderung der Gesundheit unerläßlich.
1 vgl.: BUNDESZENTRALE FÜR GESUNDHEITLICHE AUFKLÄRUNG (Hrsg.), Aids von A-Z, Köln 2002, S. 2 - 7.
2
Die Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung „AIDS im öffentlichen Bewußtsein der Bundesrepublik Deutschland“ aus dem Jahr 2000 belegt, dass der Kontakt der Bevölkerung zur AIDS-Aufklärung sowie das Bewußtsein von AIDS als gefährliche Krankheit sinkt. Der Umgang mit AIDS zeigt in unserer Gesellschaft generell eine Entwicklung hin zur Normalität. Dies beinhaltet, dass das Basiswissen über AIDS in der Gesellschaft vorhanden ist und man weiß, wie man sich schützen kann, dies dennoch nicht tut. Bei Jugendlichen kommen erhebliche Wissenslücken bzw. Mißverständnisse über AIDS hinzu.
Aufgrund dieser Studie empfindet die Autorin ihre Recherche zur Thematik aktuell und wichtig.
Jugendliche befinden sich in einer Entwicklungsphase der sexuellen Orientierung, der ersten großen Liebe und der ersten sexuellen Erfahrungen.
Da die Jugendphase formal - juristisch zwischen dem 14. und 19. Lebensjahr liegt, meint die Autorin auch diese Altersgruppe, wenn sie in der vorliegenden Studienarbeit von Jugendlichen spricht.
Die Zahl der an AIDS infizierten Jugendlichen ist in Deutschland sehr gering, das heißt aber keinesfalls, dass daher die AIDS-Prävention für sie unbedeutsam ist. Ganz im Gegenteil: Für Jugendliche ist AIDS-Prävention so aktuell und wichtig wie schon immer. Über Sexualität reden heißt nicht nur Wissensvermittlung. Sexualerziehung ist keine einmalige Aufklärung, sondern ein langer Prozeß. 2 Dies gilt auch für eine gelungene AIDS-Prävention.
Bis auf wenige Ausnahmen befaßt sich die Ratgeberliteratur entweder nur mit AIDS-Prävention oder nur mit Sexualerziehung, es gibt einige wenige Ausnahmen, die beide miteinander in Verbindung setzen. Aus diesem Grund versucht die Autorin, AIDS-Prävention mit Sexualerziehung zu verbinden und die jeweiligen Ziele und Notwendigkeiten mit Hintergründen aufzuzeigen.
Ziel der Studienarbeit soll die Vorstellung der Literaturrecherche zur Thematik, der Diskurs zwischen Sexualerziehung und AIDS-Prävention mit verbundenem
3
Ausblick für die pädagogische Arbeit und die Vorstellung eines Praxisbeispiels in der außerschulischen Jugendarbeit sein. Ein weiteres Anliegen dieser Studienarbeit stellt die Motivation der pädagogischen Fachkräfte für die Wichtigkeit der Sexualerziehung mit integrierter AIDS-Prävention und deren Vermittlung in einer bewußten, ganzheitlichen Erziehung dar.
Die Autorin hat die vorliegende Studienarbeit in folgende Punkte gegliedert: Unter 2 „Inhalte der Sexualerziehung“ werden allgemeine Begriffserklärungen aufgezeigt und die zentralen Themen der Sexualerziehung beschrieben. Weiter werden bei diesem Punkt die geschlechtsspezifischen Aspekte und Ziele der Sexualerziehung mit Jugendlichen behandelt. Nachfolgend kann der Leser unter 3 „Inhalte der AIDS-Prävention“ zuerst die allgemeinen Begriffserklärungen einsehen und die Entstehung und Entwicklung von AIDS-Prävention nachlesen. Danach beschreibt die Autorin Ziele der AIDS-Prävention mit Jugendlichen und geht auf die Veränderungen der AIDS-Prävention durch die Normalisierung von AIDS in unserer Gesellschaft ein.
Unter 4 „AIDS-Prävention als eine weitere Aufgabe der Sexualerziehung“ geht die Autorin auf den Diskurs zwischen Sexualerziehung und AIDS-Prävention ein. Weiter werden einige präventionsbedingte Einschränkungen sowie die Rolle der pädagogischen Fachkräfte aufgezeigt.
Danach stellt die Autorin unter 5 „Ein Beispiel guter Praxis“ das Projekt „Love Tour“ vor und beschreibt dessen Ziele, Inhalte, Veranstaltungsformen und die Übertragbarkeit des mobilen Ansatzes auf andere Vorhaben, da ihr dieses Projekt als geeignetes Praxisbeispiel für eine gelungene Sexualerziehung und AIDS-Prävention in der a ußerschulischen Jugendarbeit erscheint.
Unter 6 „Fazit und Ausblick“ reflektiert die Autorin ihre erworbenen Kenntnisse zum Diskurs zwischen Sexualerziehung und AIDS-Prävention und zieht daraus Schlüsse für die Praxis.
Danach kann der Leser unter 7 „Literaturverzeichnis“ die genutzten Quellen nachlesen. Die Autorin hat ihre Literaturrecherche nicht nur auf Bücher, sondern auch auf Broschüren, Zeitschriften, Arbeitsmappen und Internetseiten zur Thematik ausgedehnt.
2 BUNDESZENTRALE FÜR GESUNDHEITLICHE AUFKLÄRUNG (Hrsg.), Über Sexualität reden, Köln 1994, S. 15.
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2 Inhalte der Sexualerziehung
2.1 Allgemeine Begriffserklärungen
Seit dem 19. Jahrhundert wird der Begriff Sexualität auf Menschen angewendet und setzte sich schließlich mit der aufkommenden Sexualwissenschaft durch. Dabei versteht man den Begriff Sexualität als mehrdimensional, da er das Verhalten, die sexuelle Motivation bzw. den Sexualtrieb, die Reproduktion und das Geschlechterverhältniss beinhaltet. 3 Sexualität ist weit mehr als Geschlechtsverkehr und Orgasmus. Im positiven Sinne betrachtet ist sie ein Ausdruck von Zuneigung zu anderen Menschen und eine Kommunikationsform mit vielen Gesichtern bzw. Gefühlen, wie beispielsweise sanft und sinnlich oder wild und zärtlich. Sexualität ist oft geplant, bisweilen spontan und ein ganzes Leben einem Veränderungsprozeß unterworfen. Weiter können durch Sexualität zwischenmenschliche, kommunikative und identitätsstabilisierende Bedürfnisse sowie Lustbefriedigung ermöglicht werden. 4
Unter ethischen Grundpostulaten betrachtet, kann Sexualität in vier Sinnaspekte in Zusammenhang mit Liebe gestellt werden. Dazu gehört der Identitätsaspekt, da Sexualität die Gewährung und Entgegennahme von Selbstbestätigung als Bedingung zur Selbstliebe und zur Weiterentwicklung der Persönlichkeit ermöglicht. Der Beziehungsaspekt stellt die Ich-Du-Relation in den Mittelpunkt, da menschliches Leben in Sozialbeziehungen wächst. Der Lustaspekt spielt eine weitere Rolle, da sexuelle Lust als Kraftquelle erlebt werden kann. Weiter können Liebe und Sexualität lebensschöpferisch wirken, da sie alle Gefühle verstärken und somit auf unsere Gefühle überfließen. 5
Derjenige Teil unserer gesellschaftlichen Sozialisation, der sich mit dem Erlernen von sexuellem Verhalten im Rahmen der gruppenspezifischen Regeln im Zusammenleben beschäftigt, wird Sexualerziehung genannt. 6
Die Autorin empfindet folgendes Zitat über die Sexualerziehung sehr passend:
3 vgl.: DEUTSCHEN VEREIN FÜR ÖFFENTLICHE UND PRIVATE FÜRSORGE (Hrsg.), Fachlexikon der sozialen Arbeit, Frankfurt am Main 2002, 5. Auflage 2002, S. 830.
4 vgl.: GLÜCK, Gerhard u. a., Heiße Eisen in der Sexualerziehung, Weinheim 1990, S. 15.
5 vgl.: SIELERT, Uwe u. a., Sexualpädagogische Materialien für die Jugendarbeit in Freizeit und Schule, Weinheim und Basel 1993, S.15.
6 vgl.: DEUTSCHEN VEREIN FÜR ÖFFENTLICHE UND PRIVATE FÜRSORGE (Hrsg.), Fachlexikon der sozialen Arbeit, a. a. O., S. 829.
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„Was die Sexualerziehung zu erziehen hat ist die Sexualität. Das Glück um das es in der Sexualerziehung geht, ist immer auch das Glück der anderen.“ 7 Weitere Inhalte der Sexualerziehung sind die Arbeit zur Körperlichkeit und zum Körperbewußtsein, den Umgang mit Nähe und Distanz, Liebe und Sexualität in Beziehungen, die Ansprache auf sexuelle Orientierungen und der Selbst- und Fremdschutz beim Umgang mit Geschlechtskrankheiten und AIDS. 8
Sexualerziehung ist nicht nur im wörtlichen Sinne wertvoll, sondern sie ist auch eng verbunden mit Werten, Normen und Moral. Dabei beinhaltet sie auch Aufklärung im klassischen Sinne. 9
2.2 Zentrale Themen der Sexualerziehung seit 1960
Seit 1960 wurde Sexualerziehung zu einer Integrationswissenschaft zwischen allen Disziplinen, die sich mit Sexualität befassen und der Pädagogik. Im folgenden charakterisiert die Autorin anhand von Autoren vier bekannte Ansätze, die zu Meilensteinen der Sexualerziehung geworden sind.
Mit dem Werk „Geschlechtserziehung“ von Horst Scarbarth (1966/1969) wurde Sexualerziehung erstmals Thema einer systematischen wissenschaftlichen Untersuchung und somit akademischer Gegenstand. Unter anderem wurde erstmals die Notwendigkeit und Möglichkeit der Sexualerziehung thematisiert und aufgezeigt, dass sexualpädagogische Überlegungen zu allen Zeiten und in allen Kulturen Teil der Erziehungsvorstellungen waren und schon immer die Reibungsflächen der Erziehung widerspiegelten. Wolfgang Bartholomäus unternahm mit seinem Buch „Lust aus Liebe“ (1993) erneut den Versuch, pädagogische Kategorien in sexualwissenschaftliche Befunde zu integrieren. Er behandelte die Frage nach Natürlichkeit und Kultürlichkeit von Sexualität als Basis einer sexualpädagogischen Anthropologie und interpretierte daraufhin die Jugendsexualität. Norbert Kluge gab in seinem Buch „Handbuches der Sexualpädagogik“ (1984) vielen AutorInnen Platz, über Grundaspekte der sexualpädagogischen Fragestellungen zu diskutieren und brachte damit die Vielseitigkeit des Fachdiskurses zum Ausdruck.
7 GLÜCK, Gerhard u. a., Heiße Eisen in der Sexualerziehung, a. a. O., S. 16.
8 vgl.: SIELERT; Uwe u. a., Sexualpädagogik lehren, Weinheim und Basel 2000, S. 45.
9 vgl.: SIELERT, Uwe u. a., Sexualpädagogische Materialien für die Jugendarbeit in Freizeit und Schule, a. a. O., S. 13.
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Mit seinem Buch „Sexualpädagogik“ (1991/1993) legte Uwe Sielert den aktuellsten Ansatz sexualpädagogischen Denkens vor, wobei er als erster an heute noch aktuelle Themen, wie beispielsweise sexuelle Gewalt oder AIDS, ansetzte. Dabei skizzierte er für die damalige Zeit eine neue Konzeption, indem er Sexualerziehung als Wissenschaft mit spezifischer Wahrnehmung von Sexualität beschrieb und sich mit der Lage der jeweiligen AdressatInnen auseinandersetzte. Es wurde deutlich, das der Horizont von Sexualerziehung auch von historischen und politischen Bedingungen abhängig ist. 10
Die beschriebenen Ansätze sollen einige konstitutionelle Elemente sexualpädagogischer Theoriebildung aufzeigen. Dazu gehört die Benennung des Gegenstandsbereiches von Sexualpädagogik, wobei die wissenschaftliche Reflexion von sexueller Entwicklung und pädagogischer Einflußnahme hinzukommt. Die sexualpädagogische Anthropologie entwickelte sich mit Hinblick auf aktuelle Lebensformen, die durch gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen geprägt werden und die verstehende Interpretation der sexuellen Lebenswelten sollte durch diese Theoriebildung stärker gefördert werden. Die Diskussion über die Ziele der Sexualerziehung in Bezug auf die ganzheitliche Erziehung kam in Gang und wird auch heute noch geführt.
2.3 Geschlechtsspezifische Aspekte der Sexualerziehung
Geschlechtsspezifische Erziehung meint zum einen, dass Mädchen und Jungen faktisch unterschiedlich erzogen werden und zum anderen die Forderung, durch geschlechtsbewußte Erziehung den Geschlechtsrollenidealen Rechnung zu tragen. 11 Durch die Pubertät ist das Verhältnis von Mädchen und Jungen geprägt durch erotische Empfindungen und sexuelle Spielchen. Dabei gehört das „sich verlieben“ für alle zum festen Bestandteil. 12
Während der Pubertät bekommen die Unterschiede zwischen den Geschlechtern eine neue Schärfe, gerade im Bezug auf Empfängnisverhütung und
10 vgl.: SIELERT, Uwe u. a., Sexualpädagogik lehren, a. a. O., S. 140 - 142.
11 vgl.: BUNDESZENTRALE FÜR GESUNDHEITLICHE AUFKLÄRUNG (Hrsg.),Sexualpädagogik zwischen Persönlichkeitslernen und Arbeitsfeldorientierung, Band 16, Köln 1999, S.44. 12 vgl.: BUNDESZENTRALE FÜR GESUNDHEITLICHE AUFKLÄRUNG (Hrsg.), Sexualerziehung, die ankommt..., Band 15, Köln 1999, Auflage 2./3./6.00, S. 33.
Arbeit zitieren:
Stephanie Blume, 2003, Der Diskurs zwischen Sexualerziehung und AIDS-Prävention mit Jugendlichen, München, GRIN Verlag GmbH
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