Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 3
2. Der Schriftsteller und sein Werk 3
3. Erzählstruktur 5
3.1 Die Binnentexte 5
3.2 Die Leitmotivik 6
3.2.1 Pflanzen 6
3.2.2 Gestein 6
3.2.3 Verfall und Verwesung 7
3.2.4 Feuer 7
3.2.5 Verwandlung 8
3.3 Die Erzählhaltung 10
3.4 Die Erzähltechnik 10
4. Sprache 11
5. Der Leser 13
6. Zusammenfassung 15
7. Literaturverzeichnis 17
2
1. EINLEITUNG
Eine Arbeit über ein Buch wie Christoph Ransmayrs Letzte Welt zu schreiben, ist sicher kein leichtes Unterfangen, da so viele Aspekte zu berücksichtigen sind, die den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden. Deshalb habe ich einige mir wichtig und markant erscheinende Punkte herausgesucht, auf die ich im folgenden näher eingehen möchte: die Erzählstruktur im Roman, wobei ich einige Leitmotive näher behandeln werde sowie die Binnentexte und deren Funktion, die Erzählhaltung-und technik. Ein we iteres Hauptaugenmerk möchte ich noch auf die Sprache legen, die sehr anspruchsvoll ist und eine hohe Aufmerksamkeit beim Leser fordert. Ich werde mich dabei vorwiegend auf die Interpretation von Thomas Epple stützen, aber ebenso auf ausgewählte Zeitungsaufsätze.
2. DER SCHRIFTSTELLER UND SEIN WERK
Christoph Ransmayr wurde am 20. März des Jahres 1954 in Wels/ Oberösterreich geboren, ist in Roitham bei Gmunden am Traunsee aufgewachsen, besuchte dort die Volksschule und anschließend im benachbarten Gmunden die Hauptschule. In Lambach maturierte er schließlich im Stiftsgymnasium 1972, studierte anschließend sechs Jahre Philosophie und Ethnologie an der Universität Wien. Ransmayr war die nächsten 4 Jahre Kulturredakteur der Wiener Monatszeitschrift „Extrablatt“ und u.a. freier Mitarbeiter an verschiedenen bundesdeutschen Zeitschriften. Er ist nun seit 1982 freier Schriftsteller und lebt in Wien. 1
Zum Werk
Die Letzte Welt hat eine interessante Entstehungsgeschichte, deshalb möchte ich sie an dieser Stelle einbringen, bevor ich zum Inhaltlichen des Buches übergehe:
1 Vgl.: KLG. Kritisches Lexikon zur deutsschsprachigen Gegenwartsliteratur. Bd 3. München: edition text+kritik 1990. S.1.
3
Eigentlich sollte dieser Roman gar nie geschrieben werden, denn Hans Magnus Enzensberger wollte von Ransmayr eine ganz andere Arbeit. Enzensberger hatte die Bitte an Ransmayr gerichtet, Ovids Metamorphosen und ihre gebundenen Reime für die „Andere Bibliothek“ in zeitgenössische Prosa zu bringen. Ransmayr versuchte vergeblich, sich mit dieser schwierigen Aufgabe anzufreunden, doch als ihm die Figuren des zwei Jahrtausend alten Werkes in der Gegenwart zu begegnen schienen, er z.B. in einem griechischen Dorf einen Jungen sah, der der arme Battus gewesen sein könnte, war ihm die Idee dessen gekommen, was nun ein Bestseller ist. Drei Jahre lang schrieb Ransmayr mit einem Elias-Canetti-Stipendium an der Letzten Welt 2
Zum Inhalt
Cotta, Ransmayrs Held, fährt von Rom nach Tomi, um dort den von Kaiser Augustus verbannten römischen Dichter Publius Ovidus Naso aufzuspüren. Es kursiert jedoch das Gerücht, der Dichter sei gestorben. Cotta will dem nun nachgehen und Naso versuchen zu finden. Finden will Cotta auch ein eventuell vorhandenes Manuskript der ovidischen Metamorphosen, deren Original der Dichter aus Fassungslosigkeit über das Verbannungsurteil in Rom verbrannt hat. Harald Wieser, Spiegel-Autor, schreibt bezüglich der realen Verbannung Ovids
Die Verbannung [...] war für den mondänen Dichter ein Sturz in den Abgrund. Der applausverwöhnte Feingeist [...] brachte seine Tage nun unter Analphabeten [...]zu. [...] Unter den Sitten und dem Anblick der griechisch radebrechenden Bewohner Tomis litt er nicht weniger als unter dem lausigen Klima: ,Sie wehren die böse Kälte durch Felle und genähte Hosen ab, und von dem ganzen Körper sieht man nur das Gesicht. Wenn sie den Kopf schütteln, klirren oft Eiszapfen in ihrem Haar, und der Bart erglänzt weiß, wenn der Frost ihn befällt. Der Wein steht allein, die Form des Gefäßes bewahrend; anstatt ihn in Zügen zu trinken, verzehren sie ihn in Brocken.’“ 3
Es beginnt eine lange, vergebliche Suche, die erfolglos bleiben wird. Von den wunderlichen Bewohnern Tomis will ihm niemand Auskunft geben, der alte
2 Harald Wieser: Eine Flaschenpost aus der Antike.- In: Der Spiegel 37. 1988. S.231.
3 Ebd. S.227.
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Pythagoras redet in den Augen Cottas unsinniges Zeug, er schreibt z.B. in einen Stein „Keinem bleibt seine Gestalt“, einen Satz, den er aus den Metamorphosen bewahrt hat. Daraus wird Cotta nicht schlau, aber eben dieser Satz scheint eine unheimliche Gewalt über Tomi und deren Bewohner zu haben, sodaß im Laufe des einen Jahres, das Cotta am Schwarzen Meer verbringt, sich die Landschaft, das Meer und das Klima eigenartig verändern, ja sogar Menschen verschwinden und sich in Wölfe, Vögel oder Steine verwandeln. Dies geht so weit, daß Cotta am Schluß selbst verwandelt wird und „die Suche längst in das Gesuchte gemündet ist“. 4
3. ERZÄHLSTRUKTUR
3.1 Die Binnentexte
Die Letzte Welt wird von einer Reihe von Binnentexten durchzogen, welche die Funktion haben, den Leser die Unwahrscheinlichkeiten, die sie beinhalten, leichter akzeptieren zu lassen als in der Haupthandlung. Diese fiktionalen Einsprengsel, wie wir sie nennen können, bereiten den Leser auf die wirklichen Metamorphosen in Tomi vor. 5 So erzählt Naso von einer Seuche, die im Saronischen Golf auf der Insel Aegina gewütet hatte.
Endlich verdunkelte sich der Himmel und Regen fiel; aber es war nur heißes, übelriechendes Wasser, das die Pest noch in die letzte Zuflucht der Insel schwemmte.[...] vergeblich versuchten die Bewohner Aeginas, ihre glühende Haut an den Felsen zu kühlen, preßten ihre Stirn gegen die Schollen und umarmten die Steine.[...]
Als auf Aegina in diesen Tagen auch die Klage des letzten Menschen verstummt war, verließen die Ameisenvölker ihre Eiche, flossen den Stamm hinab, wie das Wasser eines Wolkenbruchs, verteilten sich in vielen Adern über die Leichenfelder und ergriffen dort von allen Leerräumen Besitz, eroberten gegen die Übermacht der Fliegen die Augenhöhlen, die offenen Münder, die Bäuche, Gehörgänge und die flachen Senken, die an der Stelle der Pestbeulen geblieben waren. In immer dichteren Scharen rannten sie
4 Volker Hage: Mein Name sei Ovid. Ein großer Roman. Christoph Ransmayrs Die letzte Welt.- In: Die Zeit 41. 1988. Beil. S.74.
5 Vgl. Thomas Epple: Christoph Ransmayr. Die letzte Welt. Interpretation von Thomas Epple. München: Oldenbourg 1992. S.75.
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Arbeit zitieren:
Verena Huber, 1996, Christoph Ransmayr: "Letzte Welt", München, GRIN Verlag GmbH
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