Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S 3
2. Vorstellung: Autor und Werk
2.1 Der Autor und sein Werk S 4
2.2 Das untersuchte Werk S 5
3. Grundlagen der Analyse
3.1 Das Einfache in der KJL (nach Lypp) S 7
3.2 Epische Formen der Kinderliteratur (nach Steffens) S 9
3.3 Modernes Erzählverfahren (nach Schneider) S 10
3.4 Der psychologische Kinderroman (nach Steinz Weinmann) S 10
4. Analyse des Werkes
4.1 Der Wandel im Heim-Alltags Leben
4.1.1 Langweilige Sonntage S 11
4.1.2 Erster Sonntag mit Ulla S 12
4.1.3 Zweiter Sonntag mit Ulla S 14
4.1.4 Dritter Sonntag mit Ulla S 15
4.1.4.1 Auftreten des blöden Christians S 16
4.1.5 Die Adoptionsnachricht S 16
4.2 Das Einfache im Werk (nach Lypp) S 17
4.3 Kindliche Wortwahl des Ich-Erzählers S 19
5. Schluss S 21
6. Literaturverzeichnis S 22
1
1. Einleitung
In dem Werk „Sonntagskind“ von Gudrun Mebs werden verschiedene Themen, wie zB. der
Alltag in einem Kinderheim, das Verhältnis von Heimkindern zueinander, das Verhältnis von
Erziehern in Heimen zu den Heimkindern, Neid (s. Andrea), Vorurteile (s. Karli), der Wandel
des Heimlebens, etc. angesprochen. Ich möchte dieses Buch auf die Einfachheit in der
Kinder- und Jugendliteratur untersuchen. Ich werde mich hierbei auf den Wandel des
Heimlebens beschränken. Bei diesem Punkt werde ich verschiedene Stationen, nämlich die
einzelnen Sonntage aufgreifen und diese analysieren.
„Plötzlich sehe ich die Wohnung richtig vor mir: Lauter goldene Sessel
stehen herum und ein goldenes Sofa, ganz aus Samt, und Tische aus
Glas, mit Silberfüßen dran, und auf den Tischen stehen Riesenschachteln
Pralinen und Riesenschüsseln mit Paprikachips, und einen Kamin hat´s,
und darin brennt ein echtes Feuer, und vor dem Kamin liegt ein
Eisbärfell, mit einem richtigen Kopf dran, wie lebendig sieht der aus, und
im Maul, da hat er ... da hat er ... einen goldenen Apfel. Ja! [...] Groß ist
sie und ganz schlank, und sie hat einen Pelzmantel an, so einen teuren,
weichen, und lange rote Locken hat sie und ... sie hat ... sie hat gelbe
Augen! [...] Sie hat ja gar keine gelben Augen, blaue hat sie [...] So
blaue, wie Vergissmeinnicht!“ 1
Das kleine Mädchen hat bestimmte Vorstellungen von ihrer Sonntagsmutter und ihrer
Wohnung. Sie lässt, zusammen mit ihrer Freundin Andrea, ihrer Fantasie freien Lauf. Als
jedoch ihre Sonntagsmutter sie das erste Mal im Heim abholt, entspricht diese keineswegs den
Vorstellungen des kleinen Mädchens. Wieso wächst dem kleinen Mädchen ihre
Sonntagsmutter dennoch so stark ans Herz, obwohl sich ihre Vorstellungen mit der Realität in
keinem Fall decken?
2
2. Vorstellung
2.1 Autor und sein Werk
Gudrun Mebs wurde 1944 in Bad Mergentheim geboren und verbrachte ihre Kindheit in
Frankfurt am Main. Mit 17 Jahren begann sie eine Ausbildung zur Schauspielerin und mit
18 hatte sie bereits ihr erstes Engagement.
Von 1962 bis 1982 hatte sie die Chance zu weiteren Engagements und zwar in Düsseldorf,
Lübeck, Göttingen und Wuppertal. Von 1972 bis 1973 reiste sie mit „group of oversea“
durch Europa, Asien, Amerika, Japan, Neuseeland und Australien, um ihre Lesetourneen
zu veranstalten.
1975 ging sie für sechs Monate nach Paris in eine Zirkusschule, um hier das Seiltanzen zu
erlernen. In den darauf folgenden Jahren arbeitete sie für das Fernsehen und den
Bayerischen Rundfunk.
1980 schrieb sie ihre ersten Geschichten, die im Radio, zum Teil von ihr selbst vorgelesen,
gesendet wurden. Die Geschichten erhielten den Titel „Geh´nur, vielleicht triffst du einen
Bären“.
1984 erhielt sie den „Deutschen Jugendliteraturpreis“ für „Sonntagskind“. Ihre
Kinderbücher wurden in 24 Sprachen übersetzt. „Inzwischen ist sie eine der
renommiertesten Autorinnen des deutschen Kinder- und Jugendbuches, ihre Bücher
wurden mehrfach ausgezeichnet“. 1
Gudrun Mebs ist verheiratet, hat aber keine eigenen Kinder. Sie lebt heute in München, um
hier Theater zu spielen und in der Toscana, um dort ihre Kinderbücher zu schreiben.
1 http//:carlsenkids.de/autoren/autorensuche/autor.mebs/
- 4 -
3
3 Grundlagen der Analyse
3.1 Das „Einfache“ in der Kinder- und Jugendliteratur (nach
Lypp)
Das „Einfache“ in der Kinder- und Jugendliteratur zeichnet sich nach Lypp durch „Leichtverständlichkeit“, „literarische Strukturen“ und durch ihre „Komplexität“ aus. 1 Durch den kinder- und jugendliterarischen Umschwung der „einfachen literarischen Erscheinung“. 2 Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre, wurde nun die Kinderliteratur der Erwachsenenliteratur gleichgesetzt. Es fand eine Enttabuisierung statt, so dass jetzt auch in der Kinder- und Jugendliteratur kein Thema mehr verboten war, über welches geschrieben werden durfte. Zur Einfachheit in der Kinder- und Jugendliteratur ist nach Lypp ein „Verfahren der Vereinfachung“ 3 nötig. Dieses Verfahren soll die Mehrdeutigkeit reduzieren und begrenzen, „so dass der Leser nicht irritiert zurückweicht“. 4 Durch die „unkomplizierte Art“ in der Kinder- und Jugendliteratur, wird diese sogar „als den Erwachsenen überlegen wahrgenommen“. 5 Die Kinderliteratur wurde im letzten Jahr-hundert, nach M. Lypps Ansicht, auf verschiedene Weisen benutzt: Ende der 60er Jahre waren es gesellschaftstheoretische Zusammenhänge, in den 80er Jahren psycho-logische und in den 90er Jahren trat die philosophische Reflexion hinzu“. 6 Die Aufgabe der Kinder-literatur ist es, „das, was gewusst wird, bewusst zu machen“. 7 In der Literatur sind wir dazu befähigt, unsere Denk-und Wahrnehmungsweisen mit „ästhetischen Strukturen in Berührung“ kommen zu lassen. Ein Kennzeichen der einfachen Kinderliteratur ist, dass literarische und poetische Grundlagen klar dargestellt werden, nämlich die „Komplexität von Interpretationsmustern“ und „das entwickelte kulturell überlieferte System literarischer Formen und Verfahren“. 8 Außerdem ist Lypp der Meinung, dass in der „Tendenz zum Prinzipiellen“, „die literarische Dignität der Einfachheit“
1 Lypp, Maria: „Die Kunst des Einfachen in der KJL“, s. S. 828
2 Lypp, Maria: „Die Kunst des Einfachen in der KJL“, s. S. 828 3 Lypp, Maria: „Die Kunst des Einfachen in der KJL“, s. S. 829 4 Lypp, Maria: „Die Kunst des Einfachen in der KJL“, s. S. 829 5 Lypp, Maria: „Die Kunst des Einfachen in der KJL“, s. S. 830 6 Lypp, Maria: „Die Kunst des Einfachen in der KJL“, s. S. 831 7 Lypp, Maria: „Die Kunst des Einfachen in der KJL“, s. S. 832 8 Lypp, Maria: „Die Kunst des Einfachen in der KJL“, s. S. 832
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liegt. 9 Das „Einfache“ in der KJL ist daran zu erkennen, dass nur wenige, aber erkennbare Regeln vorherrschen. Diese dienen als „Instrument“, mit dem der Umgang mit der „natürlichen Sprache“ in kinder-literarischen Texten gelernt werden soll.
Damit der Text für die Kinder auch nachvoll-ziehbar ist, ist eine Einhaltung von einer „Episodenkette“ von Nöten. Die Verständlichkeit eines einfachen Textes, lässt die Kinder annehmen, dass sie „am sprachlichen Hebel sitzen und ihn regelrecht vorhersagen und fortführen können“. Die Episodenkette besitzt die Auf-gabe, „die Differenz zwischen Konstante und Variante innerhalb einer jeden Station“ fest-zulegen. 10 Diese Formelhaftig-keit, hat nach Lypp, „den Ruf des Konservatismus einge-tragen“. 11 Die Einfachheit und Überschaubarkeit eines Textes spricht den jungen Leser auf eine bestimmte Art und Weise an und prägt sich so schnell in das kindliche Gedächtnis ein → „Wiedererkennen und Neuerkennen“. 12 Die konstanten Regeln, die ein einfacher Text beinhaltet, sind oft von vornherein klar und deutlich festgelegt. Durch häufiges Auftreten von bestimmten Figuren, werden diese zu festen Regeln. Die Einfachheit in Kinderromanen ist wichtig.
„ ‘Einfach’ heißt, dass das Kind an der Kinderliteratur nicht literarische Vorübungen macht, sondern dass es diejenigen literarischen Operationen einübt, die es immer wird brauchen müssen, um das literarische Zeichensystem für sich zu entschlüsseln, dass es mit den ersten Texten also nicht Stufen erklimmt, die es hinter sich lässt, sondern sofort im Zentrum steht.“ 13
Oft werden zu Beginn von Geschichten die „Langeweile“- Phasen eingesetzt, von denen die weitere Handlung dann abweicht und es für den jungen Leser zur Spannung kommt. 14
„Überblickt man die verschiedenen Formen des Einfachen in der Kinderliteratur, so lässt sich für sie kein poetologisches Gesetz benennen; eher zeigt sich ein Ensemble verschiedener Wege, eine Vermittlungsaufgabe zu lösen. Kinderliterarische
9 Lypp, Maria: „Die Kunst des Einfachen in der KJL“, s. S. 832
10 Lypp, Maria: „Die Kunst des Einfachen in der KJL“, s. S. 834 11 Lypp, Maria: „Die Kunst des Einfachen in der KJL“, s. S. 835 12 Lypp, Maria: „Die Kunst des Einfachen in der KJL“, s. S. 834 13 Lypp, Maria: „Die Kunst des Einfachen in der KJL“, s. S. 833 14 Lypp, Maria: „Die Kunst des Einfachen in der KJL“, s. S. 839
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Quote paper:
Andrea Jürgensen, 2002, Kinderliteratur - "Sonntagskind" von Gudrun Mebs, Munich, GRIN Publishing GmbH
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