Inhaltsverzeichnis:
1. Diese Arbeit und ihr Gegenstand: Die City Nord.
S.2
1.1. Warum die City Nord gebaut wurde. S.3
2. Die "City Nord" in Zeitschriften, Magazinen und Fachzeitschriften.
2.1.Die 60er Jahre.
2.1.1. Die „modernen Zeiten“, in denen die City Nord geplant
wurde. S.5
2.1.2. Zeitungsartikel in den ersten Jahren. S.6
Reaktionen auf den Bau der City Nord.
2.1.3. Die City Nord und das wichtige Thema „Wohnungsbau“ S.9
2.2. Die frühen 70er Jahre, aufkeimende Kritik S.11
an der City Nord.
2.2.1. Kritik an der City Nord in der Fachliteratur. S.11
2.2.2. Kritik im Magazinen „Der Spiegel“ S.13
3. „Stadtpark-City“ oder „Geschäftsstadt Nord“ S.15
4. Quellen und Literatur. S.18
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1. Diese Arbeit und ihr Gegenstand: Die City Nord.
Nördlich von Hamburgs Stadtpark liegt ein großes Geschäftsgebiet, die "City Nord". Als Bestandteil des Wiederaufbauplans von 1960, und seinerzeit größtes Geschäftsgebiet ganz Deutschlands, ist sie ein interessantes Stück Stadtplanungsgeschichte. Hier soll nun ein Teil der Geschichte der City Nord beleuchtet werden, der weniger mit der Architektur und Planung zu tun hat, als das bei meisten Veröffentlichungen, die es bisher zu diesem Thema gibt, der Fall ist. Die Darstellung des Projektes in den Medien, und die Meinung der Öffentlichkeit zu diesem neuen Stück Hamburg, zu Zeiten der Planung und zu Zeiten des Baus, ist Thema dieser Arbeit. Empfand man das Vorhaben als großartig und modern, ganz im Sinne des Zeitgeistes? Oder war man auch aufgebracht, dass in diesem grünen Bereich nördlich vom Stadtpark keine, dringend benötigten, neuen Wohnungen, sondern „nur“ Bürobauten gebaut werden sollten? Wie war die S timmung bezüglich des Projektes in den 60er Jahren im Vergleich zu den 70er Jahren? Sowohl Tageszeitungen, als auch Magazine und wenige Fachzeitschriften, die in dem Zeitraum zwischen 1961-1971 erschienen sind, bilden die Quellengrundlage dieser Arbeit.
An dieser Stelle ist noch anzumerken, dass der Zeitraum, der für diese Fragestellung relevant ist, sich von dem im Seminar betrachtetem Zeitraum (Hamburg in den 50er und 60er Jahren) grundsätzlich unterscheidet. Der Grund hierfür ist, dass vor 1960 kaum Quellenmaterial über die City Nord zu finden ist, da die gesamte Planung erst Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre ihren Anfang fand. Die 70er Jahre sollen ebenfalls betrachtet werden, da hier in der Entwicklung der City Nord eine wesentliche Veränderung stattfindet, die man nicht außen vorlassen darf, wenn man zu einem angemessenem Ergebnis kommen will.
Da aber die gesamte Forschung zu diesem Jahrzehnt zu einem großen Teil noch andauert, sollen nur sehr vorsichtig, und nur im Hinblick auf die City Nord konkrete Aussagen getroffen werden.
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1.1. Warum die City Nord gebaut wurde.
Nachdem der zweite Weltkrieg die Stadt Hamburg zu einem großen Teil zerstört hatte, wurde 1950 ein Plan zum Wiederaufbau der Hansestadt vorgelegt. Dieser Hamburger Aufbauplan von 1950, der eine Einwohnerzahl von 1 800 000 Menschen vorsah, war jedoch bereits 1958 überholt, da die Bevölkerungszahl bereits höher lag. Es wurde ein neu bearbeiteter Aufbauplan erstellt, der Aufbauplan von 1960, der nun eine maximale Bevölkerungszahl von 2 200 000 Menschen vorsah. 1 Das „Geschäftsgebiet Nord“ wurde Teil dieses Aufbauplans von 1960. 2 Der wichtigste Anlass für die Planung eines Geschäftsgebietes in Hamburg, war die Expansion des „Tertiären Sektors“ 3 in der Hamburger Wirtschaft. Durch sie expandierten Verwaltungen, vor allem von Versicherungen und Mineralölkonzernen, in der Hamburger Innenstadt. 4 Die wenigsten Unternehmen konnten ihre Platzprobleme durch einen An- oder Ausbau lösen, die meisten mussten sich auf mehrere Büros aufteilen. Die BP und die Esso - AG sollen, vor ihrem Umzug in die City Nord, auf 18, beziehungsweise 17 Stellen verteilt gewesen sein. 5 Die von den Großverwaltungen benötigten Bürogebäude, wurden von dem Hamburger Oberbaudirektor Werner Hebebrand und seinen Stadtplanern, genannt sei hier vor allem Christian Fahrenholtz, in der Innenstadt aber als „stadtstörend“ empfunden. 6
1 Lothar Juckel, Hamburgs neue Geschäftsstadt im Norden, Veröffentlichung der Staatlichen Pressestelle, Hamburg 1962, S.7.
2 Vgl. Axel Schildt, Hamburg: Versuch einer zweiten Moderne, in: Neue Städte aus Ruinen, Deutscher Städtebau in der Nachkriegszeit, Klaus von Beyme (Hrsg.), München 1992, S. 78-97, hier: S. 95. 3 Der „tertiäre Sektor“ ist mit Dienstleistungen, der dritte Volkswirtschaftliche Sektor, nach Landwirtschaft als „primärem“ und Industrie als „sekundärem Sektor“. In den 50er und in den 60er Jahren gab es in der Wirtschaft Deutschlands einen prägnanten Wechsel. Machte zu Beginn der Fünfziger die Landwirtschaft noch einen großen Teil der Wirtschaft aus, schrumpfte ihre Bedeutung und ihre Zahl der Erwerbstätigen in den beiden folgenden Jahrzehnten sehr zusammen. Der Anteil, der in der Industrie Beschäftigten blieb weitestgehend gleich, während die Zahl der Angestellten und Beamten sehr anstieg. Vgl. Axel Schildt, Materieller Wohlstand - pragmatische Politik - kulturelle Umbrüche. Die 60er Jahre in der Bundesrepublik , in: Axel Schildt, Detlef Siegfried und Karl Christian Lammers (Hrsg.) Dynamische Zeiten. Die 60er Jahre in beiden deutschen Gesellschaften. (Hamburger Beiträge zur Sozial und Zeitgeschichte, Band 37) Hamburg 2000, S.25.
4 Ralf Lange, Vom Kontor zum Großraumbüro, Hamburg 1994, S.152.
5 Vgl. Hermann Funke, Bürowiesen treiben seltsame Blüten. Der Spiegel Nr. 48/1970, S.209-220, hier:S.209.
6 Christian Fahrenholtz, der in der Fachzeitschrift „Baumeister“
als „einer der Väter der "City Nord" bezeichnet wird, ist der Stadtplaner dessen Name, neben dem Werner Hebebrands, am „untrennbarsten“ mit der Planung der "City Nord" verbunden ist. Vgl. Manfred Sack und Christian Fahrenholtz, Zwei Meinungen zur „City Nord“ in: Baumeister, Zeitschrift für Architektur, Planung, Umwelt, Nr.4/April/1971, S.401-404 (hier S.404).
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Vor allen Dingen als gefährdet in Bürobauten „unterzugehen“ wurden das Viertel um den Rothenbaum, aber auch Harvestehude und die anderen Wohnviertel an der Außenalster betrachtet. 7
Eine dieser „stadtstörenden“ Großverwaltungen wurde dennoch in der City gebaut. Das Unilever-Haus, zum Zeitpunkt der Planung „Hamburgs zweithöchstes Gebäude“ 8 , wurde im Januar 1961 begonnen zu bauen. Es entstand an der Stelle, wo vorher alte Fachwerkhäuser ein „Bordellquartier“ 9 und Sanierungsgebiet, zwischen Dammtor, Valentinskamp und Caffa-Macher-Reihe, ausmachten. Als „architektonisch interessantes Hochhaus mit Aluminiumkleid“ bezeichnete es die Presse, 10 und es eignet sich gut zur Veranschaulichung dessen, was die Stadtplaner verhindern wollten.
Die Idee zu dem Konzept einer „Geschäftsstadt“, einem gesondertem Gebiet für Bürobauten außerhalb der Innenstadt, brachte Werner Hebebrand von einem Besuch in New York mit, wo ihm der „Centralpark“ den ausschlaggebenden Eindruck vermittelte, um solch ein Konzept für Hamburg zu übernehmen. 11 Mehrere Ziele verfolgten die Stadtplaner: Erstens zu verhindern, dass Konzerne aus Hamburg abwandern, zweitens das Bild der City, die Wohnviertel und schöne Altbauten zu erhalten, drittens den Raum in der City für Betriebe mit Laufkundschaft zu nutzen und schließlich noch den Berufsverkehr in andere Teile der Stadt zu lenken. Hamburgs Projekt war zu seinerzeit das größte dieser Art, doch auch in anderen Städten Deutschlands wurden vergleichbare „dezentrale Bürostandorte“ geschaffen: „Am Seestern“ in Düsseldorf, der „Arabellapark“ in München und „Niederrad“ in Frankfurt. 12
Zur Illustration des Begriffs „stadtstörend“ Funke (s. Anm.5)dazu: „Sie [Großverwaltungen] lassen ihre Angestellten kaum aus dem Haus, [...], und weigern sich, in das Erdgeschoss ihrer Bürobetriebe Läden und Schaufenster hineinzunehmen. Verwaltungsgebäude machen die Straßen an denen sie liegen, leer, dunkel und tot.“ Anzumerken ist aber, dass der Artikel generell einen „Contra-City Nord“ Standpunkt beschreibt. Hierzu mehr unter Punkt: 2.2.1.
7 Lange, Vom Kontor..., S.152, Vgl. auch Juckel, Hamburgs neue Geschäftsstadt, S. 8. 8 Hamburger Abendblatt, 22 Dezember 1960, S.5. 9 Fahrenholtz, S.403. 10 s. Anm.7.
11 „Vgl. Alexander Krauß, City Nord. Architektur und Stadtbaukunst der Moderne, Veröffentlichung des Denkmalschutzamtes Hamburg, Hamburg 2001, S.5.
12 Vgl. Ralf Lange, Architektur und Städtebau der sechziger Jahre. Planen und Bauen in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR von 1960 bis 1975, (Schriftenreihe des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, Band 65), Hamburg 2003, S.30.
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Einige der stadtplanerischen Ziele wurden erreicht, dennoch ist die "City Nord" heute verrufen. Sowohl die Fachleute als auch viele „Nicht -Fachleute“ üben Kritik an der Atmosphäre, die in dem Geschäftsgebiet herrscht, und an den verlassenen Straßen abends nach Geschäftsschluss.
Welche Meinungen und Standpunkte es zu den unterschiedlichen Zeitpunkten der Entstehung der City Nord gab, soll nun im Folgenden erörtert werden. Hierfür wird sich der erste Teil der Arbeit mit Zeitungsartikeln und Berichten aus den 60er Jahren beschäftigen, während im zweiten Teil ein Blick auf die ersten Reflexionen über dieses Projekt geworfen wird. Die, bereits erwähnten, Artikel von Manfred Sack und Christian Fahrenholtz, 13 und ein Beitrag aus dem „Spiegel“ 14 dienen als Grundlage.
13 s. Anm. 6.
14 s. Anm. 5.
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Arbeit zitieren:
Marie-Ann Geißler, 2004, Hamburg in den 60er und 70er Jahren. Der Städtebau und die Presse, betrachtet am Beispiel der "City Nord"., München, GRIN Verlag GmbH
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