Inhaltsverzeichnis:
Seite
1. Einleitung 3
2. Die Relación de Michoacán 4
3. Erste Vorzeichen und die Ankunft der Spanier 6
4. Die Expedition des Cristóbal de Olid 1522 7
5. Die Untersuchung des Antonio de Caravajal und
die Verteilung der encomiendas 10
6. Die Christianisierung 12
7. Die Hinrichtung des Cazonci 15
8. Schlussbetrachtung 17
Literaturliste 19
2
1. Einleitung
Im heutigen mexikanischen Bundesstaat Michoacán lag die Heimat der Tarasken. Am Vorabend der spanischen Eroberung bildete der taraskische Staat in Mesoamerika die zweitgrößte und -mächtigste politische Einheit nach dem aztekischen Dreierbund von Tenochtitlán, Te xcoco und Tlacopan. 1 Das von den Tarasken kontrollierte Territorium umfasste im Jahre 1520 etwa
70 000 km 2 und beheimatete geschätzte 1,5 bis 2 Millionen Einwohner. 2
Bis zur Konquista hatte sich die am Ostufer des Pátzcuaro-See gelegene Hauptstadt Tzintzuntzan mit 25 000 bis 35 000 Einwohnern zu einem bedeutenden urbanen Zentrum entwickelt, dass sicherlich gezwungen war, Nahrungsmittel aus den umliegenden Regionen zu importieren um den Bedarf der Bewohner zu decken. 3 Die Bezeichnung „Tarasken“ (span. „tarasco“), die bis heute gebraucht wird, stammt von den Spaniern und wurde wahrscheinlich von dem indianischen Begriff „tarhascue“ abgeleitet, was soviel wie Schwiegervater oder Schwiegersohn bedeutet. Möglicherweise war dies das erste indianische Wort, das den Spaniern in Michoacán begegnet ist oder es war gar die Bezeichnung, die die ansässigen Indianer für die Spanier hatten. Fälschlicherweise wurde es von den spanischen Konquistadoren als Eigenbezeichnung der Bewohner von Michoacán verstanden und übernommen. Welchen Namen sich diese Leute selbst gaben ist unklar, aber am ehesten trifft wohl der Begriff „purépecha“ 4 zu, was soviel wie „arbeitende Menschen“ bedeutet und noch heute von den Bewohnern, die rund um den Pátzcuaro-See siedeln, als Eigenbezeichnung gebraucht wird. 5 Dennoch werde ich in den folgenden Darstellungen der Einfachheit halber bei der geläufigeren Bezeichnung „Tarasken“ bleiben, da ich sonst auch bei den Azteken von den „mexica“ sprechen müsste und auch bei vielen anderen präkolumbischen Kulturen die Eigenbezeichnungen unklar oder nicht bekannt sind.
1 Warren 1985: xi
2 Verástique 2000: 83 3 Warren 1985: 6 4 andere Schreibweisen: p’hurépecha; purhépecha,...
5 Verástique 2000: 10; Warren 1985: 6-7
3
Die Sprache der Tarasken war mit keiner der Sprachfamilien Mesoamerikas verwandt, zeigte aber erstaunlicherweise Parallelen zu anderen Sprachen wie dem Quechua in Peru und dem Zuni, dass im Südwesten der USA gesprochen wird. 6 Das politische sowie religiöse Oberhaupt des taraskischen Staates war der „cazonci“ 7 . Auch hier gehen die Herleitungen des Ursprunges des Begriffes in der Forschungsliteratur auseinander. Sie reichen von der spöttischen aztekischen Bezeichnung für „alte Sandale“ über den „Herr über unzählige Häuser oder Städte“ bis zu „dem mit dem geschorenen Kopf“ aus dem Taraskischen. 8
In den folgenden Darstellungen werde ich den Verlauf der Konquista vom ersten Kontakt der Tarasken mit den Spaniern, über die Expeditionen des Cristóbal de Olid und Antonio de Caravajal, die die Grundlage für die Kolonisierung Michoacáns geschaffen haben, schildern. Da es sich bei der Konquista nicht um eine punktuelle militärische Aktion handelte, sondern einen langjährigen Prozess, der allmählich zur Festigung der spanischen Vorherrschaft führte, werde ich auch auf die „spirituelle“ Konquista, die Christianisierung, eingehen. Eine entscheidende Rolle in diesem langwierigen Prozess spielte die Hinrichtung des Cazonci, die mehr als nur einen symbolischen Akt darstellte und das Ende des taraskischen Staates besiegelte.
2. Die „Relación de Michoacán“
Die wohl wichtigste Quelle für Informationen über die indigene Bevölkerung Michoacáns der vorspanischen Zeit sowie zur Zeit der spanischen Eroberung stellt die Relación de Michoacán dar, deren ungekürzter Originaltitel Relación de las cerimonias y rictos y población y gobernación de los indios de la provincia de Mechuacán hecha al ilustrísimo señor don Antonio de Mendoza, virrey y gobernador desta Nueva España por su majestad, etcétera lautet, und die 1541 fertiggestellt wurde. Von dem ha ndschriftliche n Originaltext, der sich in der „Real Biblioteca de
6 Verástique 2000: 9-10; Warren 1985: xi
7 andere Schreibweisen: caltzontzin, caltzonci, caconci, cazonzi, cazoncin,...
8 Warren 1985: 9-10
4
San Lorenzo de El Escorial“ in Spanien befindet, gibt es zahlreiche Kopien und in verschiedenen Sprachen veröffentlichte Editionen. 9 Der damalige erste Vizekönig von Neuspanien, Antonio de Mendoza, hatte die Zusammenstellung des aufwendig illustrierten Werkes in Auftrag gegeben, um wertvolle Informationen über das taraskische Volk und wie es sich selbst regierte , in Erfahrung zu bringen, und die ihm hilfreich bei der eigenen Regierung über diese Menschen erscheinen könnten. 10 Es lässt sich nicht mit Gewissheit sagen, wer die taraskischen Überlieferungen in der Relación de Michoacán zusammengestellt und in das Spanische übersetzt hat, da das Dokument vom Autor nicht unterzeichnet worden ist. Was uns der Text aber verrät ist, dass es sich um einen franziskanischen Mönch handelte, der sich weniger als Autor, sondern vielmehr als vermittelnder Übersetzer sah. 11 Die Indizien sprechen dafür, dass es sich höchst wahrscheinlich um den Mönch Jerónimo de Alcalá handelte, der die Anweisungen des Vizekönigs ausführte. 12 Die einzige Person, die der Relación de Michoacán Informationen geliefert hat und namentlich bekannt ist, war der taraskische Adlige Cuinierángari, in spanischen Dokumenten als Don Pedro Panza oder kurz als Don Pedro bekannt, der adoptierte Bruder des letzten Cazonci Tzinzticha Tangaxoan. 13 Trotz des missionarischen Autors, der nur selten in kurzen Prologen und einigen eingestreuten Bemerkungen als er selbst schreibt, dessen Einfluss aber die gesamte Zusammenstellung aufgrund seiner Übersetzung und Transkription durchdringt, wird den indigenen Darstellungen erstaunlich viel Freiraum gelassen. Den kolonialen Behörden ging dies in einigen Passagen wohl zu weit, so dass sie praktisch den gesamten ersten Abschnitt vernichten ließen. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass dieser erste Abschnitt die indigenen religiösen Praktiken sehr anschaulich darstellte, was nicht bedeutet, dass es dem Franziskaner tatsächlich gelungen war, die indigene Religion objektiv zu rekonstruieren. 14 Die Relación de Michoacán ist dennoch das wichtigste und teilweise einzige Zeugnis, das uns Informationen über den Ursprung der Tarasken, ihre Lebensweise und 9 Franco Mendoza 2000: 17-19
10 Krippner-Martínez 2001: 52 11 Warren 2000: 37 12 Krippner-Martínez 2001: 48-49; Verástique 2000: 105; Warren 2000: 40-42 13 Warren 2000: 37 14 Krippner-Martínez 2001: 54
5
staatliche Organisation, über die Ankunft der Spanier bis hin zur Hinrichtung des Cazonci liefert.
3. Erste Vorzeichen und die Ankunft der Spanier
Wie bei den Azteken wurden auch bei den Tarasken Vorzeichen beobachtet, die die spanische Eroberung vorausahnen ließen. Von einigen wird in der Relación de Michoacán berichtet. So wurde bereits vier Jahre vor der Ankunft der ersten Spanier der mysteriöse Zerfall der Tempel registriert; zwei unheilvolle Kometen sind am Himmel über dem Pátzcuaro-See gesichtet worden; ein Priester hatte von den bewaffneten Spaniern auf ihren Pferden geträumt; und eine Frau aus Ucáreo hat in einem Traum einer Zusammenkunft der Götter beigewohnt, die darüber sprachen, dass sich ihre Herrschaft dem Ende neigt und sie bald vertrieben würden. 15 Die erste Nachricht über die Ankunft der Spanier erhielten die Tarasken durch aztekische Botschafter, die geschickt worden waren um den Cazonci Zuangua um Hilfe bei der Zurückschlagung der Eindringlinge zu bitten. 16 Laut der Beschreibung der Situation in der belagerten Stadt Tenochtitlán, die die Relación de Michoacán gibt, handelte es sich um den Zeitraum des Sommers 1521. Allerdings werden in der Relación de Michoacán des öfteren mehrere ähnliche Ereignisse in einem zusammengefasst und verglichen mit anderen Chroniken ist ein früherer Zeitpunkt anzunehmen. 17 Der Cazonci aber war misstrauisch, da die Azteken seit jeher die Feinde der Tarasken waren, und er eine Falle vermutete. Dennoch sandte er vier seiner Leute nach Tenochtitlán um die Wahrheit herauszufinden. Diese taraskische Delegation kehrte bald mit Berichten über das belagerte Tenochtitlán und reichen Geschenken von Moctezuma, dem aztekischen Herrscher, der auch einen Plan ausgearbeitet hatte wie man gemeinsam die Spanier vernichten könne, zurück. Der Cazonci aber blieb noch immer misstrauisch aus Angst, seine Männer sollten dem Feind ausgeliefert und getötet werden. Er beschloss, dass die Azteken für ihr Unglück selbst verantwortlich waren, da sie ihren Göttern lediglich Lieder sangen, aber es versäumten, die heiligen Tempelfeuer stets am brennen zu halten, ein 15 Alcalá 2000: 640-648; Warren 1985: 24 16 Alcalá 2000: 651 17 Warren 1985: 26-27
6
Arbeit zitieren:
Ulrike Caspari, 2004, Die Konquista in Michoacán, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Ulrike Caspari hat den Text Die Konquista in Michoacán veröffentlicht
Ulrike Caspari hat einen neuen Text hochgeladen
Die Verfassungskultur von Michoacán (Mexiko)
Ringen um Ordnung und Souverän...
Sebastian Dorsch
Rereading the Conquest: Power, Politics, and the History of Early Colo...
James Krippner-Martinez
Michoacan and Eden: Vasco de Quiroga and the Evangelization of Western...
Bernardino Verastique, Bernardino Verstique
Oro Verde: La Conquista de La Selva Lacandona Por Los Madereros Tabasq...
Arthur J. Rubel, Jan de Vos
Una Iglesia Asediada: El Obispado de Michoacan, 1749-1810
Pierre Michel Klein, David A. Brading
0 Kommentare