Ihre Fotos waren mir schon lange bekannt, bevor ich jetzt die Möglichkeit hatte mich intensiver mit Annie Leibovitz auseinander zu setzen. Es ist gar nicht so einfach Informationen über eine noch lebende Künstlerin herauszubekommen, die so medienscheu ist wie sie (sie hat keine eigene Website, gibt nicht so viele Interviews und bleibt allgemein gesehen lieber hinter der Kamera als im Mittelpunkt.....). Aber um so mehr ich hinter ihren Fußstapfen her tappte um so mehr lernte ich auch etwas über Fotografie. Eine großartige Fotografin, die ich versuchen werde in dem Referat und dieser Ausarbeitung vorzustellen.
„Die bedeutendste Portraitistin unserer Tage“ fotoMagazin 2/2004
Annie Leibovitz 1949-1990
Anna Lou Leibovitz wurde am 2.10.1949 in Westport, Connecticut geboren. Sie wuchs als Tochter von Samuel Leibovitz, Leutnant der US-Air Force, und Marylin Heit Leibovitz, einer Tanzlehrerin, in einer Großfamilie in Maryland auf. ( 5 Brüder und Schwestern) Sie studierte in San Francisco am Art Institute Malerei und in der Nacht belegte sie Fotografiekurse kaufte sich bald ihre erste Kamera mit der dann ihre Laufbahn begann. Auf ihrem ersten Foto sieht man drei Soldaten, die sich um eine alte Frau herum aufgestellt haben.
Die drei Soldaten in Armeekleidung überragen die Frau bei weitem am körperlichen Maßen und doch strahlt diese Alte in ihrem weißen Kleide eine solche Kraft aus, dass sie den Männer an Ausstrahlung überliegt. Ihr Falten im Gesicht zeugen von einem arbeitsreichen Leben und ihre Statur, die dünnen Ärmchen und Beine, von ihrer Armut. Sie ist die Königin der Negritos, einem auf den Philippinen lebenden Volke, die sich von Abfällen ernähren. Das Foto scheint eine Art Notgemeinschafts- Familienfoto zu sein. Sie hält sich an dem Arm des links stehenden Soldaten fest und schaut mit ernster Miene. Die Gesichter der Männer zeugen von fröhlichem Gemüt. Eine schwarz-weiß
Fotografie, die durch ihre Kontraste von weiß ( das Kleid der Frau, der Himmel im Hintergrund), schwarz ( der Bildhintergrund links, die Stiefel der Soldaten, das Fenster hinter der Frau) und grau ( die Uniform, das zugemauerte Fenster rechts, der Boden) besticht. Das Foto entstand 1968 und stellt den Beginn des großartigen Werkes von Annie Leibovitz dar.
Wie kam sie aber nun dazu, die Fotografie zu ihrem Beruf, ja zu ihrer Berufung zu machen? Sie war begeistert von den großen Photographen der Mode- und
1 , Sir Cecil Walter Hardy Beaton 2 und Richard Portraitfotografie. So von Irvin Penn
3 . Avedon
Sie bekam von einem Freund, Christopher Springman, der F otograf war, ein Abonnement des „Rollings Stones“ Magazin geschenkt und während ihres Einjährigen Aufenthaltes in einem israelischen Kibbuz fotografierte sie dort täglich. Nach ihrer Rückkehr zeigte sie diese, auf Drängen Springmans, dem Artdirector des „Rolling Stones“. Damals war dieses Magazin noch sehr politisch ausgerichtet, und man begeistert von ihren Abzügen und vor allem davon, dass sie immer noch am selbigen Tag die Fotos selbst entwickelte. Sie bekam auch gleich einige Aufträge, die sie annahm.
Ihr erster Auftrag außerhalb führte sie mit Jann Wenner nach New York um dort John Lennon zu fotografieren. Sie hatte lange dafür kämpfen müssen und wurde letztendlich engagiert, da sie die Fotos für den halben Preis der anderen Fotografen machte und bei Freunden in New York übernachtete. Sie studierte Lennons Lebenslauf, überlegte sich lange, wie und wo sie ihn zeigen wollte. Sie erschien zu dem verabredeten Termin überpünktlich und richtete das Licht aus. Sie fotografierte ihn mit einem Weitwinkelobjektiv um seine Umgebung auch mit einzubeziehen. In der Mitte eines Filmes entschied sie sich anders uns wechselte zu der 105mm Linse um ihn auch aus größerer Entfernung gut portraitieren zu können. Wie weit das eine weitere ihrer Geschichten ist kann ich nicht sagen, aber es heißt, dass sie nur ein Foto mit der 105 mm Linse gemacht haben soll und das auch eher zufällig, bevor sie wieder das Weitwinkelobjektiv anschraubte. Auf jeden Fall war dieses eine Foto das, was dann als
1 (geboren 1917), einer der größten amerikan. Mode-Portraitfotografen; arbeitet seit 1943 bei der „Vogue“
2 (1904-1980), britischer Fotograf, Bühnenbildner und Zeichner, wurde durch seine Arbeit bei der „Vogue“ bekannt
3 (geboren 1923), amerikanische Fotograf der durch seine Mode- und Portraitfotografie von Prominenten bekannt wurde, arbeitete seit 1966 bei der „Vogue“
Titelbild beim „Rolling Stones“ erschien. Bei John lernte sie sehr viel über das portraitieren von Stars, indem John Lennons verhalten so normal war, wie das jeden anderen Menschens. Er frage sie, was er machen soll und sie tat ihre Arbeit. Während sie zuvor noch fest nach dem Grundsatz handelte, dass es ihre Aufgabe wäre das Leben einzufangen wie es ist und sie es nicht verändern oder verfälschen dürfte fand sie nun heraus, dass es keine Objektivität gibt. Allein der Blick durch ihre Kamera ist subjektiv. Die Fotos von John Lennon machten sie zu einer anerkannten Fotografin. Ihr Selbstvertrauen wuchs mit der Zeit und sie begann immer mehr mit Licht zu experimentieren um einen möglichst natürlichen Effekt auf den Bildern zu erreichen. Durch ihre Arbeit (1970-1983) bekam sie die Möglichkeit v iele bekannte Persönlichkeiten zu portraitieren und durch das Land zu reisen. 1973 wurde sie Cheffotografin und wenig später begleitete sie die Rolling Stones bei ihrer Tour 1975 durch die USA. Es war für sie eine sehr harte Zeit, musste sie doch die Bewegungen der Band studieren, das Gefühl dafür entwickeln wann es sich lohnt, die Kamera auszupacken und schon bevor Mick Jagger aus dem Flugzeug steigt, mit gezückter Linse und in dem rechten Licht bereit stehen um den passenden Moment einzufangen. Das Foto von Mick Jaggers Hand entstand in Andy Warhols Haus in Montanak während einer Probe. Mick Jaggers Narbe auf der Hand entstammte aus einem Restaurant in dem er ein Fenster mit einer Tür verwechselt habe. Als er kurz darauf beim Arzt saß und Annie Schwarz-Weiß-Fotos schoss, bestand Mick darauf seine Hand in bunt festhalten zu lassen. Andere von ihren Fotos zeigen die großen Gegensätze von der unglaublichen Arbeit bei einem Konzert, bei dem Mick Jagger 5 Kilo verlor und spielen mit einer Rennbahn in dem Hotelzimmer. Sie beleuchtet die verschiedenen Facetten einer Band bei deren Reise sie dabei war und sie immer mit Kamera bewaffnet auf neue Momente lauerte, die sie festhalten wollte. Es war für sie nicht so sehr interessant die Stars auf der Bühne zu fotografieren, wo neben ihr noch viele andere sensationslüsternde Fotografen ihre Kamera zückten. Sie wollte die Stars hinter ihren Auftritten beleuchten. Neben dem Blick in die Welt der großen bekannten Sternchen, beschäftigte sie sich auch sehr mit ihrem politischen Umfeld. Ob das nun Demonstranten, Ansprachen von Nixon oder der Start der Apollo 17 sind, überall hält sie die Momente, die sie umgeben auf Fotopapier fest.
Für sie war die Kamera wie ein Freund, ein ständiger Begleiter und sie vergaß oft auch über dem Blick hinein, dass sie selbst existierte. Dabei sollte erwähnt werden, dass
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Agnes Reuter, 2003, Annie Leibovitz, Munich, GRIN Publishing GmbH
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