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Inhaltsverzeichnis
Einführung 3
Diagnostik: 6
Änderungen in der Kindheit und im Familienleben der Postmoderne: 7
Ritalin: 13
Therapie: 14
Ansätze zur Bewältigung des Problems 15
Literaturverzeichnis 23
Einführung
AD(H)S heißt Aufmerksamkeitssyndrom mit und ohne Hyperaktivität und ist derzeit das am
häufigsten diagnostizierte Syndrom des Kinder- und Jugendalters
Im Laufe der Zeit gab es schon viele unterschiedliche terminologische Bezeichnungen für
diese Verhaltensauffälligkeit Heute spricht man in Anlehnung an die englische Bezeichnung
Attention Deficit Disorder (ADD) von einer sogenannten Aufmerksamkeits-Defizit-
Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bzw vom Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom
(ADS) (Amft H 2004 S 15)
AD(H)S ist ein kompliziertes und komplexes Phänomen das weniger eine Krankheit als
vielmehr ein Bündel von Symptomen ist die von Kind zu Kind verschieden ausgeprägt sind
AD(H)S ist durch die Leitsymptome Unaufmerksamkeit Hyperaktivität und Impulsivität
gekennzeichnet.
Die folgenden Symptome sind die am häufigsten auftretenden bei AD(H)S zusammengefasst
aus dem Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen DS-MIV der
amerikanischen psychiatrischen Vereinigung die auch als Kriterien für die Diagnostik gelten
Unaufmerksamkeit
1. Beachtet häufig Einzelheiten nicht oder macht Flüchtigkeitsfehler bei den Schularbeiten
bei der Arbeit oder bei anderen Tätigkeiten
2. Hat oft Schwierigkeiten längere Zeit die Aufmerksamkeit bei Aufgaben oder Spielen
aufrechtzuerhalten.
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3. Scheint häufig nicht zuzuhören, wenn andere ihn ansprechen.
4. Führt häufig Anweisungen anderer nicht vollständig durch und kann Schularbeiten, andere
Pflichten am Arbeitsplatz nicht zu Ende bringen
5. Vermeidet häufig, hat eine Abneigung gegen oder beschäftigt sich häufig nur widerwillig
mit Aufgaben, die längerandauernde geistige Anstrengungen erfordern (wie Mitarbeit im Unterricht oder Hausaufgaben).
6. Lässt sich oft durch äußere Reize leicht ablenken.
7. Ist bei Alltagsaktivitäten oft vergesslich.
Hyperaktivität
1. Zappelt häufig mit Händen oder Füßen oder rutscht auf dem Stuhl herum.
2. Steht häufig in der Klasse oder in anderen Situationen auf, in denen Sitzenbleiben erwartet
wird.
3. Unruhegefühl
Impulsivität
1. Platzt häufig mit der Antwort heraus, bevor die Frage zu Ende gestellt ist.
2. Kann häufig nur schwer warten, bis er an der Reihe ist (z.B. bei Spielen).
3. Unterbricht und stört andere hä ufig
4. Redet häufig übermäßig viel (ohne angemessen auf soziale Beschränkungen zu reagieren).
(vgl. DSM-IV, 1998) „Die ersten Beobachtungen der Hyperaktivität wurden an Kindern gemacht, die eindeutig eine seltene Krankheit oder ein Trauma erlitten hatten, z.B. angeborene Hirnschäden, ein Geburtstrauma, postnatale Kopfverletzung, Meningitis, Enzephalopathie oder Epilepsie.“ (DeGrandpre, R., 2002, S.87)
Bei der Ursache von AD(H)S stellt sich die Frage, ob diese Symptome eine spezifische medizinisch-biologische Störung darstellen oder eine, die entwicklungsbedingt und kulturell induziert ist. Die Kinderpsychiater Hallowell und Ratey bezeichnen diese Phänomene auch als „kulturinduziertes ADS“. (vgl. DeGrandpre, R., 2002, S.76, 83)
Für das Entstehen von AD(H)S wurden im Laufe der Zeit schon viele Ursachen verantwortlich gemacht: eine Nahrungsmittelunverträglichkeit gegenüber Phosphatprodukten,
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eine Wahrnehmungsstörung oder eine Informationsverarbeitungsstörung aufgrund eines Transmittermangels.
Heute ist die am häufigsten vertretene medizinische Theorie von Ärzten und Wissenschaftlern zur Ursache von AD(H)S, dass es häufig durch Vererbung, eine fehlerhafte Informationsverarbeitung im Gehirn durch Störungen im Hirnstoffwechsel ist. Bei AD(H)S nimmt man an, dass nicht genügend Dopmin zur Verfügung steht. Dopmin ist ein wichtiger Neurotransmitter, also ein Botenstoff, der Reize und Impulse zwischen Nervenzellen überträgt. Dadurch kommen dauernd neue Informationen und Impulse an, die nicht verarbeitet werden können und dadurch zu einem Aufmerksamkeitsdefizit führen. (vgl. Medice, 2003)
Vor einigen Jahrzehnten gab es wesentlich weniger Fälle von ADS. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich die genetische Ausstattung in einem sehr kurzen Zeitraum so signifikant verändert haben soll. (vgl. DeGrandpre, R., 2002, S.55) Des weiteren haben Wissenschaftler festgestellt, dass nur bei einer sehr geringen Anzahl, etwa 3-5%, der mit AD(H)S-diagnostizierten Kinder eine neurologische Störung nachgewiesen werden kann. So muss ma n erkennen, dass die Kinder die heute eine AD(H)S- Diagnose erhalten, nicht mit den Kindern übereinstimmen, die früher aufgrund einer eindeutig medizinischen Krankheit diagnostiziert wurden. (vg. Amft, H., 2004, S.87)
Neuere Forschungen zeigen, dass biologische Faktoren eine vergleichsweise geringe Bedeutung für die kindliche Entwicklung haben. Viel entscheidender für die kindliche Fehlentwicklung sind ganz offensichtlich psycho-soziale Aspekte (vgl. Linderkamp, 1993, S.8ff).
„Wissenschaftler erkennen, das Erfahrungen nach der Geburt und nicht irgendwelche inneren Vorgänge die tatsächliche Vernetzung des menschlichen Hirns determinieren.“ (De Grandpre, R., 2002, S.109) „Die neuere Hirnforschung aber zeigt, dass bis hinein in die anatomischen Dimensionen die Entwicklung des Gehirns beständig von Umweltfaktoren mitbeeinflusst wird. (...) Außerdem kommen nur etwa 15% aller angelegten Möglichkeiten zur Ausprägung (vgl. von Lüpke 2001, Deneke 1999, Altmeyer 2001).
Selbst bei sogenannten pathologischen genetischen Informationen entscheiden die Umwelteinflüsse, ob und in welchem Umfang sie wirksam werden.“ (Amft, H., 2004, S.170)
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„Seit einigen Jahren zeichnet sich auch immer deutlicher ab, dass sich bereits zahlreiche pränatale Faktoren auf die Zukunft des Kindes auswirken können: Leidet eine Schwangere unter psychischen Problemen oder starkem Stress, raucht oder trinkt sie oder gibt es bei der Geburt Komplikationen, steigt das Risiko des Kindes, Hyperaktivität, eine Lern- und Konzentrationsschwäche oder geringere Intelligenz zu entwickeln.“ (GEO, 2004, S.155)
Da bis heute keine eindeutige Ursache von AD(H)S identifiziert werden konnte, und viele Faktoren Einfluss auf die Entwicklung der Auffälligkeiten haben, muss man „unterscheiden zwischen ADS als Begriff für eine Reihe von Symptomen unter denen viele Kinder und Erwachsene leiden, und ADS als Ursache und Erklärung dieser Symptome.“ (DeGrandpre, R., 2002, S.54)
Aus diesen Gründen möchte ich mich in meiner Hausarbeit im besonderen mit der Frage beschäftigen, wie Umwelteinflüsse in der Kindheit die Entwicklung so beeinflussen können, dass einige Kinder dadurch Verhaltensauffälligkeiten wie Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität entwickeln. Und welche gesellschaftlichen Änderungen es geben muss, um diese Probleme in den Griff zu bekommen.
Diagnostik:
„Eine Untersuchungsmethode, die das Vorliegen von ADS eindeutig belegen oder ausschließen könnte, gibt es nicht.“ (Amft, H., 2004, S.83) „Die Differentialdiagnostik bei der ADS-Symptomatik ist kompliziert und aufwendig, weil (...) das unspezifische Symptom eine Vielzahl von ursächlichen Zusammenhängen aufweisen kann.“ Aus diesem Grund sollte die Diagnostik auch nur von speziell ausgebildeten Kinder- und Jugendpsychologen oder –psychiatern durchgeführt werden.
Ablauf der mehrdimensionalen Diagnostik:
1. „Erstes Ziel ist der Ausschluss von körperlichen Erkrankungen, welche sich auf das
Aufmerksamkeits- und leistungsverhalten des Kindes auswirken können. Durchgeführt werden: Orientierende Anamnese, körperliche Untersuchung sowie zusätzliche Untersuchungsmethoden (z.B. Labor).
2. Einbestellung der Familie zum Erstgespräch. Ziel dieses Schrittes ist eine
theoriegeleitete Informationsbeschaffung, um für den weitern diagnostischen Prozess eine Orientierung zu gewinnen“. Ziel der Explo ration ist es „wichtige Daten zu
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erhalten, wie: auslösendes Ereignis, Erstmanifestation der Symptomatik, Verlauf, Abhängigkeit vom sozialen Kontext etc.“ (Amft, H., 2004, S.84)
3. Vertiefte Diagnostik: „zur Standarddiagnostik gehören immer: die
tiefenpsycholo gische Untersuchung des Kindes über verbalen Dialog, Spiel, kreative Medien, projektive Tests etc. sowie systemische Diagnostik( Elterngespräche, ggf. Familiensitzungen); Testuntersuchungen, wie Konzentrationsleistungs-, Wahrnehmungs-, Intelligenztests etc.“ (Amft, H., 2004, S.85) sowie Eltern-, Lehrer- und Selbstfragebogen-Verfahren.
Die Diagnose erfolgt nach den Symptomkriterien der beiden Klassifikationssysteme ICD-10 und DSM-IV. Hier müssen die Symptome vor dem 6. bzw. 7.Lebensjahr aufgetreten sein und es müssen Beeinträchtigungen in mehreren Lebensbereichen (Schule, Familie...) vorliegen.
Zudem ist die Abgrenzung schwer, da es bei AD(H)S viele Begleiterkrankungen gibt und viele Verhaltensstörungen sowie Teilleistungsstörungen, die ähnliche Symptome aufweisen. Da es wenig objektive Testverfahren gibt, hängt die Diagnose von der subjektiven Einschätzung des Beurteilers ab, ob das auffällige Verhalten eine medizinische AD(H)S- Diagnose erhält.
Änderungen in der Kindheit und im Familienleben der Postmoderne:
Die Gesellschaft der Postmoderne ist immer mehr zu einer „Risikogesellschaft“ (Beck, U., 1986) geworden. Dadurch haben sich auch die Bedingungen des Aufwachsens erheblich verändert. Es gibt immer mehr Risikofaktoren, die das Familienleben und die Entwicklung der Kinder betreffen. Die Kinder reagieren dann mit Auffälligkeiten im Verhalten, wenn sie mit der Bewältigung der Anforderungen nicht mehr zurecht kommen.
Eltern stehen in der heutigen Zeit in vielen Bereichen des Lebens stärker unter Druck und Stress als früher, darunter leidet vor allem die Erziehung der Kinder.
„Heutige Eltern sind Modernisierungsverlierer. Noch vor 30 bis 40 Jahren reichte in der Regel ein Erwerbseinkommen aus, d.h. die durchschnittliche Erwerbsarbeitszeit pro Familie betrug 40-44 Stunden pro Woche.
Arbeit zitieren:
Bärbel Schmitt, 2004, ADS - ADHS, München, GRIN Verlag GmbH
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