Verhaltenstherapie Stefan Ruetz SS 2004
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung: Kurzer historischer Abriss der Verhaltenstherapie. 4
1.1. Die Anfänge - das Experiment von Pawlow 4
1.2. Amerikanischer Behaviorismus - Experiment mit Albert. 4
1.3. Weiterentwicklung und Aufspaltung 5
2. Methoden einer Verhaltenstherapie. 6
2.1. Beseitigungstechniken. 6
2.1.1. Fundamente der Beseitigungstechniken 6
2.1.2. Systematische Desensibilisierung. 7
2.1.3. Kritik. 8
2.2. Aneigungstechniken 8
2.2.1. Token - Programme 8
2.2.2. Praktische Anwendung im schulischen Bereich 9
2.2.3. Kritik. 10
2.3. Konfrontationsverfahren. 10
2.3.1. Reizüberflutung - Flooding. 10
2.3.2. Kritik. 11
2.4. Kognitive Therapietechniken 11
3. Ziele (Zielsetzung) 12
Zusammenschau 13
4. Subjektbestimmung (Menschenbild) 13
4.1. Die ethisch fragwürdigen Anfänge - das mechanistische Weltbild13
4.2. Das „neue“ ganzheitliche Menschenbild 14
5. Resümee. 15
6. Quellen. 16
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Verhaltenstherapie Stefan Ruetz SS 2004
1. Einleitung: Kurzer historischer Abriss der Verhaltens-
therapie
1.1. Die Anfänge - das Experiment von Pawlow
Die Verhaltenstherapie entwickelte sich aus den empirischen und theoretischen Arbeiten des russischen Physiologen Pawlow und seinen Schülern und Schülerinnen um 1900 - aus tierexperimentellen Beobachtungen wurde die Lehre von den bedingten Reflexen abgeleitet, die einen bedeutenden Einfluss auf die der Verhaltenstherapie zugrunde liegenden Lernpsychologie ausübte. Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist der als „Klassisches Konditionieren“ bezeichnete Lernvorgang, für den auch Gültigkeit für menschliches Verhalten eingeräumt wird. Die Schule von Pawlow unte rsuchte systematisch pathologisches Verhalten, das durch Lernprozesse hervorgerufen werden kann - die Behandlungsmethoden sind aber weniger lerntheoretischer Art, sondern es wurde mit Psychopharmaka und Dauerschlaf gearbeitet 1 . Das berühmte Experiment von Pawlow bestand im Großen und Ganzen darin, dass er einem Hund das Futter (unkonditionierter Stimulus) unter gleichzeitigem Zeichen (z.B. einem Ton, neutraler Stimulus) reichte. Nach einiger Zeit genügte allein schon das Zeichen (konditionierter Stimulus) um die Reaktionen, die sonst beim Hinreichen des Futters zu erwarten sind, hervorzurufen (der Speichelfluss begann allein schon beim Ton) 2 .
1.2. Amerikanischer Behaviorismus - Experiment mit Albert
In den USA wurden nun die Studien Pawlows von Watson, dem wichtigsten Begründer des amerikanischen Behaviorismus, weiterentwickelt bzw. auf den Humanbereich übertragen, wobei das Modell des klassischen Konditionierens eine wichtige Grundlage für die theoretischen und praktischen Überlegungen hinsichtlich des Erwerbs und der Beseitigung psychischer Störungen bildete. Das berühmte Experiment von Watson und Rayner 1920 war das mit dem kleinen Albert, das ethisch höchst umstritten ist. Dem kleinen Albert wurden auf dem Wege des klassischen Konditio- 1 vgl.Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V.: Theorien und Methoden der Verhaltenstherapie, S.5f
2 vgl. Peyer, Perrez: Einführung in die Verhaltenstherapie für visuelle Typen, S.38
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Verhaltenstherapie Stefan Ruetz SS 2004
nierens Angstreaktionen antrainiert, er konnte aber anschließend nicht behandelt werden, weil er aus dem Heim genommen wurde. Watson und seine AnhängerInnen versuchten mit solch umstrittenen Menschenexperimenten Therapiemethoden zu finden, die als spezifisch lerntheoretisch gelten können 3 .
1.3. Weiterentwicklung und Aufspaltung
Die Verhaltenstherapie spaltete sich nun in die unterschiedlichsten Varianten und Strömungen auf; ihre Weiterentwicklung orientierte sich in Anlehnung an die Auffassungen von Watson immer stärker an den Erkenntnissen der wissenschaftlichen Psychologie. Die wichtigsten Veröffentlichungen sind in der Zeit zwischen 1950 und 1960 entstanden, u. a. von Wolpe, Lazarus, Rachman (Südafrika); Shapiro, Yates, Eysenck (England) und Lindsley, Skinner (USA). So wurde Verhaltenstherapie zu einem vielschichtigen Begriff, dem es vor allem an einem umfassenden Verständnis fehlt, da sich in der Geschichte der Verhaltenstherapie ihre Fragestellungen, Inhal te und Methoden stark geändert haben, es von Beginn an sehr konträre Auffassungen über Verhaltenstherapie gegeben hat und durch neuere Entwicklungen immer wieder traditionelle Verständnisweisen kritisiert und modifiziert werden 4 . Dabei sind die Gemeinsamkeiten zwischen dem frühen orthodoxen sowie radikalen Behaviorismus und den heutigen verhaltenstherapeutischen Ansätzen oft so gering, dass auch die Diskussion aufkam, ob die Ideen überhaupt noch der Verhaltenstherapie zuzurechnen sind oder ob ein Paradigmenwechsel bereits stattgefunden hat 5 . Es soll aber nicht der Eindruck entstehen, dass diese ständige Weiterentwicklung und Ausdifferenzierung der Verhaltenstherapie negativ wäre - ganz im Gegenteil: Während die frühe orthodoxe Verhaltenstherapie noch den Anspruch erhob, als einzig wissenschaftlich fundierte Therapie zu gelten, so sind aktuelle Publikationen eher bescheidener, realistischer und selbstkritischer zu kennzeichnen. Vor allem der zunehmende Einschluss verbaler und symbolisch - vermittelnder Prozesse, die z unehmende Anerkennung des Klienten als eines differenzierten, denkenden, aktiven Lebewesens sowie die zunehmende Offenheit für Erkenntnisse aus allen Bereichen der Psychologie förderten die Verfeinerung von verhaltenstherapeutischen Techniken, Methoden und Therapiezielen wie auch die Ausweitung von Klientenzielgrup-
3 vgl.Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V.: Theorien und Methoden der Verhaltenstherapie, S.6
4 vgl. Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V.: Theorien und Methoden der Verhaltenstherapie, S.5ff
5 vgl. Seiderer - Hartig: Beziehung und Interaktion der Verhaltenstherapie, S.10
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pen, die durch Verhaltenstherapie behandelt werden (wenngleich es auch dadurch immer schwieriger wird, das praktische verhaltenstherapeutische Handeln ganz klar den theoretischen Modellen zuzuordnen und wissenschaftlich zu begründen) 6 .
Im Folgenden sollen nun auszugsweise Methoden und Zielbestimmung einer Verha ltenstherapie dargestellt werden sowie die Skizzierung eines zugrunde liegenden Menschenbildes versucht werden:
2. Methoden einer Verhaltenstherapie
Über die Methoden der Verhaltenstherapie herrscht natürlich aufgrund der gerade skizzierten historischen Anamnese keine Einigkeit, sie lassen sich aber grundsätzlich in mehr oder weniger klar abgegrenzte Gruppen einteilen, was uns sehr hilft, hier einen Überblick zu schaffen, was aber auch zu Ungenauigkeit führen kann 7 :
2.1. Beseitigungstechniken
2.1.1. Fundamente der Beseitigungstechniken
Die Beseitigungsverfahren oder - techniken der Verhaltenstherapie zielen wie der Name schon besagt darauf ab, unerwünschtes Verhalten zu beseitigen. Es wird hierbei versucht unerwünschtes Verhalten des Klienten / der Klientin mit einem unangenehmen Reiz (= negativer Verstärker) zu koppeln, d.h. es wird z.B. bei Alkoholmissbrauch ein unangenehmer Geruch vorgeschaltet. Die Annahme hinter dieser Methode besagt, dass durch die Bildung dieser Koppelung die Wahrscheinlichkeit, dass das unerwünschte Verhalten gezeigt wird, sinkt. Es werden bei dieser Art der Be-handlung unterschiedliche elektrische und chemische Reize eingesetzt, die beim Auftreten des unerwünschten Verhaltens als elektrischer Schock oder als übelkeitserregendes Mittel verabreicht werden. Ziel der so genannten Aversionstherapie ist es dabei, zwischen dem unerwünschten Verhaltensmuster und unangenehmen Reizen eine Verbindung zu schaffen (durch klassisches Konditionieren, wie Pawlow mit sei- 6 vgl.Seiderer - Hartig: Beziehung und Interaktion der Verhaltenstherapie, S.10ff
7 vgl. http://www.scherf-hannover.de/Psychotherapie/Methoden/methoden.html und http://www.stangl-
taller.at/ARBEITSBLAETTER/LERNEN/Verhaltenstherapie.shtml
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Arbeit zitieren:
MMMag. Stefan Ruetz, 2004, Die Verhaltenstherapie: Eckpfeiler und kritische Einwürfe (Methoden, Zielsetzung, Subjektbestimmung), München, GRIN Verlag GmbH
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