Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Die Entstehung einer Politischen Kultur in Peru 3
2.1 Die Kolonialzeit unter spanischer Herrschaft 5
2.2 Entwicklungen seit der Unabhängigkeit von Spanien 7
3. Wesentliche Merkmale der Politischen Kultur Perus 9
3.1 Die Tradition des Autoritarismus 11
4. Die Regierungszeit Fujimoris 13
5. Schlussbetrachtung 17
6. Quellenverzeichnis 20
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1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit möchte ich untersuchen, welche Elemente die Politische Kultur Perus ausmachen und was diese vielleicht zu einem Sonderfall, aber zumi ndest zu einer völlig anderen Politischen Kultur als die deutsche werden lässt. Man wird bei einer Analyse feststellen, dass es gewisse Kontinuitäten in der Politischen Kultur Perus gibt, die ich herausarbeiten möchte und von denen ich besonders den Autoritarismus in den Fokus rücken werde.
Meine Haup tfragestellung wird sein, welche Elemente und Faktoren schließlich zu einem wiederholten Auftauchen des Autoritarismus in Peru beigetragen haben, welcher sich zuletzt im Fujimori-Regime in den 1990ern manifestiert h at. Dieses Regime hat sich stufenweise zu einem autoritären Regime entwickelt und wurde sogar nach einem Staatsstreich mehr denn je von der Bevölkerung unterstützt - und es ist interessant zu analysieren, wie sich dieses so zutragen konnte. Man kann hier vielleicht auch eine Parallele zu den Anfängen der Politischen Kultur-Forschung ziehen, welche sich nach dem Ende des 3. Reiches mit den Gründen für das Auftauchen totalitärer Regime, welche besonders in Europa so stark von den (vermeintlich „zivilisierten“) Gesellschaften akzeptiert wurden, beschäftigt hat. Nun gilt es also zu untersuchen: Warum entwickelte sich nach einer Phase der vermeintlichen demokratischen Konsolidierung plötzlich wieder ein autoritäres Regime in Peru? Welche Kontinuitäten gibt es innerhalb der Politischen Kultur dieses Landes, die diesen Prozess herbeigeführt haben?
Ich möchte hierbei besonders auf die historischen Erfahrungen der peruanischen Bevölkerung eingehen und zeigen, wie ein Großteil der Politischen Kultur Perus durch dessen Geschichte entstanden ist und geprägt wurde. Wichtig sind hierbei einerseits die Frage, wie sich das politische System und seine Struktur gebildet und weiterentwickelt hat, und zweitens die dann folgenden Ereignisse, welche die Menschen in ihren Einstellungen und Verhaltensweisen geprägt haben. So werde ich in einem ersten Teil meiner Arbeit die historische Herausbildung der Politischen Kultur und des politischen Systems Perus im Gefolge von Kolonialismus und der späteren Unabhängigkeit von Spanien untersuchen, die ganz besondere kulturelle Phänomene wie caudillismo, Militarismus und Populismus hervorbrachte. Dann im folgenden Teil werde ich die Merkmale der Politische n Kultur dieses Landes noch einmal zusammenfassen und ihre Folgen auf die politische n Realitäten in Peru
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darstellen, und sie eben besonders unter dem Aspekt beleuchten, warum es so oft zu einer Etablierung autoritärer Regime und häufigen Systemwechseln kam. In einem letzten Teil wird dann die Regierung Fujimori in den 1990er Jahren untersucht und ,vor dem Hintergrund der zuvor aufgestellten Charakteristika der Politischen Kultur des Landes, versucht zu erklären, warum sich scheinbar recht einfach ein demokratisches wieder in ein autoritäres System umwandeln ließ. So wird man dann eben feststellen, dass die von mir vorher zusammengestellten Eigenheiten in Peru tatsächlich kontinuierlich auftauchen.
2. Die Entstehung einer Politischen Kultur in Peru
Unter Politischer Kultur verstehen wir seit Beginn dieser Diskussion in der internationalen Politikwissenschaft in den 50er und 60er Jahren des 20. Jhdts. die subjektive Dimension der Politik, d.h. die Umschreibung der politischen Werte, Ideen und Verhaltensmuster, die eine Gesellschaft bestimmen (Thesing 1994). Seit der Befassung mit politischem Verhalten in der Studie von Almond und Verba über Civic Culture (Almond/Verba 1989) war diese Disziplin völlig auf empirische Forschung ausgerichtet. Bei der politischen Verhaltensforschung in Peru gibt es jedoch einige Faktoren, welche die Erhebung politischer Meinungsspektren erheblich erschweren: aufgrund der starken Disparitäten zwischen städtischer und ländlicher Gesellschaft sind bisherige Umfragen (die allesamt nur erstere betreffen) keine repräsentativen Stichproben. Die ländliche Gesellschaft ist schon aus Kostengründen schwierig zur Befragung erreichbar und nimmt auch wenig am politischen Leben teil. Dazu kommt eine erschwerte politische Durchsetzbarkeit solcher Studien und besonders nur beschränkte Aussagewilligkeit und -fähigkeit von Teilen der Bevölkerung infolge unzulänglicher Vorbereitungsmöglichkeiten (Analphabeten, wenig Informationszugang). So meint auch Ulrich Fanger: „Wenn man daher Aussagen über den Stand der politischen Verhaltenskultur in Lateinamerika und ihrer wesentlichen Inhalte treffen will, ist man nach wie vor auf Kombinationen der historischen Analyse, Beobachtungsanalysen und Einzeldaten angewiesen…“ (Thesing 1994: 106). Daher wird sich meine Studie der Politischen Kultur von Peru hauptsächlich auf eine historische Analyse beschränken. Doch bevor ich mit dieser beginne, muss man wenigstens kurz einmal die geographische Lage und andere dortige Begebenheiten darstellen.
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Sehr charakteristisch für Peru ist trotz seiner relativ zentralen Lage in Südamerika, dass sich das Land in drei recht unterschiedliche Regionen aufteilt: die Küste, das Hochland und das Amazonastiefland. Erstere ist geprägt von einer größtenteils kargen Wüstenlandschaft, die jedoch auch von recht vielen fruchtbaren Flusstälern durchzogen ist. Daher ist hier heute auch ein Großteil der exportorientierten landwirtschaftlichen Produktion angesiedelt und sogar über die Hälfte der Bevölkerung lebt hier in mehreren großen urbanen Zentren, aus denen sicherlich die in allen Belangen größte und wichtigste Stadt Lima (Hauptstadt und bewohnt von rund einem Drittel der Bevölkerung) herausragt. Das Hochland der Anden grenzt sich hingegen jäh davon ab und ist infrastrukturell nur recht wenig erschlossen und die zahlreiche, Landwirtschaft betreibende Bevölkerung nimmt nur bedingt am wirtschaftlichen und politischen Geschehen des Landes teil. Nicht zuletzt gibt es noch das Amazonastiefland, welches fast ausschließlich von unwegsamem Regenwald bedeckt ist und mit einer nur verschwindend geringen Bevölkerungsdichte rund zwei Drittel des Landes ausmacht.
Hier bestehen also recht große naturräumliche Differenzen und mit den Anden auch klare Barrieren zwischen den einzelnen Landesteilen, die auch die Geschichte Perus und letztlich seine Politische Kultur geprägt haben. So befand gegen Anfang des 20. Jhdt. ein peruanischer Schriftsteller: „Die Aufteilung ist nicht nur eine physische. Sie setzt sich in unserer gesamten sozialen und wirtschaftlichen Realität fort“ (von Oertzen 1996: 13).
So kam es, dass sich in der Frühgeschichte Perus verschiedene Kulturen relativ unabhängig voneinander entwickelten und es erst der Hochkultur der Inkas gelang, ein sehr großes Territorium (einen Großteil der heutigen Staaten Peru, Ecuador und Bolivien umfassend) vom Hochland aus zu beherrschen. Innerhalb einer recht kurzen Zeitspanne von wenigen hundert Jahren war ein großes Reich aufgebaut worden, welches unterschiedliche Stämme und Kulturen quasi in einem „Staat“, der hoch entwickelte organisatorische und militärische Fähigkeiten besaß, vereinte. Die Gesellschaft der Inkas war durch starke Hierarchien, vom gottgleichen Inkaführer, über den Adel bis hin zu einer breiten Schicht von Bauern und sogar Sklaven, gekennzeichnet und sicherte sich seine Macht durch militärische Überlegenheit und dann schließlich wirtschaftliche Kontrolle über die unte rworfenen Stämme. Wichtig für die Charakterisierung der Kultur der Inkas ist aber besonders das Prinzip der Gegenseitigkeit: innerhalb der Gesellschaft gab es bei allem gegenseitige Hilfe
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und im Verhältnis zu den beherrschten Stämmen kann man festhalten, dass diese für ihre geleistete militärische Hilfe immer mit Schutz und Handelsgütern belohnt wurden. Mit der Zeit entwickelte sich so aber auch ein Teufelskreis aus Expansion und Gegenseitigkeit, da immer wieder neue Feldzüge zur Belohnung der Bündnispartner gestartet werden mussten, die allerdings auch wieder verstärkte Hilfe derselben erforderten, welche wiederum verstärkt nach Ressourcen verlangte (von Oertzen 1996).
2.1 Die Kolonialzeit unter spanischer Herrschaft
Das Inkareich überdehnte sich und war zum Zeitpunkt der Ankunft der Spanier um 1500 schon recht geschwächt, da einerseits die Erbfolge unter den Inkaherrschern umstritten war und daher der Adel und das Militär tief gespalten waren, andererseits aber auch die unterdrückten Stämme sich verstärkt von den Inkas befreien wollten. So wurde die kleine Gruppe der ersten spanischen Konquistadoren von jenen gar nicht als Gefahr gesehen, sondern vielmehr dabei unterstützt , das Inkareich zu zerstören. Als den Spaniern dieses bereits nach wenigen Jahren gelungen war (1533), verwandelten sich dann nach und nach die bisher eher an Raubzügen interessierten „Ritter, Helden und Abenteurer“ (Bellers 1999: 178), welche stark von der in Spanien stattfindenden Rückeroberung des von Mauren besetzten spanischen Territoriums geprägt waren, in die später so verhassten „Kolonialherren“. Für die indigenen Dorfgemeinschaften änderte sich durch den Herrschaftswechsel aber zunächst wenig, da die herrschenden Schichten lediglich ausgetauscht wurden und auch die soziale und politische Struktur nur wenig verändert wurde. Dann aber konsolidierte sich das spanische Kolonialreich und ein massiver Verwaltungsapparat wurde aufgebaut und fortan richteten sich sämtliche spanische Aktivitäten auf das Ziel der Ressourcenausbeutung (besonders Silber und Gold) (von Oertzen 1996). Mit dem nun installierten System der encomienda (bedeutet: Auftrag, Schutz) wurde die indigene Bevölkerung diesem Vorhaben gnadenlos unterworfen; Spanien teilte den Siedlern und auch besonders der Kirche indianische Arbeitskräfte zu und diese mussten sich dafür um das „physische und insbesondere auch das geistliche Wohl“ jener kümmern (BpB 1997). Doch dieses System zementierte die Trennungen innerhalb der damaligen Kolonialgesellschaft, die aus privilegierten Spaniern und ihren Nachkommen (Kreolen) und aus völlig an den Rand gedrängten Ureinwohnern
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Arbeit zitieren:
Nils Föll, 2004, Die politische Kultur Perus und ihre besondere Prägung durch den Autoritarismus, München, GRIN Verlag GmbH
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