Gotthold Ephraim Lessing, Minna von Barnhelm
von: Andreas Gründel
Inhaltsverzeichnis
I. Inhaltsangabe 3
II. Figurenanalyse 5
III. Inhaltliche Motive 9
Literaturangaben 11
Nachdem ich kurz eine grobe inhaltliche Einführung in das Stück geben möchte, werde ich meine Ansätze zur Analyse des Textes darlegen. Ich werde hier zuerst auf die Figurenkonstellation eingehen und dann allgemeiner einzelne Themenfelder und Motive untersuchen. Ich habe mich bewusst entschieden, weitgehend auf die Wiedergabe von Interpretationen der Sekundärliteratur zu verzichten, und möchte versuchen, eigenständige Interpretationsansätze zu entwickeln. Da dieser Zugang sicherlich sehr stark meine persönliche Meinung zum Text wiedergibt, werde ich mich auc h darum bemühen, gewisse Ergebnisse der Diskussion im Seminar einzubeziehen.
I. Inhaltsangabe
Lessings „Minna von Barnhelm“ spielt in der unmittelbaren Nachkriegszeit des Siebenjährigen Krieges um 1763/64. Man könnte ausgehend von einer Bemerkung des Wirtes („ ‚Dato, den 22. August a. c. allhier zum Könige von Spanien angelangt’“, S. 26, Z. 14f.)1 auf das genaue Datum der Handlung als den 23. August 1763 schließen. Das Geschehen nimmt allein an diesem einen Tag seinen Lauf. Ort der Handlung ist ein Gasthof in Berlin, in diesem in abwechselnder Folge der Akte zwei Räume: einmal der Hauptsaal und ein einzelnes daran anschließendes Zimmer, in dem Minna mit Franziska untergekommen ist. Sowohl die Einheit der Zeit als auch die Einheit des Ortes ist also rein formal eingehalten. Hier spielt sich nun die im folgenden grob zusammengefasste Geschichte ab: Der verabschiedete Major Tellheim wohnt in dem besagten Gasthof. Er hat sein Vermögen verloren und fühlt seine Ehre durch Verleumdungen gekränkt. Er wartet nun in Berlin auf die Wiedergutmachung und Wiederherstellung seines Ehrgefühls von Seiten des Staates. Die Handlung setzt ein, nachdem er sein bisheriges Zimmer für eine wohlhabendere Dame räumen und in ein weitaus schlechteres Zimmer umziehen musste. Schon gleich zu Beginn des Stücks erhält er mehrere finanzielle Hilfsangebote, die er jedoch alle selbstlos abschlägt, bis er schließlich gezwungen ist, seinen Verlobungsring bei dem Wirt zu verpfänden. Solche Hilfsangebote ziehen sich auch weiter durch das ganze Stück und werden erst kurz vor Schluss nach Veränderung bestimmter Situationen von ihm angenommen. Das junge Fräulein Minna von Barnhelm ist eben diese Verlobte, deren Ring er verpfändet. Sie ist nun nach Ende des Krieges auf der Suche nach Tellheim, weil sie jegliche Spur von ihm verloren hatte. Wie der Zufall es will, ist sie auch genau in dem gleichen Berliner Gasthof untergekommen wie er. Sie ist die wohlhabendere Dame, für die er sein Zimmer räumen musste.
Auch mehr oder weniger wieder durch Zufall erfährt Minna von seiner Anwesenheit, worauf sie auch sofort ein Treffen mit ihm arrangiert. Doch dieses Wiedersehen läuft nicht nach ihren Vorstellungen ab. Sie kam wohl mit der Absicht, ihn nun zu heiraten, doch fühlt er sich in seiner nun gekränkten Ehrenposition ihr nicht mehr wert. Das erste Gespräch zwischen den beiden eskaliert dann auch darin, dass er ‚Hals über Kopf’ vor ihr flüchtet. Kurz darauf erklärt er sich ihr ausführlich in einem Brief, den Minna jedoch nicht anerkennen will. Sie verlangt, dass er sich ihr in einem weiteren Gespräch von Angesicht zu Angesicht stellt. Minna beschließt nun, ihm einen Streich zu spielen und ihn mit seinen eigenen Fehlern zu konfrontieren, um ihn so zu belehren und wieder für sich zu gewinnen. Nachdem Tellheim ihrem Drängen in einer weiteren Unterhaltung wiederum nicht nachgibt, nimmt ihr Spiel nun seinen Lauf. Sie tut so, als ob sie die Verbindung zu ihm brechen würde, indem sie ihm scheinbar seinen Ring zurückgibt. Außerdem lässt sie durch ihre Zofe Franziska die Lüge verlauten, dass sie von ihrem Onkel enterbt sei. Gerade deswegen ist Tellheim nun bereit, die Beziehung zu ihr erneut aufzunehmen und sie zu heiraten. Er fühlt sich ihr nun gleichgestellt. Doch nun ist Minna diejenige, die sich widerwillig zeigt. Sie benutzt dabei die gleiche Argumentation wie er es vorher getan hat und erklärt ihm, dass sie sich jetzt ihm gegenüber nicht wert fühlen würde.
Als der Major dann auf einmal rehabilitiert wird, kann sie diese Einstellung zum Schein nun noch mehr verstärken, da ja nun wiederum nicht einmal mehr gleichgestellte Positionen gegeben sind. Weil Tellheim ihr höchst kompliziertes Tauschspiel mit den Ringen missversteht, scheint letztendlich noch alles zu scheitern. Doch plötzlich erscheint eben ihr Onkel und rettet somit die Situation. Minna löst ihren Streich vor Tellheim auf und das Stück endet ziemlich abrupt mit einem natürlich etwas fragwürdigen ‚Happy End’. Inwieweit dieser Schluss eben fragwürdig gesehen werden kann, soll auch Gegenstand der nun folgenden Interpretation des Stücks sein.
II. Figurenanalyse
[...]
1 Die Seiten- und Zeilenangaben der Zitate beziehen sich auf: Lessing, Gotthold Ephraim: Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück. Ein Lustspiel in fünf Aufzügen verfertigt im Jahre 1763. Stuttgart: Reclam, 1996.
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Andreas Gründel, 2001, Gotthold Ephraim Lessing, Minna von Barnhelm, Munich, GRIN Publishing GmbH
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