Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
1. Grundlagen 3
2. Theorie sozialer Systeme 4
2.1 Komplexität 4
2.2 Struktur 5
2.3 Kommunikation 5
3. Gesellschaft der Gesellschaft 7
4. Weltgesellschaft 12
5. Kritik 14
1
Einleitung
Der Wandel der Weltgesellschaft ist ein Wandel in der Wahrnehmung. Die Möglichkeit weltweiter Kommunikation wirft die Frage der Unbegrenztheit, der Verfügbarkeit von Informationen auf. Es scheint nicht mehr möglich zu sein, einzelne Gesellschaften abzutrennen. Was lokal passiert, hat in unterschiedlichsten Bereichen zunehmend globale Bedeutung. Die Vernetzung wird immer vollständiger. Sie ist noch nicht vollständig, aber sie entwickelt sich.
In der heutigen Globalisierungsdebatte stehen wirtschaftliche Überlegungen im Mittelpunkt. Doch die gesellschaftlichen Globalisierungsprozesse sind maßgebliche Bestandteile der Globalisierung. Sie ist zuerst ein kultureller Prozeß und bedeutet die volle Integration von Menschen und Kulturen. Die größte Herausforderung, welche die Globalisierung stellt, ist die Integration verschiedener Kulturen bei gleichzeitiger Förderung und Anerkennung der kulturellen Vielfalt.
Damit soll auch ausgedrückt werden, daß der Mensch und damit die Gesellschaft im Zentrum der Globalisierung steht. Die Gesellschaft trägt die Auswirkungen der Globalisierung und von ihr hängt es ab, wie diese sich entwickelt. Da der Mensch subjektiv wahrnimmt, heißt dies, daß der Globalisierungsprozeß ebenfalls auf subjektiven Einschätzungen beruht. Insbesondere im gesellschaftlichen Bereich erscheint die Globalisierung zunächst als keine meßbare Größe.
Der Mensch realisiert die Globalisierung erst, nachdem er die Veränderungen, die der Globalisierungsprozeß hervorruft, in seiner unmittelbaren Umgebung wahrgenommen hat. Die Globalisierung als eigenständiger Prozeß wird erst heute wahrgenommen, nachdem sich diese Entwicklung immer mehr ins Bewußtsein der Öffentlichkeit eingeprägt hat.
Das Bedürfnis nach einem grundlegenden Verständnis der globalen Zusammenhänge von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik wächst. Vor diesem Hintergrund soll nun die Systemtheorie Luhmanns entfaltet werden.
2
1. Grundlagen
Luhmann hatte von Beginn seiner Tätigkeit als Soziologe das Interesse, eine Theorie der komplexen Gesellschaft der Gegenwart zu entwickeln. Er wollte wissen, wie trotz aller Probleme gesellschaftliche Ordnung möglich sei. Die Struktur der gegenwärtigen Gesellschaft unterscheidet sich nun aber wesentlich von historisch vorhergehenden Gesellschaften. Man kann also nicht mehr auf die analytischen Instrumentarien vertrauter Sozial- und Politikwissenschaften zurückgreifen. Eine funktional differenzierte Gesellschaft ist im Gegensatz zu vorhergehenden durchgehend in Systeme gegliedert. Sie hätten alle, ob es sich nun um das System Familie oder und das Wirtschaftssystem handelt, eine vergleichbare Organisation und eine spezifische Systemrationalität, meint Luhmann. Die zunehmende Bildung solcher Systeme mache es notwendig, sich von Handlungstheorien (in deren Mittelpunkt der im gesellschaftlichen Kontext handelnde Mensch steht) zu verabschieden. Luhmann will ein neues Begriffsinstrumentarium entwickeln. Von bloßer Handlungsrationalität des Menschen unterscheidet Luhmann die Systemrationalität, weil er der Auffassung ist, daß sich die Kategorien der Handlungstheorie nicht ohne weiteres auf Systeme übertragen lassen. Einzelne Menschen bewahren ihre Identität durch Komlexitätsreduktion. Umweltreize müßten, das ist eine Lebens- und Überlebensstrategie von Systemen, reduziert werden. Weil auch Menschen diese Strategie verfolgen, werden sie von Luhmann soziologisch als Systeme aufgefaßt. Jede soziale Handlung wird als System aufgefaßt. 1
1 Vgl. Horster, Detlef (1997): Niklas Luhman. München. 19ff
3
2. Theorie sozialer Systeme
2.1 Komplexität
Luhmanns Systemtheorie beschäftigt sich mit der wechselseitigen Relation von Elementen in Systemen, den Organisationsformen der komplexen Wechselbeziehungen zwischen einzelnen Elementen. Sie will einerseits nicht unterkomplex werden, sondern die Gesellschaft in ihrer ganzen Fülle kognitiv erfassen und die Frage beantworten, wie trotz aller gesellschaftlichen Probleme, soziale Ordnung möglich ist. Andererseits will sie dem begrenzten Erkenntnisvermögen des Menschen Rechnung tragen. Die Funktion der Systembildung besteht in der Erfassung und Reduktion von Weltkomplexität. 2 Diese Komplexität kann man nur erfassen, indem man sie reduziert. Die Reduktion von Komplexität bedeutet, daß man die Umwelt intern vereinfacht und nun über Generalisierungen Zugangsmöglichkeiten gewinnt. 3
Soziale Systeme können nicht länger anhand bestimmter Wert- und Stukturmuster definiert werden. Vielmehr steht der Zusammenhang von aufeinander verweisenden sozialen Handlungen im Mittelpunkt. Immer dann, wenn die Handlungen mehrerer Personen miteinander verknüpft werden, entsteht ein soziales System oder auch Handlungssystem, das sich von einer Umwelt abgrenzt. Alle Handlungen, die sinnhaft aufeinander verweisen, gehören zu dem jeweiligen sozialen System. Alle übrigen Handlungen, die keine Beziehung zu dem jeweiligen Sinnzusammenhang haben, gehören zur Umwelt des Systems. Etwas ist entweder System oder Umwelt.
Die Komplexität der Welt wird zum obersten Bezugsproblem. Komplexität meint zunächst die Gesamtheit der möglichen Ereignisse und Zustände: Etwas ist komplex, wenn es mindestens zwei Zustände annehmen kann. Mit der Zahl der Zustände bzw. mit der Zahl der Ereignisse steigt auch die Zahl der zwischen ihnen
2 Vgl. ebd. 52
3 Vgl. ebd. 59
4
Arbeit zitieren:
Johannes Wallner, 2003, Niklas Luhmanns Systemtheorie vor dem Hintergrund der Globalisierungsdebatte, München, GRIN Verlag GmbH
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