Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung. 3
II. Hauptteil. 4
1. Quellenlage. 4
2. Familiärer Hintergrund. 5
3. Das Umfeld Konstantins. 7
3.1. Die Ernennung Constantius Chlorus zum Caesar. 7
3.2. Die Einrichtung der Tetrarchie durch Diokletian 8
3.3. Die Machtverteilung unter den Tetrarchen. 11
3.4. Die Herrschaft des Constantius Chlorus. 12
4. Die Kindheit Konstantins. 13
5. Erziehung und Bildung. 14
6. Die Jugendzeit Konstantins. 15
7. Diokletians Abdankung. 16
8. Die Ausrufung Konstantins zum Augustus. 17
III. Schlussteil. 18
IV. Literaturverzeichnis. 20
V. Abbildungsverzeichnis. 20
2
I. Einleitung
Konstantin der Große ist einer der berühmtesten, aber auch einer der umstrittensten römischen Kaiser. Er war der erste christliche Kaiser, dies ist wohl die einzige unumstößliche Tatsache, auf die sich alle antiken und modernen Autoren verständigen können. Die Darstellung seines Lebens und die Beurteilung seiner Handlungen sind von den grundsätzlichen Vorstellungen und Konzepten, mit denen ein Autor an die Geschichte des Römischen Reiches herangeht, stark geprägt. Heiden versuchten, den Kaiser in möglichst schlechtem Licht zu zeigen und ihn als berechnenden Machtmenschen darzustellen, während christliche Autoren ihn in anderer Hinsicht überzeichneten. Der heutige Historiker muss also sorgfältig auswählen, aus welcher Darstellung er welche Elemente als zuverlässig herausliest. 1 Einige grundlegende Elemente dürften aber mittlerweile, trotz zahlreicher Kontroversen, als gesichert gelten. 2
In der vorliegenden Arbeit sollen die ersten Lebensjahre Konstantins bis zu seiner Kaisererhebung im Jahre 306 dargestellt werden. Dazu werde ich zunächst den familiären Hintergrund näher beleuchten. Am Beispiel des politischen Werdegangs des Vaters Constantius Chlorus, der schon wenige Jahre nach Konstantins Geburt durch den Oberkaiser Diokletian die Würde eines Caesaren erhält, werde ich das Herrschaftssystem der diokletianischen Tetrarchie erläutern. Es soll dabei vor allem auf die Fragen eingegangen werden, wie man Kaiser wurde und wie deren Nachfolge geregelt war. Konstantin verbringt seine Kindheit und Jugend am Hofe Diokletians. Hier werde ich die wenigen bekannten Ereignisse der ersten Lebensjahren Konstantins schildern und die ihm teilgewordene Erziehung und Bildung, sowie militärische Ausbildung darstellen. Abschließend werde ich auf die politischen Ereignisse der Abdankung Diokletians und der Ausrufung Konstantins zum Augustus eingehen. Ich werde aufzeigen, inwiefern Konstantins Kaisererhebung das Ende der Tetrarchie und die Rückkehr zu einer älteren Traditionslinie einleitet.
1 Clauss 1996: 7-8
2 Piepenbrink 2002: 1
3
II. Hauptteil
1. Quellenlage
Die Kenntnis über Konstantins Kindheit und Jugend ist gering, da es an verlässlichen zeitgenössischen Auskünften fehlt. Antike Historiker lassen Lebensdarstellungen generell erst im vorgerückten Alter beginnen. 3 Auch der Bischof und Kirchenhistoriker
Eusebius von Caesara (geb. vor 294/95, gest. um 340) 4 , welcher der erste zeitgenössische Biograph Konstantins war, macht in seiner Konstantinbiographie „Vita Constantini“ in diesem Zusammenhang wenig aussagekräftige Angaben. Sie zeugen
Abb.1: Eusebius von
Caesara
von dem Wunsch, Konstantin so früh wie möglich als Christen darzustellen und ihn von seinen Vorgängern, die als Anhänger der paganen Religion und als Tyrannen geschildert werden, positiv abzugrenzen.
5
Es ist keine Lebensbeschreibung im eigentlichen Sinn, da Eusebius das Idealbild eines christlichen Herrschers entwerfen wollte. Er beschreibt lediglich das gottgefällige Leben des Kaisers und prägte damit entscheidend das Bild, das sich die Nachwelt über ihn machte. Und auch seine wenigen Angaben über Herkunft und Jugend Konstantins beinhalten nur das Zweckdienlichste und für die Nachwelt Denkwürdigste. Konstantin war ein Meister der Selbstdarstellung.
Er ließ sich nicht nur auf Münzbildnissen sorgsam idealisieren, sondern auch in mündlichen und schriftlichen Äußerungen. 6 Im Hinblick auf seine Herkunft ließ er als Fünfundzwanzigjähriger verbreiten, er sei
Abb.2:
kaiserlicher Abstammung, Konstantin
3 Horst 1986: 57
4 Piepenbrink 2002: 38
5 Ebd.: 28
6 Horst 1986: 57
4
ein Enkel des Kaisers Claudius Gothicus (268-270). Von keinem der ersten vier tetrarchischen Herrscher war auch nur ein Elternteil bekannt, so auch bei Constantius Chlorus, dem Vater Konstantins. Erst nach seinem Tod konstruierte Konstantin die Abstammung von dem Kaiser Claudius Gothicus. 7 Konstantin wollte sich dadurch einen genuinen Vorrang gegenüber seinen damaligen niedriggeborenen Mitkaisern verleihen. Wäre die kaiserliche Abstammung zutreffend gewesen, so hätte sein Vater Constantius Chlorus es sicherlich nicht versäumt, zu Lebzeiten seine Herkunft bekannt zu geben. 8
Was wir zuverlässig wissen, ist, dass der Gotenbezwinger Claudius wie auch Constantius Chlorus und Konstantin aus der gleichen illyrischen Provinz stammen. 9
2. Familiärer Hintergrund
Konstantin, mit vollem Namen Flavius Valerius Constantinus, wird an einem 27. Februar 10 irgendwann zwischen 270 und 288 (die meisten Autoren setzen seine Geburt um das Jahr 275 herum an) in Naissus (Nis; Nisch) in Moesien, an der Nissava im heutigen Serbien, geboren. 11 Zu dieser Zeit war Naissus das Zentrum der Provinz Dardanien und eine lebhafte Handels- und Garnisonsstadt, günstig gelegen an der Durchgangsstrasse der Balkanländer südlich der Donau. 12 Der Vater Konstantins, Constantius Chlorus, gab seinem Erstgeborenen, wie später der ganzen Familie, Anteil an der soldatischen „Standhaftigkeit“ seines eigenen Namens - Konstantin. 13
Er hatte sich schon zu hohem Rang in der Armee emporgedient und war zu dieser Zeit wahrscheinlich Statthalter der Provinz. Er kam aus niederem Stand und hat seine militärische Laufbahn in der kaiserlichen
7 Clauss 1996: 18
8 Horst 1986: 57
9 Ebd.: 58
10 Clauss 1996: 19
11 Piepenbrink 2002: 28
12 Horst 1986: 58
13 Dörries 1967: 19
5
Leibwache begonnen.
Von Laktanz bekommt Constantius Chlorus, nach seinem Beinamen „Chlorus“ blass- oder bleichgesichtig, den er von den Byzantinern erhielt, eine „schwächliche Gesundheit“ zugeschrieben. Aber das kann nur für die letzten Lebensjahre gelten.
Abb.3:
Constantius
Die Bildnisse, auf denen ein kantiger, von Strapazen
Chlorus
geformter Kopf mit wachen Augen und kräftiger Nase hervortritt, zeugen von Lebenskraft und Pflichtbewusstsein. Seine Tüchtigkeit sicherte ihm ein hohes Ansehen und so ernannte ihn Maximianus, Diokletians Mitkaiser, wenige Jahre nach der Geburt Konstantins zum Prätorianerpräfekten und holte ihn an den kaiserlichen Hof. 14
Konstantins Mutter war Helena, deren Bildnisse
sie als eine schöne, zierliche Frau mit zartem, länglichem Gesicht mit leicht gebogener Nase zeigen. Ihre Herkunft ist ungewiss, möglicherweise stammt sie aus Bithynien an der südlichen Schwarzmeerküste oder aus Drepanum (Drepanon)
Abb.4: Helena
nahe Nikomedia. 15 Sie war von sehr niedriger
sozialer Herkunft und der Bischof Ambrosius nennt sie eine „Stallwirtin“, also eine einfache Gastwirtin, die auf den Poststationen den Pferdewechsel besorgte und die Reisenden beherbergte. 16 Höchstwahrscheinlich war das Paar nie verheiratet. Je nach Tendenz der Quelle wird diese Verbindung das eine Mal als reguläre Ehe, das andere Mal als Konkubinat dargestellt. So schreibt zum Beispiel der byzantinische Mönch Zonaras im 12. Jahrhundert trotz seiner Verehrung für den Herrscher: „Konstantin war das Nebenprodukt erotischer Gelüste“. 17 Aus solchen und ähnlichen Hinweisen geht mit ziemlicher Sicherheit hervor, dass Konstantins Eltern nie verheiratet waren und es sich wohl um eine langjährige Lebensgemeinschaft handelte, die unter Soldaten
14 Horst 1986: 58-59
15 Ebd.: 58
16 Bleckmann 2003: 16
17 Clauss 1996: 19
6
Arbeit zitieren:
Ulrike Caspari, 2004, Herkunft und politische Anfänge von Konstantin dem Großen: Familiärer Hintergrund, Erziehung, Bildung, München, GRIN Verlag GmbH
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