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Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 02
II. Erklärungsansätze von Kriminalität 03
1. Anomietheorie 04
2. Subkulturtheorie 07
3. Theorie differentiellen Lernens 10
4. Labeling Ansatz 11
III. Kritik an den Erklärungsansätzen der Kriminalität 12
IV. Kriminalität von Jugendlichen 15
1. Die Entwicklung der Jungendkriminalität 16
2. Arten und Formen der Jugendkriminalität 17
3. Gründe/Ursachen der Jugendkriminalität 20
V. Zusammenfassung / Maßnahmen zur Verhinderung von Kriminalität 23
VI. Literaturverzeichnis 29
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I. Einleitung
„Eine Gefängniszelle von innen sehen und ein Gefühl dafür bekommen, wie es sich mit Tisch und Bett, Stuhl, Wasch- und Klobecken [auf engstem Raum und ohne Freiheit] lebt,...“ (1) spärlich, spartanisch, Tür verschlossen“, so lautet das Motto vieler Berufsbildenden Schulen und Einrichtungen, die mit dieser Aktion gewalttätigen Jugendlichen die Konsequenzen ihrer Devianz, dem Verhalten gegen die geltenden Normen einer Gesellschaft, zeigen möchten. ,,Was habe ich selbst mit Gewalt zu tun, was führt bei mir dazu, welche Signale per Körpersprache sende ich aus, welche Mimik, wie bewusst ist mir das?" (2) ist die zentrale Frage, die bei den Jugendlichen eine Modifizierung ihres Bewusstseins und somit ein Anti-Aggressionsverhalten bewirken soll. Die immer ansteigende Jugendkriminalität (3) , die sich in Diebstahl, Körperverletzung, Unterschlagung oder Gewalttätigkeit äußern kann, erfordert demzufolge eine vermehrte Aufmerksamkeit, um Informationen zum Eigenschutz (jeder kann zu einem Opfer von Gewalttätigkeiten werden) und Aufklärungsmaterialien für beispielsweise Eltern (was können sie in solchen Situationen tun) entwickeln zu können. Was aber bedeutet Devianz oder abweichendes Verhalten? Wie kann es wissenschaftlich definiert werden und wie lässt sich Kriminalität auf sie anwenden? Fragen, die auf ein durchaus komplexes und vielseitiges Thema hinweisen, mit denen sich auch Soziologen und Sozialwissenschaftler wie R.K. Merton, E. Durkheim, R.A. Cloward und K.D. Opp beschäftigt haben.
Die erstmals 1938 publizierte Anomietheorie (Robert K. Merton), eine Erklärung des Auftretens von Devianz, übt noch heute, ungefähr 67 Jahre nach ihrer Bekanntmachung, einen großen Einfluss auf die kriminologische und soziologische Forschung und Theoriebildung aus. Merton versucht mit ihr eine Kategorie zu finden, die eine Antwort auf die Probleme des abweichenden Verhaltens weiß. Aber auch die Subkulturtheorie, der Labeling Ansatz und die Theorie differentiellen Lernens sind dieser Problematik zu zuordnen. Die Aufgabe dieser Hausarbeit ist es, Schwerpunkte der Devianz herauszuarbeiten und zu klären, wie sie zustande kommt und gemessen werden kann. Im Anschluss daran, werden die Erklärungsansätze von Kriminalität unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Standpunkte kritisch verglichen und diskutiert. Ein kleiner Exkurs über die Entwicklung, Gründe und Ursachen der Kriminalität bei Kindern und Jugendlichen, mit besonderem Augenmerk und Bezug auf die Anomietheorie, soll die starke Problematik dieses Themas untermauern und verdeutlichen. Eine Schlussbemerkung und mögliche, vorsichtig formulierte, Maßnahmen zur Verhinderung oder Eindämmung von Jugendkriminalität beenden diese Arbeit.
(1) Auszug aus Zeitschrift „die Harke“ vom 07.07.1998: Bericht der BBS: Projekt „Jugendkriminalität“, http: //nibis.ni.schule.de/~bbs-ni/projekte/praev/gewalt98.htm (2) Auszug aus Zeitschrift „die Harke“ vom 11.07.1998: Bericht der BBS: Projekt „Jugendkriminalität“, Äußerung der Sozialarbeiterin Petra Brandt, gleiche Quelle wie (1), (3) vgl. Abbildung: 1
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II. Erklärungsansätze von Kriminalität
Abweichendes Verhalten oder Devianz bezeichnet die Handlungsweisen, die den geltenden Normen einer Gesellschaft widersprechen und somit mit negativen Sanktionen geahndet werden, wobei „Normen [als] Verhaltenserwartungen und Verhaltensforderungen für wiederkehrende Situationen“ (4) definiert werden. Sie ordnen und leiten menschliche Handlungen und stellen eine konstante „Verhaltensgleichförmigkeit“ (5) dar.
Da Einschätzungen über normkonformes Verhalten, also auch über Normen selbst, „an denen Verhalten als hinreichend angepasst“ (6) wird, einem ständigen gesellschaftlichen Wandel unterliegen, ist es sehr schwer, abweichendes Verhalten zu deklarieren und als deviant einzuschätzen. Anliegend daran lassen sich außerdem erhebliche Unterschiede bei der Reaktion auf kontrastierendes Verhalten zeigen, je nach Ausmaß der strafrechtlichen Verfolgbarkeit (Delinquenz - Untergruppe aller möglichen Verhaltensweisen), dem Grad der Schädigung anderer und der Stellung der persönlichen Verantwortung der devianten Person. Die Zustände „Normalität“ (normkonforme Verhaltungsweisen) und „Abweichung“ (nicht normenentsprechendes Verhalten) werden zum einen durch Rechtsnormen und zum anderen durch soziale Normen beeinflusst. Es existiert also eine Wechselbeziehung, die einer „kulturspezifischen Bindung“ (7) unterliegt. Zu erwähnen ist dabei, dass gesellschaftliche Verhaltensnormen beweglich sind und bestimmten „Reproduktionsaufgaben“ (8) entsprechen. Darunter ist eine unterschiedliche Auffassung der Normen zu verstehen. Andere Länder, andere Sitten - eine kurze, aber präzise Aussage, die dieses Phänomen verdeutlicht. Was in westlichen Teilen der Erde als kultiviert und normgerecht angesehen wird, muss in östlichen Gegenden nicht dem gleichen Ansehen zuteil kommen. Synonyme Verhaltensweisen werden also in mannigfachen Ordnungen verschieden beurteilt, was dennoch keine Beeinträchtigung des Wirkungsgrades von Normen im eigenen System zur Folge hat. Abweichendes Verhalten kann deshalb „an der Norm als Verhaltensforderung gemessen werden“ (9) . Es ist mit dieser verbunden und konkretisiert eine notwendige Existenz für eine Gesellschaft, da komplette Konformität das Interesse an Belohnungen und exzessiven Sanktionen herabsetzen würde. Zusammenfassend muss festgehalten werden, dass abweichendes Verhalten einen spezifischen Zweig des Verhaltens darstellt und sowohl „als Vergleich konkreter Verhaltensweisen und [-anforderungen] einerseits, als auch aus der Sanktionsbereitschaft auf eine mögliche Diskrepanz,“ (10) verstanden wird.
(4) Prof. Dr. A. Eggert, SS 2004/ 6. Semester, Vorlesung: Sozialpädagogik und abweichendes Verhalten, http://www.kfh-mainz.de/downloads/sasp/eggert/Vorlesung_Sozialpaedagogi1.pdf (Normdefinition entnommen von Splitter), (5) Lamnek, Siegfried: „Theorien abweichenden Verhaltens, 7. Auflage, Finke Verlag 1999, Seite 16, (6) „Abweichendes Verhalten", Microsoft® Encarta® 99 Enzyklopädie. © 1993-1998 Microsoft Corporation. , (7) Abhandlung: Recht und abweichendes Verhalten - Kriminalsoziologie, Seite 2 http://kronos.grf.sbg.ac.at/dimmelhomepage_00/download/vlscript08kriminalsoziologie%20eins.pdf, (8) Abhandlung: Recht und abweichendes Verhalten a.a.O., Seite 3, (9) Lamnek, Siegfried: a.a.O., Seite 42 (10) Lamnek, Siegfried: a.a.O. Seite 54
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Abweichendes Verhalten kann in allen möglichen Bereichen der Sozialstruktur durch kulturelle und strukturelle Ursachen hervorgerufen werden und wird von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich deklariert und sanktioniert.
1. Anomietheorie
Der Begriff der Anomie, der erstmalig 1893 eine wichtige Stellung in der Soziologie einnimmt, wurde von E. Durkheim „zur Erklärung sozialer Desintegrationserscheinungen im Gefolge der Arbeitsteilung eingeführt“. (11) Die gesellschaftliche Arbeitsteilung fungiert dabei als grundlegendes Organisationsprinzip für das zustande kommen menschlichen Zusammenlebens. Durch Neigungen und Talente der Individuen kann eine gezielte Spezialisierung und Beschränkung von bestimmten Tätigkeiten innerhalb des Produktionsprozesses erfolgen, wodurch notwendigerweise gesellschaftliche Differenzierungen einsetzen. E. Durkheim möchte also mit dem Terminus Anomie, der vorläufig als Regellosigkeit oder Normlosigkeit gefasst wurde, die sozialpathologischen Auswirkungen der menschlichen und sozialen Arbeitsteilung erklären. (12) Nach weiteren wichtigen Überlegungen führt Durkheim den Aspekt des Selbstmordes in seine Abhandlung mit ein. Der anomische Selbstmord lässt ihn zur Erkenntnis kommen, dass sozial instabile Verhältnisse der Gesellschaft ein Fehlen an „Sicherheit über Inhalt und Ausmaß der Normgeltung“ (13) auslösen, wodurch der Zustand der Anomie eintritt. Also eine offensichtliche Dekadenz des Kollektivbewusstseins. Auch der US-amerikanische Soziologe Robert K. Merton hat sich intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt und die sog. Anomietheorie entwickelt, mit der er den von E. Durkheim eingeführten Terminus „Anomie“ aufgreift und erweitert. Robert K. Mertons Typologie abweichenden Verhaltens enthält viele wichtige Aspekte von E. Durkheims Darlegungen, muss aber im Ganzen universeller betrachtet werden, da Merton wichtige, explizite sozialstrukturelle Elemente der Gesellschaft in seine Überlegungen mit einbezieht. Er geht somit über die speziellen Phänomene der Arbeitsteilung und des Selbstmordes hinaus und führt außerdem eine Unterscheidung der Anomie zwischen Individuellem (Anomia) und Gesellschaftlichem (Anomie) ein. Gesellschaftliche Anomie stellt „dabei das Ergebnis des Auseinanderklaffens von allgemein verbindlichen, kulturellen Zielen und der sozialstrukturell determinierten Verteilung der legitimen Mittel, die der Zielerreichung dienen sollen“ dar. (14) Kulturelle Ziele, also Intentionen und Neigungen der Gesellschaftsmitglieder, und Strukturen werden anliegend als Komplex gemeinsamer Wertvorstellungen verstanden. Die Gesellschaft zerfällt also in eine kulturelle und soziale Struktur, wobei Letztere über die Möglichkeit, die Ziele tatsächlich zu erreichen, entscheidet. Die soziale Struktur weist demzufolge objektive Bedingungen des Handelns auf.
(11) Lamnek, Siegfried: „Theorien abweichenden Verhaltens“, 7. Auflage, Finke Verlag 1999, Seite 108, (12) vgl. Lamnek, Siegfried: a.a.O. Seite 110, (13) Lamnek, Siegfried: a.a.O. Seite 112, (14) Lamnek, Siegfried: a.a.O. Seite 114,
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Resümierend stellt die Anomietheorie eine wichtige Erklärung des abweichenden Verhaltens dar. In ihr werden Mitglieder einer Gesellschaft unterschiedlich sozial und kulturell involviert und sie bezeichnet, interdisziplinär ausgedrückt, den Zusammenbruch der kulturellen Struktur. Dieser erfolgt besonders dort, wo ein scharfer Kontrast zwischen Normen und Ziele einerseits und den sozial strukturierten Möglichkeiten andererseits besteht. Anomie scheint daher der unmittelbare Anstoß für abweichendes Verhalten zu sein, da Individuen, die eine ungünstige Stellung in der Sozialstruktur innehaben, normativ überlastet und daher für Delinquenz anfälliger sind.
Um die Begriffsdefinition der Anomietheorie zu präzisieren und verständlich gestalten zu können, fertigt R. K. Merton vier Typen der Anpassung als Lösungsformen der Desorientierung an: Innovation, Ritualismus, Rückzug und Rebellion. Diese vier unterschiedlichen, voneinander unabhängig, betrachteten Termini werden dennoch aufeinander bezogen und ergeben somit wieder andere mannigfache Anpassungstypen. Sie gehen Beziehungen miteinander ein. Dazu Merton: „Der kulturelle Nachdruck, der auf bestimmte Ziele gelegt wird, variiert unabhängig von der Betonung der institutionalisierten Mittel.“ (15) Der erste Typus, die Innovation, ist besonders charakteristisch für die starke Hervorhebung kultureller Ziele bei gleichbleibender Ablehnung institutionalisierter Mittel. Als Voraussetzung muss die Fixierung auf die Ziele und die Bereitschaft zum Risiko erwähnt werden. Nach Merton ist das Phänomen der Innovation vor allem in der Unterschicht einer Gesellschaft vorzufinden.
Als anschauendes Beispiel kann hier die Arbeitslosigkeit erwähnt werden. Menschen, die in diese Situation, sei es unverschuldet oder verschuldet, geraten sind, haben meist einen schweren Weg vor sich, um aus dieser Lebenslage entweichen zu können. Richard Hauser, ein deutscher Professor, fand heraus, dass über 30% der deutschen Bevölkerung länger als sieben Jahre arm und sozialhilfebedürftig sind. (16) Sog. Sozialhilfeempfänger bekommen dabei ihren Namen von der Sozialhilfe, welche vom Staat entwickelt wurde, um Menschen Unterstützung zu gewährleisten, die in Not geraten sind. Meist schaffen es diese Personen nicht, aus diesem Kreislauf ausbrechen zu können. Allerdings kann der Fehler zum Teil nicht bei diesen Menschen selbst gesucht werden. Der innige Wunsch eine Arbeitsstelle zu finden, ist bei der überwiegenden Zahl der Arbeitssuchenden stark ausgeprägt, scheitert aber vorwiegend an den institutionalisierten Mitteln, sprich etwaige Vorurteile der Arbeitgeber oder überhaupt fehlende Arbeitsstellen. Dieses Scheitern der institutionalisierten Mittel führt zugunsten anderer wirksamer Quellen, die meist krimineller Natur sind. Nicht reelle Geschäftspraktiken, Betrug oder Raub sind erfahrungsgemäß nur einige Wege, die durch unwirksame Mittel kompensiert werden. (17)
(15) Lamnek, Siegfried: „Theorien abweichenden Verhaltens“, 7. Auflage, Finke Verlag 1999, Seite 119 (16) vgl. Hauser, Richard: „Das empirische Bild der Armut in der Bundesrepublik Deutschland - Ein Überblick“, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament“, Bd. 31-32, Seite 3-13, 1999, (17) vgl. Lamnek, Siegfried: a.a.O., Seite 120
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Als zusammenfassende Eigenschaften kann betont werden, dass der Innovationstyp mit besonders kriminellen Eigenschaften in Verbindung gebracht wird. Er ist relativ wertneutral und wenig tabuisiert und es ist unentschieden, ob die „Ablehnung der Mittel aus einem Mangel an Verfügungsmacht über diese resultiert oder ob diese à priori zurückgewiesen werden.“ (18) Der zweite Typus zur Erklärung der Anpassung an Desorientierung ist der Ritualismus, bei dem die kulturellen Ziele aufgegeben werden und somit ein krampfhaftes Festhalten an den institutionalisierten Mitteln erreicht wird. Diese werden zum Eigenwert der betroffenen Personen. Der Ritualismus ermöglicht, durch eigenes Herabsetzen des Anspruchsniveaus, ein Entziehen des gesellschaftlichen Kongruenzkampfes, wodurch ein Sicherheitsgefühl bei dem Individuum entsteht.
Zum Rückzug aus der Gesellschaft, dem dritten Typus, „kommt es am ehesten, wenn sowohl Ziele als auch Mittel akzeptiert wurden, letztere sich aber als nicht effektiv erwiesen haben.“ (19) Individuen, die sich für diese Form der gesellschaftlichen Anpassung entschieden haben, lehnen also sowohl Ziele und Werte als auch die Mittel ab und leben, streng genommen, in dieser Gesellschaft, ohne jedoch an ihr teil zu haben oder ein Teil zu sein. Der vierte und letzte Typus, die Rebellion, vereint die Entfremdung von den vorherrschenden Zielen und Normen und strebt zudem deren Substitution an. Personen in diesem Anpassungstypus lehnen die bestehende Sozialstruktur ab und wünschen in eine geänderte, ihnen erstrebenswerte zu gelangen.
Schlussfolgernd und zusammenfassend muss hier festgehalten werden, dass die vier Anpassungstypen nicht auf individuellen, sondern auf gesellschaftlichen Ursachen basieren. Sie werden als abweichende Verhaltensweisen definiert und unterliegen keinen speziellen Charaktereigenschaften, wodurch Personen innerhalb dieser Anpassungstyp wechseln können. Welcher Anpassungstyp dabei auftritt, hängt von dem anomischen Druck und vom Grad der Internalisierung der regulativen Normen ab. Die folgende Abbildung soll nochmals einen grundsätzlichen Überblick über die vier Anpassungstypen der Mertonschen Anomiethe-orie geben.
Typologie der Arten individueller Anpassung nach Merton
(+) =Zustimmung; (-) = Ablehnung; (±) = Ablehnung herrschender und Substitution durch neue Werte
Quelle: Die Weiterentwicklung Mertons Anomietheorie - Ein Überblick über Kritikpunkte und Modifikationen von Silke Schneider und http: //www.fh-
merseburg.de/~hfischer/Lehre/Theorien%20abweichenden%20Verhaltens/Anomietheorie%20Folien.doc, (18) Lamnek, Siegfried: a.a.O. Seite 120, (19) Lamnek, Siegfried: a.a.O., Seite 121,
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2. Die Subkulturtheorie
Eine zweite wichtige Theorie zur Erklärung von abweichendem Verhalten findet sich in dem Terminus ‚Subkultur’ wieder, der in den 30er Jahren in den USA formuliert wurde und auf den Überlegungen der Chicagoer Schule basiert. Diese machen sich vorwiegend mit kriminellen Jugendlichen vertraut und versuchen durch deskriptive Modelle, die unterschiedlichen soziokulturellen Werte und Normen zwischen eingewanderten ethnischen Gruppen und in Amerika aufgewachsenen Menschen in Einklang zu bringen. Der Ansatz geht davon aus, dass „in größeren, komplexen sozialen Gebilden Normen, Werte und Symbole nicht für alle Elemente dieses sozialen Systems (konkret: Gesellschaftsmitglieder) gleich gelten und gleiche Bedeutung haben. Vielmehr sind große soziale Konfigurationen in sich strukturiert durch verschiedene Subsysteme, die sich untereinander nicht zuletzt auch dadurch unterscheiden können, daß in ihnen unterschiedliche, differenzierte, nuancierte Werte und Normen gelten können.“ (20) Subsysteme symbolisieren dabei einzelne Teilsysteme eines komplexen Sozialsystems, die spezifische Funktionen erfüllen, zum Beispiel das Subsystem Ausbildung oder Arbeit.
Menschen, die aus mannigfachen Gründen aus ihrer Heimat auswandern, treffen in ihrer neuen Umgebung meist auf andere Normen und Werte (Problematik in der Definitionserklärung des abweichenden Verhaltens beschrieben), die sie mit ihren eigenen kombinieren und in einen vernünftigen integrativen Zusammenhang bringen müssen. Sie übernehmen demnach Normen und Werte der dominanten Kultur, unterscheiden sich jedoch gleichzeitig in diesen, so dass sie in einem ständigen Spannungszustand leben müssen. Siegfried Lamnek fasst dieses Phänomen in der Wert- und Normendifferenzierung zusammen und erklärt somit ein zustande kommen von abweichendem Verhalten, denn durch individuelles und differenziertes Verhalten kann es zu einer sog. Kollision kommen, die als kriminell deklariert wird. Eine Subkultur entsteht, wenn Menschen mit der gleichen Norm- und Wertauffassung sich zu einer Gruppe zusammenschließen, in dieser nach ihren Überzeugungen leben und in der Teilhabe an der Gesamtgesellschaft sich an den vorherrschenden Werten der „Mehrheitskultur“ (21) orientieren müssen.
F.M. Trasher und W.F. Whyte haben zu dieser Thematik adäquate Studien durchgeführt, bei denen sie verschiedene Gangs in ihrem Verhalten untersucht haben. F.M. Trasher kam nach der Untersuchung von 1313 Gangs zu dem Ergebnis, dass diese Zwischengruppen darstellen, die überwiegend aus männlichen Jugendlichen bestehen und „nur temporär und im Übergang existieren.“ (22) Sie spielen durch besondere Bedingungen eine wesentliche Rolle bei der Rekrutierung und Mobilisierung von Kriminellen und bilden den Anfang des organisierten Verbrechens.
(20) Lamnek, Siegfried: „Theorien abweichenden Verhaltens“, 7. Auflage, Finke Verlag 1999, Seite 143, (21) Böhnisch, Lothar: „Abweichendes Verhalten - Eine pädagogisch- soziologische Einführung“, Juventa Verlag - München, 1999, Seite 57, (22) Lamnek, Siegfried: a.a.O. Seite 145
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Madlen Leetz, 2004, Erklärungsansätze abweichenden Verhaltens mit besonderem Augenmerk auf die Jugendkriminalität, München, GRIN Verlag GmbH
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