Inhaltsverzeichnis:
I) Einleitung
II) Hauptteil
II 1) Ist das Verstehen ein geistiger Zustand
II 2) Das Verstehen in der Praxis der Sprache
III) Schluss
2 NA
I) Einleitung In dieser Hausarbeit werde ich die Paragraphen 138-197 der Philosophischen Untersuchungen Wittgensteins behandeln und insbesondere auf die Frage eingehen, was das Verstehen ist. Ich werde versuchen anhand von Zitaten den Aussagen Wittgensteins gerecht zu werden, andererseits aber auch eigenständig interpretieren. Ich möchte mich intensiv mit der Frage beschäftigen, ob das Verstehen als geistiger Zustand begriffen werden darf. Schließlich werde ich auf die Praxis der Sprache zu sprechen kommen, in der meiner Meinung nach ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis Wittgensteins liegt.
II.1) Ist das „Verstehen“ ein geistiger Zustand?
Ist das „Verstehen“ für Ludwig Wittgenstein ein seelischer Vorgang? Die Antwort muss „Nein“ lauten: „Betrübnis, Aufregung, Schmerzen, nennen wir seelische Zustände.“ 1 Den angeführten seelischen Zuständen ist gemein, dass sie von längerer Dauer sind, als das Verstehen. Das Verstehen erfolgt blitzartig und offenbart sich dem Verstehenden zum Beispiel im Verlauf eines Gesprächs. In diesem benutzen die Kommunikationspartner Worte, die sie verstehen, indem sie sie gebrauchen. Ich erfasse ein Wort in einem Gespräch mit einem Schlage 2 : Dabei wird die in der entsprechenden Situation passende Verständnisweise des Wortes automatisch aus einem kognitiven „Pool“ von möglichen Anwendungen aussortiert. Damit dies geschehen kann, muss man das Wort bereits verinnerlicht haben und darüber verfügen können: Ich kenne die Bedeutungen eines Wortes in möglichst vielen Situationen und weiß um dessen mögliche Definitionen. Ich weiß darum, weil mir das Wort schon oft in meinem Leben begegnete, und zwar in den verschiedensten Situationen. Dabei fügte ich meiner Kenntnis des Wortes neue mögliche Belegungen hinzu. Beim Nähen, lernte ich, gebraucht man eine Nadel. An Tannen sitzen Nadeln. Ein Plattenspieler hat eine Nadel etc. In einem Gespräch benutzt mein Gegenüber nun das Wort „Nadel“ im Zusammenhang mit dem Wort „Weihnachtsbaum“. Und sogleich kommt mir das Wort „Tannennadel“ in den Sinn, spontan: „Es ist eben, als könnten wir sie ( die Verwendung) `mit einem Schlage erfassen´....Es bietet sich nur eine Ausdrucksweise an. Als das Resultat sich kreuzender Bilder.“ 3 Diese „sich kreuzenden Bilder“ erinnern stark an den Begriff der
1
Wittgenstein, Ludwig – Philosophische Untersuchungen, Frankfurt am Main 1984 (Erstausgabe 1953), S.315
2
vgl. ebd., §191
3
ebd.
3
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M.A. Jens-Philipp Gründler, 2001, Wittgensteins Begriff des Verstehens in den Philosophischen Untersuchungen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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