2
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Jugendsozialisation im Hinblick auf den Gebrauch
von Suchtmitteln 3
3. Besonderheiten in der weiblichen Entwicklung -
Weiblichkeit Schwäche? 5
4. Wichtige Faktoren in Bezug auf eine Suchtentwicklung
junger Frauen 6
4.1 Erfahrungen in der Jugend 6
4.2 Verarbeitung der Erfahrungen und Suchtgewohnheiten 8
4.3 Protektive Faktoren 9
5. Fazit 10
Literaturverzeichnis
Anhang
3
1. Einleitung
In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich im Bereich der Suchtforschung einiges verändert, z.B. war das Thema Alkoholismus lange Zeit nur männlich geprägt, so dass abhängige Frauen lange wie Männer therapiert wurden. Der geschlechtsspezifische Ansatz richtete seinen Blick schließlich auf Ursachen und Bewältigungsstrategien, die Frauen gemeinsam sind. Leider fragt dieser Ansatz jedoch meist nach Kindheitserfahrungen der Betroffenen und nicht nach den Ursachen von Sucht bei jungen Frauen. Dementsprechend erweist es sich als schwierig, geeignete Literatur zu finden. Im Folgenden möchte ich dennoch der Frage nachgehen, warum weibliche Jugendliche suchtmittelabhängig werden können. Der Begriff „Suchtmittelabhängigkeit“ meint den Gebrauch von Drogen, Alkohol und Medikamenten, jedoch beziehen sich meine Ausführungen vor allem auf Alkohol und teilweise auch auf Medikamente. Zunächst will ich einen Überblick über die Sozialisation Jugendlicher im Bezug auf Suchtmittel geben und anschließend Besonderheiten bei der weiblichen Entwicklung herausarbeiten. Daran anknüpfend sollen sowohl Risikofaktoren im Leben junger Frauen aufgezeigt werden als auch protektive Faktoren, die weibliche Jugendliche vor einer späteren Suchtmittelabhängigkeit schützen können.
Jugendsozialisation im Hinblick auf den Gebrauch von Suchtmitteln 1 2.
Während der Übergangsphase zum Erwachsenenalter sehen sich weibliche und männliche Jugendliche gleichermaßen einer großen Anzahl von Anforderungen gegenüber, die an sie herangetragen werden. Um als eigenständige und selbstverantwortliche Person wahrgenommen zu werden, müssen Probleme gelöst werden, die strukturell unausweichlich sind, d.h. von jeder und jedem früher oder später angegangen werden müssen. Einerseits wird erwartet, dass Jugendliche sich
1 Die Informationen des folgenden Absatzes werden, Nordlohne, 1992, S. 28ff., entnommen.
4
vom Elternhaus ablösen, wobei- am dringlichsten von den Eltern- die Planung einer eigenen Familie gewünscht wird. Die Autorin betont zurecht, dass die heterosexuelle Beziehungsform als einzig erstrebenswerte Familienform gesehen wird. Gleichzeitig sollen sich stabile Beziehungen zu Gleichaltrigen entwickeln. Des weiteren sollen Jugendliche nach ihrer schulischen erfolgreichen Laufbahn auch einen Beruf oder eine Weiterbildung ergreifen, welcher sie ökonomisch unabhängig macht. Schließlich wird erwartet, dass sie eine eigene Vernunft bzw. ein Ethikverständnis entwickeln, welches dazu dienen soll, den „Konsumwarenmarkt“ nach Bedürfnis und in einem verantwortungsvollem Maße nutzen zu können.
Eine besonders wichtige Rolle scheint jedoch der Erwerb der weiblichen bzw. männlichen Geschlechtsrolle darzustellen, d.h. dass Anforderungen an die Jugendlichen als Frau oder Mann differenziert herangetragen werden und ebenso erfüllt werden müssen. 2
So notwendig die Kompetenzen in den verschiedenen Bereichen sein mögen, so widersprüchlich sind sie teilweise auch. Kolip kritisiert zurecht, dass das Konzept der so genannten Entwicklungsaufgaben geschlechtsneutral formuliert ist, obwohl sie es überhaupt nicht sind. 3 So halten Franzkowiak et al. im Abschlussbericht eines Forschungsprojekts zur geschlechtsspezifischen Suchtprävention fest, dass sich die Belastungen und Entwicklungsprobleme bei Mädchen und Jungen unterscheiden und verschiedene Ressourcen zu deren Bewältigung eingesetzt werden. 4 Außerdem weisen Mädchen und Jungen andere Schwerpunkte bei problematischen Verhaltensweisen auf, z.B. entwickeln Mädchen häufiger Essstörungen als Jungen.
Gemeinsam ist dagegen allen Jugendlichen, dass Suchtmittel wie Alkohol bei Problemen schnell zur Hand sind, und, wie Nordlohne aufzeigt, sind sie nicht nur greifbar, sondern auch legitimiert. 5 Im Begründungszwang stehen dagegen eher die Jugendlichen und später Erwachsenen, die keinen Alkoho l trinken. Die Autorin folgert daher, dass „Alkohol- und Tabakkonsum (...) für Jugendliche offensichtlich auf das engste mit der Assoziation des Erwachsenseins verknüpft
2 Kolip, 1997, S. 89
3 ebd., S. 91
4 Franzkowiak et al., 1998, S. 12
5 Nordlohne, 1992, S. 32
Arbeit zitieren:
Lydia Gilde, 2004, Gründe für eine Suchtmittelabhängigkeit junger Frauen, München, GRIN Verlag GmbH
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