2
1. Einleitung 3
2. Vom Wert der (Aus)Bildung und Arbeit- die Angst der 3 Ausgrenzung sitzt tief 2.1 Das Ende der vierten Klasse- oder: die erste Selektionsinstanz 3 2.2 Cooling out- Prozesse nach Goffman 5
3. Mädchen- und Jungenrollen- zwischen traditionellen 6
Ansprüchen und neuen Anorderungen 3.1 Die Mädchen- traditionelle Lebensentwürfe und 6 Berufsorientierung 3.2 Männliche Jugendliche: Die Konkurrenz ist immer männlich 8
4. Maßnahmen zur Weiterbildung von Jugendlichen und ihre 9 Erfolgsaussichten
4. 1 JUMP- Das Sofortprogramm zum Abbau der 9 Jugendarbeitslosigkeit 4.2 Probleme von Weiterbildungsmaßnahmen 10
5. Schlussbemerkung 11
3
1. Einleitung
Bis zum Herbst 2003 werden ca. 4,7 Millionen Arbeitslose in Deutschland erwartet, und dies längst nicht nur von Pessimisten. Von der hohen Arbeitslosenquote sind viele verschiedene Gruppen betroffen: Hochqualifizierte ehemalige Studenten ebenso wie Menschen, die in Berufen mit geringen Qualifikationsanforderungen arbeiten. Jugendliche jeglicher Herkunft verfolgen diese Entwicklung mit Skepsis und dem unguten Gefühl, nach der Schule vielleicht nicht zu wissen, wie es beruflich und auch privat in ihrem Leben weitergehen soll. Weder Medien noch Politik vermitteln ihnen derzeit Hoffnung auf eine baldige Änderung. Angebote, die von der Regierung bisher zur Verbesserung dieser Situation ergriffen wurden, bleiben mangels Bekanntheit, aber wohl auch angesichts eher bescheidener Erfolge meist unbemerkt. Im folgenden soll hinterfragt werden, ob Jugendlicher die Zukunft Chancen auf einen reibungslosen Übergang zwischen Schule, Beruf und Arbeitsleben haben. Dabei empfiehlt es sich, das deutsche Bildungssystem unter dem Gesichtspunkt von frühen Ausgrenzungsrisiken näher zu betrachten. Dann möchte ich die Bedeutung von Ausbildung und Arbeit für Jugendliche und ihren Umgang mit einem gescheiterten Berufswunsch aufzeigen. Anschließend sollen Unterschiede der Sozialisation von Mädchen und Jungen sowie ihre Auswirkungen auf ihre berufliche Karriere betrachtet werden. Abschließend möchte ich den Erfolg von Weiterbildungsmaßnahmen anhand des Sofortprogramms zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit („JUMP“) vorstellen.
2. Vom Wert der (Aus)Bildung und Arbeit- die Angst der Ausgrenzung sitzt tief
2.1 Das Ende der vierten Klasse- oder: die erste Selektionsinstanz
Der elfte Kinder- und Jugendbericht aus dem Jahr 2002 fordert von Schulen, sich „in ihr soziales Umfeld“ zu öffnen, um bereits Schülerinnen und Schüler „auf die Aufgaben von Gemeinwesen und Arbeitswelt hin zu lenken“ 1 . Diese Forderung hat grundsätzlich durchaus ihre Berechtigung, um ein wertschätzendes
1 BMFSFJ, 2002, S. 16
4
Miteinander in der Gesellschaft zu ermöglichen. Jedoch fehlt der Rückhalt durch eben dieses Gemeinwesen zusehend. Da es nicht genug Arbeitsplätze gibt, und ganze Familien auf Sozialhilfe angewiesen sind, erfahren schon Kinder, dass sie viel lernen müssen, damit es ihnen später besser geht als den leidenden Eltern jetzt. Dementsprechend aufgeregt erwarten die ViertklässlerInnen die Empfehlung für die weiterführende Schule. Die zukünftigen Gymnasiasten wissen meistens schon, wie diese ausfallen wird. Realschüler erleben sich zwar zwischen Gymnasiasten und Hauptschülern, aber die Realschulabschluss wird in der Regel als „normal“ empfunden. Lautet die Lehrerempfehlung für die weiterführende Schule dagegen Haupt- oder gar Sonderschule, so erleben wir eine Reaktion, die sich in den letzten Jahrzehnten bei Schüler/innen manifestiert hat. Die Empfehlung wird fast immer als Enttäuschung erlebt: „[...] jetzt bist du die (bzw. der) Schlechteste, jetzt gehörst du zu den Doofen“ 2 . Die PISA- Studie und die Shell Studie 2002 zeigen, dass „das Bildungsniveau in Deutschland nach wie vor in hohem Maße „vererbt“ wird“ 3 . Jugendliche mit niedrigem Bildungsniveau „haben schlechtere Chancen ihre beruflichen Wünsche einzulösen und sind auch mit ihrer gegenwärtigen Lebenssituation weniger zufrieden“ 4 . Während Eltern, die selbst einen Hauptschulabschluss haben, meistens gelassen auf die Empfehlung reagieren, haben Eltern, die selbst Akademiker sind, häufig kein Verständnis dafür, wenn ihr Kind lernschwach ist: „Meine Eltern wollten, dass ich auf`s Gymnasium komme“ 5 . So erfahren schon Kinder, was es bedeutet, Ansprüchen nicht zu genügen. Als besonders schmerzhaft dürfte es von den Kindern empfunden werden, wenn ausgerechnet die Eltern in einer solchen Situation nicht zu ihnen stehen und stigmatisierende Sichtweisen der KlassenkameradInnen und LehrerInnen eher unterstützen. Das Kind hat nun die Möglichkeit, sich gegen seine Rolle als „Doofer“ zu wehren und hart zu arbeiten, um evtl. auf eine höhere Schule zu gelangen 6 . Da dies jedoch selten gelingt, legen sich die meisten SchülerInnen eine andere Strategie zurecht.
2 Dietz et al., 1997, S. 69
3 Quelle: URL: http://www.shell-jugend2002.de, Download als pdf.- Datei
4 ebd.
5 Dietz et al., 1997, S. 69
6 Fortfolgend beziehen sich meine Überlegungen auf Jugendliche mit niedrigem Bildungsniveau,
d.h. auf Haupt- oder Sonderschüler, da Gymnasiasten und Realschüler weitaus seltener von den im
folgenden erläuterten Problemen betroffen sind.
Arbeit zitieren:
Lydia Gilde, 2003, Probleme und Selektionsinstanzen bei Jugendlichen im Übergang zwischen Schule und Beruf, München, GRIN Verlag GmbH
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