Die Ethik Albert Schweitzers
Inhaltsverzeichnis:
I) Einleitung
II) Hauptteil
II.1) Der neue Weg
II.2) Die Begründung des Optimismus aus dem Willen zum Leben
II.3) Das Problem der Ethik auf Grund der Geschichte der Ethik
III) Schluss: Schweitzers Gesellschaftsethik
I) Einleitung
Albert Schweitzer sucht im XVII. - XIX. Kapitel seines kulturphilosophischen Werkes "Kultur und Ethik" von 1923 nach einer optimistisch-ethischen Weltanschauung. Der Optimismus und die Ethik werden von einem weitergefassten Begriff Schweitzers eingeschlossen: der Weltanschauung der Ehrfurcht vor dem Leben. Dieses Wort darf nicht als eine Welterklärung verstanden werden, sondern vielmehr als eine umfassende geistige Überzeugung oder Gesinnung, die alles Denken, Entscheiden und Handeln des Menschen beeinflusst und prägt. Diese Art von Weltanschauung muss laut Schweitzer optimistisch, das heißt lebensbejahend, und ethisch, das heißt auf die innere Vollendung des Menschen ausgerichtet sein. Der bis zu Schweitzer gewesenen europäischen Philosophie unterstellt er, sie habe die optimistisch-ethische Weltanschauung der Ehrfurcht vor dem Leben zwar immer gewollt und zu begründen versucht. Dabei habe sie es jedoch versäumt die Schwierigkeiten der Begründung zu beachten, was zu Fehlschlägen führte.
Angefangen bei der Stoa und deren Begründer Zenon, der bereits im Jahre 250 v. Chr. um eine optimistisch-ethische Weltanschauung bemüht war, anstelle ihrer aber nur die Resignation erreichte. Die Stoa vertrat eine subjektive Ethik, die auf das Wohlergehen des Einzelnen ausgerichtet war und nicht als Gesellschaftsethik verstanden werden darf. Somit schafften die Stoiker keine umfassende Ethik der Weltanschauung. Über die optimistisch-ethische Naturphilosophie des Grafen Shaftesbury am Ende des 17. Jahrhunderts, die mystische Ansätze in sich trug, welche auch Schweitzer naheliegen. Shaftesbury scheiterte an der fehlenden Begründung seiner Ideen. Bis hin zu Nietzsche, der mit seinem Wort "Erschaffe dich selbst!" eine Tätigkeitsethik der Selbstvervollkommnung vorlegte, die von Schweitzer gewünschte Zusammenlegung mit der Ethik der leidenden Selbstvervollkommnung aber missen lässt. Schweitzer empfiehlt die vorangegangenen Ethiken als Warnungen vor falschen Wegen zur Erreichung des Zieles einer optimistisch-ethischen Weltanschauung zu betrachten. Der Gedanke, welcher in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder Scheitern verursachte, war die Annahme, dass die Existenz der Menschheit aus der Deutung der Welt erklärt werden könne. In seiner Kulturphilosophie III notiert Schweitzer hierzu, dass "das Denken, das mit der Wirklichkeit in Übereinstimmung bleiben will, stets gegenwärtig haben muss, wie klein die Erde in der Welt ist und wie wenig der Mensch auf der Erde bedeutet. Er ist etwas Vorübergehendes." An dieser Stelle möchte ich bemerken, dass der Mensch sich seit Jahrtausenden immer wieder erneuert, indem er sich fortpflanzt, und auf diesem Wege vieles geschaffen hat, was die Erde beeinflusst, Gutes wie Schlechtes. Die Klimaveränderungen sind beispielsweise auf den Menschen zurückzuführen.
Schweitzer verlangt im XVIII. Kapitel von "Kultur und Ethik", dass der Begriff der Weltanschauung vollends aufzugeben sei. Die Lebensanschauung sei auf ihre eigenen Füße zu stellen, um nach einer Regenerationsphase auf ein Neues mit der Weltanschauung diskutieren zu können. Diese neue Weltanschauung muss lebens- und weltbejahend sein. Sie hat ihren Sinn in sich und genügt sich selber. In ihr bekundet der Mensch seine Ehrfurcht vor dem Leben. Ihre Motivation ist der Wille zum Leben, der dazu bestimmt ist zur Freiheit von der Welt zu gelangen.
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M.A. Jens-Philipp Gründler, 2001, Die Ethik Albert Schweitzers, Munich, GRIN Publishing GmbH
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