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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Kriegswesen im dreißigjährigen Krieg 4
2.1 Infanterie 4
2.2 Kavallerie 5
2.3 Artillerie 6
2.4 Söldnertum 6
2.5 Logistik und Kriegsführung 7
3. Kriegskunst im Dreißigjährigen Krieg 9
3.1 Besonderheiten des schwedischen Heeres 10
4. Wallenstein als Stratege 11
5. Beispiele für Wallensteins Strategie 12
5.1 Die Schlacht an der Dessauer Brücke 13
5.2 Die Schlacht bei Zirndorf 15
5.3 Die Schlacht bei Lützen 16
6. Schlussfolgerung 17
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1. Einleitung
In dieser Ausarbeitung möchte ich die Bedeutung und das Wesen des Feldherrntum Wallensteins im Dreißigjährigen Krieg analysieren. Hierbei wird es zunächst nötig sein, eine kurze Betrachtung von Taktik und Strategie der damaligen Zeit vorzunehmen, sowie die Heeresstruktur darzustellen. Es ergeben sich bereits viele logische Gegebenheiten, die das Handeln und Agieren der einzelnen Beteiligten bestimmten. In den großen Wallenstein Biografien werden die Feldherrenqualitäten des Herzog von Friedland fast schon oberflächlich oder gleichgültig dargestellt. Als Beispiel sei hier Golo Mann zitiert:
„Man kennt die wenigen strategischen Figuren, die endlos sich wiederholten. Einer ging irgendwohin, damit er den anderen hinter sich herzöge; so Wallenstein nach Sachsen im November 1632. Einer verfolgt den anderen, der nicht verfolgt zu werden wünschte, und erwischte ihn, oder erwischte ihn nicht; wie Wallenstein 1626 den Freibeuter Ernst von Mansfeld, bis nach Ungarn verfolgt hatte, ohne ihn zu erwischen. Einer verfolgte den anderen oder er tat so, als ob er ihn verfolgte, kehrte aber plötzlich um und stieß vor in den dünn verteidigten Raum, den der andere verlassen hatte …“ 1 Doch waren die Leistungen Wallensteins auf dem Schlachtfeld wirklich so unbedeutend oder zufällig, dass sie eine solche Missachtung verdienen?
Erst die Kombination vieler kleiner Einzelaspekte bringt das Mosaik der militärischen Lebensleistung des „Friedländers“ in das richtige Licht.
Meist bleiben Wallensteins Beiträge in der Kriegskunst hinter seinen anderen Erfolgen versteckt. Die bereits viel betrachtete Organisationsleistung Wallensteins, das Kontributionssystem, das von ihm zur Perfektion gebracht wurde, stammt aus dem selben Talent wie seine militärischen Erfolge. Diese Begabung ermöglichte es ihm -unter anderem-, innerhalb kürzester Zeit, ein riesiges Heer aufzustellen. Er besaß die Fähigkeit, strategisch und global zu denken, dabei aber auch in den kleinen Dingen „des täglichen Lebens“ die Übersicht zu behalten.
Seine Zeitgenossen waren vom Vorgehen des Herzogs genauso verunsichert und verwirrt wie heute noch einige Biografen:
„So lang ich aber mit dem h. Herzogen zu Frietlant zu schaffen und mein obacht auf ine haben muess, so lang verursacht er mir auch alle stunt unruhe und eine aufruer und lermen über den andern.“ 2
1 Mann, Golo, Wallenstein. Sein Leben erzählt von Golo Mann, Frankfurt a. M. 1971. Seite 986.
2 Tilly an Maximilian, Beckenem, 14. März 1626 (Briefe und Akten N.F. Bd. 3, Nr. 69)
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2. Kriegswesen im dreißigjährigen Krieg
Die Armeen im Dreißigjährigen Krieg bestanden aus zwei Hauptwaffengattungen, der Infanterie und der Kavallerie. Als Grundoperationsmuster verwendeten alle Armeen die „spanische“ Taktik, die hauptsächlich durch die Tercios-Form der Infanterie gekennzeichnet war. Schusswaffen fanden zunehmend Verbreitung und Musketiere lösten die Infanteristen mit blanker Waffe ab. Bereits zur Schlacht bei Breitenfeld waren mehr Musketiere als Pikeniere in einem Tercio. 3
2.1 Infanterie
Die Infanterie setzte sich aus Pikenieren und Musketieren zusammen. Pikeniere führten eine 3 bis 5 Meter lange so genannte Pike mit, eine Stangenwaffe mit zweischneidiger Eisenspitze. Das kaiserliche und ligistische Heer, am Anfang auch das Heer Wallensteins, war in die spanische Tercios-Formation eingeteilt. Diese Tercios waren schachbrettartig über die Front verteilt. Solche Waffen starrenden Gewalthaufen waren bis zu 20 Reihen tief gegliedert und bildeten den Kern der Truppe. Die Grundidee entstammte den Formationen der Landsknechte und Schweizer, die diese Gewalthaufen zum beweglichen Angriff gewählt hatten. Durch die Verbreitung der Feuerwaffe wurden die Tercios zu einem langsam vorrückenden Instrument in deren Kern etwa zweitausend bis dreitausend Mann als Pikenträger fungierten. An den Ecken der Tercios wurden die Musketiere in einem Viereck angegliedert und bildeten somit die Flügel. Diese feuerten aus ihren schwerfälligen und meist noch auf Stützgabeln aufgelegten Musketen auf den Feind, wie etwa eine angreifende Kavallerie. Für den Nahkampf waren die Schützen jedoch schlecht bzw. gar nicht ausgestattet und mussten sich in einem solchen Fall hinter die Pikeniere zurückziehen. Sie konnten dann die Angriffe des Gegners mit den gesenkten Spießen ausgezeichnet abwehren. Mit Recht hat man daher die Tercios als „wandelnde Festung“ bezeichnet. 4 Das Innere des Pikenierkerns eines Tercio kam kaum je zum Schlagen im Nahkampf. War dies doch einmal der Fall, dann war das Tercio aufgebrochen und meist verloren. 5 Da die Männer in einem Tercio aufeinander angewiesen waren und ein chaotischer Rückzug für alle das Ende gewesen wäre, waren die Tercios eine feste Einheit und liefen nicht davon:
3 Junkelmann, Marcus S., Feldherr Maximilians, München 1980, Band I, Seite 385.
4 Fiedler, Siegfried, Grundriß der Militär- und Kriegsgeschichte, München 1972, Bd. 1, Seite 183f.
5 Schwarz, Herbert, Gefechtsformen der Infanterie in Europa, München 1977, Bd. 1, Seite 212f.
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„Die Infanterie des 30jährigen Kriegs wird unterschätzt. Es stehen am linken Flügel der Kaiserlichen bei Lützen die Infanterieformationen, zeitweise völlig verlassen von der benachbarten, fliehenden Kavallerie, stundenlang den Angriffen ausgesetzt, wie geschildert wird, laut um Unterstützung rufend, aber sie stehen stundenlang fest, schon in neueren Formierungen, nicht mehr im Tercios. Auch Tercios stehen, langsam schmelzend stundenlang im Kampf, hier durch die schwerfällige Organisation, das Zusammenspiel zwischen Feuerwaffen und Piken besonders erschwert, sie stehen, sie schmelzen, aber sie fliehen nicht.“ 6 Die Infanterie befand sich nur selten im Nahkampf gegen die gegnerische Infanterie. Lediglich in drei oder bestenfalls vier der 33 Schlachten im Dreißigjährigen Krieg scheint dies der Fall gewesen zu sein: 1639 bei Diedenhofen, 1641 bei Wolfenbüttel und 1642 bei Leipzig-Breitenfeld, sowie vermutlich auch 1632 in der Schlacht bei Lützen. 7
2.2 Kavallerie
Die Kavallerie erfuhr in 30 Jahren Krieg eine Renaissance. Zur Zeit der noch hoch spezialisierten Ritter, die gepanzert und mit Lanzen oder Schwertern bewaffnet als Einzelkämpfer in den Kampf zogen, erlebten diese durch Spießtragende in einem Haufen organisierte Fußsoldaten ihr Ende. Gut trainierte und kostspielig ausgestattete Ritter hatten gegen die Übermacht keine Chance und mussten sich somit auf eine neue schnellere Angriffsform verlegen. 8 Man veränderte die Bewaffnung der Reiter. Die Attacke im Trab und dann im Galopp auf den Stacheligel zu, wurde durch die Karakole oder Schnecke als neue Angriffsart abgelöst. Hierbei ritt die Kavallerie langsam an den Gegner heran und feuerte die schweren Reiterpistolen, von denen jeder Reiter bis zu sechs besaß, in den Haufen des Fußvolks hinein. Die Kyrisser, wie die schwere Reiterei nun hieß, wurde in bis zu 17 Gliedern aufgestellt, die dann nacheinander zur Front ritten und immer wieder auf die Spießer feuerten. Dies verschaffte den Reitern die Möglichkeit ihre Waffen nachzuladen und zum erneuten Angriff überzugehen. Eine Technik, die fast ohne Verluste für die Reiterei effektiv funktionierte. Diese war noch immer relativ stark gepanzert und damit gegen Nichtfeuerwaffen gut geschützt. Wurden jedoch die reinen Pikeniere von Schützen begleitet, deren Gewehre weiter schossen als die Pistolen und überdies besser trafen, waren Ausfälle bei der Reiterei unausweichlich.
6 Schwarz, Herbert, Gefechtsformen der Infanterie in Europa, München 1977, Bd. 1, Seite 198f.
7 Schwarz, Herbert, Gefechtsformen der Infanterie in Europa, München 1977, Bd. 1, Seite 214.
8 Fiedler, Siegfried, Grundriß der Militär- und Kriegsgeschichte, München 1972, Bd. 1, Seite 182.
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Somit wurde aus den Einzelkämpfern von früher ein durchorganisierter und disziplinierter Truppenteil, der sehr gut taktisch eingesetzt werden konnte. 9
2.3 Artillerie
Als eine Hilfswaffe wurde die Artillerie neben Reitern und Fußsoldaten gesehen. Die Geschütze waren schwerfällig und umständlich zu transportieren und zu bestücken. Sie wurden auf der Schlachtlinie in großer Anzahl als Batterie zusammengefasst. Erst mit Eintreten Gustav Adolf in das Kriegsgeschehen kam eine leichte und bewegliche Feldartillerie zum Einsatz. 10
2.4 Söldnertum
Alle großen Heere im Dreißigjährigen Krieg bestanden aus Söldnern. Nationalarmeen waren noch so gut wie unbekannt (zu den Ausnahmen siehe Besonderheiten des schwedischen Heeres). Soldaten waren ein teures Unterfangen für jeden Fürsten. Hieraus lässt sich erklären, warum viele Generale nur sehr ungern in eine Schlacht zogen. Die höchste Kunst war es, so merkwürdig dies im Zusammenhang des Dreißigjährigen Krieges klingen mag, kampflos zu siegen. 11 Tilly stellt hier einen Sonderfall dar, er war ein Mann der schnellen und risikoreichen Entscheidung. Diese Vorliebe sollte ihm später zum Schicksal werden. 12 Über ein sehr geschickt eingerichtetes System schaffte Wallenstein ein Abhängigkeitsverhältnis zu seinen Untergebenen, wie es kaum ein anderer Feldherr hatte. Es war auch nötig, da sich unter seinem Kommando ein bunter Haufen zusammengefunden hatte, der sicherlich kein gemeinsames Ziel verfolgte. Wallenstein warb seine Truppen nur im Auftrage des Kaisers an und diente sozusagen als Mittelsmann, wobei er aber die Bezahlung vorstreckte und für weitere Bezahlung einstand. Diese Verantwortung delegierte Wallenstein aber wieder an seine Offiziere, die er in Eigenverantwortung Regimenter aufstellen ließ – was sie wieder auf eigene Kosten taten-, und ihnen Rückzahlung im Namen des Kaisers garantierte. So brachte er seine Obersten in ein Abhängigkeitsverhältnis zu ihm, denn nur er hatte die Möglichkeit an den Kaiser heranzutreten, um Zahlung zu erbitten. Somit band er ihre Interessen direkt an seine Person. 13
9 Delbrück, Hans, Geschichte der Kriegskunst Bd. IV. Berlin 1920 Seite 147ff.
10 Junkelmann, Marcus S., Feldherr Maximilians, München 1980, Band I, Seite 385.
11 Diwald, Helmut, Wallenstein. Eine Biographie, München 1969, Seite 374f.
12 Junkelmann, Marcus S., Feldherr Maximilians, München 1980, Band I, Seite 386.
13 Wostry, Wilhelm, Wallenstein in Die großen Deutschen. Hg. von W. Andreas und W. v. Scholz Bd. 1. Berlin 1935 Seite 565.
Arbeit zitieren:
Jens Bodamer, 2004, Wallenstein als Feldherr, München, GRIN Verlag GmbH
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