Prostitution
von Markus Schmitt
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung - Entwicklung der Prostitution in Deutschland
2. Die Bedeutung der Ehe
3. Die Prostitution in der Frühen Neuzeit - Eine allgemeine Begriffsklärung
4. Die Prostitution in Köln
4.1 "Domus scronevrowe" (Das Haus der schönen Frauen)
4.2 Der Betrieb
4.3 Die Schließung des Frauenhauses
5. Allgemeine Rechtsstellung von Prostituierten
6. Zusammenfassung
7. Literaturverzeichnis
7.1 Quellen
7.2 Sekundärliteratur
1. Einleitung - Entwicklung der Prostitution in Deutschland
Die alten Germanen waren noch für ihre Sittenstrenge bekannt und bewahrten sich diese Tugend größtenteils auch trotz der dauernden Kriege. Erst der ständige Verkehr mit den südlichen Völkern verdarb ihre Sitten, und ab dem 9. Jahrhundert nach Christi war von der einstigen Sittenreinheit auch nicht mehr viel übrig geblieben. Auf Ehebruch und Hurerei standen zwar die allerhöchsten Strafen, jedoch allein der Fakt, daß solche Gesetze überhaupt nötig geworden waren, zeigt den Verfall der Sitten auf. Die sogenannten "Bürgerlichen" waren lange Zeit stolz auf ihre Sittenreinheit, und jeder ,der bei einem Fehltritt ertappt wurde, wurde hart bestraft. Für einen unverheirateten Mann war es jedoch keine Schande in ein Bordell zu gehen, da man sich so sicher sein konnte, daß er die unschuldigen Bürgertöchter, ebenso wie die verheirateten Frauen verschonen würde. In späterer Zeit verdarben jedoch die langen Kriege, vor allem der Dreißigjährige Krieg die Sitten- und Moralvorstellungen der Bevölkerung sehr. Zum einen blieb zu dieser Zeit kein Mädchen und auch keine Frau von Vergewaltigungen verschont, zum anderen zogen auch genug Huren, sogar die Ehefrauen der Soldaten mit in den Krieg. "Man lebte von einem Tag zum anderen, und wenn man schon nichts anderes mehr hatte, so hatte man doch Weiber" Ab Ende des 13. Jahrhunderts stößt man in vielen großen und auch kleinen Städten Deutschlands auf die so genannten Frauenhäuser (vgl. auch Abb.3 auf S.22 im Anhang).Ab dem 14.Jahrhundert besaßen selbst kleinste Städtchen solche Einrichtungen (vgl. auch Karte auf S.15 im Anhang). Ab dieser Zeit spielten die Huren im öffentlichen Leben eine Rolle. Die Prostitution war zu einem Grundbedürfnis herangewachsen. "Man hielt die Prostitution für ein Bedürfnis wie das Essen und Trinken, organisierte sie in Zünften und richtete überall Frauenhäuser zur öffentlichen "ungenierten" Benutzung für alle Stände, für Volk und Fürsten ein. Nicht nur, daß es mancherorts zu bestimmter Jahreszeit, z.B. zur Fastnachtszeit eine Hurenprozession gab, es wurden auch offizielle städtische Feiern in den Freudenhäusern veranstaltet. Hoher Besuch wurde mit einer Selbstverständlichkeit ins Frauenhaus geleitet und dort auf Kosten der Stadt bewirtet; eine Erneuerung uralter gastlicher Prostitution in anderer Form."
Daraus ergeben sich nun folgende Fragen, die ich im weiteren Verlauf meiner Arbeit klären möchte:
1. Warum "rechtfertigt" das frühneuzeitliche Familiengefüge die Prostitution?
2. Warum war Prostitution in der Frühen Neuzeit nötig (bzw. Warum wurde sie
geduldet)?
3. Wo genau wurde die Prostitution betrieben?
4. Warum gab es Strafen für Prostituierte, und wie sahen diese aus?
5. Wie kam es zur Schließung der sogenannten "Frauenhäuser"?
6. Wie war die Rechtslage der Prostituierten in der damaligen Zeit?
2. Die Bedeutung der Ehe:
Um die Existenz der Prostitution in der frühen Neuzeit rechtfertigen zu können, muß einleitend zuerst das damalige Familiengefüge mit seinen Sitten- und Moralvorstellungen unter die Lupe genommen werden.
Die Ehe spielte in der zünftig organisierten Stadtgesellschaft eine zentrale Rolle. Die Familie in der frühen Neuzeit bestand nicht nur aus den Ehegatten, Kindern und Anverwandten. Die Hausherrschaft galt als das wichtigste frühneuzeitliche Herrschaftsmodell. Zu diesem gehörten ebenfalls Mägde, Knechte, Gesellen und Lehrlinge.
- ganzes Haus: Oikos, Oikia
- Ehepaar: Societas coniugalis
- Eltern/Kinder: Sozietas parentalis
- Herr/Knecht: Sozietas herilis
Vielen Berufsgruppen stand infolge einer sehr langen Ausbildung, die gewöhnlich die Walz einschloß, nur die Spätehe offen. Anderen Schichten war die Heirat grundsätzlich versagt. Viele Handwerker konnten nur durch Heirat eines Meisters Witwe den Meistergrad selbst erlangen.
Eine eigenartige Rolle spielten in diesem Zusammenhang die mittelalterlichen Zünfte. Einerseits verlangten sie von den Mitgliedern ein einwandfreies moralisches Verhalten, tolerierten aber andererseits den Kontakt mit Huren, der allerdings auf das rein Geschlechtliche beschränkt bleiben musste. Bereits Geselligkeit beim Tanzen und Trinken wurde untersagt, eine Ehe verboten.
[...]
Arbeit zitieren:
Markus Schmitt, 2001, Prostitution, München, GRIN Verlag GmbH
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