I. Begriffsklärungen: was kann „Nation“ bedeuten? Was ist „Identität“? S. 4
II. Israel als „normale“ Nation? Ein „gewöhnliches Volk unter Völkern“?
- „gemeinsame Sprache“: das Neuhebräische als Kunstsprache
- „gemeinsame Kultur“: PHOWLQJSRW Israel
- „gemeinsame Religion“ und das Spannungsverhältnis zwischen israelischer
- „gemeinsame Geschichte“: Geschichtsschreibung als Konstruktion von
kollektivem Gedächtnis
Israel als LPDJLQHGFRPPXQLW\ (B. Anderson)? III. S. 18
- „heiliger Anfang“ (M. Mitterauer) und gemeinsame Mission:
- die Gegenwart: Israels Probleme mit der „Seelenfindung“ (A. Nocke):
IV. Schlusswort: Wege aus der Identitätskrise? S. 27
2
(LQOHLWXQJ
Was ist eigentlich so interessant an der Frage, ob Israel eine „Nation“ ist? Israel ist immerhin ein relativ gut funktionierender demokratischer „Staat“...
Das Verhältnis zwischen den Begriffen „Staat“ und „Nation“ Teilweise beschreiben beide dasselbe Phänomen an Hand anderer Kriterien; in mancherlei Hinsicht bezeichnen sie aber auch ganz andere Formen gesellschaftlicher Wirklichkeit. Der entscheidende Unterschied scheint mir in der Art der Legitimität zu liegen. Ein „Staat“ bezieht seine Legitimität durch formale Gegebenheiten. 2 Wird die Staatsgewalt effektiv ausgeübt, funktioniert das staatliche Gewaltmonopol - wird die staatliche Ordnung geachtet, weil ihre Missachtung sanktioniert ist, dann IXQNWLRQLHUW GHU 6WDDW. Er funktioniert, weil man ihn fürchtet, weil die Staatsgewalt einfach existiert.
Bei der „Nation“ hingegen kommt die Legitimität durch eine DIIHNWLYH %LQGXQJ der ihr Angehörigen an das (eventuell nur symbolische) Zentrum. Fallen „Staat“ und „Nation“ zusammen, genießt der Staat quasi eine „doppelte Legitimität“ – durch die Effizienz seiner formalen Strukturen und durch die Loyalitäten, die durch die affektive „nationale“ Bindung der Bürger entstanden sind. Ein „Staat“, der keine „Nation“ ist, muss das Fehlen dieser gefühlsmäßigen Bindungen langfristig durch die Stärkung des Gewaltelements kompensieren.
Unter dem Begriff „Nation“ soll hier jedoch nicht die so oft damit assoziierte „Kulturnation“ 3 verstanden werden, die auf essentialistische „Gegebenheiten“ wie gemeinsame Sprache, Geschichte und eben „Kultur“ abstellt. Mit „Nation“ ist hier vielmehr
1 Zur Entstehung von „Nation“ in Europa siehe etwa Giesen, Bernhard (Hg), 1DWLRQDOH XQG NXOWXUHOOH ,GHQWLWlW 6WXGLHQ]XU(QWZLFNOXQJGHVNROOHNWLYHQ%HZXVVWVHLQVLQGHU1HX]HLW. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1991. 2 Interessant ist in diesem Zusammenhang die völkerrechtliche Definition des Begriffes „Staat“ durch drei konstitutive Elemente, die kumulativ vorliegen müssen: Staatsgebiet, Staatsvolk und 6WDDWVJHZDOW. 3 Der Begriff „Kulturnation“ wurde am Anfang des 20 Jahrhunderts von Friedrich Meinecke geprägt und bezog sich auf die deutsche Nationsbildung im 18. Jahrhundert, die „YRQGHUNXOWXUHOOHQ%HZHJXQJLQGHQEUJHUOLFKHQ 6FKLFKWHQ QHXH ,PSXOVH HUKDOWHQ KDW.“ (Dann, Otto, „Begriffe und Typen des Nationalen in der frühen Neuzeit“. S. 56-73. In: Giesen, 1DWLRQDOHXQGNXOWXUHOOH,GHQWLWlW. Zitat S. 72.) Dann kritisiert, dass dieser Begriff heute die Vorstellung erwecke, „GLHGHXWVFKH1DWLRQVHLLQLKUHQ:XU]HOQXQGLKUHP:HVHQNXOWXUHOOJHSUlJW“ (ebd.) und hält es für eine „IDWDOH6HOEVWEHUVFKlW]XQJGHU*HELOGHWHQZHQQVLHVLFKEHUGHQ%HJULIIGHU.XOWXUQDWLRQPLW GHU JDQ]HQ 1DWLRQ JOHLFKVHW]HQ XQG VLFK ]XP .HUQ ]XP HLJHQWOLFKHQ 7UlJHU GHU GHXWVFKHQ 1DWLRQ HUNOlUHQ“ (S. 73).
3
eine besondere Form NROOHNWLYHU ,GHQWLWlW gemeint, die, so der Ausgangspunkt dieser Arbeit, auf verschiedene Arten entstehen kann und immer auch konstruiert ist.
Die Frage nach der „Nation“ Israel ist folglich die Frage danach, ob es etwas wie eine „israelische Identität“ gibt, die garantiert, dass das Land trotz seiner wachsenden Probleme langfristig als funktionierender demokratischer Staat überleben kann.
Die israelische Gesellschaft ist stark zerklüftet. Ich möchte mir für meine Arbeit erlauben, die arabischen Israelis aus der Untersuchung auszuklammern. Nicht, weil ich nicht anerkenne, dass auch sie Teil einer „israelischen Identität“ sind und sein müssen, sondern, weil diese zusätzliche Dimension ausführlich und eigens behandelt werden sollte.
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In einem Lehrbuch für medizinische Psychologie wird Identität definiert als „*HIKO GHV 4 Für unser Problem ist diese Definition nicht
0HQVFKHQHUVHOEVW]XVHLQXQGVHLQ]XGUIHQ“.
hinreichend. Sie bietet jedoch einige Ansatzpunkte, die auch für den Begriff der kollektiven Identität konstitutiv sind. Erstens,GHQWLWlWLVWHLQ*HIKO. Das Gewicht dieser Einsicht sollte trotz ihrer scheinbaren Banalität nicht unterschätzt werden. Gefühle sind individuell unterschiedlich, sie können in Bezug auf ein Kollektiv nicht unmittelbar, sondern nur mittelbar gesteuert werden.
Zweitens: der Mensch fühlt, er selbst zu sein (U LVW DXWKHQWLVFK. Identität kann folglich nichts sein, was oktroyiert wird, sie muss „aus der Person heraus“ kommen. Drittens: der Mensch fühlt, dass er authentisch sein GDUI. Gegenüber der Übertragbarkeit dieser Aussage auf die kollektive Ebene habe ich Vorbehalte, weil ich nicht glaube, dass das Gefühl der Identität abnimmt, wenn es nicht „erlaubt“ ist. In Bezug auf politische Identität scheint es gerade umgekehrt zu sein. ,GHQWLWlW EHVWLPPW VLFK DXFK GXUFK 1HJDWLRQ GHV $QGHUHQ, durch Abgrenzung.
Weiters glaube ich, dass Identität immer eine versuchte Aufwertung bedeutet. Gerade im Falle Israels spielt das in Bezug auf den Mythos des auserwählten Volkes eine Rolle.
4 Sonneck, Gernot u.a. (Hgg), 0HGL]LQLVFKH 3V\FKRORJLH (LQ /HLWIDGHQ IU 6WXGLXP XQG 3UD[LV. Wien: Facultas,
5. Aufl. 1998. S. 348.
5
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Über den Begriff der „Nation“ ist eine unübersehbare Menge von Büchern und Artikeln geschrieben worden, ohne, dass eine gültige Definition gefunden werden konnte. 5 Vereinfachend lässt sich sagen, dass die ältere Lehre den Nationsbegriff als vor allem europäisch 6 -historisch geprägt annimmt, während die neuere Forschung sich mehr und mehr eine konstruktivistische Sichtweise angeeignet hat. Für diese jüngeren Ansätze ist besonders Benedict Andersons Formulierung von Nation als „vorgestellter Gemeinschaft“ 7 („imagined community“) repräsentativ: alle Gemeinschaften, die größer seien als z.B. Dörfer, in denen jeder jeden kenne (wo die persönliche Beziehung zwischen zwei Personen also UHDOund nicht fiktiv seien), wären solche „imagined communities“. Innerhalb einer Nation fühle sich ein Angehöriger dem andern enger verbunden als einem Menschen, der dieser Nation nicht angehöre, obwohl es überhaupt keine real existierenden Verbindungen zwischen diesen Personen gebe. Die Nähe sei also hier nur vorgestellt. Die Frage, woher diese vorgestellte Nähe kommt, beantwortet Anderson mit dem Rückgang des Einflusses zweier bis dahin unhinterfragbarer Kategorien auf das Denken der Menschen:
1.) Religiöse Gemeinschaften, welche lange Zeit als sinn- und identitätsstiftende Einheiten wirkten; und 2.) Dynastien, die für die Menschen lange das einzig vorstellbare „politische System“ gewesen seien. 8
Eine weitere Voraussetzung für die Möglichkeit, Nation zu denken, sieht Anderson im Wandel der Wahrnehmungsformen: während im Mittelalter ein Nebeneinander von kosmischer Universalität und weltlicher Partikularität vorgeherrscht habe, welches ein Gefühl
5 So findet sich etwa im :|UWHUEXFK *HVFKLFKWH s.v. „Nation“ gleich im ersten Absatz diese Einschränkung: „(LQHIUDOOH7HLOHGHU:HOWYHUELQGOLFKH%HJULIIVEHVWLPPXQJNRQQWHELVKHXWHQRFKQLFKWHUUHLFKWZHUGHQ.“ Vgl. Fuchs, Konrad, u. Heribert Raab, :|UWHUEXFK *HVFKLFKWH. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 11. Aufl. 1998.
6 Bezüglich der Entstehung von Nationen außerhalb Europas siehe etwa Bruckmüller, Ernst, u. Sepp Linhart, u. Christian Mährdel (Hgg), 1DWLRQDOLVPXV :HJH GHU 6WDDWHQELOGXQJ LQ GHU DXHUHXURSlLVFKHQ :HOW. Wien: Verlag für Gesellschaftskritik, 1994.
7 Anderson, Benedict, 'LH (UILQGXQJGHU1DWLRQ=XU.DUULHUH HLQHV IROJHQUHLFKHQ.RQ]HSWV. Frankfurt, 1996. S. 16.
8 Vgl. Anderson, S. 20ff.
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der Gleichzeitigkeit von Vergangenheit und Gegenwart mit sich gebracht habe 9 , hätte sich das mit der Verbreitung von Romanen und Zeitungen geändert. In einem Roman etwa sei es möglich, verschiedene Personen an verschiedenen Orten zu „beobachten“, die ]XUVHOEHQ=eit etwas anderes tun. Die einzige Verbindung zwischen diesen Handlungsträgern seien oft bloß der Romanerzähler und die Handlung des Romans. Im Roman kennen die Hauptpersonen einander unter Umständen gar nicht – die Verbindung zwischen ihnen sei eine vom Leser imaginierte Verbindung.
Analog erklärt sich Anderson das Funktionieren nationaler Bindungen heute.
Historisch betrachtet spielte das Wort „Nation“ (von lat. QDWLR, „Geburt“, „Volksstamm“) seit dem 15. Jahrhundert auch im politischen Kontext eine immer wichtigere Rolle. Im 18. Jahrhundert herrschten in Europa zwei verschiedene Nationsbegriffe vor. Einerseits verstand man unter „Nation“ entsprechend dem Wortsinn eine Gemeinschaft gleicher Abstammung. Gemeinsame Sprache und gemeinsame Religion stellten Kategorien dar, die als Kriterium für diese „gleiche Abstammung“ herangezogen wurden. Nationen wurden so „]X6XEMHNWHQHLQHU 10 . Man schrieb ihnen eine gemeinsame Vergangenheit, eine besondere
HLJHQHQ *HVFKLFKWH“ „Mentalität“ und andere gemeinsame Merkmale zu.
Während man dieser Auffassung folgend eine weitgehende Überschneidung von „Nation“ und „Volk“ feststellen kann, fand sich damals bereits ein politisch definierter Nationsbegriff, der nicht die gesamte Bevölkerung umfasste, sondern nur jenen Teil, der an der staatlichen Willensbildung teil hatte.
Die Bedeutung des Unterschieds zwischen den beiden Auffassungen wird jedoch eingeschränkt von der Einsicht, dass der Prozess des QDWLRQEXLOGLQJ immer und überall von „Trägergruppen“ 11 vorangetrieben wurde (und wird). Diese „Trägergruppen“ sind meist aufstrebende Teile der Gesellschaft, die führend – wenn auch in ständiger Interaktion mit der breiten Masse – an der Ausdifferenzierung nationaler Identität beteiligt sind. Das Trägergruppen-Modell „versöhnt“ die divergierenden Nations-Auffassungen des 18. Jahrhundert in der Weise, dass man annehmen kann, die Definition von 1DWLRQ HLQH
9 Anderson bringt als Beispiel für diesen von der heutigen Wahrnehmung so verschiedenen Zeitbegriff die
Gemälde und Reliefs in mittelalterlichen Kirchen, in denen die Heilige Familie gekleidet war wie eine damals
zeitgenössische Familie in der lokalen Umgebung. S. 31.
10 Dann, Otto, „Begriffe und Typen des Nationalen in der frühen Neuzeit“. In: Giesen, 1DWLRQDOH XQG NXOWXUHOOH
,GHQWLWlW. Zitat S. 58.
11 Vgl. Eisenstadt, Shmuel Noah, „Die Konstruktion nationaler Identitäten in vergleichender Perspektive“. In:
Giesen1DWLRQDOHXQGNXOWXUHOOH,GHQWLWlW. S. 21-38.
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*HPHLQVFKDIW JOHLFKHU $EVWDPPXQJ sei der anderen Definition von 1DWLRQ 7UlJHU YRQ SROLWLVFKHQ5HFKWHQLQHLQHPVWDDWOLFKHQ*HELOGH bloß chronologisch einen Schritt voraus: die zweite Definition umfasst nur die Trägergruppe; die erste umfasst das ganze Volk mit seiner nationalen Identität, welche von dieser Trägergruppe konstruiert wurde.
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Bernhard Giesen hat es in seinem Buch 'LH,QWHOOHNWXHOOHQXQGGLH1DWLRQ Bogen zwischen den essentialistischen Ansätzen der älteren Nationenforschung und den neueren konstruktivistisch orientierten Ansichten zu spannen. Er bekennt sich zwar zu den Ansätzen der neueren Nationenforschung, die „GLH1DWLRQIUHLQH]ZDUJHVFKLFKWVPlFKWLJH DEHU NHLQHVZHJV XQDXVZHLFKOLFKH )RUP GHU NROOHNWLYHQ ,GHQWLWlW KlOW GLH QLFKW QDWXUJHJHEHQ LVW VRQGHUQ DOV (UJHEQLV XQWHUVFKLHGOLFKHU JHVFKLFKWOLFKHU %HGLQJXQJHQ XQG 13 , anerkennt jedoch die
XQWHU XQWHUVFKLHGOLFKHQ NXOWXUHOOHQ %H]JHQ VR]LDO NRQVWUXLHUW ZLUG“ identitätsstiftende Kraft sogenannter „unverrückbarer“ Kategorien. Identität werde zum großen Teil gestiftet durch „Natürliches“ wie Abstammung und Herkunft, „Vergangenes“ wie gemeinsame Geschichte, „Unüberbietbares“ wie Konfession und Literatur oder „Nicht- Imitierbares“ wie Sitten und Gebräuche. Nationale Identität sei auf Grund ihres Antwortcharakters immer auf jene Fragen angewiesen, die sich in einem ganz EHVWLPPWHQ
NXOWXUHOOHQ .RQWH[W stellten. Damit sei nationale Identität von kultureller Identität niemals
ganz zu trennen. 14
Ausgehend von der Vorstellung, dass „Nation“ eine Form kollektiver Identität und damit eine „vorgestellte Gemeinschaft“ ist, bleibt immer noch die Frage offen: warum und wie entsteht eine solche „gemeinsame Illusion“ 15 ? Identitäten sind nicht naturgegeben, sondern immer auch sozial konstruiert. Bernhard Giesen fasst die gängigsten Theorien über die Formen der Konstruktion nationaler Identität in vier Modellen zusammen:
1.) Das „Priestertrugsmodell“. Hier spielt/spielen die bereits erwähnten „Trägergruppe/n“ die entscheidende Rolle. Elitäre Gruppen, etwa Priester, Politiker
12 Giesen, Bernhard, .ROOHNWLYH ,GHQWLWlW 'LH ,QWHOOHNWXHOOHQ XQG GLH 1DWLRQ . Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1999.
13 Giesen in seiner Einleitung zu 1DWLRQDOHXQGNXOWXUHOOH,GHQWLWlW. S. 11f.
14 Giesen in seiner Einleitung zu 1DWLRQDOHXQGNXOWXUHOOH,GHQWLWlW, S. 14f .
15 Vgl. Giesen, .ROOHNWLYH,GHQWLWlW, S. 12.
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und Intellektuelle, versuchen, Ideen von Gemeinschaft, an die sie selbst nicht unbedingt glauben, einem glaubensbereiten Publikum zu suggerieren. 16
2.) Das Versicherungsmodell. Personen wählen eine Gemeinschaft, die den höchsten „*HZLQQ DQ 6ROLGDUOHLVWXQJHQ RGHU 6WDWXVSUHVWLJH EHL UHODWLY JHULQJHQ .RVWHQ“ 17 verspricht.
Die Schwäche dieses Modells ist die Suggestion der Identitätsbildung als eine Situation rationaler Entscheidung. Das affektive Element wird vernachlässigt. Weiters halte ich es mit Giesen, wenn er meint, Identität GLHQH nicht Interessen, sondern GHILQLHUH sie. 18
3.) Das Ritualmodell. Gemeinschaft wird durch Rituale konstruiert. Der nivellierende Charakter des Rituals, das für alle Angehörigen der Gemeinschaft dasselbe ist, macht es möglich, als einzig trennendes Element die Unterscheidung zwischen „innen“ und „außen“, also zwischen „uns“ und „den anderen“ zu sehen.
4.) Das Modell der kulturellen Verständigung. Gemeinschaft vermittelt sich selbst durch Symbole, die allen Angehörigen der Gemeinschaft verständlich sind.
16
Dieses Modell geht über den Konsens darüber, dass „Trägergruppen“ in der Herausbildung nationaler Identität eine entscheidende Rolle spielen, hinaus, indem es annimmt, dass diese versuchten, dem „gemeinen Volk“ etwas vorzutäuschen, woran sie selber nicht glauben.
17 Giesen, Kollektive Identität, S. 13.
18 Ebd.
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Barbara Prainsack, 2000, Nation Israel?, München, GRIN Verlag GmbH
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