Inhalt
1 Einleitung 2
2 Was ist Populismus? Was sind Populisten? 3
3 Die Wirkungsfelder der Populisten 5
4 Konstruierte Mythen, Theorien und Ideologien 6
4.1 Die „Alte Linke“ 6
4.2 Öko-Populismus 7
4.3 Religiöser Populismus 7
4.4 Konservativer Populismus 7
4.5 Nationaler Populismus 8
4.6 Die „Neue Rechte“ 8
5 Der kleine Mann’ und der Populismus. Gründe für den Aufstand
und die Macht der Verführung 9
5.1 Tradition, Sitten und Bräuche 9
5.2 Heimat 10
5.3 Gemeinheit und Gemeinschaft 11
6 Schlußbetrachtung 13
7 Literatur 14
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1 Einleitung
Das Phänomen des Populismus zu untersuchen, eröffnet dem Forschenden ein schier unerschöpfliche Fülle an Betrachtungen zu verschiedenen Teilaspekten dieser Erscheinung, zu ihrer Geschichte, ihren Strategien, ihren ‚Führern’ und deren Methoden. Politische, psychologische, historische Beobachtungen und Meinungen und solche aus anderen wissenschaftlichen Betätigungsfeldern stehen bereit, nicht zuletzt deshalb, weil nahezu jedwede Bewegung, jeder ‚laute’ Politiker, jeder Standpunkt und jede fixierte Schrift an irgendeinem Ort schon als ‚populistisch’ bezeichnet wurde. Auf die Fülle der populistischen Erscheinungsbereiche soll in dieser Arbeit noch näher eingegangen werden. Will man den Populismus nun aus volkskundlicher Sicht betrachten, so bietet sich ein ganz anderes Bild als das oben beschriebene: Kein Band einer volkskundlichen Bibliothek schein sich mit diesem Thema beschäftigt z u haben, kein Forscher bisher eine Notwendigkeit oder zumindest Eignung gesehen zu haben, unter den Vorgaben der Volkskunde dies Thema zu untersuchen, obwohl gerade die ‚kleinen Leute’ und ihr Umfeld hier eine zentrale Rolle spielen, was in anderen volkskundlichen Untersuchungen stets im Mittelpunkt steht.
Ich selber möchte hier nicht darauf verzichten, grundlegende Erscheinungen im Zusammenhang mit dem Populismus zu behandeln und seine regelmäßigen Symptome darzulegen, doch möchte ich meinen Blick auch ausführlich auf soziokulturelle und gesellschaftspolitische Veränderungen richten, die die Anhänger von Populisten überhaupt zu seinen ‚Lämmern’ werden lassen, denn hier sehe ich den volkskundlichen Ansatz. Es sei darauf hingewiesen, daß ich mich hier in erster Linie auf neuere Entwicklungen stützen möchte, wobei sich gewisse Grundprinzipien erkennen lassen, die anwendbar auch auf lange zurückliegende Fälle von populistischem Erfolg sind. Hier sind insbesondere Begriffe wie ‚Gemeinschaft’, ‚Identität’, ‚Tradition’ und ‚Kontinuität’ von Bedeutung und sollen betrachtet werden. Auch die Frage, inwiefern die Globalisierung einen fruchtbaren Nährboden für den Populismus schafft, möchte ich hier zumindest teilweise zu beantworten versuchen.
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2 Was ist Populismus? Was sind Populisten?
Man muß wohl von einem größeren Wagnis sprechen, wenn es um eine trennscharfe Definition des Begriffes ‚Populismus’ geht. Nur den enthaltenen Begriff ‚Volk’ (lat. populus) als kleinsten gemeinsamen Nenner zu sehen, wäre zu einseitig. Zwar spielt dieser Begriff die zentrale Rolle und soll im Folgenden auch am eingängigsten betrachtet werden, doch wäre hiermit nicht alles ausgedrückt, was Populismus sein kann. Ein Blick in die Geschichte ist nötig, denn „den einzig Orientierung ermöglichenden Anker hat der Begriff in der Sozialgeschichte“ 1 , und dieser Blick zeigt populistische Vorkommnisse, die später auf eine wissenschaftliche Ebene gehoben wurden und theoretische Konzepte prägten.
Es dürfen drei große Strömungen nicht außer Acht gelassen werden, die gemeinhin als populistisch bezeichnet werden. Die ist der American Populism (Farmer’s Alliance, Peoples’s Party) am Ende des 19. Jahrhunderts, in dessen Rahmen die Farmer der amerikanischen Nordstaaten um den Erhalt der nach dem Bürgerkrieg untergegangenen ‚agrarischen Demokratie’ kämpften, die ihnen höhere Erzeugerpreise, geringere Einsenbahnfrachtsätze und verbilligte Kredite garantierten. Zum zweiten seien die russischen ‚Narodniki’ erwähnt, die im Gegensatz zu den ungefähr um die gleiche Zeit aktiven American Populists keine breite Bewegung darstellten, sondern sich vielmehr aus vergleichsweise wenigen urbanen Intellektuellen rekrutierten, die gegen den Kapitalismus insgesamt protestierten. Sie sahen im von ihnen sehr verklärten ländlichen Leben der kleinen Bauern den Motor des Staates und das Heil der Gesellschaft. In Europa sind die Bestrebungen nach unvermittelter Basis-Demokratie contra dem vermittelten repräsentativen Demokratieverständnis seit der Französischen Revolution von 1789 als populistisch zu bezeichnen.
Ein Blick auf den Populismus der lateinamerikanischen Staaten und der Entwicklungsländer würde hier zu weit führen, spricht aber wie die o.g. Beispiele immer für eine große Beteiligung der ‚kleinen Leute’ am Geschehen im Staate. 2 In der Folgezeit traten immer wieder kleinere populistische Bewegungen aus, die sich inhaltlich stark unterschieden, das geht von der Friedensbewegung bis zu den Neo-Nazis.
1 Dubiel 1986, S. 7.
2 Zu den drei populistischen Strömungen und weiterführend zum Populismus in Lateinamerika und den Entwicklungsländern vgl. Puhle 1986, S. 15-29.
3
Die beste Definition für populistische Strömungen gibt m.E. Hans-Jürgen Puhle, indem er sagt:
„Es sind Basisbewegungen ohne spezifischen Klassencharakter, aber mit Massenanhang, oft relativ niedrigem Organisationsgrad, die politische Veränderungen in eine bestimmte Richtung bewirken wollen.“ 3
Wir haben es also mit den ‚kleinen Leuten’, der ‚Basis’ zu tun, und hier scheint der Punkt erreicht, an dem sich die Verschiedenen Aspekte des Populismus zusammenführen lassen.
Doch was ist nun ein Populist? War zu den Zeiten der griechischen Republiken ein solcher (damals als Demagoge bezeichnet) ein Mensch, „der, durch gute Eigenschaften des Geistes und Charakters hervorragend, frei von selbstischen Absichten (…) dem Volke (…) ein Führer, Berater und Beschützer war“ 4 , so wandelte sich das Schema des Populisten oder Demagogen mit der Zeit immer mehr in Richtung eines selbstsüchtigen Machtfanatikers, der seine Chance nicht darin sah, das Volk zu beschützen oder zu beraten, sondern es „im Dienste individueller Machtinteressen zu gebrauchen“ 5 . Als Beispiele aus späteren Zeiten können Napoléon oder Hitler genannt werden, in näherer Vergangenheit seien dies Bossi, Schönhuber, Le Pen und schließlich Haider, der erst vor kurzer Zeit in Österreich an der regierenden Koalition beteiligt war. Als Populist macht ein Mensch sich die Motivation, aus der die o.g. Bewegungen zustande kommen, nämlich zumeist den „Eindruck von der Machtlosigkeit der Bürger“ 6 zunutze, um seine eigenen Vorstellungen durchzusetzen. Zwar „repräsentieren [die Protestbewegungen] trotz ihrer Rhetorik in der Regel nicht ‚das Volk, sondern Minderheiten, gelegentlich Koalitionen verschiedener Minderheiten“ 7 , doch ihre ‚Führer’ sehen diese Minderheiten eben als ‚das Volk’ an und glauben, dass dieser kleine Teil für die gesamte Bevölkerung sprechen könnte.“ 8
Fassen wir zusammen: Das Wort ‚populistisch’ impliziert, „daß ‚populus, ‚das Volk’, ‚the people’ sich in der Öffentlichkeit bemerkbar macht“ 9 , und ein Populist ist jemand, der aufgrund von Machtgier durch ‚das Volk’ an die Oberfläche tritt und sich von ihm tragen
3 Puhle 1986, S. 14.
4 Frohme 1885, S. 3.
5 Strasser 2001, S. 99.
6 Puhle 1986, S. 31.
7 Puhle 1986, S. 30.
8 Berndt 2001, S. 9.
9 Dubiel 1986, S. 34.
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Arbeit zitieren:
Till Hurlin, 2003, Populismus, München, GRIN Verlag GmbH
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