INHALTSVERZEICHNIS
1. VORWORT 3
2. DIE AUTORIN CHRISTINE GRÄN 3
3. ANNA MARX’ ERSTE FÄLLE 5
3.1 INHALT 5
3.1.1 Weiße sterben selten in Samyana 5
3.1.2 Nur eine läßliche Sünde 5
3.1.3 Ein Brand ist schnell gelegt 6
3.2. SCHAUPLÄTZE 6
3.3. ERMITTLUNGEN UND LÖSUNGEN 9
3.4. TÄTER UND OPFER 14
3.5. SCHULD UND SÜHNE 20
4. KRITIKANSÄTZE 22
4.1 DAS BILD DER GESELLSCHAFT 22
4.2 DAS BILD DER POLIZEI 24
5. ANNA MARX PRIVAT 27
5.1 AUSSEHEN, CHARAKTER, LEBENSSTIL 27
5.2 BEZIEHUNGEN 29
5.2.1 Beziehungen zu Frauen 29
5.2.2 Beziehungen zu Männern 31
5.2.3 Beziehungen zu Kollegen 33
5.3 BERUFSARBEIT 35
6. ERGEBNISSE DER ARBEIT 37
7. LITERATURVERZEICHNIS 38
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1. VORWORT
An den Beginn der Arbeit möchten wir ein Zitat von Volker Lilienthal stellen:
Wo sonst vornehmlich Kommissare, Bullen und Schnüffler die Fährte des Verbrechens aufnehmen, versprechen Reporter Abwechslung im Figurenarsenal des Genres. Erleichtert wird damit auch die Anlage eines sozialkritischen Krimis, weil Journalisten mit den Stoffen, aus denen die Skandale dieser Gesellschaft sind, ohnehin tagtäglich umgehen. Ihr Nachrichtenmaterial ist der Stoff, aus dem die kritischen Krimis sind. 1
Von den im Seminar besprochenen deutschen Kriminalschriftstellerinnen setzt nur Christine Grän mit ihrer Klatschjournalistin Anna Marx eine Reporterin als Detektivin ein. Sie stellt sich damit in die Reihe jener Autoren und Autorinnen, die im detektivischen Kern journalistischer Arbeit die Möglichkeit zur Anlage einer Ermittlerfigur sehen und gesehen haben.
Anhand der ersten drei Romane Christine Gräns soll nun versucht werden, ein Porträt der Hobbydetektivin zu gestalten und ihre Ermittlungsmethoden aufzuzeigen. Weiters soll auf die für den „Neuen deutschen Kriminalroman“ charakteristischen gesellschaftskritischen Ansätze eingegangen werden.
2. DIE AUTORIN CHRISTINE GRÄN
Über diese Autorin sind in der Sekundärliteratur fast keine biographischen Angaben zu finden. Wir haben uns deshalb an die Rechercheergebnisse einer Diplomandin gehalten, die in ihrer Diplomarbeit mehr Informationen von Gräns Verlag erhalten haben dürfte, dies allerdings nicht explizit angibt. 2
Die Österreicherin, deren richtiger Name Christine Hüller ist, wurde 1952 in Graz geboren. Nachdem sie mit 22 Jahren das Publizistikstudium beendet hatte, ging Christine Grän nach Bonn und begann bei einer Zeitung in der Abteilung für
1 Volker Lilienthal: Der Reporter als Detektiv. Journalistisches Personal in der Krimiliteratur.- In: die horen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik. 34. 1989. H. 154. S. 205.
2 Vgl. Regina Lienerbrünn: „...denn das Böse liegt so nah“. Deutschsprachige Kriminalautorinnen.- Wien, Diss. 1993. S. 44.
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„Regionales“ zu arbeiten. Danach wurde sie -wie die Titelheldin Anna Marx-Gesellschaftskolumnistin beim Bonner „Generalanzeiger“. Im Jahre 1979 begleitete die Publizistin schließlich die Entwicklungshilfeministerin in das afrikanische Botswana, wo sie ihren Mann, einen Entwicklungshelfer, kennenlernte. Dort las sie in der Freizeit viele Bücher, am liebsten Krimis, was später wohl auch Grund dafür war, daß sie sich beim Schreiben auf dieses Genre spezialisierte. Es war der ominöse Mord an einer weißen Frau in der Nachbarschaft des Hotels, das sie zeitweise für eine Freundin leitete, was ihr schließlich den Anstoß für ihren ersten Krimi „Weiße sterben selten in Samyana“ gab, den sie nach eigener Aussage im Busch schrieb, nachdem ihr Hund von einer Pythonschlange verschlungen worden war. Christine Grän weilte fünf Jahre in Afrika, bis sie vom Rohwolt Verlag nach Deutschland zurückgeholt wurde, um für das eingereichte Manuskript, das überall Begeisterung hervorgerufen hatte, vorzusprechen. Ein Jahr später stand das Buch in den Bücherregalen. Seither lebt Grän als freie Journalistin und Autorin zahlreicher Bücher, „Nur eine läßliche Sünde“ (1988), „Ein Brand ist schnell gelegt“ (1989), „Dead is beautiful“, (1990), „Die kleine Schwester der Wahrheit“ (1990), „Ein mörderischer Urlaub“ (1990), „Grenzfälle“ (1991), „Hongkong 1997“ (1991), Hörspiele, Kurzgeschichtenbände und Drehbücher wieder in Bonn. Derzeit arbeitet sie im Haus der Deutschen Welthungerhilfe, und in ihrer Freizeit schreibt sie Krimis.
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3. ANNA MARX’ ERSTE FÄLLE
3.1 INHALT
3.1.1 Weiße sterben selten in Samyana 3
Anna Marx, Gesellschaftsjournalistin eines Bonner Wochenmagazins, wird von ihrem Chefredakteur in das afrikanische Land Samyana geschickt. Sie soll über den Mord an der Deutschen Anna Hellmann berichten und vor Ort recherchieren. Die Polizei hat bereits den schwarzen Gärtner der Familie als Tatverdächtigen festgenommen. Im Zuge ihrer Ermittlungen stößt Anna zufällig auf den wahren Mörder. Es handelt sich dabei um den deutschen Botschafter in Samyana. Er hatte ein Verhältnis mit Frau Hellmann, und diese wollte ihn durch ein von ihr gemaltes Bild, das den nackten Diplomaten mit Hasenkopf zeigt, auf einer Party erniedrigen.
3.1.2 Nur eine läßliche Sünde 4
In „Sünde” versucht die Sekretärin Helene Brahm-Telschow aus Geldnot den Vater ihrer fünfzehnjährigen Tochter zu erpressen. Bei diesem handelt es sich um den sehr konservative n deutschen Innenminister. Als sie daraufhin von einem Mann überwacht wird, bittet sie Anna um Rat. Kurze Zeit später wird Helene erwürgt aufgefunden, unter Mordverdacht steht ihr afrikanischer Freund. Anna forscht nach und entlarvt Helenes Chef, Leiter einer Kinderhilfsorganisation, als Täter. Frau Brahm-Telschow hatte auch ihn erpreßt, weil sie von seinen unsauberen Geschäften wußte.
3 Christine Grän: Weiße sterben selten in Samyana.- In: Christine Grän: Weiße sterben selten in Samyana. Nur eine läßliche Sünde. Ein Brand ist schnell gelegt. Sammelband. Hg. v. Bernd Jost.- Reinbek bei Hamburg 1997. (= rororo thriller 43277.) Im weiteren Text wird dieser Titel mit “Samyana” abgekürzt.
4 Christine Grän: Nur eine läßliche Sünde.- In: Christine Grän: Weiße sterben selten in Samyana. Nur eine
läßliche Sünde. Ein Brand ist schnell gelegt. Sammelband. Hg. v. Bernd Jost.- Reinbek bei Hamburg 1997. (= rororo thriller 43277.)
Im weiteren Text wird dieser Titel mit “Sünde” abgekürzt.
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3.1.3 Ein Brand ist schnell gelegt 5
Anna Marx wird mit zwei anderen Journalisten und einem dreiköpfigen Kamerateam auf die Philippinen geschickt. Sie soll über ein Entwicklungshilfeprojekt schreiben. In der letzten Nacht ihres Aufenthalts kommt der unsymphatische Regisseur des Fernsehteams, Hannibal Matzke, bei einem Brand ums Leben. Sein Tod war zwar ein Unfall, Anna findet jedoch zufällig heraus, daß Matzkes Frau und der mit ihr liierte Kameramann tatsächlich einen Mordplan hatten, dessen Ausführung an der Feigheit des Mannes gescheitert war.
3.2. SCHAUPLÄTZE
Christine Grän wählt für ihre ersten drei Romane Schauplätze, die sie durch eigene berufliche Tätigkeit gut kennt. Ausgangspunkt des Geschehens ist immer Bonn, wo Autorin und Hauptprotagonistin Anna ihren Wohnsitz haben. Während in „Sünde” die Handlung auf die ehemalige deutsche Hauptstadt beschränkt bleibt, stehen in den beiden anderen Romanen exotische Orte im Zentrum.
In „Samyana” ist es ein fiktiver afrikanischer Staat, der zwischen Südafrika und Mozambique liegt und so unwichtig ist, daß er keine diplomatische Vertretung in Bonn hat. Schon auf der Fahrt vom Flughafen zum Hotel muß Anna erkennen, daß dieses Land nicht ihren Erwartungen entspricht: „Nicht so malerisch, wie sie es sich vorgestellt hatte. Ärmlich, schmuddelig, trostlos sah es aus.” 6 Die Hauptstadt Basuto ist „wie jede andere in Afrika. Greuliche Architektur, zu enge Straßen, keine Bauplanung.” 7 Die Slums mit ihren aus Pappe und Wellblech zusammengeflickten Elendsquartieren und das nicht weniger häßliche Industrieviertel stehen in einem krassen Gegensatz zum Wohngebiet der Weißen und Reichen. „Dort - das war das
5 Christine Grän: Ein Brand ist schnell gelegt.- In: Christine Grän: Weiße sterben selten in Samyana. Nur eine läßliche Sünde. Ein Brand ist schnell gelegt. Sammelband. Hg. v. Bernd Jost.- Reinbek bei Hamburg 1997. (= rororo thriller 43277.)
Im weiteren Text wird dieser Titel mit “Brand” abgekürzt.
6 Grän: Samyana. S. 17.
7 Grän: Samyana. S. 17.
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Viertel im Süden der Stadt, den Strand entlang, wo die schönen Häuser standen mit den dicken Mauern und blühenden Gärten, die täglich bewässert wurden. Dort wohnten die Minister und Staatssekretäre, die reichen indischen Geschäftsleute und natürlich die Weißen. Dort war Basuto von exotischer Schönheit.“ 8 In dieser Gegend findet man weißen Palmenstrand und blaues Wasser, „so schön und so kitschig, wie auf jeder Postkarte, die das Paradies vorgaukelt” 9 .
Auch das Hotel, in dem Anna während ihres Aufenthalts in Basuto wohnt, gehört zum „weißen Afrika”. Von außen präsentiert es sich als weißer, kastenartiger Bau mit Leuchtreklamen und gestutzten Palmen, im Inneren ist es mit roten Teppichen und Plüsch ausgestattet, eine Klimaanlage sorgt für angenehme Kühle. Neben der Hauptstadt ist auch eine Siedlung im Landesinneren Schauplatz der Handlung. Tulume ist der Geburtsort des Präsidenten von Samyana, „ein malerisches, ein schläfriges Dorf” 10 . Hier gibt es keine Wellblechhütten wie in Basuto, die gepflegt wirkenden Häuser sind aus Stein gebaut.
Mit der Schilderung Samyanas entwirft Christine Grän ein lebendiges und kontrastreiches Bild eines afrikanischen Staates, das durchaus der Realität entsprechen könnte. Das Land ist vom Gegensatz zwischen schwarz und weiß, arm und reich, Stadt und Dorf geprägt und erfüllt nur im Siedlungsgebiet der Weißen die Erwartungen der Besucher: „Das Afrika, das die Weißen schön finden, ist nur da schön, wo die Weißen wohnen.” 11
Manila, eine kleine philippinische Insel und ein Luxushotel in der thailändischen Hauptstadt Bangkok sind jene Orte, an denen Anna im Roman „Brand” ihrer journalistischen Tätigkeit nachgeht und dabei mit einem mysteriösen Todesfall konfrontiert wird.
Die philippinische Metropole wird als häßliche Stadt geschildert, die von Industrie und sozialen Gegensätzen geprägt ist. Alte, verfallende Prachtbauten stehen neben neu errichteten, unverputzten Betonblöcken und Hütten aus Wellblech und Pappe. Es gibt
8 Ebd. S.10.
9 Ebd. S. 37.
10 Grän: Samyana. S. 81.
11 Ebd. S. 17.
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viele Restaurants, Bars und kleine Geschäfte. Am Straßenrand leben Menschen, campieren inmitten ihrer Habseligkeiten. Zahlreiche Leuchtreklamen werben für westliche Produkte wie Coca-Cola, preisen aber auch Stripteaselokale und Go-Go-Girls an. Einen Gegensatz zu den armseligen Unterkünften der Einheimischen bildet das Manila-Hotel, in dem Anna, die anderen Journalisten und das Fernsehteam untergebracht sind. „Anna stand staunend davor. Das Märchen aus Tausendundeiner Nacht paßte bloß nicht zu dem, was sie bisher von Manila gesehen hatte.” 12 Das Hotel ist ein historisches, luxuriös eingerichtetes Gebäude, umgeben von Palmen und Luxusautos. Es ist ein Rückzugsgebiet der Weißen und Reichen und soll sie vor den armen Einheimischen schützen. Deshalb gibt es viel Personal und Sicherheitskräfte, Prostituierte werden nicht geduldet.
Hauptschauplatz ist jedoch Boraca, eine kleine Insel mit weißem Strand, umgeben von tiefblauem Meer, die auf den ersten Blick perfekt wirkt. Die Journalisten sollen hier über ein Entwicklungshilfeprojekt berichten. Sie sind in der Hotelanlage Paradise Beach untergebracht, die aus Bambushütten besteht und in der Nähe des Hauptortes liegt. Dieser trägt den sprechenden Namen Santa Misericordia und ist eine winzige Stadt, die aus einer Ansammlung windschiefer Hütten besteht. Nur das Rathaus und das Polizeigebäude sind Steinbauten. Dreirädrige Mopeds, Erwachsene, Kinder, Hunde, Ziegen, Hühner und Schweine bevölkern die Straße, die den Ort vom Strand trennt. Es gibt einige schäbige Läden, in denen eine bizarre Mischung von Produkten angeboten wird. Die Touristen sind meist jung, mit dem Rucksack unterwegs. Treffpunkt der Deutschen ist Freddys Berliner Hot, eine Strandkneipe, in der ein Deutscher „Essen wie zu Haus” 13 anbietet.
Santa Helena, eines jener Dörfer, die von den Journalisten besucht werden, ist eine arme Siedlung im Inneren Boracas, ein Haufen von Bambushütten, die sich um eine Sandstraße drängen. Das harte Leben läßt die Menschen früh altern, die Kinder haben Hungerödeme, aber Sonne und herrliche Landschaft lassen „selbst das Elend exotisch
12 Grän: Brand. S. 28.
13 Ebd. S. 47.
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Arbeit zitieren:
Verena Huber, 1999, Christine Graen: Anna Marx' erste Fälle, München, GRIN Verlag GmbH
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