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Westfälische Wilhelms Universität Philosophisches Seminar
SS 2000
Proseminar: Platon-Theaitetos
Hausarbeit: Jens-Philipp Gründler
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, (LQOHLWXQJ Im Folgenden werde ich eine Untersuchung von Platons Dialog „Theaitetos“ vornehmen. Besonderes Augenmerk ist bei diesem Vorhaben auf das Ende des Dialoges zu richten, nämlich auf den Abschnitt 206c – 210 d. Der „Theaitetos“ ist zu den Meisterwerken der Weltliteratur zu rechnen. Platon verfasste ihn im reifen Mannesalter, vor seiner zweiten sizilischen Reise, die er im Jahre 367 unternahm. Um seine philosophischen Staatsideale realisiert zu sehen besuchte er Dionysios II., sah sich aber lediglich der Enttäuschung ausgesetzt. Der „Theaitetos“ folgte auf Platons wohl düstersten und rätselhaftesten Dialog, den „Parmenides“. Ersterer gilt als letztes Werk vor den Alterswerken, die mit dem „Sophistes“ beginnen, in welchem Platon die erkenntnistheoretische Problematik, in der „Politeia“ aufgenommen, im „Theaitetos“ aporetisch endend, zu einem adäquaten Ende führt.
Im Mittelpunkt des Dialogs „Theaitetos“ steht die Frage nach Möglichkeit und Wesen von Erkenntnis. Innerhalb dessen handelt Platon u. a. von der extremen Flusstheorie des Heraklit (παντα ρει) und vom Homo-Mensura-Satz des Protagoras. Den Rahmen bildet der Bericht von einem Gespräch, das Sokrates einmal aufgrund der Empfehlung des Mathematikers Theodoros mit dessen Schüler Theaitetos geführt haben soll. 1 In dem Dialog „Theaitetos“ setzt sich Platon mit dem Begriff des „Logos“ im Sinne des dialogischen Denkens auseinander. Platon behandelt innerhalb seiner Fragestellung nach dem Wesen des Wissens auch das Denken. Das Wissen ist für Platon nicht auf die Wahrnehmung zu reduzieren. Dennoch ist die Wahrnehmung für das Wissen unverzichtbar. Das Denken ist für Platon kein Vermögen der Seele, sondern der ihr eigentümliche Vollzug, so dass die Seele selbst durch sich selbst einiges erforscht. 2
1 vgl. Hauskeller, M. – Erkenntnis und Wahrnehmung in Platons Dialog „Theaitetos“, in : Allgemeine Zeitschrift
für Philosophie 23, Darmstadt 1998, S. 167
2 vgl. Kobusch, Th. u. Mojsisch, B. (Hg.) – Platon. Seine Dialoge in der Sicht der neueren Forschung, Darmstadt
1996, S. 171
5 Der Abschnitt 206c- 210d folgt auf Sokrates´ Widerlegung der Theorie des Antisthenes, dass es von den einfachen Elementen gar keine begriffliche Deutung (Logos) gebe. Sokrates erklärt, dass „Logos“ in drei Bedeutungen verstanden werden kann. Zunächst gibt Sokrates die reine Bedeutung des Wortes wieder und reduziert „Logos“ auf das Aussprechen der Gedanken. Zweitens definiert Sokrates „Logos“ als ein Aufzählen aller Elemente eines Gegenstandes. Sowohl der erste, als auch der zweite Erklärungsversuch scheitert. Die letzte Definition vor dem aporetischen Ende ist durch die Angabe des unterscheidenden Merkmals gekennzeichnet. Alle drei Definitionen scheitern, dieser Tatsache ist im Verlauf dieser Arbeit auf den Grund zu gehen.
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Im Teil 206c-210d seines Dialoges „Theaitetos“ lässt Platon Sokrates und dessen begabtesten Schüler Theaitetos die Frage erörtern, was Logos ist. Ausgangspunkt der Diskussion ist die Feststellung, dass „die zu der richtigen Vorstellung hinzukommende Erklärung (d. h. der Logos) die vollkommenste Erkenntnis ist.“ 3 Sokrates findet im Fortlauf des Gespräches drei Verständnisformen für den Logos.
Die erste ist die Definition des Logos als Sprechen: „Logos ist die sprachliche Aussage, die den Gedanken abbildet“, beschreibt Walter Bröcker den Sachverhalt. 4 Äußert jemand seine Gedanken mit Hilfe seiner Stimme, so drückt er seine Vorstellung von einem Betreff aus, sei es ein Gegenstand, sei es ein originelles Ergebnis einer Reflexion. „Und von dem, welcher dieses tut, sagen wir, dass er sich über etwas erklärt.“ 5 Da aber jeder des Sprechens und des Denkens Mächtige die
3 Platon – Theaitetos, in: Sämtliche Werke. Hülser, Karlheinz (Hg.), Frankfurt a. M. 1991, S. 355
4 Bröcker, Walter – Platos Gespräche, Frankfurt a. M. 1967, S. 385
5 Platon, a. a. O., S. 355
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M.A. Jens-Philipp Gründler, 2000, Die drei Verständnisweisen der Erklärung (Logos) in Platons Theaitetos (206c-210d), Munich, GRIN Publishing GmbH
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