Inhaltsverzeichnis:
I) Einleitung
II) Hauptteil
II.1 ) Das Sprachspiel als Erlernen der Sprache und als primitive Sprache
II.2 ) Das Sprachspiel in der Lebensform
III) Schluss
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I) Einleitung
Ich werde in meiner Hausarbeit versuchen, mich einem zentralen Begriff in Ludwig Wittgensteins „Philosophischen Untersuchungen“ zu nähern, dem Begriff des „Sprachspiels“. Wittgenstein definiert den Begriff nicht, er umreißt ihn, indem er keine klare Grenze setzt, die etwa das „Sprachspiel“ von dem Begriff der Sprache oder dem des Gesprächs absonderte. Wittgenstein möchte, dass die Interpreten seinen Anspruch auf das Wesentliche verstehen. Gäbe er jedem seiner Begriffe eine Übersetzung, als wären sie Vokabeln einer fremden Sprache, resultierte daraus eine Aufspaltung von Wittgensteins Philosophie in Atome, d. h. scheinbar eindeutig belegte Begriffe. Der Interpret soll einen roten Faden entdecken, anhand dessen er das Werk untersucht. Die unterschiedlichen Bezüge des Sprachspiels auf unterschiedliche Situationen, Beispiele und schließlich Lebensformen, zeigen, dass das Sprachspiel Nuancen in sich trägt, die mit einer Definition nicht erfasst würden. Wittgenstein beleuchtet diese Nuancen sorgfältig aus möglichst vielen Blickwinkeln. Dies zeigt sich in den Paragraphen der Philosophischen Untersuchungen, die immer wieder vom Sprachspiel handeln, und sich also aufeinander beziehen. Mein Vorgehen wird folgendes sein:
Ich gehe vom ersten Erscheinen des Begriffes „Sprachspiel“ im Text aus, indem ich es zitiere und interpretiere. Daraufhin werde ich die weiteren, meines Erachtens wichtigen, Paragraphen zitieren und versuchen zu verdeutlichen, weshalb und in welcher Weise sie Neues in sich verbergen, den bisherigen Begriff erweitern. Ich werde in dem oben beschriebenen Fortschreiten nicht der Reihenfolge der Paragraphen entsprechen, sondern eher assoziativ bzw. intuitiv vorgehen; einem roten Faden folgen. Zum Schluss hoffe ich ein Ergebnis vorlegen zu können.
II) Hauptteil
II.1) Das Sprachspiel als Erlernen der Sprache und als primitive Sprache „Wir können uns auch denken, dass der ganze Vorgang des Gebrauchs der Worte eines jener Spiele ist, mittels welcher Kinder ihre Muttersprache erlernen. Ich will diese Spiele `Sprachspiele´ nennen...“ 1 Wittgenstein bezieht sich hier auf seine eigene Auslegung des Augustinischen Beispiels in §2 und verdeutlicht so die einfachste und offenkundigste Form
1 Wittgenstein, Ludwig - Philosophische Untersuchungen (Erstausgabe 1953), Frankfurt am Main 1984, §7
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eines Sprachspiels. In diesem Beispiel ist jeder Gegenstand eindeutig mit einem Wort benannt, was im realen Sprachgebrauch keineswegs der Fall ist, wie wir später sehen werden. Doch in obigem Fall handelt es sich um eine „primitive Sprache ...(von der Wittgenstein) manchmal als einem Sprachspiel reden (will). 2 A befiehlt, B möge ihm in der Reihenfolge „Würfel“, „Säule“, „Platte“, „Balken“ jene Gegenstände bringen. Und B bringt daraufhin, der Reihe folgend, die gewünschten Gegenstände. Nach Augustinus ist jedes Wort mit einer Bedeutung belegt, die ein Kind anhand von hinweisender Erklärung erlernt. Der Lehrer deutet auf einen Gegenstand und sagt z. B. „Tisch!“ Durch mehrmaliges Wiederholen der hinweisenden Erklärung in verschiedenen Situationen, lernt das Kind schließlich die Bedeutung des Wortes „Tisch“, nach Augustinus!
Wittgenstein steht dieser Auffassung diametral gegenüber. Er lässt das hinweisende Erklären zwar manchmal als Sprachspiel durchgehen, wehrt sich aber vehement dagegen, dass ein Mensch auf diese Weise seine Muttersprache erlernt. Denn tatsächlich haben Worte mehrere Bedeutungen und Funktionen, werden verschieden verwendet: „Denk an die Werkzeuge in einem Werkzeugkasten... -So verschieden die Funktionen dieser Gegenstände, so verschieden sind die Funktionen der Wörter.“ 3 „Tisch!“ kann als Befehl gebraucht werden, im Sinne von „Bring mir den Tisch!“; „Tisch!“ kann als Warnung gebraucht werden, im Sinne von „Von oben nähert sich dir ein Tisch!“ etc. 4 Und es gibt verschiedene Tische: Schreibtische, Esstische usf. Wittgenstein kritisiert an Augustinus´ Sprachauffassung, dass ein Kind nicht durch hinweisendes Erklären lernt, denn es müsste bereits eine Sprache in sich haben, selbst denken können, was hieße „zu sich selbst reden“ 5 , um „Tisch!“ in dem Sinne zu verstehen, wie es der Lehrer vorgesehen hatte. Das Kind müsste in diesem Falle das Wort „Tisch“ bereits verinnerlicht haben. Es müsste nach dem Augustinischen Beispiel den Begriff „Tisch“ verstehen. 6 Denn wie sollte es sonst wieder sagen, dass ein Gegenstand, auf den vom Lehrer
2 ebd.
3 Ebd., §11
4 vgl. ebd., §27: „Als ob es nur eins gäbe, was heißt: `von Dingen reden´. Während wir doch das Verschiedenartigste mit unsern Sätzen tun. Denken wir allein an die Ausrufe. Mit ihren ganz verschiedenen Funktionen.“
5 ebd., §32
6 Auf das „Verstehen“ in den Philosophischen Untersuchungen, möchte ich in meiner zweiten Hausarbeit eingehen, da davon erst in den Paragraphen außerhalb von §88 gehandelt wird. Nur soviel: Das Verstehen und der Gebrauch der Worte hängen bei Wittgenstein eng zusammen. Man kann ein Wort erst dann gebrauchen, wenn man es verstanden hat. Und umgekehrt versteht man ein Wort erst, wenn man es gebraucht. Ein Verstehen hieße, dass man möglichst viele, wenn nicht alle, Bedeutungen des Wortes in möglichst vielen, wenn nicht allen, Situationen parat hätte. Und „parat haben“ ist hier nicht als geistiger Zustand gebraucht worden, sondern als das „schlagartige Erfassen“ des Wortes z.B. in einem Gespräch. Ich erfasse auf einmal, wie das Gegenüber das Wort jetzt und hier verwendet. Dies ist kein Zustand, sondern ein automatisches, spontanes „Kommen“ des Wortes.
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M.A. Jens-Philipp Gründler, 2001, Was versteht Ludwig Wittgenstein in seinen Philosophischen Untersuchungen unter Sprachspielen?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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