Hausarbeit
„Inwiefern besaß die Mythos-Adaption ´Philoktet´ von Heiner Müller in seiner Entstehungs - und Publikationszeit
eine aktuelle politische Bedeutung?“
Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellung Seite 1
2. Inhaltsverzeichnis Seite 2
3. Einleitung Seite 3
4. Beschreibung des „Philoktet“ Heiner Müllers Seite 3
5. Vergleich des „Philoktetes“
von Sophokles mit der Adaption Heiner Müllers Seite 4
5.1 Übereinstimmungen
5.2 Unterschiede
6. politische Dimensionen der Adaption Seite 6
6.1 Odysseus
6.2 Philoktet
6.3 Neop tolemos
7. Entstehungs- und Publikationshintergrund Seite 8
8. Applikation auf die Umstände 1965 Seite 8
9. Fazit Seite 10
10. Literaturverzeichnis Seite 12
11. eidesstattliche Erklärung Seite 13
II
Hausarbeit
„Inwiefern besaß die Mythos-Adaption ´Philoktet´ von Heiner Müller in seiner Entstehungs - und Publikationszeit
„In meiner Fassung des Stücks ist der Kampf um Troja nur ein Zeichen oder Bild für die sozialistische Revolution in der Stagnation, i m Patt [...] in den frühen sechziger Jahren konnte man kein Stück über den Stalinismus schreiben. Man brauchte diese Art von Modell, wenn man die wirklichen Fragen stellen wollte. Die Leute hier verstanden das sehr schnell. Aber im Westen liest sich das vielleicht einfach wie eine seltsame Geschichte, wie eine bloße Neufassung des antiken Dramas“ (1981) 1 . Dem gegenüber steht die Aussage, dass Philoktet „Vorgänge“, die „nur in Klassengesellschaften mit antagonistischen Widersprüchen möglich sind, zu deren Bedürfnissen Raubkriege gehören“ beschreibt und dass dies „Vorgeschichte“ sei (1966) 2 .
An Hand der Aussage Heiner Müllers aus dem Jahr 1981 wird deutlich, dass die Geschehnisse im „Philoktet“ durchaus als abstrahierende Hülle für aktuelle Fragestellungen aufgefasst werden könnten und dass er seine Mythenadaptionen nicht als unkritisches Aufgreifen antiker Thematiken sah. In diesem Zusammenhang spricht er dem Publikum im Westen Deutschlands auch die Möglichkeit einer Fehlinterpretation als „bloße(r) Neufassung“ nicht ab, was auf die Einbindung ostdeutscher Problematiken in seine Dramenumsetzung hindeuten könnte. Diese Interpretation würde jedoch der Aussage von 1966 widersprechen, in der Heiner Müller jedem Versuch das Stück als Thematisierung aktueller, sozialistischer Problematiken zu deuten, entgegen wirkt. Es gilt daher zu zeigen, inwiefern Heiner Müllers „Philoktet“ tatsächlich die politischen Umstände und Problematiken in den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts thematisiert. Unter dieser Fragestellung werde ich im Folgenden einen Vergleich zum antiken Drama Sophokles´ erstellen und Aspekte wie die politischen Dimensionen der Figuren, den Entstehungs- und Publikationshintergrund sowie eine Applikation auf die politische und gesellschaftliche Situation in den sechziger Jahren näher beleuchten.
4. Beschreibung des „Philoktet“ Heiner Müllers
Das Drama „Philoktet“ von Heiner Müller thematisiert die Spätphase des Trojanischen Krieges, in der die Stadt Troja der Belagerung des griechischen Heeres auch im zehnten Jahr noch standhält. Das Geschehen setzt mit der Landung des Odysseus und des ihn begleitenden jugendlichen Neoptolemos, Sohn des Achill, auf der Insel Lemnos ein. Diese beabsichtigen den, wegen einer stinkenden Wunde am Fuß auf der Insel ausgesetzten Bogenschützen Philoktet nach Troja zurückzuholen, da ein Orakelspruch prophezeite, dass Troja ohne den göttlichen Bogen Philoktets nicht fallen werde. Jenes Vorhaben wird dadurch erschwert, dass nicht nur der von der griechischen Heeresführung betrogene und verratene Philoktet, sondern auch Neoptolemos seinen Mitstreiter Odysseus hasst, da dieser sich Neoptolemos´ väterliches Erbe angeeignet hatte. Odysseus plant daher Philoktet mit Hilfe einer List dazu zu bewegen seinen sagenreichen Bogen aus der Hand zu geben und ihn dann
1 Heiner Müller, Walls/Mauern. Interview mit Sylvére Lothringer (vollständige Fassung), in: Ders., Rotwelsch, Berlin (West), 1982, S. 75 und 77
2 Heiner Müller in: Gespräch mit Heiner Müller, in: Ders., Geschichten aus der Produktion 1, Berlin (West), 1974, S. 144
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„Inwiefern besaß die Mythos-Adaption ´Philoktet´ von Heiner Müller in seiner Entstehungs - und Publikationszeit eine aktuelle politische Bedeutung?“
waffen- und wehrlos auf das Schiff zu führen um ihn nach Troja bringen zu können. Die List des Odysseus ist dabei, dass sich Neoptolemos mit der Lüge seiner Abkehr von den Griechen, gespeist aus dem Hass gegenüber Odysseus, in das Vertrauen Philoktets einschleichen soll. Mehrfach scheint es, dass die Lügen und Listen des Odysseus, auch trotz der kurzzeitigen Hinwendung und Verbrüderung des Neoptolemos mit Philoktet, zum Erfolg führen. Doch dann tötet Neoptolemos Philoktet mit einem Schwert aus dem Hinterhalt, als dieser sich gerade am waffenlosen Odysseus rächen will. Odysseus beschließt daraufhin den griechischen Mannschaften vor Troja zu erzählen, dass Philoktet von heimtückischen Troern umgebracht wurde um diese damit wirkungsvoll zum Kämpfen zu animieren. Dieser Kontext tritt bei Heiner Müller in der Form eines kurzen Dramas ohne Akte auf und konstituiert sich aus einem Prolog zu Beginn des Stückes, wörtlicher Rede in Form von langen Monologen, welche mit kurzen Dialogen wechseln und den Regieanweisungen, welche der Darstellung auf der Bühne dienen. Als Protagonisten wurden von Heiner Müller Figuren der griechischen Mythologie gewählt, welche das Stück somit als mythologisches Drama umschreiben. Zu nennen wären an dieser Stelle als Akteure: Odysseus, König von Ithaka, Philoktet, Träger des sagenumwobenen Heraklesschen Bogens, Neoptolemos, Sohn des gefallenen Achill. Des weiteren ist das Stück „Philoktet“ gekennzeichnet durch Paarreime und eine eher flapsige, simple Wortwahl innerhalb des Prologs, was diesen Teil zu einer clownesken Szene werden lässt und im Stück selbst durch eine, eigentlich für die Klassik des achtzehnten Jahrhunderts typische Dramenkunstsprache in Form eines fünfhebigen Blankverses. Dieser zeichnet sich durch syntaktische Komplexität aus, tritt aber auch an manchen Stellen ungenau auf und wirkt daher holprig und unsicher. Die Wortwahl für die einzelnen Protagonisten stellt sich dabei als zeitlich neutral dar, wobei sie größtenteils aus ein- oder zweisilbigen Hauptwörtern besteht und daher leicht verständlich wirkt.
Die Synthese aus moderner, flapsiger Wortwahl, einer im Kontrast zur heutigen Sprache stehenden Metaphorik, klassischem Blankvers und antiken Figuren innerhalb des Stücks legt nahe, dass sich die Protagonisten und ihre Agitation nicht historisch einordnen lassen, was gleichzeitig die Möglichkeit einer historisch neutralisierten Anwendbarkeit bergen könnte.
Die Handlung des „Philoktet“, in dem die Beziehungen zur antiken Vorlage des Sophokles durch die Übernahme von Handlungselementen hergestellt wird, lässt sich zwar auf Grund des Handlungsgerüsts und dem Namen nach als Adaption des selbigen verstehen, unterscheidet sich aber doch in wesentlichen Punkten vom Ausgangstext. Im Folgenden sollen daher Übereinstimmungen und Unterschiede der beiden Dramen aufgezeigt werden, mit dem Ziel das Stück Heiner Müllers einordnen und zu einer Interpretation führen zu können.
5.1 Übereinstimmungen
Beide Stücke thematisieren, basierend auf der Quelle der Ilias, die Rolle des Philoktet und seines Bogens bei der Eroberung Trojas. Gleichzeitig finden sich bei
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Arbeit zitieren:
Nadine Hübener, 2004, Politische Betrachtungen zu Heiner Müllers "Philoktet", München, GRIN Verlag GmbH
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