Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 4
2. Entwicklungen und Interessen. 5
2.1 Die Säkularisation des Deutschen Ordens 5
2.2 Gemeinsame Bestrebungen der Hohenzollerndynastie 7
3. Joachim Friedrichs Heiratsstrategien 10
3.1 Johann Sigismund und seine Gemahlin Anna 13
4. Zusammenfassung 14
Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
„Zu den Pflichten eines Königs gehört es, Kinder zu zeugen: Königshäuser vergrößern sich immer dank ihrer Eroberungen, sei es im Krieg oder in der Liebe“ 1 . Bis im Jahre 1618 der Brandenburger Kurfürst Johann Sigismund die Landesherrschaft Preußens in Personalunion mit vereinen konnte, waren viele Weichen von seinen Ahnen gestellt worden. „Die Geschichte des Hauses Brandenburg fängt erst mit Johann Sigismund an, interessant zu werden, urteilte Friedrich II., der Große 1751 in seinen ‚Denkwürdigkeiten’“ 2 . Ich aber möchte den nicht minder interessanten Weg hin zur Herrschaft der Hohenzollern in Preußen beschreiben, indem ich einen kurzen Abriss der Ereignisse vom Niedergang des Deutschen Ordens im 15. Jahrhundert bis hin zum Kurfürsten Johann Georg (1571-1598) gebe und dann die wichtigen heiratspolitischen Entscheidungen des Kurfürsten Joachim Friedrich (1598-1608) genauer beleuchte. Ziel meiner Untersuchung ist es, herauszufinden, ob die konsequente Politik Joachim Friedrichs es erst ermöglichte, dass die Eroberung Preußens durch seinen Sohn Johann Sigismund (1608-1619) mittels der Eheschließung mit Anna von Preußen vollzogen werden konnte. Der Zeitraum dieser Arbeit ist sehr groß gefasst. Das veranlasst mich, nur die Ereignisse zu untersuchen, die meiner Meinung nach wesentlich waren. Dabei werden eventuell Sachverhalte nur am Rande erwähnt, die dann zum besseren Verständnis der Vorgänge im Bezug auf Brandenburg - Preußen dienen sollen, aber nicht genauer geprüft werden.
Ich bewege mich in dieser Hausarbeit im Rahmen von Monographien und Zeitschriftsaufsätzen. Das Thema ist schon häufig Forschungsgegenstand in der Literatur gewesen. Angefangen bei L.v. Ranke, J.G. Droysen, O. Hintze und R. Koser haben sich der Geschichte der Hohenzollern viele Historiker angenommen. Ich möchte in dieser Arbeit versuchen, einen neuen Blick auf die Ereignisse zu
1 NELSON, Walter Henry: Die Hohenzollern, München u.a. 1972
2 LEBE, Reinhard: Hohenzollerische Heiratsstrategie, in: DAMALS- Heft 10/96, S. 3
richten, indem ich Joachim Friedrich in den Vordergrund der Analyse stelle und herausarbeite, inwieweit er die treibende Kraft war, die am Ende zu der glücklichen Vereinigung für die Hohenzollerndynastie führte.
2. Entwicklungen und Interessen
2.1 Die Säkularisation des Deutschen Ordens
Als sich im Jahre 1386 Jagiello, der Großfürst von Litauen, zum König von Polen krönen ließ und unter dem Namen Wladislaw II. die beiden Länder in Personalunion regierte, erwuchs dem D eutschen Orden, der damaligen Hegemonialmacht der südlichen Küste des Baltischen Meeres, ein starker Gegner. Das neu entstandene Reich Polen/Litauen strebte mit aller Macht einen Zugang zum Baltischen Meer an. In der Schlacht von Tannenberg 1410 erlitt der Deutsche Orden eine vernichtende Niederlage gegen Wladislaw II. und seinen Vetter Witold. Weitere Kriege in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts schwächten den Orden soweit, dass im 2. Thorner Frieden 1466 die Gebiete westlich der Weichsel (Westpreußen) an Polen/Litauen fielen und das Gebiet von der Weichsel bis zur Memel (Ostpreußen) zwar dem Deutschen Orden erhielten blieb, es aber jetzt unter polnischer Lehenshoheit stand.
Im Jahre 1511 wurde Albrecht, ein Spross aus dem fränkischen Hause der Hohenzollern, zum Hochmeister des Deutschen Ordens gewählt. Das achte von siebzehn Kindern der Ehe zwischen dem Markgrafen Friedrichs d. Ä. und der polnischen Königstochter Sophie war als nachgeborener Sohn für die geistliche Laufbahn bestimmt. Nach dem er früh die Priesterweihen empfangen hatte, sammelte der neunzehnjährige Albrecht im Krieg der Liga von Cambrai gegen die Republik Venedig im Heer Kaiser Maximilians I. 1508 seine ersten militärischen Erfahrungen. Als es dann 1511 zur Wahl im ostpreussischem Heiligenbeil kam, wurde Albrecht durch dynastische Faktoren begünstigt. Die Verwandtschaft seiner Mutter zum polnischen König und die Nachbarschaft Kurbrandenburgs zum
selbigen versprachen gute Beziehungen zwischen dem Deutschordensland und Polen/Litauen. Doch das seit 1466 sehr angespannte Verhältnis sollte sich auch unter Albrecht vorerst nicht bessern. Wie seine Vorgänger verweigerte er zunächst den Lehnseid gegenüber Sigismund I. von Polen. Auf Drängen des Kaisers, der zu der Zeit auf eine Verständigung mit Polen aus war, musste sich Albrecht 1515 beugen und doch dazu bereit finden. 3 Die Position des Deutschen Ordens verschlechterte sich zunehmend. Ein letztes Aufbäumen der Ordensbrüder in den Jahren 1519-21 scheiterte. Die Hoffnungen, die man in Albrecht gesetzt hatte, dass man wegen ihm aus dem Reich Unterstützung bekäme, wurden nicht erfüllt. Einerseits wollte sein Vetter Joachim I., Kurfürst zu Brandenburg, seine guten Beziehungen zu Polen nicht durch einen Krieg gefährden. Joachim I. strebte eine neutrale Position an. Er unterstützte zwar zeitweilig die Absichten Albrechts mit Geldmitteln und der Duldung von Durchmärschen verbündeter Truppen durch die Mark. Andererseits beteiligte er sich aber nicht aktiv am Krieg und verhinderte dann doch, nachdem ihm Sigismund I. Vorwürfe gemacht hatte und um die gute Nachbarschaft nicht zu gefährden, dass 8000 Verbündete Albrechts durch seine Lande ziehen konnten. 4
Als es dann im April 1521 wieder in Thorn zu einem vierjährigen Waffenstillstand kam, nutzte der Hochmeister die Zeit, den nur knapp überlebten Ordensstaat zu revolutionieren. Albrecht wollte unbedingt die Herrschaft in Ostpreußen behalten. Er kam 1523/24 mehrmals mit Luther und Melanchthon zusammen, die ihm ans Herz legten, „die Ordensregeln gänzlich aufzugeben.“ 5 Die Lehren Luthers hatten vorher schon Einzug in Preußen gehalten, wodurch auch „auf seiten der Ordensgebietiger und der preußischen Stände [...] in der Umwandlung der Ordensherrschaft in eine weltliche Herrschaft als Lehen des Königs von Polen der einzige Weg erblickt [wurde], um in ein gesundes Verhältnis zu Polen zu
3 vgl. NEUGEBAUER, Wolfgang: Die Hohenzollern, Bd. 1, Stuttgart 1996, S. 112
4 vgl. SCHULTZE, Johannes: Die Mark Brandenburg, Bd. 3, Berlin 1963, S.217f; JOACHIM, Ernst: Die
Politik des letzten Hochmeisters v. Preußen Albrecht v. Brandenburg II, 70 u. 364 Nr. 169
5 NEUGEBAUER, Wolfgang: Die Hohenzollern, S. 112
Arbeit zitieren:
Cornelius Hantscher, 2004, Die Preußische Frage - Personalunion Brandenburg-Preußen, München, GRIN Verlag GmbH
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