Die Kirche, die kirchlichen Würdeträger sind Dropouts. Sie haben sich ausgeklinkt. Sie schaffen
es nicht mehr, ihre Rolle zu spielen. Ihre Ämter sind im elektrischen Zeitalter verschwunden:
ein Dropout ist nicht jemand, der sich entscheidet, seine Arbeit aufzugeben, sondern ein
Mensch , der feststellt, dass seine Arbeit nicht mehr existiert.
Marshall McLuhan, 1973
INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG 3
KAPITEL 1: Erläuterung der Grundbegriffe. 4
KAPITEL 2: Kirche und Massenkommunikationsmittel 7
2.1 Christliche Verkündigung und Medien 7
2.2 Das Medienverständnis der römisch-katholischen Kirche 8
KAPITEL 3: Die Eucharistiefeier als Grenze der Cyber-Gemeinschaft. 10
ZUSAMMENFASSUNG 12
LITERATURVERZEICHNIS. 13
2
EINLEITUNG
Die soziologischen Untersuchungen der letzten Jahre stellen in den heutigen aufgeklärten Zeiten nichtsdestotrotz eine starke religiöse Sehnsucht quer durch die Gesellschaftsschichten fest: Die Suche nach dem Sinn des Lebens hat Hochkonjunktur; esoterische Gruppen und Sekten jeglicher Art boomen. In dem Supermarkt der religiösen Angebote findet jeder eine Religion nach Maß und wenn nicht, dann doch die entsprechenden Bausteine, um sich selbst eine passende zu basteln. Die technischen Möglichkeiten des Internets unterstützen die Verbreitung von Angeboten und Nachfragen. Auch die römisch-katholische Kirche wagt sich zunehmend auf diesem immer noch wenig erforschten Terrain. Im Februar 2002 erschien das Dokument des Päpstliche Rates für die Sozialen Kommunikationsmittel „Kirche und Internet“, in dem explizit auf die Problematik des Umgangs mit dem Internet eingegangen wird. Alle wichtigen Stellen der Amtskirche verfügen bereits über eigene Homepages. Die Erzdiözese Wien beschäftigt ein vierköpfiges Team für die Betreuung ihrer Internetseite www.stephanscom.at. Das Amt für Öffentlichkeitsarbeit bietet für pfarrliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Erzdiözese Kurse zur Erstellung einer Homepage.
In Anbetracht dieser rasanten Entwicklungen stellen sich unwillkürlich die Fragen: In wieweit sind die neuen Medien mit dem kirchlichen Auftrag der Verkündigung vereinbar? Ist Seelsorge per Internet möglich und zulässig? Wo sind die Grenzen einer solchen Seelsorge und welche neuen Chancen werden ihr durch die technische Potenz des Internets eröffnet? In der folgenden Seminararbeit ist es nicht möglich, umfangreiche Antworten auf diese Fragen zu bieten. Dennoch will ich versuchen, Konturen dieses Themas zu skizzieren, innerhalb denen gewisse Antworten nachvollziehbar sind. Dabei stütze ich mich auf die empfohlene Apparatliteratur des Seminars und auf mein Hinter-grundwissen über Massenmedien im Allgemeinen, das ich mir bei den Recherchen zu meiner Diplomarbeit „Das neue Medienkonzept der Erzdiözese Wien“ erworben habe. Im ersten Kapitel definiere ich die Grundbegriffe des Themas: Kirche, Verkündigung, Öffentlichkeit und Kommunikation. Im zweiten Kapitel setze ich mich mit der Frage auseinander, ob christliche Verkündigung mit Massenmedien möglich und notwendig ist und untersuche kurz das Medienverständnis der römisch-katholischen Kirche. Im letzten Kapitel zeichne ich die Grenzen einer Cyber-Gemeinschaft im Hinblick auf das
3
römisch-katholische Religionsverständnis. Die Arbeit beende ich mit einer kurzen Zusammenfassung meiner Schlussfolgerungen.
KAPITEL 1: Erläuterung der Grundbegriffe
Um auf das Thema einzugehen, muss man zunächst die Grundbegriffe: Kirche, Verkündigung, Öffentlichkeit und Kommunikation definieren. Vorausschicken möchte ich, dass die Seelsorge auf jeden Fall die Verkündigung beinhaltet, sonst würden wir nicht über Seelsorge, sondern über psychologische Beratung oder Ähnliches sprechen.
• Die Kirche wurde vom Zweiten Vatikanischen Konzil als Communio - eine Gemeinschaft nicht nur ihrer Mitglieder, sondern auch Communio mit der Welt begriffen. Die pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes (GS) 1 stellt fest, dass die Kirche auch wenn sie „in der Zeit [...] von Jesus dem Erlöser“(GS 40) gestiftet wurde, inmitten der Gesellschaft lebt und ein Teil von ihr ist. Also ist sie ihr verpflichtet und muss an der Lösung gesellschaftlicher Probleme mitarbeiten. Den theologischen Communio-Gedanken erarbeiteten die Konzilsväter ausführlich 1964 - ein Jahr vor GS - in der dogmatischen Konstitution Lumen Gentium (LG) 2 . Das Dokument, dessen Entstehung von heftigen Auseinandersetzungen begleitet wurde, bezeichnet gleich im Auftakt die Kirche als „das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott, wie für die Einheit mit der ganzen Menschheit“(LG 1). Die Wirksamkeit der Kirche wird sakramental von der Eucharistie her gesehen. Die Kirche hat „die Sendung, das Reich Christi und Gottes anzukündigen und in allen Völkern zu begründen“(LG 5). Das zweite Kapitel der dogmatischen Konstitution führt uns das Bild der Kirche als Volk Gottes vor Augen und ergänzt damit eine hierarchische Sicht der Kirche, gegen eine Gleichsetzung von Kirche und Klerus. Nicht nur die Hierarchie, sondern auch die Laien haben Anteil am Priesteramt Christi (LG 34). Durch sie übt Christus ebenso sein prophetisches Amt aus. Das Dokument unterscheidet
1 Gaudium et spes, pastorale Konstitution über die Kirche in der Welt von heute, deutscher Text in: Rahner Karl / Vorgrimler Herbert (Hg.): Kleines Konzilskompendium. Sämtliche Texte des Zweiten Vatikanum, Freiburg i. Br. 1966, 449-552
2 Lumen Gentium, dogmatische Konstitution über die Kirche, deutscher Text in: Rahner / Vorgrimler. Kleines, 123-197
4
Arbeit zitieren:
Valia Kraleva, 2004, Cyber-Seelsorge? Neue Medien und Verkündigung: Chancen und Grenzen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Valia Kraleva's Text Cyber-Seelsorge? Neue Medien und Verkündigung: Chancen und Grenzen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Valia Kraleva hat den Text Cyber-Seelsorge? Neue Medien und Verkündigung: Chancen und Grenzen veröffentlicht
Valia Kraleva hat einen neuen Text hochgeladen
Psychologische Aspekte der Int...
Birgit Stetina, Ilse Kryspin-Exner
Theorieperspektiven, Medienpro...
Klaus Arnold, Christoph Neuberger
Handbuch Organisationsentwicklung: Neue Medien in der Lehre
Dimensionen, Instrumente, Posi...
Thomas Pfeffer, Alexandra Sindler, Ada Pellert, Michael Kopp
0 Kommentare