Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung. 3
2) „Kultur“ und „Kulturkreis“? 4
a) Allgemeiner Kulturbegriff 4
b) Einordnung von Huntingtons Begriff der „Kultur“ 5
c) Wesen der Kultur bzw. des Kulturkreises nach Huntington 6
3) Westliche Welt versus Islamische Welt 7
a) Der Westen 7
b) Die Islamische Welt 8
4) Ziele des Terrorismus 10
a) Machterwerb und Herrschaft als Hauptziel? 10
b) Anti-Modernismus als Ziel des Terrorismus? 13
c) Westliche Werte als Ziel des Terrorismus? 15
5) Politischer Kampf gegen den Terrorismus 17
a) Entwicklungspolitik als Anti-Terror-Politik? 17
b) Mit Wachstum gegen den Terror? 20
c) Angriff auf die „westlichen Werte“ - durch Terrorismus oder durch die
Reaktionen gegen den Terrorismus? 21
6) Schlussfolgerung. 22
7) Literaturverzeichnis 25
8) Links 265
3
1) Einleitung
Die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben die Weltpolitik verändert. Eine bisher nie dagewesene Form der Gewalt wirft die Frage nach den Ursachen und der Vorhersehbarkeit derartiger Ereignisse auf.
Ein Szenario wie jenes in New York wäre wenige Wochen vorher sicherlich als „Verschwörungstheorie“ abgetan worden. Begriffe wie beispielsweise der des „Schurkenstaaten“ galten bisher lediglich als Rechtfertigung der Amerikaner, ein Satellitenverteidigungssystem einzurichten.
Militärische Einsätze zum Beispiel gegen den Irak oder der Kosovo-Einsatz galten bisher als höchst umstritten.
Seit den Anschlägen sind Begriffe wie der „Kampf der Kulturen“ (Samuel P. Huntington) oder der „Dschihad / Jihad“ (Heiliger Krieg) immer wieder in den Medien aufgetaucht.
Diese Arbeit beschäftigt sich deshalb zunächst mit der Frage, was unter einer „Kultur" zu verstehen ist, um dann das Verhältnis zwischen „Westen“ und „Islam“ zu untersuchen. Danach wird untersucht, welche (politischen) Ziele durch den Terrorismus verfolgt werden könnten.
Nach Beginn der Militäraktionen in Afghanistan ist der weitere Verlauf der Maßnahmen des „Westens“ gegen den Terrorismus ungewiss. Deshalb wird am Schluss der Arbeit die Frage bearbeitet: „Wie läßt sich ein Kampf der Kulturen vermeiden?“ Welche politischen Maßnahmen erscheinen geeignet um Terrorismus zu bekämpfen?
2) „Kultur“ und „Kulturkreis“?
a) Allgemeiner Kulturbegriff
Unter Kultur wurden in der Antike, basierend auf der Unterscheidung zwischen Natur und Kultur, alle Hervorbringungen des Menschen als Vernunftwesen begriffen. 1
1 Nohlen, Dieter [zit. Nohlen] - Kleines Lexikon der Politik -München: BpB, 2001 - S. 272.
4
Während im Mittelalter dieser weite Begriff aufrechterhalten blieb und der Unterschied zwischen Natur und Kultur an Kausalität im Naturgeschehen und Freiheit in der Schaffung von Kultur festgemacht wurde, bei Kant sich dann ein aus der Autonomie des Menschen gedachtes Kulturverständnis entfaltete und schließlich im Gedanken der Autonomie der Kultur mündete, trennte sich der Begriff in der frühen Moderne von Staat, Recht und Politik und engte sich auf jene Art von Phänomenen ein, die nicht schon unter Begriffen wie z.B. Demokratie oder Rechtsstaat angesprochen werden. 2
Kultur wurde von Graham Wallas knapp als „soziales Erbe“ charakterisiert. Umfassender definierte sie Edward B. Taylor: „Kultur ist jenes komplexe Ganze, das Kenntnisse, Glaubensvorstellungen, Künste, Sitte, Recht, Gewohnheiten und jede andere Art von Fähigkeiten und Dauerbetätigungen umfasst, die der Mensch als Mitglied einer Gesellschaft erwirbt“. 3
Nach dieser Definition sind also durchaus auch politische Institutionen oder Regierungssysteme zu verstehen, da nach Taylor unter anderem auch das Recht zum Kulturbegriff zählt, welches für die politische Ausprägung eines Staates bedeutsam sein dürfte.
b) Einordnung von Huntingtons Begriff der „Kultur“
Samuel P. Huntington unterscheidet i n seinem Werk „Der Kampf der Kulturen“ selbst verschiedene sprachliche Bedeutungen der Kultur. Der Begriff „Kultur“ wird in der deutschen Übersetzung in erster Linie aufgrund der besseren Verständlichkeit verwendet.
Der Wunsch Huntingtons wäre es gewesen „culture“ mit Kultur und „civilisation“ mit Zivilisation zu übersetzen. Jedoch wird aus praktischen Gründen „civilisation“ mit „Kultur“, „Kulturkreis“ oder „Hochkultur“ und „culture“ mit „Zivilisation“ übersetzt. 4
2 Nohlen - S. 273.
3 Koch, Jutta - Zur sicherheitspolitischen Kultur der Vereinigten Staaten von Amerika - Baden-Baden: Nomos-Verl.-Ges., 1998.
4 Fliessbach, Holger - Vorbemerkungen zur Übersetzung - in: Huntington, Samuel P. (zit. Huntington) - Kampf der Kulturen, 6. Auflage, München/Wien, Europaverlag, 1997.
5
Diese Begriffe werden auch in der weiteren Arbeit entsprechend der deutschen Übersetzung des „Clash of civilisations“ wiedergegeben. In Bezug auf Huntingtons Werk finden die entsprechenden Begriffe deshalb auch Anwendung in dieser Arbeit.
c) Wesen der Kultur bzw. des Kulturkreises nach Huntington
Nach der ersten Einordnung des Übersetzten Begriffs „Kultur“ kann nun eine genauere Analyse der Begriffs erfolgen. Huntington vergleicht dazu in seinem Werk die Wortbedeutungen in verschiedenen Sprachen und verschiedener Epochen. 5
Entscheidende Elemente einer Kultur sind nach einer Definition aus der griechischen Geschichte das gemeinsame Blut (also die Abstammung), die gemeinsame Sprache, Religion und Lebensweise. 6
Nach Edward A. Tiryakian identifiziert man die großen Kulturen der Menschheitsgeschichte mit den großen Religionen der Welt; und Menschen, die Ethnizität und Sprache miteinander teilen, sind fähig einander abzuschlachten, weil sie an verschiedene Götter glauben. 7
Ein Kulturkreis ist die höchste kulturelle Gruppierung von Menschen und die allgemeinste Ebene kultureller Identität des Menschen unterhalb der Ebene, die den Menschen von anderen Lebewesen unterscheidet. Sie definiert sich sowohl durch gemeinsame objektive Elemente wie Sprache, Geschichte, Religion, Sitten, Institutionen als auch durch die subjektive Identifikation der Menschen mit ihr. Kultur ist das umfassendste „Wir“, in dem wir uns kulturell zu Hause fühlen, gegenüber allen anderen „Sie“ da draußen. 8
Huntington unterscheidet schließlich fünf bis sieben große „Kulturkreise“ (sinisch, japanisch, islamisch, orthodox, westlich, evtl. lateinamerikanisch und evtl. afrikanisch).
5 Huntington, Samuel P. [zit. Huntington] - Kampf der Kulturen, 6. Auflage, München/Wien, Europaverlag, 1997-S. 47 - 56.
6 Vgl. Huntington - S. 52 (vgl. auch Herodot: Historien VIII, 144 - zit nach Huntington)
7 vgl. Huntington - S. 52 (zzgl. Fußnote 7 des Kapitel 2).
8 Huntington - S. 54.
6
Das Verhalten und die Beziehungen dieser Kulturkreise äußern sich schließlich in politischen handeln. Handelnde Akteure sind jedoch nicht die Kulturkreise selbst sondern deren Staaten. Eine besondere Rolle fällt dabei den „Kernstaaten“ zu.
Kernstaaten sind nun innerhalb der Einzelstaaten eines Kulturkreises diejenigen, welche die meiste Macht und damit eine lokale Vormachtstellung gegenüber den anderen Staaten ihres Kulturkreises haben. Sie sind das zentrale Elemente eines Kulturkreises, sie übernehmen die Führung und haben eine ordnungsstiftende Rolle.
Kulturkreisen ohne Kernstaaten mit ihrer ordnungsstiftenden Rolle fällt es schwerer, die „intrakulturelle Ordnung zu stiften“ oder eine „interkulturelle Ordnung auszuhandeln“. 9 Wo Kernstaaten existieren, sind sie zentrales Element der neuen, auf Kulturen gegründeten internationalen Ordnung. 10
Nach der allgemeinen Begriffsklärung wird im folgenden Teil dieser Arbeit nun einerseits eine Beschreibung der „westlichen Welt“ und der „Islamischen Welt“ erfolgen. Danach soll die Frage nach der Bedeutung der strukturellen Ordnung innerhalb dieser Kulturkreise und des Verhältnisses zwischen diesen beiden Kulturkreisen diskutiert werden.
3) Westliche Welt versus Islamische Welt
a) Der Westen
Nach Huntington ist der Westen der einzige Kulturkreis, der in jeder anderen Kultur oder Region die Fähigkeit besitzt, Politik, Wirtschaft und Sicherheit anderer Kulturen und Regionen zu beeinflussen. Nach der Auflösung der Sowjetunion bleibt die Welt seiner Meinung nach geprägt von den Zielen und Interessen der wichtigsten westlichen Nationen unter der „gelegentlichen Mitwirkung Japans“. 11
Als die einzige verbliebene Supermacht treffen die USA (als Kernstaat des Westens) zusammen mit Großbritannien und Frankreich die Entscheidungen in den Bereichen der
9 Vgl. Huntington - S. 248.
10 Vgl. Huntington - S. 249.
11 Vgl. Huntington - S. 117.
7
Politik und der Sicherheit. Deutschland und Japan sind wesentlich an den Entscheidungen im Bereich der Wirtschaft beteiligt. 12
Die Dominanz des Westens erklärt Huntington außerdem mit den Errungenschaften der „Modernisierung“ des Westens. Dazu zählen beispielsweise der Besitz und die Herrschaft über das internationale Bankensystem, die Kontrolle der „harten Währungen“, das Potential zu massive n Militärinterventionen, die Kontrolle der wichtigsten Schifffahrtsstraßen, fortgeschrittene Forschung und Wissenschaft, die führende technische Ausbildung, die Beherrschung internationaler
Kommunikationsmittel und die High-Tech-Rüstungsindustrie. 13
Zunehmende innere Probleme wie ein niedriges Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit, riesige Staatsdefizite, sinkende Arbeitsmoral, niedrige Sparzinsen, soziale Desintegration sowie Drogen und Kriminalität sind nach Meinung Huntingtons die Anzeichen einer „im Niedergang befindlichen Kultur“. 14
b) Die Islamische Welt
Der Islam gilt nach Huntington als „Herausforderer-Kultur“ des Westens. 15
Während im Westen der Nationalstaat höchstes Objekt politischer Ordnung ist, sind im Islam die kleine Gruppe und der große Glaube, der Stamm und die „ummah“ (Gemeinschaft 16 ) Grundlage von Loyalität und Bindung. Der Gedanke eines souveränen Nationalstaats ist unvereinbar mit dem Glauben an die Souveränität Allahs und der „ummah“. Als revolutionäre Bewegung verwirft der islamistische Fundamentalismus den Nationalstaat zugunsten der Einheit des Islam. 17
Ein islamischer Kernstaat müsste die wirtschaftliche Ressourcen, die militärische Macht, das organisatorische Potential, die islamische Identität und das religiöse Engagement besitzen, um der ummah politische und religiöse Führung bieten zu können. 18
12 Siehe 11.
13 Vgl. Huntington - S. 118.
14 Siehe 13.
15 Vgl. Huntington - S. 155 (Überschrift des 3. Kapitels)
16 Schimmel, Annemarie [zit. Schimmel] - Die Religion des Islam, Eine Einführung - Stuttgart: Reclam, 1999.
17 vgl. Huntington - S. 281.
18 Vgl. Huntington - S. 285.
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Arbeit zitieren:
Markus Schnurr, 2002, Kampf der Kulturen oder Unrestricted Warfare? Politische Lösungsmöglichkeiten gegen den Terror., München, GRIN Verlag GmbH
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