Einleitung 2
Die Zeit vor dem Umschwung: Anti-Deutschland Politik von 1945 - 1949 4
Jean Monnet 4
B ündel französischer Interessen und die „Deutsche Frage“ 5
Gro ßbritanniens Interessen 6
Kalter Krieg und die Interessen der USA 7
Bericht OEEC 8
Der Umschwung von 1949 bis zur Ratifizierung des Schuman-Plans 8
Umschwung nach Gruner 8
Umschwung nach Loth 9
Zustand der französischen Wirtschaft 10
Was sah der Plan vor? 13
Interessen der deutschen Politik 14
Interessen der deutschen Industrie 15
Koreakrieg 16
Zur ück zu den Verhandlungen 17
Ende der Verhandlungen und Ratifizierung des Vertrags 18
Res ümee 19
Literatur 21
1
Einleitung
Mit dem am 18.04.1951 ratifizierten Schuman-Plan hat der vielleicht bedeutendste Vertragstext für die europäische Einigungsgeschichte Gültigkeit erlangt. Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) wird pauschal gerne als Gründungsstein der heutigen Europäischen Union (EU) genannt, führte das Element der Supranationalität ein, und die damals eingeführten Institutionen sind Vorläufer vom heutigen Europaparlament, Kommission, und Europäischem Gerichtshof. 1 Doch stellt sich die Frage, ob aus der Perspektive der Gegenwart dieser Schuman-Plan die Geburtsstunde Europas Supranationalität schlechthin darstellt, ein im Interesse von Frieden und einem gemeinsamen Europa motivierter Text, von den sechs beteiligte Staaten aus idealistischen, gar uneigennützigen Zielsetzungen unterschriebener Vertrag? Die Frage ist zugegebenermaßen zugespitzt gestellt und spricht den Beteiligten deren ohne Zweifel vorhandenen Idealismus ungerechterweise ab, doch wird sich herausstellen, dass sich hinter dem Projekt ganz sicher nicht das verklärte Werk eines mit dem Ziel eines geeinten Europas vor Augen habenden Jean Monnets war, wie es manche Stiftung aus heutiger Perspektive zu verklären versucht. Im Verlauf der nächsten Seiten wird sich herausstellen, aus welchen Gründen die vielfachen Kriegsgegner Deutschland und Frankreich sich auf das Wagnis einer gemeinsamen Organisation ihrer wichtigsten Industrien einließen. Zitieren möchte ich an dieser Stelle aus den Ausführungen Kippings zum Forschungsstand. Nach seiner Recherche ist nicht ganz klar, ob der Plan mehr politisch oder wirtschaftlich motiviert war, und auch auf wessen Betreiben er entwickelt worden ist, ist in der Forschung umstritten. Eine Gruppierung meint, die Anstrengungen seien ganz eindeutig von Jean Monnet und Frankreich ausgegangen, doch gibt es auch den Standpunkte, dass die USA im Interesse einer deutschen Wiederbewaffnung die entscheidende Kraft hinter dem Schuman-Plan war. Dritte sind der Auffassung, dass die Wahrheit zwischen den beiden ersten Positionen liege und die USA zwar einen beständigen Druck ausgeübt habe, aber nicht direkt intervenierte. 2 Neben dieser Kontroverse besteht auch Uneinigkeit darüber, ob nun eher friedenspolitische oder wirtschaftliche Beweggründe ausschlaggebend für die Zusammenarbeit der sechs beteiligten Nationen. 3 Zunächst ging die Forschung vor allen Dingen von politischen und nur indirekt wirtschaftlichen Gründen Beweggründen aus.
1 Vgl. Trausch, S. 105ff.
2 Vgl. Kipping, S. 18f.
3 Vgl. Kipping, S. 17.
2
Schuman in seiner Erklärung zum Plan und Monnet in seinen Erinnerungen betonten damals den „überragenden“ sicherheitspolitischen Stellenwert der Montanunion, dem sich für die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl schnell eingebürgerte Name, für ein vereintes Europa und für Frankreich, Sicherheit vor einem eventuell wieder eigene Wege gehenden Deutschlands, die über eine Kontrolle der deutschen Kohle für Frankreich gewährleistet gewesen wäre. 4 Die rein wirtschaftlichen Interessen fanden nach Ausführung Kippings erst in letzter Zeit Eingang in die Forschung. Zumindest in der von mir verwendeten Literatur waren die wirtschaftlichen Motive von allen Autoren klar beschrieben, wie sich im letzten Teil der Hauarbeit noch herausstellen wird.
Im folgenden möchte ich versuchen, die französischen und deutschen Interessen politisch und wirtschaftlich, unterschieden nach Positionen der Politik und Vertretern der Industrie, darzustellen. Problematisch erwies sich die gehäufte Darstellung der französischen Interessen in der verwendeten Literatur, die meist aus Perspektive der „Grande Nation“ die damaligen Ereignisse beschreibt. Deutsche Motive und Interessen sind dagegen vergleichsweise wenig dargestellt. Der von Trausch zitierte Artikel macht hier keine Ausnahme, nennt aber gleichzeitig den Grund für diese ungleichmäßige Verteilung: Die Initiative ging schlicht von Frankreich aus. 5 Meinerseits lässt sich hinzufügen, dass Deutschland selbst zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der diplomatischen Position war, Forderungen zu stellen. Frankreich fiel dagegen nach gleichbleibend zurückhaltender Briten europäischen Einigungsanstrengungen gegenüber die Führungsrolle auf dem Kontinent zu.
Deutsche Interessen werden vor allen Dingen in den Ausführungen zur Entstehung des Plans dargestellt.
Auf eine Beschreibung der Funktionen und Organe der EGKS möchte ich im wesentlichen in der Hausarbeit verzichten, da zumindest in allen Details eine solche nicht benötigt wird, um die deutschen und französischen Interessen zu verstehen.
4 Vgl. a.a.O., S. 16f.
5 Vgl. Trausch, S. 109.
3
Die Zeit vor dem Umschwung: Anti-Deutschland Politik
von 1945 - 1949
Jean Monnet
Sobald europäische Interessen auf nationale Interessen trafen, waren alle mit oder vor dem Schuman-Plan inszenierten Einigungsversuche Europas nicht besonders erfolgreich verlaufen, wie die Beispiele der Organisation for European Economic Co-operation (abgekürzt OEEC, 6.4.1948 gegründet) oder dem Europarat (Vertrag am 5.5.1950 von 10 Staaten unterschrieben) zeigen. 6 Doch vielleicht ist es, zumindest wie seine häufige Betrachtung in der Literatur vermuten lässt, besonders Jean Monnet zu verdanken, dass sich die Tradition gescheiterter gemeinsamer Organisationsformen nicht fortführte. Mit der Ratifizierung und Umsetzung des Schuman-Plans ist in der Literatur der Name es Jean Monnet verknüpft wie kaum ein anderer. Ein Politiker, der außergewöhnlicherweise bis auf seine 2-jährige Präsidentschaft in der Hohen Behörde der EGKS nie ein politisches Mandat inne hatte, Ministerpräsident oder Minister gewesen war, und doch großen Einfluss auf die europäische Politik nehmen konnte. Wilkens charakterisierte ihn als einen Mann „...nicht der Ämter und der Würden also, sondern ein Mann der Ideen und Überzeugungen, ein Mann des Einflusses und der effizienten Wirkung.“ 7 Gemäß der von manchen sogar als „Methode Monnets“ bezeichneten Arbeitsweise verstand sich dieser auch im Falle des Schuman-Plans darauf, „in sich schlüssige Projekte zu erarbeiten, die an einem begrenzten, aber wesentlich betrachteten Punkt ansetzten, und sie an die besten platzierten Entscheidungsträger zu überantworten.“ 8 Zugegebenermaßen gelang es ihm nicht, seinen Plan von Ministerpräsident Bidault in die Tat umsetzen zu lassen, der sich gar nicht die Zeit nahm, Monnets Entwurf zu studieren, doch erwies sich Schuman als keine schlechte zweite Wahl.
Bei aller bis hierhin offenbarten Wertschätzung für Monnet, der von manchem verklärte Europäer war er nicht. Nach Einschätzung Gruners blieb Monnet bei allem Interesse an Europa immer auch Franzose, der es verstand, die Interessen seiner Heimat zu vertreten. 9 Gruner ist auch der Meinung, dass Monnet mit der Montanunion nicht von vornherein ein klares Europakonzept verfolgte, sondern dass man ganz sicher davon
6 Vgl. Brunn, S. 70.
7 Wilkens, S. 7.
8 A.a.O., S.8.
9 Vgl. Gruner, S. 31.
4
ausgehen müsse, das Monnet klarere Vorstellungen in wirtschaftlichen Fragen hatte. Diese wusste er nach 1945 in dem von ihm selbst konzipierten und danach auch von ihm geleiteten Planungskommissariat für den Wiederaufbau Frankreichs durchzusetzen.
Bündel französischer Interessen und die „Deutsche Frage“
Die französischen Interessen bei der Umsetzung des Plans waren vielfältig. Trausch und Brunn unterscheiden offene, verstecke, allgemeine und speziellere Anliegen. Außerdem veränderte sich die Politik Frankreichs etwa ab 1945. Die Ursachen und die unterschiedlichen Meinungen bei der Terminierung dieses Umschwungs werden im folgenden erläutert.
Kern aller Bemühungen Frankreichs war die sogenannte „Deutsche Frage“. Es galt eine Möglichkeit zu finden, die von Deutschland ausgehende Kriegsgefahr „für alle Zeiten“ auszuschließen und Frankreich gleichzeitig so zu stärken, dass es Deutschland überlegen sein würde und so von diesem nichts mehr zu befürchten hätte. 10 Rein nationaler Natur war dieses Anliegen keineswegs. Mit dem Anspruch, die „Grande Nation“ Europas zu sein, litt man vor allen Dingen unter der Niederlage von 1940. Schon im 19. Jahrhundert war Frankreichs Beziehung zu Deutschland belastet. Eine Integration Deutschlands, am besten föderativ organisiert, um der Entstehung einer starken Monarchie vorbeugen zu können, war seitdem eine Bestrebung. 11 Frankreich war von allen vier Alliierten am meisten an einer Lösung dieser sogenannten „Deutschen Frage“ interessiert.
Zum einen bedeutete die geographische Lage inmitten Europas und die direkte Nachbarschaft zu Deutschland das größte Gefahrenpotential für Frankreich im Vergleich zu den übrigen Alliierten, die entweder wie die Sowjetunion und die USA weit entfernt, oder wie Großbritannien auf einer eigenen Insel lagen. Zum zweiten orientierte sich Frankreich als einziges Land dieser vier am kontinental-europäischen Kulturkreis, während Großbritannien sich dem Commonwealth zugehörig fühlte, und die USA und die Sowjetunion durch ihre räumliche Entfernung ein nicht so großes Interesse an einer geordneten Nachbarschaft zu Deutschland hatten. 12 Nach 1945 versucht man die „Deutsche Frage“ durch eine einseitige Anti-Deutschland Politik zu erreichen. Ziele waren zunächst eine komplette politische und wirtschaftliche
10 Brunn, S. 72.
11 Vgl. Gruner, S. 34.
12 A.a.O., S. 32.
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Arbeit zitieren:
Mathias Keller, 2003, Deutsche und französische Interessen in der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, München, GRIN Verlag GmbH
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